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Sabin Bieri: Vom Häuserkampf zu neuen urbanen Lebensformen

Cover Sabin Bieri: Vom Häuserkampf zu neuen urbanen Lebensformen. Städtische Bewegungen der 1980er Jahre aus einer raumtheoretischen Perspektive. transcript (Bielefeld) 2012. 402 Seiten. ISBN 978-3-8376-1704-7. D: 36,80 EUR, A: 34,80 EUR.

Reihe: Urban Studies.
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Thema

Menschen agieren in Räumen. Sie sind nicht nur Menschen im Raum, sondern sie sind es auch durch den Raum. Was auch immer wir gesellschaftlich tun, wie wir handeln, auch mit wem wir agieren – wir tun es immer in sozialräumlichen Kontexten von Situationen, Orten und Räumen und unser Handeln und Interagieren wird durch den Raum bestimmt. Diese Erkenntnisse haben die Kultur- und Sozialwissenschaften seit dem "spatial turn" quasi verinnerlicht.

Was aber, wenn es um die Räume geht, in denen man handeln will und die einem noch nicht zugänglich sind, wenn es also nicht darum geht, dass man in einem Raum handelt, sondern das Handlungsziel der Raum selbst und seine Aneignung ist? Räume eignet man sich an, in dem man sie so deutet, dass man in ihnen Interessen entfalten und realisieren kann und Bedürfnisse befriedigen kann. Damit wird jede Handlung in ihren Möglichkeiten auch begrenzt, es müssen Konflikte bearbeitet werden und es kommen Machtkonstellationen ins Spiel.

Solche Konstellationen kennen wir inzwischen in vielen Großstädten, wo Menschen sich für die Aneignung von Räumen interessieren, weil sie z. B. spüren, dass ein leerer Raum ein schlechter Raum ist oder ein falsch belegter Raum zu einer Auseinandersetzung über gesellschaftliche Zielvorstellungen zur Folge hat.

Autorin

Dr. Sabin Bieri forscht und lehrt am Centre for Development and Environment an der Universität Bern

Aufbau

Das Buch gliedert sich in 17 Abschnitte:

  1. Einleitung
  2. Fragen stellen
  3. Raum-Geographie, Geographie
  4. Zwischen De-Ontologisierung und Onto-formativer Kraft: Geschlecht
  5. Verfahrensweisen: Diskurs- und Dekonstruktionsorientierung
  6. Methodologische Überlegungen zum vorliegenden Material
  7. Die Grenzen des Urbanen
  8. Sedimentierung und Transgression
  9. Wohltemperierte Stadt
  10. Schnittstellen zwischen Theorie und Methode
  11. Tatorte und Handlungsräume der Berner Bewegung
  12. Tatorte – Die Pläfe
  13. Tatorte – Die Städtische Reitschule
  14. Traumhäuser statt Traumprinzen
  15. Freiräume schaffen
  16. Geschlechterdifferenz und Handlungsraum
  17. Schlussfolgerungen

Inhalt

In ihrer Einleitung erläutert die Autorin den Hintergrund und das Ziel ihrer Untersuchung: die räumliche Analyse der Berner 80er Bewegung, eine soziale Bewegung in den 80er Jahren, die sich als Alternative zur etablierten Politik und Gesellschaft verstand. Die mit dieser Bewegung verbundenen Unruhen, die die Autorin im Übrigen in allen europäischen Großstädten und Metropolen aufkeimen sieht, sind nicht nur machtstrategische Auseinandersetzungen zwischen dem "was geht" und dem, was nicht erlaubt ist. Vielmehr werden Hausbesetzungen und der Kampf um Raum zu einer normativen Auseinandersetzung über die Frage, wem die Stadt gehört.

Nach einer einleitenden Geschichte fragt die Autorin nach Annäherungen an urbane Schnittstellen: an Orte und Räume. Sie setzt sich dabei mit den Raumkonzepten der Kultur- und Sozialwissenschaften auseinander, überprüft, inwieweit die Dimension Geschlecht analytisch einbezogen wird, weil es offensichtlich auch ein Konflikt zwischen den Geschlechtern gab – zwischen einer "urbanen Männlichkeit" und den in der Erzählung eingangs sensibel beschriebenen Frauen.

Schließlich waren die Konflikte der 80er Jahre in Bern Konflikte zwischen zwei unterschiedlichen Wirklichkeiten: einer objektiven Wirklichkeit, deren Strukturen da waren, sich verfestigten und bislang den Handlungsrahmen abgaben einerseits und einer konstruierten Wirklichkeit persönlicher Lebensentwürfe, die von dieser geschaffenen Ordnung abwichen andererseits. Die geographische Perspektive ist mit der Frage alltäglicher Raumproduktionen verbunden.

Und es gibt bestimmte Orte, die mit dieser Bewegung verbunden sind oder besser: mit denen die Akteure etwas verbinden, was sie dann auch zu Orten macht, die auch für andere eine Bedeutung haben. Es geht S. Bieli um die Materialisierung und Verflüchtigung von räumlich verfassten Hinterlassenschaften einer sozialen Bewegung.

Fragen stellen

Der programmatische Anspruch wird von der Autorin so formuliert: Sie möchte die Berner 80er Bewegung als raumwirksame Auseinandersetzung verstehen, die Kriterien der Zugehörigkeit zur Debatte stellte. Denn die Akteure der damaligen Bewegung verhandelten über Zugehörigkeiten - Zugehörigkeit durch Wohnraum und sie kämpften gegen Ausschließung durch Un(zu)gehörigkeit.

Jede Bewegung hat ihre Vorgeschichte und S. Bieri beginnt ihre Überlegungen mit der Besetzung einiger Häuser in den 70er Jahren, wo sich vor allem Bewohnerinnen und Bewohner bemühten, ein Haus vor dem Abriss zu bewahren. In den 80er Jahren waren es links-autonome Gruppen, die mit dem Kampf um Häuser auch einen Kampf gegen das System verbanden.

Anschließend werden Forschungsfragen formuliert. Dabei geht es der Autorin um folgende Punkte:

  1. Raum als Ressource der Produktion von Sinnhaftigkeiten, Wissen und "Wahrheit".
  2. Die Entstehung und Bestimmung des Urbanen.
  3. Raumproduktion, Geschlechterdifferenz und Geschlechterordnung.

Raum - Geographie, Geografie

Hier werden die theoretischen Grundlagen erläutert. Geographie als akademische Disziplin wird geschieden von der Geografie als analytische Herangehensweise. Dies wird ausführlich erörtert. Die geografische Herangehensweise analysiert sämtliche Bereiche menschlichen Lebens; die Geographie als akademische Disziplin verpflichtet sich dem empirischen Handwerk und entwirft Geschichten, die Tatorte ausbilden und die Raum als etwas dynamisch Werdendes versteht.

Dann wird der Raum als Kategorie diskutiert und in allen wissenschaftlichen Facetten vorgestellt. Dabei greift die Autorin auf die Raumdiskussion der letzten 10 -15 Jahre zurück und referiert sie, geht auch auf die französische Philosophietradition um Henri Levebvre ein, diskutiert humanistische Ansätze und Raumkonzepte und neuere sozialwissenschaftliche Raumkonzepte.

Zwischen Deontologisierung und onto-formativer Kraft: Geschlecht

Hinter diesem Titel verbirgt sich die Frage, wie Geschlecht existiert. Geschlecht als relationale Kategorie wird in Anlehnung an Simmels Überlegungen des Geschlechterverhältnisses diskutiert, die er im Kontext seiner Großstadt-Diskussion formuliert hat. Weiter wird der Symbolische Interaktionismus (G. H. Mead) herangezogen, da dieser Ansatz Geschlechter als aufeinander bezogene interagierende Systeme begreift. Die Autorin diskutiert dann auch Geschlecht als Existenzweise, geht exkursartig auf Pierre Bourdieu und die männliche Herrschaft ein und diskutiert die Geschlechterdifferenz jenseits biologischer und kulturalistischer Mythologisierung. Am Ende dieses Abschnitts erläutert die Autorin ihr Verständnis von Geschlecht.

Verfahrensweisen: Diskurs- und Dekonstruktionsorientierung

In diesem Abschnitt erläutert die Autorin die wissenschaftstheoretischen Ansätze ihrer Arbeit, die es ihr ermöglichen, eine sozialwissenschaftliche Analyse mit einer geografischen Herangehensweise zu verbinden. Dabei geht es um eine diskursorientierte Methode, die dekonstruktivistische und konstruktivistische Ansätze kombiniert.

Dies wird ausführlich und differenziert begründet und Dekonstruktion erklärt im Kontext feministischer Theoriebildung.

Methodologische Überlegungen zum vorliegenden Material

Das Anliegen, die in der Berner Bewegung gezeigten Praktiken auf die Qualität ihrer Raumkonstitution und deren Einbettung in diskursive Prozesse zu erklären, erfordert eine spezifische Methode, die die Autorin in einem diskursorientierten Verfahren sieht. Dieses diskursorientierte Verfahren in den Sozialwissenschaften wird von S. Bieli ausführlich dargestellt und begründet. Weiter stellt die Autorin das Material vor, das zu bearbeiten gilt: 32 Interviews, die mit ehemaligen Beteiligten an den verschiedenen Phasen der Bewegung geführt wurden.

Grenzen des Urbanen

Der Begriff des Urbanen verweist ja zunächst auf eine städtische Lebens- und Verhaltensweise, die dem Raum einer bürgerlichen Öffentlichkeit immanent ist. Die Autorin zeigt aber auch, dass damit ein Begriff von Männlichkeit dem Urbanen unterstellt wird, öffentliche Diskurse also männliche Diskurse sind. Damit ist auch eine Trennung von Öffentlichkeit und Privatheit einbezogen, die konstitutiv ist für das Urbane. Und die Hausfrau ist die Herrscherin in der Privatsphäre. Damit wird nicht nur das Urbane als Lebensform dargestellt, vielmehr steht auch die Beziehung von Urbanität und Geschlecht im Blickpunkt der Argumentation. Weiterhin beschreibt die Autorin Merkmale großstädtischer Verfasstheit, wie sie bereits Simmel in seinem Essay "Die Großstädte und das Geistesleben" formulierte.

Sedimentierung und Transgression

Die Berner Bewegung ist eine typische städtische Alternativbewegung im Kontext der Neuen Sozialen Bewegungen. Solche Alternativbewegungen waren ja in der Tat darauf aus, in der Verweigerung der geltenden Ordnung etwas anderes zu probieren oder gar durchzusetzen und das auf unkonventionelle Weise.

Zunächst werden klassische Erklärungsmodelle sozialer Bewegungen vorgestellt, wobei die Frage ist, ob die Französische Revolution als soziale Bewegung bezeichnet werden kann und worin sie sich von der Arbeiterbewegung des 19. Jahrhunderts als soziale Bewegung unterscheidet. Worin unterscheiden sich überhaupt Revolutionen von Sozialen Bewegungen? Sind Revolutionen die Spitze und dann auch das Ende einer Sozialen Bewegung?

Die Autorin diskutiert dann die Wende in der sozialwissenschaftlichen Bewegungsforschung, zeigt Beispiele aus der geographischen Bewegungsforschung und kommt dann zur Erklärung dessen, was Transgression meint. Transgression ist eine Form des Widerstands, in der das Normale sichtbar wird, indem seine Grenzen überschritten werden.

Ebenso wird Sedimentierung erklärt als eine Raumbedingtheit sozialer Beziehungen; bei aller Verschiedenheit der handelnden Akteure ist der Raum das Bindeglied raumgebundener Praxis aller.

Wohltemperierte Stadt

In diesem Abschnitte geht es um den historischen Kontext, in den die Berner Bewegung eingebettet war. Dabei geht es um die Vergangenheit einer Generation, die sich vor allem in den 50er Jahren dadurch auszeichnete, dass sie den "Wiederaufbau" managte und gegen die sich die in die Bewegung involvierte Generation abgrenzen wollte. Die gesellschafts- und wirtschaftpolitischen Entwicklungslinien werden bis in die 80er Jahre nachgezeichnet und liefern den Verstehenshintergrund für die Berner Bewegung.

Dann wird auch Bern als "Dorf und Zustand" dargestellt. Da scheint auch der Charakter einer Provinzstadt durch mit allen damit verbundenen Konnotationen.

Schnittstellen zwischen Theorie und Methode

Was sind die Bedingungen der Möglichkeit sozialen Wandels und was sind die Bedingungen und Auslöser für Widerstand? Diese Fragen treibt die Autorin in diesem Abschnitt um. Und: Gibt es eine Theorie, die der im Feld vorgefundenen Komplexität sozialer Wirklichkeit gerecht wird?

Es gibt wohl emotionale Herangehensweisen der 80er Bewegung, die hier beschrieben werden. Emotionen materialisieren sich im Raum durch konkrete Anbindungen an Orte, an materialisierte Räume. Dies wird auch an Hand der Literatur nachgezeichnet.

Tatorte und Handlungsräume

Dieser Abschnitt leitet in den empirischen Teil ein, er befasst sich mit "TatOrten", die einen wichtigen Teil des Selbstverständnisses der Berner Bewegung ausmachen. TatOrte sind Ergebnisse aus der raumkonstitutiven sozialen Praxis und gestalten neue "HandlungsRäume". HandlungsRäume strukturieren individuelles Handeln und geben handlungsleitende Strukturen vor. Und TatOrte schaffen TatSachen.

Im Folgenden werden Tatorte charakterisiert und ihre jeweilige Struktur mit Handlungen verbunden:

  • Die Pläfe als ein privilegierter Ort des Urbanen, wo bereits in den 70er Jahren Jugendliche ein Haus besetzten und die wohlgeordnete traditionelle Elite Berns angegriffen wurde.
  • Die Städtische Reitschule, die als Autonomes Jugend- und Kulturzentrum besetzt und durchgesetzt wurde, gilt als Ikone der Berner 80er Bewegung. Auf alle Fälle ist sie ein politisch-kulturelles Zentrum.
  • Das Mattenhofquartier, das von einer Gruppe von Frauen besetzt wurde. Das Quartier geriet in die Planungsperspektive der Cityausdehnung und der wohnpolitische Flügel der Bewegung hat sich dieses Tatbestands kritisch angenommen.
  • Das Haus in der Gutenbergstraße, das als Frauenhaus ein FreiRaum – ein Traumhaus wurde. Hier wurde politischer Sinn gestiftet und Identität entwickelt.

All diese Orte werden ausführlich analysiert und mit dem jeweiligen theoretischen und analytischen Anspruch verbunden, dem die Autorin sich verpflichtet fühlt.

FreiRäume schaffen

FreiRäume sind freie Räume, aber von was sollten sie befreit werden? Die Autorin holt weit aus, wenn es um die Befreiung von anderen geht, die diese Räume erobert und erkämpft haben und sie jetzt besetzen. Oder sollen sie frei von Regeln und Reglementierungen sein? FreiRäume werden vorgestellt als Möglichkeitsräume, als Experimentierräume, sie sind aber keine Schonräume. Eroberte Räume bieten dem Eroberer immer eine neue Qualität. Die Berner Bewegung brachte eine Reihe solcher FreiRäume hervor.

Die Autorin interpretiert diese Räume recht feinsinnig und interessant – auch unterlegt mit theoretischen und analytischen Kategorien.

Geschlechterdifferenz und HandlungsRaum

Offensichtlich wird die Geschlechterfrage auch bei Hausbesetzungen! Die Konstitution von Raum im Häuserkampf bringt die alte Rollenverteilung ans Tageslicht - fordert sie zumindest heraus. Der Besetzer und die Putzfrau?

Die Autorin beschreibt dies differenzierter, analysiert die Geschlechterdifferenz im besetzten Haus, diskutiert Machtkonstellationen und widersprüchliche Geschlechterbeziehungen und fragt dann nach den symbolischen Markierungen von Geschlecht. Die Konstruktion von Männlichkeit und Weiblichkeit stellt sich als ein wichtiger Gestaltungsfaktor innerhalb der Bewegung heraus. Dies wird an Hand der Erfahrungen der Akteurinnen und Akteure sehr gut beschrieben und analysiert.

Aber es gibt auch Ambivalenzen in der Geschlechterkonstruktion. Der Anspruch, alternative Lebensformen zu entwickeln führt zur Verunsicherung der in klassischen Lebensformen praktizierten Rollenzuweisung – und dieser Prozess ist als Lernprozess immer ambivalent. Und es geht um Schwule und Lesben im Reitschulkontext als eine besondere Form der Geschlechterdifferenz. Diese Differenzen führen zu Aushandlungsprozessen, deren Ergebnis etwas ganz Neues hervorbringt.

In ihren Schussfolgerungen gibt S. Bieli noch mal einen Überblick über die Herangehensweise an den Sachverhalt und ihre Argumentationslinien.

Ihr Erkenntnisinteresse fasst sie in drei Punkten zusammen:

  • Zunächst ging es der Autorin darum, über die raumkonstituierende Qualität einer sozialen Bewegung nachzudenken.
  • Weiter ging es ihr um den Nachweis, dass sich durch die 80er Bewegung die Grenzen des Urbanen in Bern verschoben und damit neue HandlungsRäume möglich wurden. Auch wie sie sich verschoben, wurde aufgezeigt.
  • Die dekonstruktionsorientierte Verwendung des Raumbegriffs schärft die Analyse gesellschaftlicher Sinnbildungs- und Normalisierungsprozesse.

Die Ergebnisse ihrer Forschung sieht S. Bieli im Folgenden:

Die Qualität von Raum als relationale Anordnung macht auf drei Aspekte aufmerksam:

Der Raum kann gesellschaftliche Strukturen naturalisieren, gesellschaftliche Normen konservieren und emotionale Reservoirs bilden.

Diese drei Aspekte werden noch einmal ausführlich begründet.

Die Ergebnisse der empirischen Betrachtungen sieht die Autorin in folgenden Aspekten:

  • Die Verhandlung von Geschlecht wurde untersucht in Blick auf die geschlechterdifferenzierende Struktur der TatOrte, auch der geschlechtergetrennten Hausbesetzungen.
  • Die Verschiebung des Urbanen ist eine Hinterlassenschaft der Bewegung, wobei die Richtung der Verschiebung bedeutsam ist.
  • Die Bewegung hat erwirkt, dass sich differenzierte Lebensentwürfe in Bern durchsetzen konnten und das Urbane zeichnet sich aus durch Differenz und Integration.
  • Die Bewegung hat auch zu einer neuen Form der Kategorisierung über die Grenzen der alten Typisierungen und Etikettierungen geführt.
  • Die Bewegung hat zu Netzwerkbildungen geführt, die vielleicht eher auf dem Dorf denkbar sind unter den Bedingungen traditioneller Vergemeinschaftung - Stadt ist eher dann Gesellschaft.

Das Buch endet mit einer sehr ausführlichen Bibliographie und einem Anhang mit Quellen aus dem Internet, der Tagespresse und Archivmaterialien.

Zu Beginn des Buches findet man eine Zusammenfassung der gesamten Studie.

Diskussion

Wie erzeugen soziale Bewegungen sozialen Wandel? Wie kommt es zu neuen urbanen Lebensformen, wenn nicht über die Verletzung der alten? Und: Wie beeinflusst der Raum die Wirklichkeitskonstruktionen und wie eigenen sich die Akteure im Raum diesen Raum als sozialen Raum an, schaffen damit Orte und sozialräumlich gebundene Handlungskontexte?

So könnte man die Fragestellung dieses Buches verdichtet umschreiben.

Es ist in der Tat ein sehr dichtes Buch. Der Facettereichtum der Quellen und die hoch differenzierte Argumentation machen den Gegenstand auch sehr komplex.

Die Autorin zeichnet eine der vielen städtischen Bewegungen nach und fragt nach den räumlich verdichteten Geschichten und Hinterlassenschaften dieser Bewegung, die ja nicht nur sozialstrukturell etwas verändert hat, sondern auch das Konstitutive des Städtischen und damit der Stadt - ihre Urbanität und ihre Bürgerlichkeit – veränderte. Die Autorin verliert bei der Vielfalt ihrer Argumentationsstränge nie die raumtheoretische Perspektive ihres Ansatzes aus den Augen – und mit diesem Anspruch ist sie ja auch angetreten.

Fazit

Eine hoch interessante und zugleich spannende Nachzeichnung einer Sozialen Bewegung mit einer tiefgehenden theoretischen und analytischen Substanz. Und wer die Berner Verhältnisse kennt, hat noch mehr davon!


Rezensent
Prof. Dr. Detlef Baum
Professor für Soziologie mit den Schwerpunkten Soziale Probleme, Kommunale Sozialpolitik, Stadtsoziologie, insbesondere Soziale Probleme der Stadtentwicklung, Segregationsprozesse, Stadtumbau
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Zitiervorschlag
Detlef Baum. Rezension vom 20.02.2013 zu: Sabin Bieri: Vom Häuserkampf zu neuen urbanen Lebensformen. Städtische Bewegungen der 1980er Jahre aus einer raumtheoretischen Perspektive. transcript (Bielefeld) 2012. ISBN 978-3-8376-1704-7. Reihe: Urban Studies. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/14259.php, Datum des Zugriffs 26.08.2016.


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