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Ulrich Otto, Josef Schmid u.a. (Hrsg.): Bürgerschaftliches Engagement

Cover Ulrich Otto, Josef Schmid, Julia Mansour, Sven Plank, Stefanie Schönstein, Christian Steffen (Hrsg.): Bürgerschaftliches Engagement. Förderung durch die Bundesländer. Ziele, Instrumente und Strategien im Vergleich. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2003. 221 Seiten. ISBN 978-3-8100-3746-6. 19,90 EUR, CH: 34,90 sFr.

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Thema und Ziel

In diesem Band geht es um unterschiedliche Modelle der Förderung bürgerschaftlichen Engagements durch die deutschen Bundesländer. Die Autoren betonen drei Aspekte ihrer Zielsetzung: Erstens geht es ihnen nicht um Aktivitäten des Bundes, sondern solche der Länder. Zweitens geht es methodisch um Vergleiche bzw. die Identifikation bestimmter Typen von Strategien. Drittens stehen konkrete politisch-administrative Aktivitäten im Vordergrund.

Hintergrund

Das Ausmaß bürgerschaftlichen Engagements ist nicht unabhängig von unterschiedlichen Rahmenbedingungen. Neben organisatorischen Realitäten in zivilgesellschaftlichen Organisationen sind dies v.a. Maßnahmen und Strategien der Förderung durch die öffentliche Hand. Da diesbezüglich in der Bundesrepublik weitgehende Kompetenzen bei den Ländern liegen, sind deren Strategien von besonderer Bedeutung und sollen daher im vorliegenden Band untersucht werden.

Inhalt

Die Förderung bürgerschaftlichen Engagements durch die acht Bundesländer der Bundesrepublik wird in diesem Band verglichen. Neben einer deskriptiven Erfassung der vielfältigen Maßnahmen geht es dabei v.a. um deren vergleichende Typisierung und Bewertung. Da die Länder hinsichtlich ihrer Strategien sehr unterschiedliche Wege beschreiten, erwarten die Autoren neben der empirischen Erhebung der Fakten auch einen bedeutsamen Nutzen für die Entwicklung von Strategien bzw. die Politikberatung.

In Anschluss an Begriffsklärungen des weiten Feldes zwischen ehrenamtlicher Arbeit und bürgerschaftlichem Engagement wie auch der unterschiedlichen Konzepte von Zivilgesellschaft wird zunächst die Arbeit der Enquete-Kommission "Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements" des Deutschen Bundestages, die den Anstoß für die vorliegende Studie gab, vorgestellt. Darauf folgen die einzelnen detaillierten Länderberichte. Die Aktivitäten in den einzelnen Ländern werden mittels Typenbildung verdichtet und systematisiert, wobei die AutorInnen unterscheiden nach

  • dem integriert-prozeduralen Typ,
  • dem segmentiert-feldspezifischen Typ
  • und dem symbolisch-diskursiven Typ.

Im integriert-prozeduralen Typ werden Einzelmaßnahmen und Instrumente systematisch zu einer Gesamtförderungsstrategie gebündelt, die Thematik ist hoch bewertet, in Institutionen der öffentlichen Hand auch gut verankert und es besteht ein dichtes Interaktionsnetzwerk zwischen der öffentlichen Hand und anderen involvierten gesellschaftlichen Akteuren.

Der segmentiert-feldspezifische Typ zeichnet sich dadurch aus, dass mehrere Ministerien für unterschiedliche Zielgruppen und Programme zuständig sind, eine gemeinsame, integrierte Strategie fehlt und die landespolitische Relevanz des Themas ist nicht besonders hoch.

Im symbolisch-diskursiven Typ wird zwar die Bedeutung bürgerschaftlichen Engagements sehr betont, die administrative Umsetzung der in diesem Zusammenhang formulierten Anliegen wie auch deren Ressourcenausstattung ist allerdings eher gering. Das Thema genießt allerdings hohe öffentliche Aufmerksamkeit, kann damit die einzelnen Bürger erreichen und die "weichen" Steuerungsressourcen Überzeugung und Wissen entfalten solcherart doch eine gewisse Wirkung auf das Engagement der Bürger. In der Folge werden die acht Fallstudien einzelnen Typen bzw. Mischformen zugeordnet und Gründe für unterschiedliche Strategien der Länder analysiert.

Fazit

Die Länderberichte sind sehr detailliert und können damit tatsächlich im einzelnen Anregungen und Vergleichsmöglichkeiten für politische Entscheidungsträger bieten. Für den allgemein, an bürgerschaftlichem Engagement interessierten Leser, welcher weder in der Politikberatung noch als politischer Entscheidungsträger tätig ist, sind sie sicher etwas zu genau. Dies wird allerdings in der Typenbildung wettgemacht, die eine systematische Zusammenfassung und Analyse bietet. Besonders interessant ist die Analyse von Beispielen der "good practice" sowie von Verbesserungsvorschlägen. Das Buch ist vermutlich nicht für jede/n interessant, für Angehörige der richtigen Zielgruppe - Politische Entscheidungsträger, Politologen und Politikberater - ein wichtiger, praxisnaher und informativer Beitrag.


Rezensentin
Prof. Dr. Ruth Simsa
Wirtschaftsuniversität Wien
Institut für Soziologie, NOP Institut
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Zitiervorschlag
Ruth Simsa. Rezension vom 07.09.2004 zu: Ulrich Otto, Josef Schmid, Julia Mansour u.a. (Hrsg.): Bürgerschaftliches Engagement. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2003. 221 Seiten. ISBN 978-3-8100-3746-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/1386.php, Datum des Zugriffs 07.02.2012.


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