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Sigmar-Olaf Tergan, Peter Schenkel (Hrsg.): Was macht E-Learning erfolgreich?

Cover Sigmar-Olaf Tergan, Peter Schenkel (Hrsg.): Was macht E-Learning erfolgreich? Grundlagen und Instrumente der Qualitätsbeurteilung. Springer-Verlag (Berlin, Heidelberg, New York, Hongkong, London, Mailand, Paris, Tokio, Wien) 2004. 192 Seiten. ISBN 978-3-540-20676-7. 49,95 EUR.
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Einführung in das Thema

Konkret erwarten wir vom Lernen via E-Learning nichts anderes als durch andere Lernmethoden auch: den erfolgreichen Transfer oder die Förderung und Unterstützung dieses Transfers von theoretisch Gelerntem in die Praxis. In beruflichen Kontexten gibt es ergänzende Erwartungen hinsichtlich eines effizienteren betrieblichen Handelns und der damit verbundenen Einsparung von Kosten im Sinne eines Return on Investment. Zusammengefasst stellt sich so die Frage: Was sind qualitativ hochwertige E-Learning-Anwendungen? Was macht "E-Lernen" erfolgreich? Aus pädagogisch-psychologischer Sicht geht es bei dieser Frage, die sich viele Lehrende in Aus-, Fort- und Weiterbildung gestellt haben und/oder künftig stellen werden, vor allem um die Lernwirksamkeit von E-Learning-Anwendungen. Um diese Lernwirksamkeit erforschen zu können, bedarf es wissenschaftlicher Grundlagen, relevanter Methoden und Instrumente, die konkret für die Qualitätsbeurteilung von E-Learning-Anwendungen geeignet und erprobt sind. Diese Grundlagen und Instrumente der Qualitätsbeurteilung will das vorliegende Buch praxisorientiert präsentieren. Experten beleuchten in diesem Buch die Bedingungen für erfolgreiches webbasiertes Lernen aus verschiedenen Perspektiven: Lerner/Mitarbeiter, Trainer/Dozenten, Manager/Entscheider. Diese Akteure von E-Learning-Anwendungen verfolgen unterschiedliche Ziele beim Einsatz von E-Learning in der Weiterbildung. Wissenschaftlich fundierte Lerntheorien und Instruktionsdesign-Ansätze bilden die Basis, auf die sich die Qualitätsbeurteilung von E-Learning stützt. Für die Praxis sind Lernerbefragungen, zielgruppenspezifische Qualitätsprofile, kooperative Online-Lernszenarien, Kriterienkataloge, Softwareergonomie und webgestützte Evaluationsinstrumente relevant, die vorgestellt werden.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist in 13 Kapitel und einen Anhang mit Linksammlung, Autoren- und Sachverzeichnis gegliedert.

  1. Qualität von E-Learning: eine Einführung (Sigmar-Olaf Tergan, Peter Schenkel). Einleitung, Grundlagen zur Qualitätsevaluation, Überblick des gesamten Buches.
  2. Was macht Lernen erfolgreich? Die Sicht der Wissenschaft (Sigmar-Olaf Tergan). Lernrelevante Kontexte und Komponenten technologiebasierter Lernszenarien, Antworten aus dem Bereich Lerntheorie und Instruktionsdesign sowie aus Ansätzen der Qualitätsbeurteilung auf die Frage "Was macht Lernen erfolgreich?"
  3. Erfolgsfaktoren für E-Learning: Die Sicht der Lernenden und mediendidaktische Konsequenzen (Ulf-Daniel Ehlers). Lernerbezogene Qualität (ein Modell), Paradigmenwechsel in der Weiterbildung, neue Entwicklungen zu einer neuen Lernerorientierung, der Lerner als Ko-Produzent, Ergebnisse der Studie Lernqualität, Qualität als Ko-Produktion im Spiegel subjektiver Einschätzungen, ein empirisches Modell subjektiver Qualität, Qualität auf allen Ebenen, mediendidaktische Konsequenzen, subjektive Qualitätsprofile, Integration subjektiver Qualität in bestehende Qualitätssysteme, Wirkungsforschung zur subjektiven Qualitätsentwicklung.
  4. Qualitätssicherung für kooperatives E-Learning in Kleingruppen (Stefan Münzer). Lehrziele, Kontexte, Organisation, Evaluation, Qualitätssicherung und Einflussfaktoren für den Erfolg synchronen und kooperativen E-Learnings, Softwarewerkzeuge für synchrone kooperative Lernsitzungen.
  5. Qualitätskriterien für IT-basierte Lernmedien - nützlich oder unsinnig (Ulrike Rockmann). Der Qualitätsbegriff, Kriterien für Softwareergonomie und E-Learning, Evaluationsstudie zum Instrument QuIT-L, Produktdaten.
  6. Das Kunststück, alle unter einen Hut zu bringen. Zielkonflikte bei der Akzeptanz des E-Learning (Lutz Goertz, Anja Johannig). Der Akzeptanzbegriff, die Akteure und die Zielkonflikte in einem E-Learning Projekt, Lösungsansätze zur Akzeptanzförderung, Ausblick.
  7. Lerntechnologiestandards: Gegenwart und Zukunft (Jan M. Pawlowski). Lerntechnologiestandards, Learning Object Metadata (LOM), Sharable Content Object Reference Model (SCORM), korrespondierende und didaktische Standards, Qualitätsstandards des DIN, Zukunftsaussichten.
  8. Evaluation vom Bedarf bis zum Transfer: Einsatz eines webbasierten Werkzeugs zur Qualitätssicherung in der Bildung (Thomas Mayer, Christian Pfänder, Andrea Wellmann). Warum was evaluieren, Zielstellung bei der Evaluation, Anforderungen an ein elektronisches Evaluationstool, Einsatz des Tool CUE4.5 im Evaluationsprozess, Auswertung und Ergebnisdarstellung, die beteiligten Akteure - ihre Interessen und Möglichkeiten.
  9. Das Evaluationsnetz zur Evaluation von E-Learning (Peter Schenkel, Arno Fischer, Sigmar-Olaf Tergan). Anforderungen an das Evaluationsnetzwerk, Eigenschaften des realisierten Netzwerks, Arbeitsbereich Toolbox, Good Practice, EVA Wissen, Admin, Ausblick in die Zukunft.
  10. Praxisorientierte Qualitätsanalyse von Lernsoftware mit den webbasierten Tools Basic Clear und Exper Clear (Franziska Zeitler, Dirk Ablass). Wie lässt sich die Qualität von Lernsoftware beurteilen, Kriterienkataloge, ganzheitliche theoriegeleitete Ansätze, neuer Ansatz und neues Tool für die Qualitätsbeurteilung: Basic Clear, Exper Clear und der Kriterienpool, Standardfragebögen dieser Tools, Kriterienpool und Customizing von Fragebögen.
  11. Zertifzierung und Assessment im Rahmen eines Blended-Learning-Konzeptes (Sue Martin, Susanne Benning). Zertifizierung und Assessment als Instrumente des Bildungscontrolling, Zertifizierung und Assessment in einem Blended-Learning-Ansatz.
  12. Qualitätsverbesserungen von E-Learning durch vergleichende Tests (Alfred Töpper). Studie zur beruflichen Weiterbildung und zum Thema E-Learning, Qualitätstests- und Entwicklungen in den neuen Medien, Qualitätssicherungen durch Tests der Stiftung Warentest, Weiterbildungskurse im Internet, Untersuchungen von Lernsoftware Wirtschaftsenglisch und Office Produkten.
  13. Ein Instrument zur Beurteilung des Lernpotenzials von E-Learning-Anwendungen (Sigmar-Olaf Tergan, Peter Schenkel). Vorgehen bei der Qualitätsbeurteilung, Das Instrument, Kurzcheck, Beurteilung der Basisanforderungen, Beurteilungen des Lernpotenzials, Auswertung.

Zielgruppe

Evaluatoren von Lernsoftware in der Bildungspraxis; Entwickler von E-Learning-Anwendungen; Praktiker, Forscher, Tele-Tutoren, Dozenten und Studenten der Medientechnologie, Psychologie, Erziehungswissenschaft

Bewertung

Das übersichtlich gegliederte Buch "Was macht E-Learning erfolgreich" ist in zwei große Bereiche eingeteilt. Die "Grundlagen und Instrumente der Qualitätsbeurteilung" werden in den ersten sieben Beiträgen aus unterschiedlichen Perspektiven thematisiert. Hier gehen die Autoren auf die Bedingungen unterschiedlicher theoretischer Ansätze ein, die für den Lernerfolg aus wissenschaftlicher Sicht erforderlich sind. Konkret geht dieser erste Teil des Buches auf lerntheoretische Ansätze, Ansätze des Instruktionsdesign, Expertenbeurteilung, Lernerbedürfnisse und individuelle Lernkompetenzen, Lerntechnologiestandards, die Bedingungen und Einflussfaktoren netzbasierter Interaktion und Kommunikation und mögliche Zielkonflikte bei der Akzeptanz durch die verschiedenen Akteure ein und wirft so einen besonders weiten Blick auf den "Lernerfolg" des E-Learning, der sich nach den Jahren der "blinden" Euphorie einer umfassenden Qualitätsdebatte aus unterschiedlichen Perspektiven öffnet.

Der zweite Teil beschäftigt sich dann mit der Frage, welche webgestützten Instrumente zur E-Learning Evaluation geeignet sind. Das sich die Bezeichnungen der Evaluationstools bis auf das "Evaluationsnetz" wieder einmal hochtechnisch (CUE effect 4.5, Basic Clear, Exper Clear) anmuten, kann, sollte aber nicht abschrecken. Alle Beiträge dieses zweiten Teils machen deutlich, dass die Qualität von E-Learning Anwendungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln gesehen werden kann. Die Tools werden ausführlich und gut verständlich schriftlich und mit vielen Screenshots und Grafiken erläutert.

Dennoch fehlt meines Erachtens der für den Lernerfolg und die Handlungswirksamkeit zentrale Aspekt der Kompetenzentwicklung. Ein Beitrag, der neben den oben genannten Ansätzen und Dimensionen konkret auf die Kompetenzentwicklung durch und Kompetenzmessung bei E-Learning Anwendungen eingeht. Denn Lernerfolg sollte vor allem im Beruf immer auch eine Erweiterung der Handlungskompetenz beinhalten und dann auch so definiert werden.

Ingesamt machen die äußerst umfassenden Dimensionen und Perspektiven dieses Buch besonders auch für die soziale Arbeit und die Erziehungswissenschaften bedeutsam. Der Lerner und die Lernwirksamkeit - also der Mensch - steht wieder im Mittelpunkt der lange Zeit so "technisch" geführten E-Learning Debatte. Nur wenn der Mensch, der Lerner, im Mittelpunkt steht und E-Learning sich kontinuierlich in Qualitätsmessungen bewährt und somit erfolgreich ist, hat es langfristig die Chance auch von Lerngruppen anerkannt zu werden, die den neuen Informations- und Lerntechnologien nach wie vor besonders kritisch gegenüber stehen. Dieses Buch leistet einen entscheidenden Beitrag auf dem Weg zu diesem Ziel.

Fazit

Das Buch "Was macht E-Learning erfolgreich?"  ist ein unverzichtbares Werk für alle, die bereits E-Learning oder Blended-Learning Maßnahmen geplant und durchgeführt haben und diese nun evaluieren wollen. Es bietet neben einem wissenschaftlichen lerntheoretischen Rahmen eine umfassende Präsentation und Analyse von Möglichkeiten, Tools und Kriterienkatalogen um E-Learning Maßnahmen in Punkto Qualität und Lernwirksamkeit zu beurteilen.


Rezensent
Michael Kobbeloer
ist Autor, Trainer und Vortragsredner. Er erlebte das Bildungssystem aus allen Perspektiven und gab zuletzt seinen Beruf als Studiendirektor und Leiter einer Fachschule auf. Mit "emodaktik® - lernen erLeben" hat er sein Konzept der "Emotionalen Didaktik" umgesetzt und begleitet Lehrende auf dem Weg in ein zukunftsorientiertes Bildungssystem. Er ist unter anderem zertifizierter Trainer für emotionale und erfahrungsorientierte Lernmethoden sowie LernPROzess-Trainer
Homepage www.kobbeloer.de
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Zitiervorschlag
Michael Kobbeloer. Rezension vom 11.05.2004 zu: Sigmar-Olaf Tergan, Peter Schenkel (Hrsg.): Was macht E-Learning erfolgreich? Grundlagen und Instrumente der Qualitätsbeurteilung. Springer-Verlag (Berlin, Heidelberg, New York, Hongkong, London, Mailand, Paris, Tokio, Wien) 2004. ISBN 978-3-540-20676-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/1514.php, Datum des Zugriffs 30.08.2016.


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