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Stefan Bestmann, Sarah Häseler-Bestmann: Sozialraumorientiertes Übergangsmanagement

Cover Stefan Bestmann, Sarah Häseler-Bestmann: Sozialraumorientiertes Übergangsmanagement. Praxishandbuch zum Jugendmentoring beim Berufseinstieg am Beispiel von "Hürdenspringer". RabenStück Verlag (Berlin) 2012. 203 Seiten. ISBN 978-3-935607-60-5. D: 12,90 EUR, A: 13,30 EUR, CH: 15,59 sFr.
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Hintergrund und Intention

Von dem derzeit günstigen Trend auf dem Ausbildungsmarkt kann eine erhebliche Anzahl von Schulabgänger/innen nicht profitieren. Hierbei handelt es sich insbesondere um Jugendliche mit problematischen Bildungsbiografien, mit Migrationshintergrund oder/und unklaren beruflichen Perspektiven. Des Weiteren finden sich unter diesen viele junge Menschen, die über einen nur gering ausgeprägten familiären Rückhalt verfügen. Das Mentoringprojekt „Hürdenspringer“ des Unionhilfswerks, Landeverband Berlin e.V., unterstützt und begleitet sozial benachteiligte Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund aus drei Schulen im Berliner Stadtbezirk Neukölln durch ehrenamtliche Mentor/innen beim Übergang von der Schule in die Ausbildung und den Beruf. Das Projekt wurde im Rahmen des XENOS-Programms „Integration und Vielfalt“ von 2009 – 2012 durchgeführt und vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales sowie dem Europäischen Sozialfond gefördert. Die beiden Autoren waren mit der Evaluation des Projekts beauftragt und berichten über das methodische Vorgehen und die gewonnenen Ergebnisse.

Autoren

Sarah Häseler-Bestmann, Dipl. Soz.Päd. und Erwachsenenpädagogin (MA), ist freiberuflich in der Sozialforschung und Praxisberatung tätig und Lehrbeauftragte an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen in Berlin. Dr. Stefan Bestmann leitet das Europäische Institut für Sozialforschung (Berlin) und ist Gastprofessor an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin im Bereich Theorie und Methoden.

Aufbau und Inhalt

Nach einer Skizzierung der Ausgangssituation und einer konzeptionellen Darlegung des Mentoringprojekts „Hürdenspringer“ (Kapitel 1 und 2) werden die Ziele und das methodische Vorgehen der Evaluationsstudie vorgestellt (Kapitel 3 und 4). Die Untersuchung beabsichtigt, Wirk- und Erfolgsfaktoren des Projekts herauszufiltern und gelingende Mentoringtandems nachzuzeichnen. Dafür wird ein mehrschichtiges qualitatives Vorgehen gewählt, das neben Einzelgesprächen insbesondere leitfadengestützte Interviews und Gruppendiskussionen enthält und alle an dem Projekt beteiligten Akteure berücksichtigt.

In Kapitel 5 stellen die Autoren die Untersuchungsergebnisse detailliert dar. Zunächst werden fünf beispielhafte Fallportraits gelingender Mentoringtandems (Mentees und Mentoren) nach jeweils identischen Strukturierungsmerkmalen vorgestellt (Kapitel 5.1). Diese vermitteln dem/der Leser/in ein plastisches Bild über

  • die Motivation zur Projektteilnahme seitens der Jugendlichen sowie deren Mentor/innen
  • die Art des Kontakt- und Beziehungsaufbaus innerhalb der Tandems
  • konkrete Aktivitäten und Handlungsschritte der Tandems während ihrer Zusammenarbeit sowie
  • Vermutungen der befragten Mentees und Mentor/innen über mögliche Gründe für das Gelingen der Kooperation.

Anschließend wird das Interviewmaterial im Hinblick auf den Prozess der Mentorings analysiert. Im Ergebnis resultiert ein Modell des Mentoringverlaufs, in dem vier Phasen (Einstiegsphase, Orientierung, Aktion, Abschluss) voneinander unterschieden und deren Anforderungen an die Mentor/innen sowie relevante Themen charakterisiert werden (Kapitel 5.2).

Es folgt eine auf den vorangegangenen Ausführungen basierende Zusammenfassung von relevanten Kriterien für eine erfolgreiche Zusammenarbeit der Tandems (Kapitel 5.3.) und schließlich eine datengestützte Diskussion der Vorteile bzw. des Nutzens eines Mentoring für die jugendlichen Projektteilnehmer aber auch für deren Mentoren (Kap. 5.4).

Im abschließenden Kapitel 6 resümieren die Autoren, welche Aspekte auf übergeordneter Ebene für ein Gelingen des Mentoring bei der Einmündung von Jugendlichen in Ausbildung und Beruf wichtig sind und formulieren einige Schlussfolgerungen für das Übergangsmanagement als solches.

Zielgruppe

Der Untertitel dieses Buches lässt erwarten, dass die Autor/innen mit ihren Ausführungen vorwiegend Praktiker/innen ansprechen. Da es allerdings in weiten Teilen einen systematisch aufgebauten Bericht der vielfältigen Untersuchungsergebnisse enthält, sind ebenso Zielgruppen angesprochen, die sich auf wissenschaftlicher Ebene mit dem Thema auseinandersetzen.

Fazit

Die Publikation enthält relevante Evaluationsergebnisse (formativ und summativ) über das Patenschaftsmodell „Hürdenspringer“, die bei der konzeptionellen Entwicklung, Implementierung und Durchführung anderer Mentoringprojekte von Nutzen sind. Insofern stellt sie einen wichtigen Beitrag zur einschlägigen Fachdebatte dar. Eine Einordnung der exemplarischen Befunde in die aktuelle Forschungslage zur Wirkungsorientierung von Mentoringprogrammen sowie eine noch konsequentere Nachzeichnung der Sozialraumorientierung des Projekts anhand der gewonnenen Einzelbefunde (vgl. Titel des Buches) wäre bereichernd gewesen. Das Buch ist für diejenigen Leser/innen empfehlenswert, die mit Mentoringkonzepten befasst sind und eine Auseinandersetzung mit einer Vielzahl qualitativer Einzelbefunde nicht scheuen.


Rezensent
Prof. Dr. Matthias Brungs
Duale Hochschule Baden-Württemberg - Villingen-Schwenningen - Fakultät für Sozialwesen


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Zitiervorschlag
Matthias Brungs. Rezension vom 21.12.2012 zu: Stefan Bestmann, Sarah Häseler-Bestmann: Sozialraumorientiertes Übergangsmanagement. Praxishandbuch zum Jugendmentoring beim Berufseinstieg am Beispiel von "Hürdenspringer". RabenStück Verlag (Berlin) 2012. ISBN 978-3-935607-60-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/14313.php, Datum des Zugriffs 28.09.2016.


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