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Mechthild Wolff, Sabine Hartig: Gelingende Beteiligung in der Heimerziehung

Cover Mechthild Wolff, Sabine Hartig: Gelingende Beteiligung in der Heimerziehung. Ein Werkbuch für Jugendliche und ihre BetreuerInnen. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2012. 140 Seiten. ISBN 978-3-7799-2091-5. D: 12,95 EUR, A: 13,40 EUR.

Reihe: Edition Sozial.
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Herausgeberinnen

Mechthild Wolff ist Professorin an der Fakultät Soziale Arbeit der Hochschule Landshut. Ihre Schwerpunkte sind, Erziehungswissenschaftliche Aspekte Sozialer Arbeit und Kinder- und Jugendhilfe. Sabine Hartig arbeitet als systemische Familienberaterin und hat in den Bereichen: Leitung einer Kindertageseinrichtung, Schulsozialarbeit, Präventionsprojekte für Jugendliche, Eltern und Organisationen sowie in Forschungsprojekten zur Partizipation in den stationären Erziehungshilfen ihre berufliche Praxis.

Entstehungshintergrund und Zielgruppe

„Hintergrund für dieses Werkbuch ist das Projekt „Beteiligung – Qualitätsstandards für Kinder und Jugendliche in der Heimerziehung“, welches von SOS-Kinderdorf e.V. gefördert wurde“ (S. 12). Mittlerweile ist aus dem Projekt die Internetseite „www.die Beteiligung.de“ entstanden, die mit Hilfe von Mitteln der Stiftung Deutsche Jugendmarke finanziert wurde. Namhafte Verbände der Erziehungshilfen wirken an der Aktualität der Seiten mit.
Das vorliegende Buch vereint Ideen von Jugendlichen zur Beteiligung im Alltag der stationären erzieherischen Hilfen. Betroffene entwickelten im Kontext von Workshops Ideen und verfassten Texte. Die Herausgeberinnen des Werkbuchs sammelten die Beiträge, und bereiteten sie systematisch zum Thema „Partizipation im Heim“ aus Sicht der Jugendlichen auf. Auf diese Weise erfahren Jugendliche ihre Beteiligungsrechte und erkennen, wie sie sich aktiv in der Kinder- und Jugendhilfe beteiligen können.

Aufbau

Nach einer Einführung in die Partizipationsthematik werden fünf Praxisbausteine vorgestellt: Beteiligung in eigener Sache, Beteiligung in der Gruppe, Beteiligung im Heim, Beteiligung im Umfeld und aus der Perspektive der Fachkräfte. Im Anschluss daran, befinden sich im Anhang Materialien und Methodentipps und ein Literaturverzeichnis über Beteiligungsprojekte. Adressen von Einrichtungen sowie Fachliteratur zum Thema Partizipation runden das Werkbuch ab.

Inhalt

Das Buch stellt viele Möglichkeiten der Beteiligung im Handlungsfeld der stationären Jugendhilfe vor. Die Leserinnen und Leser erfahren, welche Rechte Kinder und Jugendliche haben, und wie sie ihre persönlichen Interessen vertreten können. Die Gruppe wird als Lebensort vorgestellt, an dem es sich lohnt, sich für sich selbst und die Gemeinschaft einzusetzen.

Des Weiteren bietet das Buch Einblick in die Funktion und Dynamik der Heimerziehung. Um den Heimalltag mitzugestalten, ist profundes Wissen notwendig. Die Leserinnen werden über die Organisationsstruktur- und Kultur der erzieherischen Hilfen informiert. Die Herausgeberinnen stellen Projekte vor und das besondere Repertoire des Kinderparlaments, der Heimrat und die Möglichkeiten eines Qualitätszirkels werden erklärt.

In Kapitel IV, Beteiligung im Umfeld, wird das bürgerschaftliche Engagement aufgegriffen. Die Chancen der politischen Beteiligung werden anschaulich präsentiert. Des Weiteren werden Beteiligungsmöglichkeiten von Fachkräften.

Diskussion

Die besondere Qualität des Werkbuches liegt in der Art und Weise der Beschreibung und der grafischen Aufbereitung der Texte. Anschauliche Berichte von Jugendlichen erzählen aus der Praxis, und Jugendliche werden direkt angesprochen. Sie erhalten Tipps und Anregungen, z. B. über Beschwerdemanagement und über sich und ihre konkrete Lebenssituation nachzudenken. Die Leser und Leserinnen erhalten viele Erklärungen über die Verfahrensweisen in der Kinder- und Jugendhilfe, meist in jugendgerechter Sprache. Jugendliche können verständlich nachvollziehen, wie die Institution Heim ihre individuellen Möglichkeiten der Beteiligung, auch in der Peergruppe, ermöglicht.

Exemplarisch spiegelt der Praxisbaustein IV den Stil des Buches: „Hier geht es einmal um Deine Beteiligung – jenseits von Deinem Lebensraum Heim oder Deiner Wohngemeinschaft. Zugleich geht es um die Beteiligung Eurer Einrichtung in deren Umfeld. Hier sind Deine Beteiligungsmöglichkeiten in Deinem weiteren Umfeld gemeint, z.B. in der Schule, in Vereinen etc.“ (S. 136).

Fazit

Das Werkbuch regt an. Es eignet sich für alle, die den Alltag der erzieherischen Hilfen bereits kennen oder kennen lernen wollen und diesen professionell gestalten sollen. Partizipation wird hier konkret. Gleichzeitig verbindet das Werkbuch diese wichtige Strategie moderner Jugendhilfe mit der Theorie und Praxis von Heimerziehung, in dem es den Adressatinnen und Adressaten der Kinder- und Jugendhilfe institutionelle Zusammenhänge erläutert. Daher bietet dieses Werkbuch mehr als Tipps, um Beteiligung konkret und anwendbar zu machen.

Die ursprünglich politisch emanzipatorische Handlungsorientierung Partizipation wird hier in seiner alltäglichen Notwendigkeit und kritischen Zielsetzung lebendig. Im Alltag der erzieherischen Hilfen und an der Hochschule für Soziale Arbeit sollte dieses Buch nicht fehlen.


Rezensentin
Prof. Dr. Christiane Vetter
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Zitiervorschlag
Christiane Vetter. Rezension vom 21.06.2013 zu: Mechthild Wolff, Sabine Hartig: Gelingende Beteiligung in der Heimerziehung. Ein Werkbuch für Jugendliche und ihre BetreuerInnen. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2012. ISBN 978-3-7799-2091-5. Reihe: Edition Sozial. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/14844.php, Datum des Zugriffs 01.10.2016.


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