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Karo Zacherl: Psychomotorik. Spiel, Spaß und Bewegung im Kindergarten

Cover Karo Zacherl: Psychomotorik. Spiel, Spaß und Bewegung im Kindergarten. Don Bosco Verlag (München) 2013. 119 Seiten. ISBN 978-3-7698-1968-7. D: 15,95 EUR, A: 16,40 EUR, CH: 22,90 sFr.
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Thema

Das Buch „Psychomotorik. Spiel, Spaß und Bewegung im Kindergarten“ von Karo Zacherl bietet einen Einstieg in die psychomotorische Arbeit im elementarpädagogischen Bereich. Um diesen ganz nach dem „Motto: ‚Aufschlagen, reinschauen und loslegen‘“ (S. 7) möglichst schnell zu gewährleisten, stellt es in seinem Kern vor allem eine Sammlung an Bewegungsspielen dar. Diese werden eingebunden in ganz bestimmte, an der dialogischen Psychomotorik orientierte Rahmenbedingungen und Vorgehensweisen, wodurch der Unterschied zwischen bewegten Kreisspielen und psychomotorischen Übungsstunden deutlich wird. Dabei versteht sich das Buch als Plädoyer dafür, sich selbst und den Kindern in Kindertagesstätten mehr und vor allem differenziertere Bewegung zu ermöglichen.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist in einen theoretischen und einen praxisorientierten Teil untergliedert, wobei letzterer den umfassenderen Abschnitt darstellt, sodass der Schwerpunkt auf die praktische Anwendung psychomotorischer Arbeit gelegt wird:

  1. „Vorneweg ein wenig Theorie“ (S. 8 -31) und
  2. „Auf gehts – in die Praxis!“ (S. 32-117).

Im ersten Teil wird dabei nicht das Ziel verfolgt, einen Anschluss an den psychomotorischen Fachdiskurs zu ermöglichen, sondern erste, praxisrelevante Theoriebausteine vorzustellen. Als Hinführung zur Thematik dient hierbei die Fragestellung, was Psychomotorik eigentlich sei (S. 8-13). Vor dem Horizont verschiedener Ansätze greift die Autorin in Anlehnung an Michael Passolt zur Beantwortung der Frage auf den „dialogischen Ansatz“ (S. 9) in der Psychomotorik zurück und definiert diese als „ganzheitliche Persönlichkeitsförderung“ (S. 12).

Nach einem sehr kurzgehaltenen Problemaufriss hinsichtlich Verhaltens- und Entwicklungsauffälligkeiten von Kindern und damit einhergehenden Anforderungen und Grenzen elementarpädagogischer Arbeit fokussiert das nachfolgende Kapitel „Psychomotorik im Kindergarten“ (S. 13-18) die Kompetenzen von Kindern. Psychomotorik wird von der Autorin dabei als eine Methode beschrieben, die es ermöglichen könne, den organisational und gesellschaftlich bedingten Herausforderungen, vor denen PädagogInnen stehen, zu begegnen und dem Ziel, die Kinder bedürfnisorientiert zu fördern und ihre Kompetenzen zu stärken, gerecht zu werden (vgl. S. 14 ff.). Ferner werden die Kompetenzbereiche Ich-, Sach- und Sozialkompetenz skizziert und mit der Ermöglichung von Körper-, Material- und Sozialerfahrung als „Aufgabe des Psychomotorikers“ (S. 17 f.) in Zusammenhang gebracht.

In Vorbereitung auf den zweiten Teil des Buches und die potentielle psychomotorische Praxis der LeserInnen stellt die Autorin innerhalb der letzten beiden Kapitel zunächst die Rahmenbedingungen psychomotorischer Förderstunden vor (S. 19 ff.), es folgen vergleichsweise ausführlich „die Phasen der psychomotorischen Förderstunde“ (S. 21 ff.). Diese dienen als Strukturierungs- und Planungshilfe für die Vorbereitung solcher Stunden und führen die LeserInnen von einer Anfangsphase (S. 22 ff.) über die „Intensive Phase“ als Hauptphase (24 ff.) bis hin zu einer Abschlussphase (S. 29 ff.) durch eine 45-60 minütige Einheit. Als besondere Hilfestellung, die sich durch das gesamte Buch zieht, erhalten sie dabei Ideen für sprachliche Anregungen und Fragestellungen, die an die Kinder gerichtet werden können und dabei den dialogischen Aspekt unterstreichen.

Der zweite Teil des Buches füllt die vorangegangene Strukturierungshilfe mit über 70 Spielideen (vgl. S. 119) von A wie „Autorowdy“ (S. 113 ff.) bis Z wie „Zeitungstanz“ (S. 79) und ist in zwei Abschnitte gegliedert:

  1. „Stunden zur Materialerfahrung“ (S. 33-81) und
  2. „Projektbezogene Förderstunden“ (S. 82-117).

Um auch in Einrichtungen ohne Bewegungsraum oder -materialien einen schnellen und freudigen Einstieg in die Praxis der Psychomotorik zu ermöglichen (vgl. S. 32), bietet der erste Abschnitt ausschließlich solche Stundenbilder an, die mit Alltagsmaterialien umgesetzt werden. Hier zeigt die Autorin, dass sich Psychomotorik, konzipiert als „Spiel, Spaß und Bewegung im Kindergarten“, bereits mit einfachen Mitteln umsetzen lässt. In vier Kapiteln werden Spielideen zu

  • „Luftballons“ (S. 34-47),
  • „Schachteln“ (S. 48-57),
  • „Tücher[n]“ (S. 58-66) und
  • „Zeitungen“ (S. 67-81)

strukturiert dargestellt. Die LeserInnen erwartet dabei in jedem Kapitel eine detaillierte und kleinschrittige Anleitung am Beispiel einer psychomotorische Einheit, die in die bereits genannten Phasen (vgl. S. 21 ff.) unterteilt sind. Die dafür benötigten Materialien werden zu Beginn einer jeden Phase aufgelistet oder anhand eines Aufbauplanes visualisiert. Am Ende der vier Kapitel finden sich dann, um eigene psychomotorische Stunden zu gestalten, weitere, kurz beschriebene Spielideen zum Experimentieren, für Partner- und Gruppenspiele sowie kindgerechte Entspannung.

Im zweiten Abschnitt stellt die Autorin beispielhaft vier „projektbezogene Förderstunden“ dar, die sie als Anregung verstanden haben möchte, denn „vorgefertigte Stundenbilder [entsprechen] eigentlich nicht der psychomotorischen Idee“ (S. 82). Um ein bestimmtes Thema herum aufgebaut, bieten die Stundenbilder einen Anschluss an Projektarbeit, wie sie häufig in Kindertagesstätten umgesetzt wird. Vom Aufbau her folgen sie denen aus dem ersten Abschnitt, benötigen aber allesamt mehr Materialien, wobei es hier der Kreativität und Fantasie der LeserInnen überlassen bleibt, die Ideen an die Möglichkeiten der eigenen Praxisstelle anzupassen, was auch für die Planung und Umsetzung weiterer Einheiten gilt (vgl. ebd.). Am Ende des Buches angelangt sollten die LeserInnen in die praktische Arbeit der Psychomotorik einsteigen können.

Diskussion

Karo Zacherl verfolgt mit ihrem Buch „Psychomotorik. Spiel, Spaß und Bewegung im Kindergarten“ zwei Ziele. Zum einen möchte sie „einen kurzen Einblick in die Theorie der Psychomotorik geben und […] mit Stundenbeispielen, Spielideen und praktischen Tipps für den Alltag Lust auf psychomotorische Arbeit machen“ (S. 7). Es ist jenes Anliegen, welches ihr in sehr kompakter Weise gelingt, auch wenn der Einblick in die Theorie ausführlicher hätte ausfallen können, ohne solche Leser, die direkt in die Praxis einsteigen möchten, zu verschrecken. Auch ihnen hätte hier mehr Materialerfahrung zugemutet werden können, um so ein höheres Maß an Sachkompetenz zu gewährleisten (vgl. S. 15), denn Professionalität geht immer auch damit einher, die eigene Arbeit reflektieren aber auch vor anderen, z.B. Eltern, KollegInnen, Leitungskräften usw., legitimieren zu können. Eine klarere Einordnung von Psychomotorik in den Diskurs bezüglich frühkindlicher Bildung wäre hier wünschenswert gewesen.

Als zweites Ziel möchte die Autorin mit ihrem Buch „Mut machen; Mut, um dem institutionellen Alltag einer Kindertageseinrichtung mit mehr Gelassenheit begegnen zu können“ (S. 7). Inwiefern dieser Anspruch erreicht werden kann, ist nicht zu überprüfen – Man müsste die Leser fragen. Allerdings scheint dieses Ziel sehr hoch gesteckt zu sein, denn auch hier lässt das Buch ein Kapitel vermissen, welches den Zusammenhang zwischen einem „veränderten Blickwinkel“ sowie dem „Vermögen […] ein Stück Verantwortung abzugeben“ (ebd.) und der Methode der Psychomotorik in nachvollziehbarer Weise erläutert.

Als „Buch aus der Praxis für die Praxis“ (ebd.) besticht es jedoch sowohl durch sein handliches Format als auch seine farbliche und übersichtliche Gestaltung. Karo Zacherl ist damit ein Buch gelungen, das verständlich geschrieben ist, durch Bilder und Skizzen unterstützt wird und eine Auseinandersetzung mit einer neuen Methode auf unkomplizierte Weise ermöglicht. Es ließe sich an einem Wochenende durchlesen, woraufhin erste Inhalte bereits am Montag, ausgerüstet mit der Wochenendzeitung, umgesetzt werden könnten.

Fazit

Konzipiert als „Reise in die Welt der Psychomotorik“ (S. 6), richtet sich das Buch primär an solche Leser, die sich vorab noch nicht oder kaum mit Psychomotorik beschäftigt haben, jedoch im Feld elementarpädagogischer Arbeit tätig sind oder sich z.B. in der Ausbildung zur Erzieherin oder in einem Praktikum befinden. So versteht es sich dann auch als „Begleiter […], um mit geringem Aufwand in die psychomotorische Arbeit einsteigen zu können“ (S. 7). Für andere, psychomotorisch erfahrene Leser, z.B. auf der Suche nach neuen praktischen Ideen und Anregungen, kann es nur eingeschränkt empfohlen werden, da der Büchermarkt weitaus umfassendere Spielsammlungen bezüglich psychomotorischer Arbeit anbietet, die zudem über kindliche Entwicklungsbereiche und Förderschwerpunkte einzelner Spiele Auskunft geben, was dieses Buch leider vermissen lässt. Als schneller Einstieg ist es jedoch aufgrund seines geringen Umfangs von 119 Seiten und seines Preises (15,95 ?) sowie einer detailliert beschriebenen Strukturierungs- und Planungshilfe, die variabel mit den im zweiten Teil dargestellten Spielen gefüllt werden kann, auch für Teams zu empfehlen, die sich mit geringem Aufwand und wenig Zeitressourcen auf den Weg machen wollen, bewegter zu werden.


Rezensent
Stephan Ullrich
Hochschule Hannover (HsH), Fakultät V - Diakonie, Gesundheit und Soziales Abteilung Heilpädagogik
Wiss. Mitarbeiter Projekt: “Evaluation inklusiver Dokumentationsverfahren für Kinder von 0-10 Jahren”
Homepage www.hs-hannover.de
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Zitiervorschlag
Stephan Ullrich. Rezension vom 06.11.2013 zu: Karo Zacherl: Psychomotorik. Spiel, Spaß und Bewegung im Kindergarten. Don Bosco Verlag (München) 2013. ISBN 978-3-7698-1968-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/15106.php, Datum des Zugriffs 05.12.2016.


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