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Anne Häußler: Der TEACCH-Ansatz zur Förderung von Menschen mit Autismus

Cover Anne Häußler: Der TEACCH-Ansatz zur Förderung von Menschen mit Autismus. Einführung in Theorie und Praxis. verlag modernes lernen Borgmann (Dortmund) 2012. 3. Auflage. 192 Seiten. ISBN 978-3-938187-05-0. 22,50 EUR, CH: 39,60 sFr.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-942976-17-6 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen.
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Thema

Die zu besprechende Publikation gibt einen zusammenfassenden Überblick, welcher das amerikanische TEACCH Konzept mit den deutschsprachigen Erfahrungen und Erfordernissen verbindet.

Autorin

Dr. phil. (USA) Anne Häußler ist Diplompädagogin und Diplompsychologin. In einem TEACCH Zentrum in North Carolina absolvierte sie eine zweijährige Ausbildung als Therpeutin. Das Studium der Psychologie und die Promotion führte sie an der Universität von North Carolina in Chapel Hill in Zusammenarbeit mit Division TEACCH durch.

Freiberuflich ist die Autorin tätig in Einrichtungen der Behindertenhilfe, als da wären Wohnheim, Förderstätte und Schule. Sie leitet Gruppen zur Förderung sozialer Fähigkeiten bei Menschen mit Autismus und Asperger Syndrom. Häußler berät und begleitet Familien und Fachpersonal. International ist sie als Referentin zu den Themen Autismus und TEACCH Ansatz tätig.

Entstehungshintergrund

Anliegen dieser zu besprechenden Punblikation ist:

  1. über TEACCH zu informieren;
  2. Hilfen für die Praxis anzubieten.

Aufbau

Nach einem Geleitwort von Professor Gary B. Mesidov, dem Direktor des TEACCH Programms und dem Vorwort der Autorin ist die Publikation in 9 Kapitel strukturiert:

  1. TEACCH – was hinter dem Namen steckt: Grundlagen, die man kennen sollte
  2. Wenn das Gehirn anders arbeitet: Kognitive Besonderheiten bei Menschen mit Autismus
  3. Auswirkungen auf das Lernen: Warum „normale“ Pädagogik bei Menschen mit Autismus an ihre Grenzen stößt
  4. Die „TEACCH-Methode“:Strukturierung und Visualisierung in der Förderung von Menschen mit Autismus
  5. Konkrete Hilfen zum Verstehen und Handeln: Die Praxis des Structured Teaching
  6. „Und wie fange ich an???“ - Hilfen und Anregungen für die Entwicklung von Strukturierungshilfen
  7. Strukturierung sozialer Situationen: Die Brücke zum Anderen
  8. Dennis – Skizze einer Förderung nach dem TEACCH Ansatz
  9. Die Übertragbarkeit von TEACCH – Eine Herausforderung

Abgeschlossen wird das Werk durch ein Literatur- und ein Stichwortverzeichnis.

Inhalte

Der Beginn des TEACCH Programms geht bis in die Mitte der 1960er Jahre zurück. TEACCH ist also nichts Neues! Die Autorin befasst sich zunächst mit der Geschichte des TEACCH Programms. Division TEACCH ist das erste staatlich finanzierte Autismusprogramm der USA.

Was will Division TEACCH erreichen?

  • Personen mit Autismus sollen in ihrer Lebenswelt vor Ort ein sinnerfülltes und selbstständiges Leben führen;
  • allen Menschen mit Autismus, deren Familien und Freunden ein umfassendes Hilfesystem anbieten;
  • das Wissen über Autismus in universitären Veranstaltungen vermehren. Forschung und klinisch-praktische Arbeit sollen miteinander verbunden werden und die wissenschaftlichen Erkenntnisse durch Trainings und Publikationen national und international verbreitet werden.

Sieben Komponenten sind zur Zielerreichung notwendig:

  1. dezentrale Organisation;
  2. Forschung und Praxis;
  3. TEACCH Zentren;
  4. TEACCH Klassen
  5. lebenslange Begleitung;
  6. Training von Fachleuten;
  7. TEACCH Philosophie.

Das pädagogisch-therapeutische Konzept umfasst die nachfolgend aufgeführten TEACCH Prinzipien:

  • Autismus erkennen und verstehen;
  • Partnerschaft mit den Eltern;
  • Streben nach dem Optimum, nicht der Heilung;
  • individuelle Diagnostik als Basis für individuelle Förderung;
  • Ganzheitlichkeit;
  • Strukturierung der Fördersituation;
  • Kognitive Psychologie und Lerntheorie;
  • Orientierung an dem Stärken;
  • langfristig angelegte Hilfen.

Am Ende des ersten Kapitels befasst sich Häußler noch mit den FAQ, den Frequently Asked Questions, als da wären:

  • Gibt es das Berufsbild des TEACCH Therapeuten?
  • Können Einzelpersonen oder Einrichtungen ein Zertifikat von Division TEACCH erwerben?
  • Wo bleibt im TEACCH Ansatz die Beziehung zum Kind?
  • Lohnt es sich, nur in einem Lebensbereich nach TEACCH zu arbeiten, wenn keine Umsetzung in den anderen Umfeldern erfolgt?
  • Welches kognitive Niveau ist für TEACCH Nutzerinnen und -Nutzer notwendig?

Die kognitiven Besonderheiten bei Menschen mit Autismus, die besonders diskutiert werden, sind:

  • die Wahrnehmung;
  • das Hören;
  • das Sehen;
  • das Riechen, Schmecken, Tasten;
  • der Gleichgewichtssinn;
  • das Informationen sammeln, verarbeiten und für das Denken und Handeln zu nutzen;
  • die Aufmerksamkeit;
  • die Reizverarbeitung;
  • das Gedächtnis;
  • das Problemlösungsverhalten;

Die pädagogischen Grenzen werden behandelt über

  • die Erschwernisse beim Lernen;
  • die daraus resultierenden Konsequenzen für die pädagogische Förderung.

Den TEACCH Ansatz als Unterstützung für Menschen mit Autismus beim Lernen betrachtet, führt die Verfasserin dieser Publikation dazu,

  • die Grundlage zur Strukturierung der TEACCH Methode,
  • die Aspekte der visuellen Informationsvermittlung und
  • die Einsatzbereiche und Grenzen der Strukturierung

zu betrachten und allgemeine Hinweise für die praktische Umsetzung zu präsentieren.

Structured Teaching ist eine individualisierende Methode, die Personen mit Autismus eine Situation verstehen und angemessen darauf reagieren lässt. Die Praxis dieses Structured Teaching erfolgt nach

  • räumlicher Strukturierung;
  • zeitlicher Strukturierung;
  • arbeitsorganisatorischer Strukturierung;
  • materieller Strukturierung;
  • routinemäßiger Strukturierung.

Hilfen und Anregungen zur Generierung von Strukturierungshilfen sind

  • Checklisten zur Aufdeckung von Unklarheiten;
  • Leitfäden zur Raumaufteilung;
  • Zeitpläne;
  • Strukturierung selbstständiger Beschäftigung mittels Arbeitssystemen;

Als Brücke zum Anderen werden

  • sozialen Fähigkeiten bezüglich der Gestaltung einer Partneraktivität beobachtet;
  • Partneraktivitäten gestaltet;
  • Ideen zur Gestaltung einer Aktivität gesammelt;
  • Partneraktivitäten beschrieben;

Am Fall Dennis wird im vorletzten Kapitel die Förderung nach dem TEACCH Ansatz skizziert. Hierfür werden aufgeführt:

  • ein Untersuchungsbericht mit erstem Förderplan;
  • ein Protokoll der Beobachtung im Kindergarten;
  • ein Protokoll der ersten Beratung im Kindergarten;
  • ein Protokoll der zweiten Beratung im Kindergarten;
  • ein aktualisierter Förderplan.

Schließlich fragt Häußler am Ende ihres Buches danach, ob sich TEACCH auch in Deutschland umsetzen lässt.

Fazit

Eine – und das ist der Ringbuchbindung geschuldet – handliche und gut handhabbare Einführung in die Theorie und Praxis des TEACCH Ansatzes. Zu empfehlen ist die Lektüre all jenen Leserinnen und Lesern, die sich mit diesem Ansatz und dem Phänomen Autismus – hier sei insbesondere auf Kapitel 2 verwiesen – vertraut machen wollen oder müssen.


Rezensent
Dr. Carsten Rensinghoff
Dr. Carsten Rensinghoff Institut - Institut für Praxisforschung, Beratung und Training bei Hirnschädigung, Leitung: Dr. phil. Carsten Rensinghoff, Witten
Homepage www.rensinghoff.org
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Zitiervorschlag
Carsten Rensinghoff. Rezension vom 04.06.2012 zu: Anne Häußler: Der TEACCH-Ansatz zur Förderung von Menschen mit Autismus. Einführung in Theorie und Praxis. verlag modernes lernen Borgmann (Dortmund) 2012. 3. Auflage. ISBN 978-3-938187-05-0.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-942976-17-6 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/13499.php, Datum des Zugriffs 08.12.2016.


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