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Bernd Halfar, Gabriele Moos u.a.: Controlling in der Sozialwirtschaft. Handbuch

Cover Bernd Halfar, Gabriele Moos, Klaus Schellberg: Controlling in der Sozialwirtschaft. Handbuch. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2014. 289 Seiten. ISBN 978-3-8329-6327-9. 44,00 EUR.
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Thema

Der Professionalitätsanspruch an die Ausübung des Controllings in der Sozialwirtschaft und auch in anderen sachzielorientierten Wirtschaftszweigen steigt. Zu den formalzielorientierten Controllingaufgaben wie Liquiditätssicherung, Wirtschaftlichkeitsoptimierung und Analyse der Kostenrechnung kommen neue Herausforderungen auf das Controlling hinzu, bspw. das konsequente Ausrichten auf die sozialen Wirkungsziele, das Berücksichtigen der Charakteristika sozialer Dienstleistungen, die Integration von qualitativen Daten u.v.m. Halfar, Moos und Schellberg haben mit dem vorliegenden Werk einen ganzheitlichen Controllingansatz für die Sozialwirtschaft in Theorie und Praxis vorgelegt, welcher sowohl die aus dem Profit-Sektor bekannten und adaptionsfähigen Controllinginstrumente als auch innovative Herangehensweisen für das Controlling im Non Profit-Sektor, speziell in der Sozialwirtschaft, gleichermaßen berücksichtigt und integriert. Ein Schwerpunkt wird dabei auf die Anwendung von Kennzahlen gelegt.

Autoren und Autorin

Alle AutorInnen sind Inhaber bzw. Inhaberin von Professuren auf den Fachgebieten der Sozialökonomie, des Sozialmanagements bzw. der BWL für Sozialunternehmen an Universitäten bzw. Hochschulen. Zudem verfügen sie im einschlägigen Sektor über umfangreiche berufspraktische Erfahrungen in leitenden Positionen, in Aufsichtsgremien und in der Beratung. Die Autoren nehmen in der Forschung und in Verbänden zentrale Positionen ein.

Aufbau und Inhalte

Das Werk besteht aus drei kontrastreichen Hauptteilen, die nachfolgend näher beschrieben werden.

Der Hauptteil A „Controlling in sozialwirtschaftlichen Unternehmen: Funktionen – Spezifika – Aufbau“ führt auf 72 Seiten das Controllingverständnis der Autoren für die Sozialwirtschaft aus. In dichtem, pointiertem Schreibstil werden konzeptionelle Grundlagen und Anwendungsmöglichkeiten des Controllings aufgezeigt. Dies beginnt im ersten Unterkapitel mit den Funktionen und Rollen des Controllings in der Sozialwirtschaft, gefolgt im zweiten Unterkapitel von den ökonomischen und produktionstheoretischen Charakteristika von Dienstleistungen sowie den daraus hervorgehenden Implikationen für das Controlling in der Sozialwirtschaft. Im nächsten Teil werden der Aufbau und methodische Grundlagen eines Controllingsystems sowie Rollendefinitionen, insbesondere die Abgrenzung von Management und Controlling wiederum spezifisch für die Sozialwirtschaft dargelegt. Der Hauptteil A schließt mit Ausführungen zu einem nicht minder relevanten betriebswirtschaftlichen Controlling, welches sich vorrangig an den Formalzielen orientiert, hier unter Betrachtung des finanzwirtschaftlichen Gleichgewichts, Investitionen, Kapitalkennzahlen und Kostenrechnung.

Innerhalb der genannten Unterkapitel werden für die spezifische Controlling- und Managementpraxis der Sozialwirtschaft hochrelevante Einzelaspekte anschaulich ausgeführt. Stellvertretend hierfür seien genannt: Differenzierter Einsatz und Typologien von Kennzahlen unter Berücksichtigung von Wirkungszielen, Einbeziehung des Kunden / Klienten als Ergebnis beeinflussenden Produktionsfaktor, Umgang mit akzeptierten Ineffizienzen, Berücksichtigung von qualitativen Faktoren und Wirkungszielen, Anforderungen an das Management zur betrieblichen Zielsetzung sowie typische Fehler und konzeptionelle Dysfunktionalitäten in der gegenwärtigen Controlling- und Managementpraxis in der Sozialwirtschaft.

Der nächste Hauptteil B „Fallstudien“ widmet sich auf 104 Seiten fünf ausgewählten Problemfeldern:

  1. Strategie und strategisches Controlling
  2. Kostenanalyse, Kostenmanagement, Cash-Management
  3. Personalcontrolling
  4. QM – Kennzahlengestütztes QM
  5. Berichtswesen zur Zielkontrolle durch den Aufsichtsrat

In jeweils bis zu sieben Unterkapiteln werden Fallstudien, die sich jeweils auf einen fiktiven Betrieb beziehen, mit detaillierteren Problemstellungen aus den o. g. Feldern behandelt. Dabei werden zahlreiche Methoden und Instrumente vorgestellt, quantitativ berechnet und die Ergebnisse für das betriebliche Entscheidungsverhalten aus Sicht des Controllings umfassend analysiert. Dabei kommen methodisch u. a. zum Einsatz: PEST- und SWOT-Analyse, Balanced Scorecard, Deckungsbeitragsrechnungen, Bilanzkennzahlen, Cash flow-Rechnung, dynamische Investitionsrechung, Verwaltungskostenanalyse, Kostenstellenrechnung, Kennzahlen aus dem Personal- und Qualitätsmanagement. Die Leserin und der Leser erfahren viel über Theorie und konkretisierte Anwendung dieser Controlling- und Analyseinstrumente. Mit einer Vielzahl von Tabellen, ausführlichen quantitativen Berechnungen und Abbildungen werden die genannten Methoden sehr gut nachvollziehbar dargestellt.

Schon in den Hauptteilen A und B spielen Kennzahlen eine prominente Rolle. So widmet sich der letzte Hauptteil C nun ausschließlich den Kennzahlen: Er ist ein „Kennzahlenglossar“, in dem nach elf Dimensionen gegliedert und in vier Stufen priorisiert über 120 (!) Kennzahlen definiert, mit Formeln hinterlegt und inhaltlich erläutert werden. Die Kennzahlen reichen von grundlegenden finanzwirtschaftlichen Kennzahlen über kunden- und prozessbezogene Kennzahlen bis hin zu branchenspezifischen Kennzahlen von Werkstätten für behinderte Menschen, Hauswirtschaft und Ehrenamtlichkeit. Dieser 78-seitige Abschnitt ist somit ein Ideengeber und Nachschlagewerk für den Auf- und Ausbau eines betrieblichen Kennzahlensystems. Der Abschnitt weist naturgemäß inhaltliche Überschneidungen mit dem Teil B des Werks Eisenreich, Thomas; Halfar, Bernd; Moos, Gabriele (Hrsg.): Steuerung sozialer Betriebe und Unternehmen mit Kennzahlen, Baden-Baden: Nomos, 2005, auf, wobei der genannte Titel gegenwärtig auf dem Buchmarkt nicht mehr lieferbar ist.

Das Buch schließt mit einem Literaturverzeichnis und biographischen Informationen zu der Autorin und den beiden Autoren.

Diskussion

In die vorliegende Publikation sind neben umfangreichen fundierten theoretischen Ausführungen auch die berufspraktischen Erfahrungen und sektorspezifischen Kenntnisse der Autoren maßgeblich eingeflossen. Dieser positive Umstand führt dazu, dass an vielen Stellen Theorie und Realität pointiert aufeinander treffen. Es gibt zahlreiche konzeptionelle Controllingpublikationen, deren praktische Verwertbarkeit schnell an Grenzen stößt – den Autoren ist hier das Gegenteil gelungen, insbesondere für das Berichtswesen und den Umgang mit Kennzahlen. Im Übrigen erfährt die Leserin / der Leser en passant viel über die ökonomischen Gesetzmäßigkeiten und betriebswirtschaftlichen Hintergründe in der Sozialwirtschaft. Die drei Hauptteile – mit ihren unterschiedlichen Schwerpunkten – sind eine Inspirationsquelle für Praktiker und eine wertvolle Lektüre für Studierende des Sozial- und Nonprofit-Managements.

Es werden Wege und Herausforderungen für die Weiterentwicklung des Controllings in der Sozialwirtschaft aufgezeigt, bspw. zur Integration betriebswirtschaftlicher und sozialer Ziele auf operativer, strategischer und Wirkungs-Ebene. Dabei wird deutlich, dass sich eine professionell ausgeübte Controllingtätigkeit nicht mit dem Niveau rein quantitativer, kaufmännischer Analyse und der Informationsversorgung zufrieden geben kann. Weitere Lösungsansätze hierzu hätte sich der Rezensent im zweiten und dritten Hauptteil auch noch vorstellen können, in denen sich die Ausführungen zunehmend bzw. ausschließlich auf Kennzahlen konzentrieren, was den hohen Eigenwert des Kennzahlenglossars nicht im geringsten schmälert.

Bei einer Folgeauflage könnte noch über die Ergänzung eines Glossars und eine kurze einleitende Erläuterung des zu Grunde liegenden Verständnisses des Begriffs der „Sozialwirtschaft“ nachgedacht werden. Perspektivisch wäre auch die Ergänzung um Übungsaufgaben und Übungsfallstudien zu ausgewählten Problemstellungen denkbar.

Angesichts der Dichte behandelter betriebswirtschaftlicher Aspekte wird ein betriebswirtschaftliches Basiswissen für die Leserin / den Leser empfohlen.

Fazit

Halfar, Moos und Schellberg haben sowohl für Studierende, Lehrende als auch für Praktiker einen wertvollen Beitrag zum Verständnis und zur Anwendung von „Controlling in der Sozialwirtschaft“ geleistet. Die Lektüre ist uneingeschränkt zu empfehlen. Die Fülle, Vielseitigkeit und Qualität der enthaltenen Aspekte dürfte für jede und jeden Interessierten neue Erkenntnisse beinhalten. Das umfangreiche Kennzahlenglossar im dritten Hauptteil eignet sich zudem sehr gut als Orientierungspunkt und Quelle zum Nachschlagen.


Rezensent
Prof. Dr. Robert Knappe
Professur für Betriebswirtschaftslehre der öffentlichen Verwaltung an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR Berlin)
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Zitiervorschlag
Robert Knappe. Rezension vom 27.06.2014 zu: Bernd Halfar, Gabriele Moos, Klaus Schellberg: Controlling in der Sozialwirtschaft. Handbuch. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2014. ISBN 978-3-8329-6327-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/13452.php, Datum des Zugriffs 27.05.2016.


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