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Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (Hrsg.): Wie geht‘s zur Bildungslandschaft?

Cover Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (Hrsg.): Wie geht‘s zur Bildungslandschaft? Die wichtigsten Schritte und Tipps. Ein Praxishandbuch. Klett-Kallmeyer (Seelze/Velber) 2012. 119 Seiten. ISBN 978-3-7800-4955-1. D: 21,95 EUR, A: 19,50 EUR.
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Thema und Zielgruppen

Mehr denn je ist im kommunal- und regionalpolitischen Geschehen in unseren Tagen von der Notwendigkeit kommunaler „Bildungslandschaften“ die Rede: Ohne lokale Bildungsnetzwerke sei das politische Ziel einer guten und gleichen Bildung für alle nicht zu erreichen. Vielerorts machen sich Kommunalverwaltungen, Bildungseinrichtungen und Initiativen auf den Weg zur lokalen Bildungslandschaft.

Lokale Bildungslandschaften sind, nach der Definition des vorliegenden Praxishandbuchs,

  • „langfristige,
  • professionell gestaltete,
  • auf gemeinsames, planvolles Handeln abzielende,
  • kommunalpolitisch gewollte Netzwerke zum Thema Bildung, die –
  • ausgehend von der Perspektive des lernenden Subjekts –
  • formale Bildungsorte und informelle Lernwelten umfassen und
  • sich auf einen definierten lokalen Raum beziehen.“ (S. 10)

Bildungslandschaften sollen Gewähr dafür bieten, dass die lokale Bildungspolitik traditionelle Strukturen (wie Versäulung und Verinselung der Angebote, Ressorts und Zuständigkeiten) mit den bekannten Folgen mangelnder Koordinierung und uneinheitlicher Standards überwindet und stattdessen integrierte Konzepte entwickelt, in verstärkter Autonomie der verschiedenen Partner. Von besonderer Bedeutung erscheint dabei die „Symbiose von Lernen und Freizeit“ durch die Aufhebung der überkommenen „Kluft zwischen Schule und Lebenswelt“ (ebd.).

Das vorliegende Handbuch soll Institutionen und Menschen, die eine lokale Bildungslandschaft aufbauen wollen, praktische Handreichung bieten, seien sie MitarbeiterInnen einer kommunalen Verwaltung oder sonstige kommunalpolitisch Aktive, LeiterInnen einer Kindertageseinrichtungen oder einer Schule, QuartiersmanagerInnen oder Mitglieder einer entsprechenden Bürgerstiftung und – initiative.

Herausgeber und Autoren

Herausgeberin des Praxishandbuchs ist die deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS), unterstützt durch die Jacob Foundation. Beide Organisationen gemeinsam haben über einen Zeitraum von vier Jahren (2007 – 2011) im Programm „Lebenswelt Schule“ vier deutsche Kommunen bei der Entwicklung und Gestaltung ihrer Bildungslandschaft begleitet (Bad Bramstedt, Bernburg/Salzlandkreis, Weinheim und Weiterstadt). Die Erkenntnisse aus den Prozessen an den vier Modellstandorten sowie die Erfahrungen weiterer Kommunen sind im Handbuch auf ca. 110 Seiten zusammengefasst.

Eine zentrale Information wird schon im Editorial genannt: Jede Kommune bietet im Blick auf die beteiligten Institutionen und Menschen, insbesondere aber auf lokalspezifische politische und kulturelle Traditionen ihre je eigenen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen, und es gibt deshalb nicht „den einen richtigen Weg zur Bildungslandschaft“. Die Herausgeber gehen folgerichtig davon aus, dass „die Besonderheiten eines Ortes und seiner Menschen… der Ausgangspunkt der Bildungslandschaft (sind), der den Weg und das Ziel bestimmt“. (S. 6 f) Bei der Suche nach dem jeweils passenden Weg will das Handbuch Anregungen geben und helfen: „Das Handbuch hat dann seinen Zweck erfüllt, wenn es für Sie eine Hilfe ist, gemeinsam mit ihren Kooperationspartnern Ihre ganz spezifische Bildungslandschaft zu entwickeln.“ (S. 7)

Als Autoren des Handbuchs wurden MitarbeiterInnen der herausgebenden Organisationen, der Modell- und weiterer mit dem Thema erfahrener Kommunen sowie zusätzliche ExpertInnen aus Schulentwicklung und Erziehungswissenschaft gewonnen.

Aufbau und Inhalt

Die Gliederung des Handbuchs folgt chronologisch den Schritten zum Aufbau einer lokalen Bildungslandschaft. Nach kurzen einleitenden Abschnitten zu den Themen

  • „Warum Bildungslandschaften?“ und
  • „Was sind Ihre Gründe und Themen? Die Initiativphase“

folgen unterschiedliche Beiträge zum richtigen Vorgehen, wenn das Vorhaben tatsächlich konkret werden soll:

  • „Bevor Sie loslegen: Analysieren Sie die Situation!,
  • „Den Rahmen klären: Wo soll die Reise hingehen?“,
  • „Von der Vision zum Vorhaben: Die Idee konkretisieren“,
  • „Die Entwicklungsphase: Jetzt geht es in die Tiefe!“, „Informieren, aktivieren, beteiligen: Bildung geht alle etwas an!“,
  • „Lernen im Prozess: Entwickeln Sie die Qualität weiter!“,
  • „Die Implementierungsphase: Wie werden die Ideen umgesetzt?“ und schließlich
  • „Blick in die Zukunft: Was ist Ihre langfristige Arbeitsform?“

Zwischen diese praxisnahen und anschaulich dargestellten konkreten Kapitel sind drei eher theoretische und übergreifende Abschnitte zu sogenannten Fokusthemen eingestreut:

  1. „Das Bildungsverständnis erweitern und Bildungswelten von Kindern und Jugendlichen wahrnehmen“,
  2. „Regionales Bildungsbüro als organisatorischer Kern der regionalen Bildungslandschaften in Baden-Württemberg“ und
  3. „Beteiligung von Kindern und Jugendlichen“.

Autor des ersten und dritten Fokusthemas ist Benedikt Sturzenhecker, Professor für Erziehungswissenschaft an der Universität Hamburg; Autor des zweiten Fokusthema ist der Erziehungswissenschaftler Jürgen Ripplinger, der u.a. die landesweite Beratungsstelle Bildungsregionen im Landesinstitut für Schulentwicklung Baden-Württemberg aufgebaut hat.

Ein Literaturverzeichnis und viele Hinweise auf und Links zu weiterem Material, auch zum Herunterladen, beschließen das Buch.

Kritik und Fazit

Der Band ist zweifellos verdienstvoll und nützlich. Er ist verständlich und sehr lebendig geschrieben, hat ein attraktives Layout und erleichtert durch zahlreiche Navigationshilfen wie Symbole für „Definition“, „Blick in die Praxis“ oder „Checkliste“ etc. die rasche Orientierung. Für einen ersten Einstieg ins Thema und in die praktische Arbeit erscheint dieses Praxishandbuch als sehr gut geeignet. Wer sich aber tatsächlich auf den Weg in eine lokale Bildungslandschaft aufmacht, wird – trotz guter Vorbereitung und Ausrüstung – seine eigenen Erfahrungen machen müssen.


Rezensentin
Prof. Dr. Sylvia Greiffenhagen
Die Rezensentin hat bis zu ihrer Pensionierung Politikwissenschaft mit Schwerpunkt auf Sozial- und Gesundheitspolitik an der Evangelischen Hochschule Nürnberg im Fachbereich Soziale Arbeit gelehrt.


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Zitiervorschlag
Sylvia Greiffenhagen. Rezension vom 28.02.2013 zu: Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (Hrsg.): Wie geht‘s zur Bildungslandschaft? Die wichtigsten Schritte und Tipps. Ein Praxishandbuch. Klett-Kallmeyer (Seelze/Velber) 2012. ISBN 978-3-7800-4955-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/13582.php, Datum des Zugriffs 27.07.2016.


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