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Rainer Sobota (Hrsg.): Leitfaden Persönliches Budget

Cover Rainer Sobota (Hrsg.): Leitfaden Persönliches Budget. Balance Buch + Medien Verlag (Köln) 2013. 94 Seiten. ISBN 978-3-86739-079-8. D: 19,95 EUR, A: 20,60 EUR.

Reihe: Balance Beruf.
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Thema und Entstehungshintergrund

Das Buch resultiert aus einem Projekt, das der Bundesverband der Berufsbetreuer/innen e.V. durchgeführt hat: „Beratungs- und Clearingstelle des BdB. Im Projekt wurden Informations- und Schulungsmaßnahmen durchgeführt, eine wissenschaftliche Begleitung zur Frage der Umsetzung des Persönlichen Budgets im Rahmen rechtlicher Betreuung organisiert und es sollten Handlungsempfehlungen für die Umsetzung des Persönlichen Budgets im Umfeld rechtlicher Betreuung erarbeitet werden“ (S. 10).

Autor

Rainer Sobota gehört zum ehrenamtlichen Vorstand des BdB, ist als rechtlicher Betreuer selbstständig und hat in diesem Projekt an der Entwicklung von Qualitätsstandards für die Budgetassistenz mitentwickelt.

Aufbau

Das Buch ist schmal und damit auch sehr übersichtlich.

  • In der Einführung geht es um den Anlass des Buches sowie das Persönliche Budget als Leistungsform.
  • Im zweiten Teil wird das Betreuungsmanagement und die Bedarfsermittlung thematisiert.
  • Der dritte Teil hat das Antrags- und Bewilligungsverfahren zum Inhalt.
  • Den inhaltlichen Schluss des Buches bietet der Hinweis auf die Beratungs- und Clearingstelle des BdB.
  • Im Anhang sind wichtige Gesetzestexte abgedruckt sowie ein Beispiel einer Leistungsvereinbarung. Zu allen wesentlichen Inhalten gibt es Musterformulare, die heruntergeladen werden können.

Inhalt

Im ersten Teil wird das Persönliche Budget ausführlich vorgestellt. Dabei nimmt der Verfasser auch Bezug auf die UN-Behindertenrechtskonvention und argumentiert damit über das SGB IX hinaus. Zentral ist die folgende Auffassung: „Nicht die Verwaltung fremder Angelegenheiten, sondern die Unterstützung bei der Realisierung der eigenen Angelegenheiten der Klientel ist also die ‚neue‘ Aufgabe der Betreuung“ (S. 25). Ebenfalls in diesem Abschnitt wird die Budgetassistenz angesprochen, was bisher ein noch weitgehend ungeklärtes Feld ist.

Der zweite Teil befasst sich mit Betreuungsmanagement und Bedarfsermittlung. Dazu stellt der Autor ein Erhebungs- und Bewertungsverfahren vor, womit der Bedarf ermittelt werden kann. Dieses ist einfach gehalten und leicht umsetzbar, aber eben auch noch ein neues Instrument neben den vielen schon vorhandenen Hilfeplänen, Bedarfsermittlungsverfahren (HMB, IHP, IBRP, ITP, ICF etc.).

Der dritte Teil geht auf das Antrags- und Bewilligungsverfahren ein und beschreibt das Procedere. Dabei wird auch explizit auf die zeitlichen Vorgaben nach § 14 (SGB IX), den sog. Servicestellen, hingewiesen, was hierzulande meistens nicht so viel Beachtung findet. Auch wird die Unterscheidung zwischen einfachem Budget, trägerübergreifendem Budget und integriertem Budget vorgenommen. Schließlich wird die Beratungs- und Clearingsstelle des BdB vorgestellt.

Diskussion

Es ist ein schmales Buch (nur 60 Seiten inhaltlicher Text), was sehr übersichtlich und gut verständlich gehalten ist. Das persönliche Budget ist in seiner Umsetzung in Deutschland nach wie vor sehr zögerlich, was durch das Buch etwas angeschoben werden könnte, denn es nimmt so manche Befürchtung vor diesem Instrument und dem Verfahren, klärt wichtige Fragen und macht Mut dazu im Sinne eines rechtlichen Anspruches. Da hilft es auch, dass das Buch einfach geschrieben ist und damit für ehrenamtliche Betreuer ebenso gut geeignet ist wie für potentielle Antragsteller, die sich informieren wollen, aber auch für Studenten und andere soziale Berufe in der Ausbildung. Das Buch bezieht ganz klar Position zugunsten der Antragsteller und liefert gute Begründungen und Argumente, auch gegenüber häufigen Argumentationen der zuständigen Ämter. Was (mich persönlich) ein wenig stört, sind die Anglizismen, die unnötigerweise verwendet werden: Intake, Assessment, Linking und Monitoring. Diese Begriffe sind in den Sozialadministrationen nicht gebräuchlich und auch sonst in unserem (fachlichen) Sprachgebrauch nicht eingängig, insofern hätte es an dieser Stelle auch nicht sein müssen.

Fazit

Das Buch ist allen Menschen zu empfehlen, die sich mit dem persönlichen Budget befassen wollen/ müssen. Es ist als Nachschlagehilfe in der täglichen Arbeit genauso gut zu verwenden wie als Einführung zu diesem Thema. Die vielen Mustertexte und die übersichtliche Darstellung machen das Buch zu einer wertvollen Hilfe. Sympathisch ist ohne Frage die besondere Betonung die Unterstützung des Klienten in seinen Wünschen/ Vorhaben und dafür leidenschaftlich einzutreten anstatt Sachverwalter seiner administrativen Angelegenheiten zu sein. Damit wird der gute Sinn der gesetzlichen Betreuung wieder sehr deutlich.


Rezensent
Prof. Stefan Müller-Teusler
Homepage www.uelzen.paritaetischer.de
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Zitiervorschlag
Stefan Müller-Teusler. Rezension vom 18.06.2013 zu: Rainer Sobota (Hrsg.): Leitfaden Persönliches Budget. Balance Buch + Medien Verlag (Köln) 2013. ISBN 978-3-86739-079-8. Reihe: Balance Beruf. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/14954.php, Datum des Zugriffs 27.07.2016.


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