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Berit Sandberg (Hrsg.): Nachfolge im Stiftungsvorstand

Cover Berit Sandberg (Hrsg.): Nachfolge im Stiftungsvorstand. Herausforderungen und Handlungsempfehlungen für das Gremienmanagement. Stiftung&Sponsoring Verlag GmbH (Verl) 2013. 276 Seiten. ISBN 978-3-9812114-1-2. D: 39,90 EUR, A: 41,10 EUR, CH: 53,90 sFr.

Reihe: Personalmanagement in Stiftungen - 2.
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Das Finden von Nachfolgern als strategisches Problem

In der deutschen Wirtschaftspresse ist seit Jahren zu lesen, dass Unternehmensinhaber große und stetig wachsende Schwierigkeiten damit haben, geeignete Nachfolger für die Übernahme des Betriebs zu finden. Die eigenen Kinder – wenn denn welche vorhanden sind – sind oft nicht bereit, selbstständig zu werden, auch andere geeignete Personen streben lieber eine abhängige Festanstellung an, und überhaupt geeignete Unternehmerpersönlichkeit zu finden, die von ihrem Naturell und Charakter prädestiniert sind, die Herausforderungen einer selbstständigen Existenz auf sich zu nehmen, ist äußerst schwer. Nachfolger im unternehmerischen Sektor der deutschen Gesellschaft zu finden, ist jedoch nur die eine Seite der Medaille. Auch im gemeinnützigen Bereich ist es immer wieder festzustellen, dass die Bereitschaft zur Übernahme von ehrenamtlichen Funktionen in den letzten Jahren und Jahrzehnten massiv nachgelassen hat. Auch für Vereine und Stiftungen stellt sich somit die Herausforderung neue Wege zu gehen und Instrumente zu nutzen, um die gesicherte und nachhaltige Fortexistenz der gemeinwohlorientierten Körperschaften zu sichern. Wie dies gelingen kann ist Thema des hier vorzustellenden Sammelbands, welcher von Berit Sandberg, Professorin für Public und Non-Profit-Management an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin, herausgegeben wird.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist insgesamt in drei große Abschnitte gegliedert, in denen sich die folgenden Beiträge finden: bei denen es sich um die folgenden handelt:

I. Nachfolge als Strukturproblem

  1. Einführung – Personelle Wechsel im Stiftungsvorstand als strategische Herausforderung (Berit Sandberg)
  2. Stiftungsrechtliche Rahmenbedingungen für die Nachfolge im Vorstand (Isa Nauck)
  3. Nachfolgeregelungen für den Stiftungsvorstand – Probleme und Lösungsansätze im Überblick (Isa Nauck)
  4. Planlos in die Besetzungsfalle – Ergebnisse einer qualitativen Studie zur Nachfolge im Stiftungsvorstand (Berit Sandberg)
  5. Nachfolge im Stiftungsvorstand – Ein Selbsttest zur Bestimmung ihres Risikolevels

II. Nachfolge als Organisationsgestaltung

  1. Aktive Gremien sind die beste „Lebens“-Versicherung für eine Stiftung (Karsten Timmer)
  2. Familienbande auf Ewigkeit – Stiftungen, Nachfolge und (Unternehmer-)Familien (Michael Alberg-Seberich)
  3. Vorstandsnachfolge als satzungsrechtliche Herausforederung – Empfehlungen zur Gestaltung der Stiftungssatzung (Almuth Werner)
  4. Notlösungen für den Krisenfall (Christoph Meking/Heiner Beisenherz)
  5. Vorstandsnachfolge als rechtspolitische Herausforderung (Kai Drabe)

III. Nachfolge als Prozess

  1. Nachfolge im Vorstand zwischen Tabu und Nebensache – Relevanz und Problemwahrnehmung aus Sicht von Stifter und Stiftung (Sarah Duletzki/Sarah Fehrmann)
  2. Vorstandsnachfolge mit Weitblick – Strategische und operative Planung des Wechsels (Berit Sandberg/Silvia Werner/Ina Dieckmann)
  3. Nachwuchsarbeit für den Stiftungsvorstand – Potenzielle Vorstandsmitglieder kultivieren (Daniela Harnaß/Michael Trautmann/Berit Sandberg)
  4. Vergessen oder verkannt? Junge Menschen als engagierter Nachwuchs in Stiftungen (Mareike Alscher)
  5. Stiftungsvorstände verzweifelt gesucht? Suchstrategie und Rekrutierungsprozess (Katia Fischer/Janine Mastel)
  6. Freude, Freiraum und Finanzen – Anreize für die Vorstandstätigkeit (Kathleen Husmann/Inga Simon/Berit Sandberg)
  7. Management der Übergangsphase – Orientierungshilfen für neue und ehemalige Vorstandsmitglieder (Sarah Boriés/Maik Hoffmann)

Literaturempfehlungen schließen das Buch ab.

Diskussion ausgewählter Beiträge

Wegen der Vielzahl der Beiträge soll im Folgenden nur auf einige wenige etwas ausführlicher eingegangen werden.

Isa Nauck präpariert in ihrem Beitrag mit dem Titel „Nachfolgeregelungen für den Stiftungsvorstand – Probleme und Lösungsansätze im Überblick“ (S. 48 ff.) fünf wesentliche Probleme heraus, die dazu führen, dass zu spät bzw. nicht erfolgreich Maßnahmen zur Stiftungsvorstandnachfolge eingeleitet werden. Diese fünf Problemtypen fasst sie folgendermaßen zusammen: (1) Vorausschauende Delegation von Verantwortung als psychologische Hürde für den Stifter (S. 52 f.); (2) Fehlende Auseinandersetzung mit der Nachfolge (S. 54 f.), (3) Mangelhafte Besetzung des Vorstands (S. 55 f.), (4) Satzungsschwächen (S. 56 f.) und schließlich (5) Personalwirtschaftliche Herausforderungen (S. 57 f.). Vor allem dem letztgenannten Aspekt sollte in der Praxis mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Informelle Netzwerke dominieren die Personalrekrutierung, klassische Methoden der Personalfindung wie Ausschreibungen werden hingegen sehr selten genutzt, obgleich gerade dieser Weg oft viel besser geeignet sein dürfte, vor allem mit Blick auf die Qualifikation geeignete Kandidaten zu finden. Nauck stellt sodann zahlreiche Instrumente dar, die dabei helfen sollen, die Nachfolge für den Stiftungsvorstand zu erleichtern. Dazu gehört zu Recht die Kooperation mit anderen Stiftungen, um auf diesem Wege Synergien zu schaffen (S. 66). Aber auch die Frage nach einer (signifikanten) Vergütung für den Stiftungsvorstand wird von ihr in Betracht bezogen, wobei sie völlig zu Recht auch den intrinsischen Aspekt nicht vernachlässigt und daher der Frage nachgeht, wie fehlende monetäre Anreize kompensiert werden können (S. 64).

Mareike Alscher beschäftigt sich in ihrem Beitrag mit der spannenden Frage, weshalb gerade jüngere Menschen in Stiftungsvorständen unterrepräsentiert sind. Als Gründe nennt sie z.B. die wesentliche größere räumliche Mobilität, die sich negativ auf ehrenamtliches Engagement auswirkt (S. 213). Aber auch veränderte Rahmenbedingungen im Bildungswesen setzen die jungen Menschen unter Druck, da eine Verdichtung und Verkürzung von Lernprozessen (G8 sowie Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge) zu konstatieren sind (S. 214), so dass auch von dieser Front Angriffe auf die Bereitschaft zu ehrenamtlichen Engagement zu konstatieren sind. Als gutes Instrument, um aus dieser Problemlage doch einen Gewinn zu ziehen, schlägt Alscher u.a. eine verstärkte Kooperation mit Bildungseinrichtungen vor (S. 222).

Fazit

Als Fazit lässt sich festhalten, dass der Sammelband ein äußerst reichhaltige Fundgrube praktischer und spannender Vorschläge bereithält, die es bei nachhaltiger und konsequenter Befolgung sicherlich ermöglichen, zumindest die Suche nach geeigneten Stiftungsvorständen etwas einfacher zu gestalten. Die qualifizierten Autoren der Beiträge präsentieren ihre Überlegungen, Forschungsergebnisse und Vorschläge in einer durchsichtigen, nachvollziehbaren und engagierten Sprache, so dass das Lesen großen Spaß bereitet und anregend für eigene stiftungsbezogene Herausforderung darstellt. Der günstige Preis trägt sein Übriges dazu bei, dass Buch vollumfänglich zu empfehlen und ihm einen großen Leserkreis zu wünschen – nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass der bunten und weiter wachsenden Stiftungslandschaft ein möglichst langes und produktives Leben beschieden ist.


Rezensent
Dr. iur. Marcus Kreutz
LL.M., Rechtsanwalt. Justiziar des Bundesverbandes Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland e.V. in Köln
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Zitiervorschlag
Marcus Kreutz. Rezension vom 11.12.2013 zu: Berit Sandberg (Hrsg.): Nachfolge im Stiftungsvorstand. Herausforderungen und Handlungsempfehlungen für das Gremienmanagement. Stiftung&Sponsoring Verlag GmbH (Verl) 2013. ISBN 978-3-9812114-1-2. Reihe: Personalmanagement in Stiftungen - 2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/14615.php, Datum des Zugriffs 26.07.2016.


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