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Tanja Sturm: Lehrbuch Heterogenität in der Schule

Cover Tanja Sturm: Lehrbuch Heterogenität in der Schule. UTB (Stuttgart) 2013. 192 Seiten. ISBN 978-3-8252-3893-3. D: 26,99 EUR, A: 27,80 EUR, CH: 35,90 sFr.
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Thema

Die zu besprechende Publikation will einen Beitrag dazu leisten, „die strukturellen und kulturellen Bearbeitungsformen von sozialen Differenzen in Schule und Unterricht sowie die dabei hervorgebrachten Praktiken von systematischer Benachteiligung sozialer Gruppen zu reflektieren“ (S. 9).

AutorIn oder HerausgeberIn

Tanja Sturm leitet an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Basel die Professur für Integrative Didaktik und Heterogenität.

Aufbau

  1. Einleitung
  2. Differenzen in Schule und Unterricht
  3. Schule: Institutionelle Bearbeitung und Herstellung von Differenzen
  4. Heterogene Milieus in Schule und Unterricht
  5. Inklusion als Perspektive schulischer und unterrichtlicher Bearbeitung von Heterogenität.

Inhalt

Nach der Einleitung befasst sich die Autorin zunächst mit den Polen Heterogenität vs. Homogenität und Differenz vs. Gleichheit. „Im ersten Abschnitt wird eine allgemeine Definition von Heterogenität“ (S. 14) dargeboten. Dieser folgt eine sozialkonstruktivistische und wisenschaftssoziologische Sichtweise, welche sich auf die Konzeption der Pädagogik kollektiver Zugehörigkeiten nach Arnd-Michael Nohl beruft. Es folgen „Überlegungen zu Milieus als Felder im sozialen Raum“ (ebd.).

Das dritte Kapitel fragt danach, wie die Schule Differenzen bearbeitet und produziert. Da geht es in 3.1 um die gesellschaftlichen Funktionen der Schule. Vier Funktionen werden hier unterschieden:

  • Enkulturation oder Bildung;
  • Qualifikation;
  • Allokation;
  • Legitimation oder Integration.

Bei der Differenzbearbeitung durch die Schule betrachtet Sturm den Wandel der Zeit, „indem ein Blick in die Geschichte des bundesdeutschen Schulwesens geworfen wird“ (S. 43). Dieser Blick widmet sich:

  • der Lösung vom Ständeprinzip und der Einführung des Leistungsprinzips;
  • der Ausweitung formaler Gleichheit und der bestehenden Ungleichheit
  • den Entwicklungen und Diskursen seit Beginn des 21. Jahrhunderts.

In 3.3 wird die Differenzherstellung und Differenzbearbeitung über die schulische Leistungsbewertung fokussiert. „Dass die Kontrolle mittels Noten funktioniert, steht im Zusammenhang mit der Knappheit begehrter gesellschaftlicher Positionen, die mittels zertifizierter Bildungsergebnisse zu erreichen sind bzw. vergeben werden“ (S. 56).

Im vierten Kapitel „werden vier Differenzdimensionen vorgestellt, die im Kontext von Schule und Unterricht im Zusammenhang mit der eingeschränkten Verwirklichung von Chancengleichheit bestehen“ (S. 64). Im Einzelnen sind das:

  • die sozial-ökonomische Ungleichheit: „Soziale Ungleichheit korrespondiert mit „Bildungsungleichheit“ […], da mittels schulischer Bildung soziale Privilegien gesellschaftlich legitimiert werden und Chancengleichheit nicht eingelöst wird (und – CR) im Kontext der Benachteiligung von Schüler/-innen aufgrund ihres familiären ökonomischen Kapitals wird überwiegend auf die Berufe und Bildungsabschlüsse der Eltern rekurriert“ (S. 65-68);
  • das Geschlecht: Geschlecht wird als eine soziale, mehrdimensionale Konstruktion verstanden;
  • Migrationserfahrungen: „Ziel dieses Abschnittes ist es, vorzustellen, was unter ‚migrationsbedingter Heterogenität‘ […] zu verstehen ist“ (S. 93);
  • Behinderung, aus welcher ein sonderpädagogischer Förderbedarf resultiert: „Behinderung soll hier […] in vergleichbarer Weise wie sozio-ökonomische, geschlechtliche und ethische Heterogenität dargestellt werden, da die Dimension in ihrer Ausprägung als sonderpädagogischer Förderbedarf in spezifischer Weise der Logik des Schulsystems entspricht“ (S. 107).

Das letzte Kapitel befasst sich mit der Inklusion und begreift diese als eine Perspektive schulischer und unterrichtlicher Bearbeitung von Heterogenität. „In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen der Inklusionspädagogik aus wissenssoziologischer Perspektive vorgestellt“ (S. 126). So widmet sich die Verfasserin:

  • der Inklusion als einem pädagogischen Rahmenkonzepts;
  • einer Definition zu Bildungs- und Lernprozessen;
  • der systematischen Annäherung an Lernprozesse durch Diagnostik;
  • den Anforderungen an die Initiierung von Bildungs- und Lernprozessen.

Diskussion

Was dieses Lehrbuch auszeichnet und so wertvoll macht sind die Übungsaufgaben am Ende eines jeden Kapitels. Die Leserin und der Leser können sich so vergewissern, ob sie das gelernt haben, was das Lehrbuch lehrt.

Fazit

Die Lektüre dieses Lehrbuches muss von allen Lehramtsstudentinnen und -studenten, sowie Lehrerinnen und Lehrern durchgeführt werden, da die hierin behandelten Themen „u. a. vor dem Hintergrund der aktuellen Inklusionsdebatte immer stärker“ (Klappentext) aufkommen.


Rezensent
Dr. Carsten Rensinghoff
Dr. Carsten Rensinghoff Institut - Institut für Praxisforschung, Beratung und Training bei Hirnschädigung, Leitung: Dr. phil. Carsten Rensinghoff, Witten
Homepage www.rensinghoff.org
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Zitiervorschlag
Carsten Rensinghoff. Rezension vom 28.08.2013 zu: Tanja Sturm: Lehrbuch Heterogenität in der Schule. UTB (Stuttgart) 2013. ISBN 978-3-8252-3893-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/15145.php, Datum des Zugriffs 28.06.2016.


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