socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Monika Bourmer: Berufliche Identität in der Sozialen Arbeit

Cover Monika Bourmer: Berufliche Identität in der Sozialen Arbeit. Bildungstheoretische Interpretationen autobiographischer Quellen. Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung (Bad Heilbrunn) 2012. 480 Seiten. ISBN 978-3-7815-1901-5. D: 39,90 EUR, A: 41,10 EUR, CH: 53,90 sFr.

Reihe: Klinkhardt Forschung.
Recherche bei DNB KVK GVK.

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Thema

Die Autorin beschäftigt sich mit der beruflichen Identität in der Sozialen Arbeit. Sie systematisiert diesen komplexen und äußerst heterogenen Diskurs und geht dabei der Frage nach, wie die in der Sozialen Arbeit tätigen Personen ihre berufliche Identität deuten. Ideale, normative Setzungen sind in ihrem Zugang jedoch nachrangig. Zur Auseinandersetzung mit dieser Fragestellung zieht sie drei Autobiographien heran.

Autorin

Dr. phil. Monika Bourmer ist Diplom-Sozialarbeiterin (FH) und Diplom-Pädagogin. Im Wintersemester 2013/14 und im Sommersemester 2014 hatte sie an der Universität Koblenz-Landau eine Vertretungsprofessur in Allgemeiner Pädagogik inne. Aktuell ist sie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Oldenburg tätig.

Entstehungshintergrund

Bei dem vorliegenden Buch handelt es sich um die Dissertation der Autorin, welche im Jahr 2012 an der Universität Koblenz-Landau, Campus Koblenz, im Fachbereich „Bildungswissenschaften“ eingereicht wurde.

Aufbau und Inhalt

Das Buch von Monika Bourmer umfasst 445 Seiten, unterteilt sich in fünf differenziert aufgebaute Kapitel und enthält zudem verschiedene Verzeichnisse.

In der Einleitung gibt die Autorin einen Einblick in die Entstehungshintergründe ihres Forschungsanliegens. Sie zeigt die Besonderheiten der Sozialen Arbeit – den Beschäftigungsanstieg in den verschiedenen Feldern der Sozialen Arbeit einerseits sowie die im Rahmen verschiedener Publikationen formulierte „Unsicherheit in Bezug auf das eigene Sein und Tun“ (13) andererseits – auf. Hieran anknüpfend beschreibt sie das Begehr der vorliegenden Arbeit, das „in Universitäten, Fachhochschulen sowie beruflicher Praxis diskutierte ‚Problem‘ der beruflichen Identität in der Sozialen Arbeit“ (14) aufzugreifen.

Das erste Kapitel widmet sich der grundlegenden Annäherung daran, was unter beruflicher Identität zu verstehen ist. Dieses komplexe Anliegen ist vor allem aufgrund verschiedener und zum Teil divergierender Definitionen von beruflicher Identität nicht ganz einfach. Die Autorin entwirft jedoch einen Ordnungsversuch, welcher drei Ebenen der beruflichen Identität in der Sozialen Arbeit unterscheidet. Dieser stellt die Basis ihrer subjektorientierten Perspektive dar.

Im Zentrum des zweiten Kapitels stehen bildungstheoretische und methodologische Aspekte. Die Autorin verortet die berufliche Identitätsentwicklung als Bildungsprozess und stellt die subjektive Sicht der Akteur*innen in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Im Anschluss an die „bildungstheoretische Konzeptionalisierung von Identität“ (42) erfolgt die Präzisierung der Forschungsfrage. Hieran anknüpfend erläutert sie die Geeignetheit von Autobiographien für ihr Forschungsvorhaben und begründet die Auswahl der gewählten Autobiographien. Im Weiteren skizziert sie das methodische Vorgehen der bildungstheoretischen Interpretation und stellt die sechs für ihre Studie entwickelten Grundaufmerksamkeiten für die Betrachtung der Autobiographien vor.

Im dritten Kapitel erfolgt die Interpretation der ausgewählten Autobiographien: Die retrospektiv und selbstreflexiv erzählten Bildungsgeschichten von Carl Mennicke, Margarete Cordemann und Hedwig Wachenheim stehen im Mittelpunkt der weiteren Betrachtung. Alle drei Autobiographien arbeitet sie anhand folgender Struktur auf:

  • Kurzbiographie
  • Autobiographie
  • Interpretation der Lebensgeschichte (unterteilt in Kindheit und Jugend, Berufsmotivation zur Sozialen Arbeit, Berufstätigkeit in der Sozialen Arbeit)
  • Zwischenresümee (unterteilt in Genese der beruflichen Identität, Inhalt der beruflichen Identität, Bedeutung der Sozialen Arbeit in der Lebensgeschichte, kritische Würdigung der Autobiographie)

Das vierte Kapitel nimmt die Gegenüberstellung der drei Autobiographien hinsichtlich struktureller Gemeinsamkeiten oder Unterschiede mit Blick auf die formulierten Forschungsfragen vor. Hierzu werden die drei Aspekte „Genese der beruflichen Identität“, „Inhalt beruflicher Identität“ und „Bedeutung des Berufes in der Lebensgeschichte“ betrachtet.

Das fünfte Kapitel stellt ein Resümee dar, in welchem die Autorin zunächst unter Berücksichtigung des zugrundeliegenden Wissenschaftsverständnisses verdeutlicht, dass und warum keine allgemeingültigen Antworten oder Generalisierungen vorgenommen werden können. Stattdessen erfolgen die „‚interpretative Rekonstruktion‘ und ‚inhaltliche Abstraktion‘ der bisherigen Forschungsergebnisse“ (420). Durch dieses Vorgehen gelingt es, konkrete Thesen zu formulieren, welche die Autorin in Bezug zu aktuellen Diskursen zur beruflichen Identität setzt. Die deutlich werdende Interdependenz von persönlicher Lebensgeschichte und beruflichem Handeln wird einer kritischen Betrachtung unterzogen. In diesem Zusammenhang zeigt die Autorin acht hiermit verbundene, mögliche Risiken auf. Darüber hinaus formuliert sie erste Überlegungen dahingehend, welche Bedeutung ein solches bildungstheoretisches Verständnis von beruflicher Identität für die Weiterentwicklung der Hochschulausbildung sowie die Disziplin und Profession der Sozialen Arbeit haben kann.

Diskussion

Monika Bourmer wirft durch die in ihrer Arbeit spezifisch herausgearbeitete bildungstheoretische Perspektive einen sehr nützlichen Blick auf die berufliche Identität von Professionellen in der Sozialen Arbeit.

Ihr methodologischer Zugang zeigt den großen Nutzen autobiographischer Betrachtungen, wenn es um das Verstehen von Selbstvergewisserungsprozessen und Identitätsentwicklung geht. Darüber hinaus wird hierdurch deutlich, dass das Festhalten an normativ gesetzten Identitätsidealen wenig hilfreich ist.

Die von ihr präzise aufbereiteten Bildungsgeschichten von Carl Mennicke, Margarete Cordemann und Hedwig Wachenheim verdeutlichen das hierin liegende Potential – ihre kritische Perspektive regt zudem in besonderer Weise zum Weiterdenken an. Das von ihr gewählte Vorgehen wird hierbei schlüssig und gut nachvollziehbar dargestellt.

Die abschließend formulierten Thesen beinhalten wesentliche Anknüpfungspunkte für die Studiengangsentwicklung und geben Impulse für weitere Forschungsarbeiten in diesem für die Professionalisierung der Sozialen Arbeit zentralen Bereich.

Der Charakter der Forschungsarbeit ermöglicht zudem einen guten Einblick in die Systematik wissenschaftlicher Arbeiten.

Fazit

Insgesamt handelt es sich bei der Arbeit von Monika Bourmer um einen für die Disziplin und die Profession Sozialer Arbeit wichtigen Beitrag in Fragen der beruflichen Identitätsentwicklung. Die Autorin leistet hierdurch zentrale Anknüpfungspunkte für die Weiterentwicklung der Hochschulausbildung, welche gerade im Kontext der noch recht jungen Bachelor- und Masterstudiengänge von großer Bedeutung sind.


Rezensentin
Prof. Dr. phil. Verena Klomann
Diplom-Sozialpädagogin/Master of arts in social services administration/Supervisorin (DGSv)
Professur für Theorien und Konzepte Sozialer Arbeit an der KatHO NRW, Abteilung Aachen
Homepage www.katho-nrw.de/aachen/studium-lehre/lehrende/haup ...
E-Mail Mailformular


Alle 6 Rezensionen von Verena Klomann anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Verena Klomann. Rezension vom 21.01.2015 zu: Monika Bourmer: Berufliche Identität in der Sozialen Arbeit. Bildungstheoretische Interpretationen autobiographischer Quellen. Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung (Bad Heilbrunn) 2012. ISBN 978-3-7815-1901-5. Reihe: Klinkhardt Forschung. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/14775.php, Datum des Zugriffs 27.09.2016.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Schon 12.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft

Gehören Sie auch schon dazu?

Ansonsten jetzt für den Newsletter anmelden!