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Susanne Gerull, Karin Wolf-Ostermann (Hrsg.): Unsichtbar und ungesehen

Cover Susanne Gerull, Karin Wolf-Ostermann (Hrsg.): Unsichtbar und ungesehen. Wohnungslose Frauen mit minderjährigen Kindern in Berlin. Schibri-Verlag (Uckerland) 2012. 104 Seiten. ISBN 978-3-86863-103-6. D: 12,80 EUR, A: 13,20 EUR.

Reihe: Praxis, Theorie, Innovation - 12.
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Entstehungshintergrund

Der vorliegende Band ist das Ergebnis einer Studie im Rahmen einer Praxisforschungswerkstatt des Masterstudiengangs „Praxisforschung in Sozialer Arbeit und Pädagogik" der Alice Salomon Hochschule Berlin.

Das Forschungsprojekt wurde innerhalb von drei Semestern durchgeführt. Die Fragestellung wurde von den Studierenden entwickelt und die Forschung selbständig durchgeführt unter Begleitung der Herausgeberinnen Susanne Gerull und Karin Wolf-Ostermann.

Thema

Der Band füllt mit seinem Thema „Wohnungslose Frauen mit minderjährigen Kindern" eine Lücke in der Forschungslandschaft im deutschsprachigen Raum bezüglich Wohnungslosigkeit. Über die Zielgruppe wohnungslose Frauen mit minderjährigen

Kindern sind im deutschsprachigen Raum keine aktuellen Studien zu finden. In diesem Sinn leistet der Band Pionierarbeit.

Die auf Männer ausgerichteten und von Männern dominierten Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe wurden lange Zeit von Frauen gemieden, wodurch Probleme wohnungsloser Frauen lange Zeit auch nicht wahrgenommen wurden. Durch die Entstehung ambulanter Hilfsangebote wurde das Hilfesystem für Frauen zugänglicher und Wohnungslosigkeit von Frauen als eigenes Problemfeld erkannt.

Erst seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts fanden wohnungslose Frauen als eigenständige Zielgruppe explizite Berücksichtigung im Hilfssystem und in der Fachliteratur, wobei sie in diesem Zusammenhang als Sonderfall und nicht gleichberechtigte Zielgruppe wahrgenommen wurden. Wohnungslose Mütter wären in dieser Hinsicht ein spezieller Fall der Sonderfälle.

Aufbau und Inhalt

Die Studie erforscht die Situation wohnungsloser Frauen mit Kindern in Berlin. Der Band gliedert sich in 7 Kapitel.

Nach der Einleitung werden im 2. Kapitel Begriffe geklärt, Daten zum Ausmaß von Wohnungslosigkeit geliefert, das System der Berliner Wohnungslosenhilfe beschrieben und der Forschungsstand zum Thema wohnungslose Frauen und Müttern erhoben.

Im folgenden Kapitel wird das Forschungsdesign detailliert beschrieben. Die Studie verwendet qualitative und quantitative Methoden. Im Sinne einer Exploration wurden zunächst sechs problemzentrierte leitfadengestützte Interviews mit Expert/innen durchgeführt. Als solche werden Sozialarbeiter/innen aus den Hilfsangeboten für wohnungslose Frauen, dem Sozial- und Jugendamt und Betroffene bestimmt.

Aufbauend auf diese Ergebnisse wurde eine standardisierte schriftliche Befragung von wohnungslosen Frauen mit minderjährigen Kindern konzipiert. Durch dieses Forschungsdesign soll eine komplexe Sicht sowohl von Seiten der Betroffenen als auch der Helferinnen gewährleistet werden.

Die Autor/innen merken kritisch an, dass die Grundgesamtheit nicht bekannt ist, und angesichts eines Rücklaufs von nur 22 Fragebögen von insgesamt an 70 Einrichtungen ausgesandten Fragebögen die Ergebnisse keine Repräsentativität beanspruchen können.

Nichtsdestotrotz sind die Ergebnisse aufschlussreich und bieten Erkenntnisgewinn bezüglich einer bislang unzureichend erforschten Zielgruppe im Bereich Wohnungslosigkeit, insbesondere hinsichtlich des Systems und der Wirkungsweise der Berliner Wohnungslosenhilfe.

Diskussion und Fazit

Die Autorinnen setzen sich umfassend, detailliert und fundiert mit der Thematik auseinander. Die zentralen Begriffe werden zu Beginn klar definiert. Das Thema ist klar abgegrenzt und überschaubar gewählt, die Forschungsfrage klar umrissen und formuliert. Der Aufbau der Studie ist klar und stringent, die Inhalte sind klar dargestellt.

Den Autorinnen gelingt es in ihrer Studie sehr gut, eine komplexe Thematik anschaulich und kompakt zu präsentieren und dem Leser/der Leserin die Situation von wohnungslosen Frauen mit minderjährigen Kindern in Berlin aufzuzeigen.

Die Lektüre bietet Anregungen und Herausforderungen für die bereits mit der Thematik vertrauten Wissenschaftler/innen wie Praktiker/innen und vermag trotz Fokussierung auf die Situation in Berlin auch Leser/innen aus anderen Ländern herausfordernde Denkanstöße zu geben und zu ähnlichen Studien zu motivieren.


Rezensent
DSA MMag. Dr. Prof (FH) Christian Stark
Professor am Studiengang Soziale Arbeit, Fachhochschule Linz, Österreich Schwerpunkte in Lehre und Forschung: Geschichte,Theorie und Ethik der Sozialen Arbeit, Wohnungslosigkeit
Homepage www.fh-linz.at
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Zitiervorschlag
Christian Stark. Rezension vom 11.01.2013 zu: Susanne Gerull, Karin Wolf-Ostermann (Hrsg.): Unsichtbar und ungesehen. Wohnungslose Frauen mit minderjährigen Kindern in Berlin. Schibri-Verlag (Uckerland) 2012. ISBN 978-3-86863-103-6. Reihe: Praxis, Theorie, Innovation - 12. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/13908.php, Datum des Zugriffs 09.12.2016.


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