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Sonja Enders: Das Jugendamt im Spiegel der Medien

Cover Sonja Enders: Das Jugendamt im Spiegel der Medien. Zerrbild zwischen Verantwortung und Versagen? Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2013. 288 Seiten. ISBN 978-3-7799-2282-7. D: 34,95 EUR, A: 36,00 EUR, CH: 44,90 sFr.

Reihe: Koblenzer Schriften zur Pädagogik.
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Thema

„Jugendämter erleben insbesondere dann hohe Aufmerksamkeit in den Medien, wenn sie versagen.“ So der Umschlagstext des rezensierten Buches. Erstaunlich sei dabei, dass es eine „immense Lücke wissenschaftlicher Auseinandersetzung“ dazu gibt.

Autorin und Entstehungshintergrund

Die Autorin Sonja Endersbefasst sich mit dem Thema in „(E)eine(r) Analyse der Presseberichterstattung in den Jahren 2006 bis 2008“ im Rahmen ihrer Dissertation. Christian Schrapper schreibt in seinem Vorwort dazu: „In der vorliegenden Arbeit wird schon in der Einleitung diese Spannung von ‚gefühlter‘ Medienrepräsentanz und empirisch fundierte Analyse von Medienberichterstattung als Ausgangspunkt aufgezeigt.“ Weiter führt Schrapper aus: „Für die Theorieentwicklung und Praxisreflexion Sozialer Arbeit erschließt diese Arbeit wichtiges und bisher durch empirische Forschung wenig erschlossenes Material.“

Aufbau und Einleitung

Die Arbeit ist in sieben Kapitel aufgeteilt.

Die Autorin beschreibt in der Einleitung und Erkenntnisinteresse im Prinzip als Resümee, dass schon fast jeder, den man zum Thema „Das Jugendamt im Spiegel der Medien“ anspricht, entsprechende Artikel aufgefallen sind. Resümierend wird dann festgestellt, dass „(D)das Jugendamt in der Presse […]negativ wahrgenommen [wird].“

Die Autorin beschreibt, bevor sie den Aufbau der Veröffentlichung darstellt, dass das „Fremdbild des Jugendamtes prägen und […] prägend [sind]“.

Zu Kapitel 1

Sonja Enders führt dann im Kap. 1.1 aus, dass „[Z]zunächst […] der Blick differenzierter auf die Annahmen zur Medienrepräsentanz der Jugendämter als eine Art ‚Fremdbild‘gelenkt werden [soll]“. Mit unterschiedlichen Autoren beschreibt Endersdie Ist-Situation in dem sie u.a. Heinz Müller zu Wort kommen lässt, in dem sie darstellt, dass „einerseits […] der ASD kaum wahrgenommen [wird]“, anderseits wenn er wahrgenommen wird dieses negativ sei. (vgl. H.Müller 2009 S.3). Resümierend stellt die Autorin fest, dass nicht nur die Betroffenen der Psychiatrie einen schlechte Wahrnehmung der Institution Jugendamt hat (Kinderklaubehörde), sondern, dass auch das Personal der Erwachsenenpsychiatrie eine derartige „Negativ-Wahrnehmung“ hat.

Auch im Kap. 1.2 „… auch für die Selbstbilder in Jugendamt und ASD“ werden von der Autorin Bespiele zur negativen Sichtweise des Jugendamtes und des ASD (BSD) gegeben, dabei sind auch die Meinungen der Mitarbeiter nicht gerade positiv, vor allem, weil durch die immens steigenden Fallzahlen die Arbeitsbelastung weiter steigt.

Im Kap.1.3 „Jugendämter in der Öffentlichkeit: Komplexes und nicht erforschtes Feld“ stellt Sonja Enders die Fragen, „Gibt es überhaupt ein Bild der Jugendämter in den Medien? Überwiegen tatsächlich negative Aspekte? Können aus der Berichterstattung der letzten Jahre Hinweise für eine Öffentlichkeitsarbeit der Jugendämter herausgearbeitet werden? Welche Bedeutung hat Öffentlichkeitsarbeit für Jugendämter? Und welche Ansatzpunkte gibt es hier für die Beteiligung in der Medienöffentlichkeit? Warum ist der Stellenwert von Öffentlichkeitsarbeit so gering? Was sind die Konsequenzen für Adressaten und Kooperationspartner?

Die Autorin stellt dann im Kap. 1.4 “Ziele und Aufbau der Untersuchung“ den Aufbau dar. Sie macht deutlich, dass mangels theoretischer und empirischer Befunde die in der Einleitung aufgeworfenen Fragen nicht gleichermaßen umfangreich beantwortet werden können. Insoweit hat die Autorin die Fragen in „zwei Schwerpunkten“ gebündelt.

In den folgenden 6 Kapiteln gliedern sich diese Schwerpunkte, „auch der Logik einer quantitativen Untersuchung folgend“.

Zu Kapitel 2

Im 2. Kap. lenkt Sonja Enders den Blick auf die theoretischen Grundlagen. Beginnend stellt sie die Frage „Wie öffentlich ist das Jugendamt?“

In 2.1, „Jugendämter in Deutschland: Schlaglichter“, reißt sie die Entstehung und Entwicklung der Jugendämter in Deutschland an, ohne auf den Anspruch einen Gesamtüberblick geben zu wollen.

Im weiteren wird die Frage „Wer oder was ist die Öffentlichkeit der Jugendämter?“ gestellt. Dabei wird u.a. auf die Öffentlichkeit und Sozialpädagogik, Öffentlichkeit in Jugendämtern, Öffentlichkeitsarbeit und Sozialpädagogik, geschichtliche Aspekte der Öffentlichkeitsarbeit in Jugendämtern, Öffentlichkeitsarbeit in der Disziplin eingegangen.

Im Kap. 2.3.2.2 zeigt uns die Autorin Plädoyers für eine offensive Öffentlichkeitsarbeit auf. Sie zitiert u.a. U.Straub: „Die Notwendigkeit von Öffentlichkeitsarbeit […] ist mittlerweile unbestritten. Weniger selbstverständliche ist, dass sich dies nicht in gelegentlichen Tagen der Offenen Tür […] erschöpft. Öffentlichkeitsarbeit ist mehr…“. Enders führt im weiteren aus, dass bei vermehrter Öffentlichkeitsarbeit die Vorurteile gegen das Jugendamt abgebaut werden können.

In den Kap. 2.3.2.3 bis Kap. 2.3.4 gibt die Autorin Hinweise zu einer gelingenden Öffentlichkeitsarbeit.

Sonja Enders setzt sich im Kap. 2.4 mit der Presse innerhalb der Medienöffentlichkeit auseinander indem sie sich der Funktionen der Medien, der Presse, der Tageszeitungen sowie der Presse als relevante Teilöffentlichkeit in der Sozialen Arbeit beschäftigt. Das Kapitel wird beschlossen mit einem Ausblick Jugendämter und Fernsehen, sowie der relevanten Öffentlichkeiten für Jugendämter.

Zu Kapitel 3

Das Kapitel 3 hat Frau Enders dem Stand der Forschung gewidmet. Sie teilt auf, zwischen der Öffentlichkeitsarbeit in sozialen Einrichtungen, Fremdbildern der Sozialen Arbeit in der Bevölkerung, den Adressaten und Sozialarbeit in den Medien. In dem Desiderate, zeigt die Autorin auf, das sich „die einzelnen Studien […] nur bedingt auf einander beziehen, dennoch […] einige Gemeinsamkeiten und zentrale Hinweise gewonnen werden [konnten]“

Zu Kapitel 4

Im Kap. 4 erläutert die Autorin das Forschungsdesign der empirischen Studie. Sie beschreibt die Wahl der Untersuchungsmethode gefolgt von der Beschreibung der Materialbasis, über die Operationalisierung der theoretischen Vorüberlegungen und bisherigen empirischen Befunde zur methodischen Anmerkungen und Gütekriterien.

Zu Kapitel 5

„Die empirischen Befunde werden in drei Teilen dargestellt“, so Sonja Enders. Im folgenden beschreibt sie dann die einzelnen Teile.

In Kap. 5.1 folgt die deskriptive Auswertung nach Dimensionen. Die Autorin unterscheidet dabei zwischen 5 Dimensionen, dem formalen Aspekt zum Artikel, dem formalen Aspekt zur Rolle des Jugendamtes, dem inhaltlichen Aspekt zur Rolle des Jugendamtes, zu den Adressaten/Hilfeempfängern und zu anderen Institutionen.

Kap. 5.2 beschäftigt sich mit der dimensionsübergreifenden bivarianten Auswertung. Hierbei geht es um die unterschiedlichen Hypothesen,

  1. zu den formalen Aspekten des Artikels und der Rolle des Jugendamtes,
  2. zum Verhältnis von Angebot, Leistung und Einzelfällen,
  3. zu Jugendämtern und Einzelfällen
  4. zu Angeboten, Ereignissen und Leistungen
  5. zu den Adressaten der Jugendämter, sowie
  6. zu dem Verhältnis von Jugendamt und anderen Institutionen.

Zusammenhangsvermutungen zu Konjunkturen der Berichterstattung über Jugendämter, zusammenfassende Befunde der deskriptiven und bivarianten Auswertung sowie weiterführende Hinweisen beschließen das Unterkapitel.

Das Kap. 5.3 befasst sich mit der multivariaten Auswertung, einer Clusteranalyse. Im Mittelpunkt des Unterkapitels stehen die Profile der einzelnen Cluster, so beschreibt das Cluster 1 das Jugendamt in der BRD als neutrale Randkategorie für ‚Randgruppen‘ mit dem Problemen im umfangreichen Artikel. Das Cluster 2 umfasst das (örtliche) Jugendamt als relativ freundlicher Dienstleister für andere Institutionen und verschiedenen Adressaten. Cluster 3 fasst das (zuständige) Jugendamt als ambivalenter ASD, der nicht alles ‚richtig‘ und nicht alles ‚falsch‘ macht, zusammen. Im Cluster 4 ist das örtliche Jugendamt ‚live‘ für alle Kinder und Jugendlichen in allen Lebenslagen zusammen gefasst. Cluster 5 letztendlich zeigt das Jugendamt, das ‚Nichts‘ oder nicht das ‚Richtige‘ tut und im Einzelfall in der Kritik und im Mittelpunkt steht.

Das Kapitel endet mit der Zusammenfassung der Ergebnisse und führt in das Kapitel 6 über, indem die Autorin bemerkt, „An dieser Stelle stellen sich nun Fragen nach Ansatzpunkten für die Pressepraxis der Jugendämter, worauf im“ Kapitel 6 „eingegangen werden soll.“

Zu Kapitel 6

Frau Enders macht in dem Kapitel Bilanz und Folgerungen deutlich, dass die Untersuchung gezeigt hat, das „wie differenziert die Bilder über das Jugendamt in der Presse zu betrachten sind.“ Neben den schlechten Berichten über die Tätigkeit der Jugendämter wird in der Untersuchung auch deutlich, so die Autorin, das die Berichte auch positive Wirkungen gehabt haben und untermauert diese Aussage mit der Aufstockung des Personals und/oder des Budget. Im weiteren führt Sonja Enders aus, dass „nicht nur ein Negativ-Image des Jugendamtes in den Medien bzw. den hier ausgewählten Artikeln präsent“ ist. „Vielmehr überwiegen andere Bilder des Jugendamtes deutlich. Hier wird […] ‚Gutes getan und darüber geredet Im weiteren zeigt sie auch die Spannungsfelder, Kap. 6.1 auf. In Kap. 6.2 wird dann eine kritische Bilanz für die Wissenschaft und Praxis gezogen.

Zu Kapitel 7

In der Schlussbetrachtung Kapitel 7macht Sonja Enders deutlich wie wichtig Öffentlichkeitsarbeit ist und verweist in diesem Zusammenhang auf die Polizei, die „auch nicht nur Freund und Helfer“ ist. Jugendamt ist, so sagt sie „nicht nur ein freundlichen Dienstleister,“ sondern auch sei der „Kontrollaspekt ebenso im Jugendhilfeauftrag verankert“. Sie beschließt ihre Ausführungen mit: „So sind es doch die Handlungsmaxime der Kinder- und Jugendhilfe und damit das Wohl des jungen Menschen selbst, die mit Lebensweltorientierung, Prävention, Hilfe zur Selbsthilfe, Beteiligung der Betroffenen und Einmischung im KJHG festgeschrieben wurden. Hierfür ist ein hinreichendes Maß an Aufklärung und Information der Bevölkerung und vor allem der jungen Menschen und Ihrer Eltern unabdingbar.“

Fazit und Zielgruppe

Die Veröffentlichung von Sonja Enders „Das Jugendamt im Spiegel der Medien - Zerrbild zwischen Verantwortung und Versagen?“ zeigt auf, dass das gefühlte Bild, das die Sozialarbeit über die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit nur bedingt richtig ist. Vielmehr, so macht uns Enders deutlich, sind nur etwa 15%, zumindest der ausgewerteten Quellen, von ‚bad news‘ geprägt. Dieses relativiert „unser“ doch eher schlechtes Gefühl ein wenig. Deutlich wird aber auch, dass sich Jugendhilfe, Sozialarbeit und insbesondere Jugendamt mit der Öffentlichkeitsarbeit auseinander setzen muss. Nicht die Öffentlichkeitsarbeit ist das Problem, sondern wer diese Veröffentlichungen steuert.

Ich denke, die Veröffentlichung von Frau Enders ist für die Fachwelt und Studierenden der Soziale Arbeit eine gute Quelle über Öffentlichkeitsarbeit nachzudenken.


Rezensent
Dipl.Soz.-Arb. Karl-Michael Froning
Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaft; Fakultät Soziale Arbeit
Homepage www.socialnet.de/l.php?BID=36510
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Zitiervorschlag
Karl-Michael Froning. Rezension vom 17.01.2014 zu: Sonja Enders: Das Jugendamt im Spiegel der Medien. Zerrbild zwischen Verantwortung und Versagen? Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2013. ISBN 978-3-7799-2282-7. Reihe: Koblenzer Schriften zur Pädagogik. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/14626.php, Datum des Zugriffs 29.09.2016.


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