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Simone Odierna, Ulrike Berendt (Hrsg.): Gemeinwesenarbeit. Entwicklungslinien und Handlungsfelder

Cover Simone Odierna, Ulrike Berendt (Hrsg.): Gemeinwesenarbeit. Entwicklungslinien und Handlungsfelder. AG SPAK Bücher (Neu Ulm) 2004. 440 Seiten. ISBN 978-3-930830-44-2. 25,00 EUR.

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Überblick

Der vorliegende Band erscheint als "Gemeinwesenarbeit Jahrbuch 7" der Bücher der Arbeitsgemeinschaft sozialpolitischer Arbeitskreise (AG SPAK). Er vermittelt das breite Spektrum der Gemeinwesenarbeit - von ihren Wurzeln, ihrer Bedeutung für die Entwicklung Sozialer Arbeit insgesamt bis hin zu Ansätzen der Gemeinwesenarbeit im Rahmen sozialer Stadtentwicklung. In dem Buch werden sowohl Theorie-Praxis-Bezüge hergestellt, Methoden beschrieben wie auch gemeinwesenorientierte Ansätze außerhalb Deutschlands vermittelt. Insoweit unterscheidet sich dieser Materialband von den vorangegangenen Jahrbüchern dieser Reihe, die eine bestimmte thematische Orientierung hatten (z.B. Jahrbuch 6: Solidarische Ökonomie und Empowerment, Jahrbuch 5: Politikstrategien). Die Herausgabe dieser Reihe ist im Übrigen ein großes Verdienst der AGSPAK!

Entstehungshintergrund

Das Buch entstand von den Herausgeberinnen im Auftrag des Faches "Praxisorientierte Sozialwissenschaft" an der Universität Duisburg-Essen als Festschrift für Prof. Dieter Oelschlägel anlässlich seiner Verabschiedung in den "sicherlich hochaktiven Ruhestand" (Odierna). "Weggefährten" von Dieter Oelschlägel, "Aktive" der Gemeinwesenarbeit an Hochschulen und aus der Praxis erhielten die Möglichkeit, Beiträge zu diesem Band zu schreiben.

Inhalt

Nach einer Würdigung durch C.W. Müller, Dieter Oelschlägels Lehrer, sind die vielfältigen Beiträge in 7 Abschnitte gegliedert:

  • Im ersten Abschnitt werden Geschichte und Theorie der Gemeinwesenarbeit aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet.
  • Im zweiten Abschnitt geht es um die Regionalisierung.
  • Im dritten Teil des Buches wird Gemeinwesenökonomie aus unterschiedlicher Perspektive behandelt.
  • Im Teil vier des Bandes beinhaltet Beiträge über Zielgruppen der Gemeinwesenarbeit (Kinder- und Jugendliche, Frauen, Wohnungslose, MigrantInnen).
  • Der fünfte Abschnitt enthält Beiträge zur Nutzung von Medien und soziokulturelle Ansätze: Stadtteilzeitungen, Musikmachen mit Jugendlichen und Forumtheater.
  • Im sechsten Teil befassen sich die Autoren mit Gemeinwesenarbeit in den neuen Bundesländern.
  • Mit Beispielen aus Lateinamerika, Australien, Kuba und Pakistan werden im siebten Abschnitt des Bandes internationale Erfahrungen mit Gemeinwesenarbeit beschrieben.
  • Ein Interview mit Dieter Oelschlägel und die Würdigung seiner kommunalpolitischen Arbeit in Dinslaken durch die Bürgermeisterin von Dinslaken schließen das Buch ab.

Diskussion

Simone Odierna, Mitherausgeberin des Bandes, ist es gelungen im Editorial auf 15 Seiten zu Beginn des Buches einen guten inhaltlichen Überblick - entsprechend vorgenannter Gliederung - über die jeweiligen Beiträge zu geben. Hier kann man sich entsprechend seiner Interessen Appetit holen, um sich damit in einzelne Beiträge zu vertiefen. Es ist aber auch möglich, sich anhand dieser prägnanten Zusammenfassungen der Beiträge einen Eindruck von den historischen und aktuellen Diskussionssträngen der Gemeinwesenarbeit zu verschaffen. Eine bessere Zusammenfassung könnte auch von einem Rezensenten nicht geliefert werden.

Auf den ersten Blick erscheint das Buch als "Sammelsurium" (fast) aller, die in der "GWA-Szene" einen mehr oder weniger bekannten Namen haben. Doch beim genaueren Hinsehen, wird mit dem Band die seltene Chance realisiert, die Vielfalt der Gemeinwesenarbeit und die positive Energie und breite Erfahrung ihrer Akteure darzustellen. Im Sinne der 12. GWA-Werkstatt im Jahr 2003 mit dem Titel "GWA: Die Saat geht auf" gelingt es mit dem Band, auch deutlich zu machen, wie Gemeinwesenarbeit als Arbeitsprinzip in vielfältigen Bereichen ihr Wirkung erzielt: z.B. bei der Regionalisierung Sozialer Dienste und in der Wohnungslosenhilfe. Leider fehlt dem Band eine ausführliche Darstellung des Aspekts der regionalen und bundesweiten Vernetzung von Gemeinwesenarbeit, mit der fachliche Positionierung und Lobby für Gemeinwesenarbeit und BürgerInnenbeteiligung mittlerweile organisiert wird. Einige Autoren weisen darauf kurz hin. Ausgehend von der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Soziale Brennpunkte hat sich - auch mit Unterstützung einiger der Autoren des Bandes und nicht zuletzt auch von Dieter Oelschlägel - die BAG Soziale Stadtentwicklung und Gemeinwesenarbeit als Verein konstituiert. Die Bereitschaft seitens der Herausgeberinnen, einen Beitrag dazu aufzunehmen war vorhanden. Die Umsetzung scheiterte allerdings, weil die vorgesehenen Autoren (u.a. der Rezensent) sich gerade zum entsprechenden Zeitpunkt mit dem sozialen Kahlschlag der hessischen Landesregierung auseinandersetzen mussten. Dieser Kahlschlag bedeutet massive Kürzungen und Streichungen gerade bei Gemeinwesenprojekten in Hessen und trieb die LAG Soziale Brennpunkte Hessen, ein Motor der bundesweiten Bewegung, an den Rand ihrer Existenz.

Zielgruppe

Wem nützt nun dieses Buch? Wer sollte es (oder darin) lesen? Zunächst war es eine ausgezeichnete Idee, den Band Dieter Oelschlägel zu widmen, der sich als Hochschullehrer neben praktischem Engagement in Stadtteilen um die Entwicklung der Gemeinwesenarbeit und nicht zuletzt auch in der Kommunalpolitik seiner Stadt Dinslaken sehr verdient gemacht hat. Das Buch ist wegen seines breiten Spektrums gut geeignet für Studierende, die sich einen Überblick über Gemeinwesenarbeit, ihre Entstehungsgeschichte und ihre vielfältigen Ansätze verschaffen wollen und sollen. Wegen seiner praxisorientierten Beiträge ist es in verschiedenen Teilen sehr brauchbar auch als Handbuch für Praktiker (denen es im übrigen auch nicht schadet, die Wurzeln zu kennen und über den eigenen Tellerrand zu kucken) geeignet. Das Buch kann zuguterletzt als Pflichtlektüre denjenigen dienen - auch einigen Verantwortlichen an Hochschulen - die immer noch glauben, Gemeinwesenarbeit sei ein Relikt der 60iger und 70iger Jahre. Sie können hier entdecken, wie brandaktuell GWA ist!

Fazit

Das Buch ist wegen seiner Ausgewogenheit in der Verknüpfung von Theorie und Praxis, im Rückblick und der Nach-Vorne-Gewandtheit, in der Beschreibung und Analyse sehr zu empfehlen. Das Buch zeigt, wie in einer "Festschrift" - weitab von Lobhudelei - eine Symbiose zwischen ehrlicher persönlicher Würdigung und inhaltlichem Niveau gelingen kann...und daraus dann auch noch ein gut lesbares und spannendes Fachbuch wird.


Rezensent
Jürgen Maier
langjährige Tätigkeit in der Gemeinwesenarbeit in einem sog. Sozialen Brennpunkt, Referent für Stadtteilentwicklung und Soziale Sicherung der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Soziale Brennpunkte Hessen e.V., Mitglied des Vorstandes der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Soziale Stadtentwicklung und Gemeinwesenarbeit e.V., langjähriger Lehrbeauftragter für Gemeinwesenarbeit und Stadtteilentwicklung an der Ev. Fachhochschule in Darmstadt, seit 2.5.2004 Mitarbeiter des Diakonischen Werkes Worms-Alzey, Quartiermanager in einem Stadtteil der „Sozialen Stadt“ in Worms
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Zitiervorschlag
Jürgen Maier. Rezension vom 22.06.2004 zu: Simone Odierna, Ulrike Berendt (Hrsg.): Gemeinwesenarbeit. Entwicklungslinien und Handlungsfelder. AG SPAK Bücher (Neu Ulm) 2004. 440 Seiten. ISBN 978-3-930830-44-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/1418.php, Datum des Zugriffs 21.05.2012.


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