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Annemarie Bauer, Katharina Gröning u.a. (Hrsg.): Grundwissen pädagogische Beratung

Cover Annemarie Bauer, Katharina Gröning, Cornelia Hoffmann, Anne-Christin Kunstmann (Hrsg.): Grundwissen pädagogische Beratung. UTB (Stuttgart) 2012. 221 Seiten. ISBN 978-3-8252-3744-8. D: 22,99 EUR, A: 18,50 EUR, CH: 25,90 sFr.

Reihe: UTB - 3744.
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Thema

Das vorliegende Buch widmet sich umfassend den Grundlagen der pädagogischen Beratung – die Herausgeberinnen verstehen es als grundlegendes Lehrbuch. Neben der Auseinandersetzung mit vielfältigen Aspekten pädagogischer Beratung, etwa dem Zusammenhang von Verstehen und Beraten, der institutionellen Einbindung von Beratung oder auch der Bedeutung von Gefühlen und Scham im Beratungsprozess, wird vor allem die Sonderstellung der pädagogischen Beratung auf Basis verschiedener Entwicklungslinien und Konflikte aufgezeigt. Darüber hinaus wird anhand konkreter Beratungsfelder ein praxisbezogener Einblick in die pädagogische Beratung gegeben.

Herausgeberinnen und Autor*innen

Prof´in Dr. phil. Katharina Gröning ist Erzieherin, Erziehungswissenschaftlerin M.A. und Supervisorin. Seit 1999 ist sie Professorin an der Universität Bielefeld, Fakultät für Erziehungswissenschaft, Arbeitsgruppe (AG 7) „Pädagogische Beratung“

Prof´in Dr. phil. Cornelia Hoffmann ist Erzieherin, Erziehungswissenschaftlerin M.A und Supervisorin. Seit 2011 ist sie Professorin für Bildung und Erziehung in der Kindheit an der Fliedner-Fachhochschule in Düsseldorf.

Dr. phil. Anne-Christin Kunstmann ist Krankenschwester und Diplom-Pädagogin. Derzeit ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bielefeld, Fakultät für Erziehungswissenschaft, Arbeitsgruppe (AG 7) „Pädagogische Beratung“ tätig.

Dr. phil. Annemarie Bauer ist Diplom-Pädagogin, Gruppenanalytikerin sowie Supervisorin (DGSv). Von 1994 bis 2010 war sie Professorin für Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt „Psychoanalyse und Soziale Arbeit“ an der Ev. Hochschule Darmstadt. Derzeit ist sie in eigener Praxis tätig.

Weitere Autor*innen sind Regina Heimann, Cornelia Neumann, Eduard Reimer und Brunhild Sander

Entstehungshintergrund

Das im vorliegenden Buch skizzierte Prozessmodell pädagogischer Beratung basiert auf der inhaltlichen Auseinandersetzung der Herausgeberinnen sowie deren Seminaren und Veranstaltungen im Rahmen ihrer gemeinsamen Tätigkeit an der Universität Bielefeld in der Arbeitsgruppe (AG 7) „Pädagogische Beratung“.

Aufbau

Das Buch gliedert sich in acht Kapitel sowie eine ausführliche Einleitung. Zudem schließt sich ein umfangreiches Literaturverzeichnis an. Jedes Kapitel umfasst weitere Unterpunkte. Das siebte Kapitel widmet sich der pädagogischen Beratung in verschiedenen Feldern und stellt den umfangreichsten Teil des Gesamtwerkes dar.

Inhalt

Im Rahmen der Einleitung führen die Herausgeberinnen schlüssig in die Thematik des vorliegenden Buches ein. Sie skizzieren direkt zu Beginn drei wesentliche Denkweisen für das Beratungshandeln in der Pädagogik, nämlich die Ansätze von Aristoteles, Klaus Mollenhauer und Carl Rogers, und verorten die pädagogische Beratung als Handlungsmodell und Methode.

Im Zentrum des ersten Kapitels liegt die Verstehenskompetenz der Beraterin/des Beraters. Dieses Kapitel bildet eine wesentliche theoretische und allgemeine Basis für die pädagogische Beratung dar und bezieht hierzu verschiedene Perspektiven ein. Zudem wird zwischen Beratungsprozessen, in denen der Zugang zur Person oder das Erklären und Entscheiden im Fokus steht, unterschieden. Hierzu wird auch die Bedeutung der Lebenswelt und Lebenslage der Ratsuchenden herausgearbeitet. Zudem werden verschiedene, für den Beratungsprozess relevante Techniken und Verfahren, wie z.B. die Exploration oder das Spiegeln, erläutert.

Das zweite Kapitel widmet sich der Beratungskunst – also der Gestaltung des Beratungsprozesses. Hierbei erfolgt zudem die Abgrenzung der pädagogischen Beratung gegenüber einem therapeutischen Prozess. Im Zentrum stehen die Herausforderungen rund um die Entwicklung und Etablierung eines tragfähigen Arbeitsbündnisses – von der Kontaktaufnahme über die Kontraktierung und Raterteilung bis hin zur Abschlussgestaltung.

Im Fokus des dritten Kapitels steht der institutionelle Kontext von Beratung – hierdurch wird das Blickfeld um die formalen Dimensionen der pädagogischen Beratung und hiermit verbundener typischer Probleme und Herausforderungen (z.B. hinsichtlich der Formalisierungsgrade von Beratung und möglicher Rollenkonflikte) erweitert. Auch der Zusammenhang zwischen Institution, Beratungsverständnis und Profession als zentraler Aspekt in der Entwicklung eines Beratungsprofils und die Bedeutung reflexiver Räume (z.B. von Supervision) werden diskutiert.

Im vierten Kapitel geht es um Gefühle, welche sowohl auf Seiten der Berater*innen als auch auf Seiten der Ratsuchenden einfließen und damit den Beratungsprozess maßgeblich prägen können. Im Fokus steht der Umgang mit Emotionen wie Scham, Angst, Schuldgefühlen oder auch Aggressionen im Beratungsprozess. Um einen umfassenden Einblick zu gewähren, fließen auch Aspekte der Bindungstheorie ein. Darüber hinaus werden Verstrickungen und emotionale Reaktionen der Berater*innen theoretisch hergeleitet.

Das fünfte Kapitel nimmt die Psychohygiene der Berater*innen zum Ausgangspunkt der Betrachtung. Die Entwicklung eines persönlichen Beratungsstils ist Teil eines Professionalisierungsprozesses, welcher eine kontinuierliche reflexive Auseinandersetzung erfordert. Hierzu werden typische Phänomene und Herausforderungen in der Beratungspraxis skizziert und Hilfen für Berater*innen aufgezeigt.

Im sechsten Kapitel schließlich ist die pädagogische Beratung zentrales Thema. Anhand ihrer Entwicklungslinien werden die verschiedenen Traditionen der pädagogischen Beratung aufgezeigt. Die pädagogische Beratung hat ihre Wurzeln sowohl in demokratischen Aufbrüchen und zivilgesellschaftlichen Bewegungen als auch in antidemokratischen und obrigkeitsorientierten Entwicklungen. Das Kapitel mündet in einer Charakterisierung der pädagogischen Beratung heute.

Hierauf aufbauend nimmt sich das siebte Kapitel den Potentialen der pädagogischen Beratung in verschiedenen Praxisfeldern an:

  • Sozialpädagogische Beratung
  • Schulberatung und Bildungsberatung im Jugendalter
  • Berufsberatung von Jugendlichen im Kontext der schulischen Berufsorientierung
  • Weiterbildungsberatung im Kontext des lebenslangen Lernens
  • Familienberatung
  • Feministische Frauenberatung bei Gewalt
  • Beratung pflegender Angerhöriger

Hierzu werden historische Entwicklungen aufgezeigt, der jeweilige institutionelle Kontext aufgefächert, theoretische Bezugsrahmen gesteckt sowie Probleme und Dilemmata der jeweiligen Felder diskutiert.

Das abschließende achte Kapitel führt beratungswissenschaftliche und sozialtheoretische Fragen auf, welche als „Thesen und Streitpunkte“ für die „sich derzeit institutionalisierende[n] Beratungswissenschaft“ (212) von besonderer Relevanz sind.

Diskussion

Den Herausgerberinnen gelingt es, mit dem vorliegenden Buch einen sehr umfassenden und theoretisch fundierten Einblick in das Handlungsmodell/die Methode der pädagogischen Beratung zu geben und hierbei an verschiedenen Stellen das Interesse zur weiteren Vertiefung zu wecken.

Hierbei befinden sich sowohl die historischen Entwicklungslinien als auch die aktuellen Perspektiven und Herausforderungen in einem ansprechenden Verhältnis zueinander.

Gerade der Einblick in verschiedene Felder der pädagogischen Beratung und hier typische Herausforderungen eröffnen zudem die Möglichkeit eines direkten Theorie-Praxis-Transfers.

Darüber hinaus geben die auf den Beratungsprozess und das individuelle Beratungsprofil bezogenen Ausführungen anregende und selbstreflexionsfördernde Impulse für Studierende und Praktiker*innen, die in der pädagogischen Beratung tätig sind.

Fazit

Insgesamt handelt es sich bei dem Buch „Grundwissen pädagogische Beratung“ um ein ansprechendes und für die Entwicklung eines individuellen Beratungsprofils hilfreiches Fachbuch. Allerdings erfordert die Komplexität der Ausführungen – gerade im Verständnis als Lehrbuch für Studierende – ein hohes Maß an Konzentration und Bereitschaft zur vertiefenden Lektüre bei Studienanfänger*innen. Die Verknüpfung der theoretischen Ausführungen mit den beispielhaft ausgeführten Praxisfeldern eröffnet jedoch gleichzeitig eine gute Möglichkeit zum Einsatz im Studium.


Rezensentin
Prof. Dr. phil. Verena Klomann
Diplom-Sozialpädagogin/Master of arts in social services administration/Supervisorin (DGSv)
Professur für Theorien und Konzepte Sozialer Arbeit an der KatHO NRW, Abteilung Aachen
Homepage www.katho-nrw.de/aachen/studium-lehre/lehrende/haup ...
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Zitiervorschlag
Verena Klomann. Rezension vom 15.01.2015 zu: Annemarie Bauer, Katharina Gröning, Cornelia Hoffmann, Anne-Christin Kunstmann (Hrsg.): Grundwissen pädagogische Beratung. UTB (Stuttgart) 2012. ISBN 978-3-8252-3744-8. Reihe: UTB - 3744. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/14225.php, Datum des Zugriffs 04.12.2016.


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