socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Albert Metzinger: Suchtprävention. Praxishilfe für Kindergarten und Grundschule

Cover Albert Metzinger: Suchtprävention. Praxishilfe für Kindergarten und Grundschule. Schneider Verlag Hohengehren (Baltmannsweiler) 2012. 154 Seiten. ISBN 978-3-8340-1090-2. D: 16,00 EUR, A: 16,50 EUR.
Recherche bei DNB KVK GVK.

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Thema

Wie der Untertitel sagt, geht es um Suchtprävention, und zwar speziell im Kindergarten und in der Grundschule. Also nicht um Suchtprävention allgemein kreist das Buch, bezieht sich auch nicht auf Jugendliche, die noch zur Schule gehen, auf ‚junge Erwachsene‘, die zumeist die Zielgruppe von Überlegungen und Ratschlägen zur Prävention sind. Plausibel will der Autor machen und dadurch überzeugen, warum Suchtprävention schon in den ersten Lebensphasen sinnvoll sein kann und ihren berechtigten Stellenwert hat, also in der frühen Kindheit, dem Vorschulalter bis in die Zeit der Grundschuljahre. Haben ErzieherInnen im Kindergarten noch vorrangig erzieherische Aufgaben und sind LehrerInnen an Grundschulen dann eher mit den üblichen Unterrichtsinhalten beschäftigt, der Vermittlung des vorgegebenen Unterrichtsstoffes, stellen sich doch beiden Gruppen häufig Themen um Gesundheitsförderung und darin dann auch der Suchtprävention. Da wissenschaftliche Erkenntnisse gezeigt hätten, insbesondere solche der Psychologie und der Pädagogik, dass Kinder nicht erst in der Adoleszenz, sondern weit früher, nämlich bereits im Vorschulalter suchtgefährdet seien, wäre schon da mit der Suchtprävention anzusetzen. Wie da anzusetzen ist, dazu bietet das Buch reichhaltiges Material.

Aufbau und Inhalt

Ohne sich in die Feinheiten der wissenschaftlichen Debatten um Sucht, Drogenabhängigkeit, Prävention und die Probleme der Aufbereitung von Gesundheitskampagnen zu verlieren, ohne die Drogengefahren zu dämonisieren oder Zahlen und Fakten zum Problemüberzustrapazieren, geht Metzinger doch auf die Eckpfeiler des notwendigen Wissens um diese thematischen Schwerpunkte ein. Er thematisiert – in allgemeinverständlicher Sprache – Hintergründe und Ursachen süchtiger psychischer Fehlentwicklungen. Zwar kursorisch, aber ohne Substanzverlust, informiert der Verfasser über Gefährdungen, benennt sie in der Spannbreite von Persönlichkeit über Umwelt bis Verfügbarkeit von Suchtmitteln. Rasch kommt er zu seinem eigentlichen Thema, nämlich zu suchtgefährdeten Kinder resp. auf die Suchtgefährdungen von Kindern. Verhaltensauffälligkeiten werden vorgestellt und ein besonderes Augenmerk wird auf Kinder aus suchtkranken Familien gelegt, wobei – wie durchgängig im Buch – auf Möglichkeiten und Ziele der Suchtprävention hingewiesen wird, die Metzinger auf jeweils Kindergarten und Grundschule ausrichtet und im Hinblick auf die Altersgruppen präzisiert. Er betont, dass hier auch geschlechtsspezifisch zu differenzieren ist.

Wie man Prävention in Kindergarten und Schule gestalten kann, nimmt den Hauptteil des Buches ein, das mit vielen Beispielen und recht konkreten Vorschlägen zum Vorgehen und zur Gestaltung von Inhalten aufwartet. Spannend ist das Projekt zum ‚Spielzeugfreien Kindergarten‘, nicht minder regen etwa die Hinweise zur ‚Waldpädagogik‘ und zum ‚Theaterspiel‘ zu weiterem Nachdenken auch über ihre Fundierung in wissenschaftlichen Forschungsergebnissen an – was nicht Thema des Autors ist, ihm aber in vollem Umfang geläufig sein dürfte, worauf nicht nur durch einen Blick in sein Literaturverzeichnis zu schließen ist; diese Kenntnisse scheinen auch in seinen Begründungen auf, die in diesem Buch der wissenschaftlichen Fundierung nicht bedürfen. Kompetenzerwerb und Eigenständigkeit werden als wesentliche Bollwerke gegen kindliche Suchtdisposition herausgekehrt. „Kinder stark machen“, so der Titel eines Unterkapitels, könnte als Credo gelten, was auf der Ebene eines Lippenbekenntnisses schnell Zustimmung finden dürfte, was aber in der alltäglichen (auch elterlichen) Erziehungspraxis häufig nur schwierig umzusetzen ist. Dass dies aber durchaus machbar ist, zeigt der Autor an vielen Beispielen, wie sie aus Kindergarten und Grundschule geläufig und häufig Stolpersteine auf dem Weg zu ausgewiesenen Erziehungszielen sind. Wie es machbar ist, schlägt Metzinger an erprobten (und sicherlich für viele LeserInnen innovativen und anregenden) Formen der (Um-)Gestaltung von Interaktionen vor, anempfiehlt Fragestellungen, die zur Reflexion über das kindliche und auch eigene Verhalten, Denken und Fühlen anregen und anhalten. Davon lebt das Buch.

Fazit

Diese nicht zu umfangreiche und sehr praxisnahe Arbeit von Metzinger ist ein Ratgeber im besten Sinne; eine auch darum zum Nachdenken über das eigene erzieherische Tun einladende Lektüre, weil der Verfasser sich jeden moralisierenden Zungenschlags enthält und sich auch nicht in die Nähe solcher Heilbotschaften begibt, die darum ‚Geschmäckle‘ haben, weil sie im Dunstkreis einer „Gesundheitsreligion“ (Lütz) Probleme aufbauschen oder gar erst konstruieren, deren Lösung sie dann andienen. Auch ist der Autor weit davon entfernt, seine LeserInnen auf eine Spur zu verleiten, von der sie dann eifrig nach Gefahrenquellen ausspähen, die im Grunde so nicht gegeben sind – ein leider nicht seltenes Phänomen, das häufig prekäre Folgen hat. Daher kann dieses Buch all jenen empfohlen werden, die in Kindergarten und Grundschule als ErzieherIn oder LehrerIn oder Eltern mit einer möglichen Suchtkarriere von Kindern konfrontiert werden könnten. Recht hat der Autor allemal, dass man solchen Einbrüchen in die psychophysische Gesundheit nicht früh genug wehren kann, Recht hat er vor allen Dingen auch da, wo er ‚Vorbilder‘ einklagt.


Rezensent
Arnold Schmieder
E-Mail Mailformular


Alle 60 Rezensionen von Arnold Schmieder anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Arnold Schmieder. Rezension vom 18.02.2013 zu: Albert Metzinger: Suchtprävention. Praxishilfe für Kindergarten und Grundschule. Schneider Verlag Hohengehren (Baltmannsweiler) 2012. ISBN 978-3-8340-1090-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/14231.php, Datum des Zugriffs 28.09.2016.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Schon 12.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft

Gehören Sie auch schon dazu?

Ansonsten jetzt für den Newsletter anmelden!