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Birgit Förg: Moral und Ethik der PR

Cover Birgit Förg: Moral und Ethik der PR. Grundlagen - theoretische und empirische Analysen - Perspektiven. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2004. 229 Seiten. ISBN 978-3-531-14147-3. 26,90 EUR, CH: 47,10 sFr.

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Einführung in die Themenstellung

Public Relations wird besonders bei Laien noch immer als etwas per se "Unmoralisches" angesehen. So haftet dem PR-Beruf der Ruch der rücksichtslosen Manipulation an, vor allem durch die oft beschrieene Schönfärberei. Und in der Tat werden solche Einstellungen durch spektakuläre Fälle untermauert. Fälle wie Hoechst, Brent Spar und Lipobay, die bewusst falschen Behauptungen der US-Regierung im Vorfeld des Golfkriegs 2003, die Affäre Moritz Hunzinger und der umstrittene Vertrag des damaligen BfA-Chefs Florian Gerster mit der PR-Agentur WMP Eurocom gehören zweifelsohne dazu. Die sinkende Glaubwürdigkeit großer Unternehmen, das schwindende Vertrauen in Politiker und Parteien, die Verunsicherung vieler Bürger, Konsumenten und Rezipienten hat nicht nur viel mit Kommunikationsfehlern, sondern auch mit einer offensichtlich fehlenden Kommunikationsethik zu tun. Im Rahmen ihrer Promotion bei Prof. Dr. Günter Bentele am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft in Leipzig geht Birgit Förg der Frage nach Ethik und Moral in der PR nach. Sie sucht nach Wegen zu einer anwendungsorientierten wie auch praktisch anwendbaren PR-Ethik, die die PR-Praktiker möglichst wenig einschränkt und zu deren Realisierung auch motiviert.

Aufbau und Inhalte

Um die Voraussetzungen einer anwendungsorientierten PR-Ethik zu eruieren, versucht die Autorin im ersten Teil die relevanten Begriffe wie Moral, Metamoral, Ethik und Metaethik sowie PR zu fassen, auch in Abgrenzung zu den benachbarten Berufsfeldern Marketing, Werbung, Propaganda und Journalismus. Anschließend klärt sie die theoretischen Grundlagen und prüft sie auf ihre praktische Anwendbarkeit. Dies sind die klassischen Ethiken in ihrer Beziehung zu einer anwendungsorientierten Ethik, ethische Methoden wie auch Theorien der PR auf verschiedenen Ebenen. Diese Grundlagen sollen helfen, die diversen Ansätze zu einer PR-Ethik in ihrer Fundierung zu verstehen und auf ihre Anwendungsorientierung hin zu untersuchen. Im Rahmen dieser Analysen werden auch die Vorzüge der diversen Theorien und Ansätze für die Entwicklung einer PR-Ethik aufgezeigt und später miteinander verbunden. Den Gewinn zweckdienlicher Erkenntnisse verspricht sich die Autorin auch durch die Betrachtung ausgewählter Ansätze der Wirtschaftsethik und der Medienethik.

Neben den relevanten Theorien prüft Förg im zweiten Teil eingehend die moralischen und ethischen Fundamente des PR-Berufs in Form der durchaus vorhandenen nationalen und internationalen Ethikkodizes auf Erfüllung unverzichtbarer inhaltlicher und formaler Kriterien sowie auf ihre Anwendungsbezogenheit und Anwendbarkeit. Der Hauptteil schließt mit der Auswertung von Intensiv-Interviews mit PR-Verantwortlichen ab. Daraus ergibt sich, dass sich die meisten Interviewpartner wenig, kaum oder gar nicht mit den bestehenden PR-Kodizes und mit PR-Ethik befasst haben, mehrheitlich aber der Auffassung sind, dass eine wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzung mit einer PR-Ethik in der Branche sinnvoll und notwendig sei.

So zieht die Autorin am Ende ihrer Arbeit die Schlussfolgerung, dass Berufspraktiker zusammen mit Experten für Moral und Ethik diskursiv eine PR-Ethik entwickeln sollten, die über die bestehenden, aber doch eher allgemein gehaltenen Kodizes hinausgehen. Der Autorin geht es um den Anstoß einer fachpolitischen Diskussion über den alltäglichen Umgang mit Werten wie Wahrhaftigkeit, Offenheit, Transparenz. Sie plädiert für die ethische Schulung von Einsteigern in den Beruf Public Relations, aber auch von allen noch nicht ethisch geschulten PR-Praktikern. Sind solche Maßnahmen erfolgreich, würde zweifelsfrei auch die moralische Sensibilität unter den PR-Verantwortlichen wachsen. Sie seien, so die Autorin abschließend, letztendlich am Stärksten für ein hohes Niveau der PR-Moral verantwortlich.

Fazit

Es ist keine leichte Kost, die Birgit Förg mit ihrer Arbeit vorlegt. Doch die Lektüre lohnt sich für alle, die sich theoretisch und vor allem praktisch mit Public Relations befassen. Die Beschäftigung mit dem Thema Moral und Ethik sollte allerdings immer aufrichtig sein. Das Thema darf zu keinem vorgeschobenen Grund für damit erreichte Effekte werden. PR-Moral darf niemals nur Kosmetik sein, die ein eher negatives Image künstlich aufpolieren soll. Jeder muss wissen: Vertrauen ist leichter durch moralisches Verhalten aufzubauen, durch die Einhaltung von kommunikationsethischen Normen wie Wahrheitstreue, Fairness, Genauigkeit, Transparenz. Genau da müssen der Diskurs und die ethische Schulung, die die Autorin fordert, ansetzen.


Rezensent
Thomas Mavridis
Inhaber der PR-Agentur DIE PR-KANZLEI am Bodensee (www.pr-kanzlei.de) und Lehrbeauftragter für PR, Marketing und Kommunikation an den Hochschulen München, Bamberg und Ravensburg. Auch auf Facebook und bei Twitter präsentiert und diskutiert Thomas Mavridis Wissenswertes rund um das Thema Public Relations & PR 2.0.
Homepage www.mavridis.de
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Zitiervorschlag
Thomas Mavridis. Rezension vom 28.12.2004 zu: Birgit Förg: Moral und Ethik der PR. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2004. 229 Seiten. ISBN 978-3-531-14147-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/1434.php, Datum des Zugriffs 08.02.2012.


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