socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Wolf Rainer Wendt (Hrsg.): Zuwendung zum Menschen in der Sozialen Arbeit

Cover Wolf Rainer Wendt (Hrsg.): Zuwendung zum Menschen in der Sozialen Arbeit. Festschrift für Albert Mühlum. Lippe-Verlag (Lage) 2013. 264 Seiten. ISBN 978-3-89918-212-5. D: 24,90 EUR, A: 25,60 EUR, CH: 35,50 sFr.
Recherche bei DNB KVK GVK.

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Herausgeber

Wolf Rainer Wendt, Prof. Dr. Phil., Diplom Psychologe, Case Manager Ausbildung (DGCC), bis 2004 Professur und Studienbereichsleiter Sozialwesen der Berufsakademie Stuttgart, Honorarprofessor der Universität Tübingen, lehrt an der Dualen Hochschule BW in Stuttgart, an der Univ. Tübingen und an anderen Hochschulen. Mitbegründer und bis 2009 Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit, seit 2005 Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Care und Case Management

Entstehungshintergrund:

Diese Festschrift ist gewidmet zum 70. Geburtstag von Herrn Albert Mühlum und für seine großartige Arbeit für die Soziale Arbeit. Verfasst wurde diese Publikation von mehreren AutorInnen und WegbegleiterInnen seiner beruflichen Stellung an Hochschule und Praxis. Der Herausgeber konnte Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Arbeitszusammenhängen und Netzwerken für einen Beitrag gewinnen.

Aufbau und Inhalt

Die Publikation enthält 15 Beiträge und gibt einen Überblick über aktuelle wichtige Aspekte in der Beziehung und Kommunikation von Helfern und Betroffenen in der Sozialen Arbeit. Dabei sind die Kontexte in der strukturellen Form von Unterstützung und Eingliederung, der Beratung und Therapie zu sehen. In den Beiträgen wird auf unterschiedlicher Weise die Soziale Arbeit in den Blick genommen. Dabei wird auf die elementaren Säulen eingegangen und einen perspektivischen Ausblick gegeben. Einige Autoren haben einen persönlichen Zugang zu Herrn Mühlum und reflektieren in Ihren Beiträgen, ihres Verständnis entsprechend, verschiedene Aspekte der Verbundenheit und der Verbindlichkeit im professionellen Handeln. In der Einleitung und den Beiträgen können sich die Leserinnen und Leser ein Bild von der wissenschaftlichen Vita und dem beeindruckenden Engagement von Albert Mühlum als herausragender Sozialarbeitswissenschaftler zu den Aspekten der Verbundenheit und Verbindlichkeit machen. Im Verlauf der Beiträge wird an Beispielen Bezug zu Herrn Albert Mühlums Arbeit genommen.

Der erste Beitrag der Festschrift „Sozialer Arbeit als Beziehungsprofession“ von Silke Gahleitner zeigt deutlich wie Interaktion und der Umgang in der Sozialen Arbeit im Kontext der Klinischen professionellen Arbeit für Facetten und Schwierigkeiten mit psychosozialen belastenden und bedürftigen Menschen hat. Anhand von einem Beispiel kann sich der Leser ein Bild von „Beziehung und Bindung“ im Sinne von Albert Mühlum machen.

Darüber hinaus setzt sich Helmut Pauls in seinem Beitrag „Der fühlende Mensch im Mittelpunkt-Emotionen in der Sozialen Fallarbeit“ mit Emotionen in der Interaktion von Klienten und Fachkräften auseinander. Dabei ist auf Seiten des Professionellen der Umgang mit Emotionen eine wichtige Kernkompetenz und eine wichtige Voraussetzung für die praktische soziale Fallarbeit und gerade im institutionellen Rahmen eine zukunftsweise Veränderungsprozess notwendig. Harald Ansen zeigt die methodische Vielfalt in der Arbeitsbeziehung und den der Förderung von Handlungsautonomie der Klienten. Der Professionelle Helfer muss dabei auf die Charakteristika der Beziehungsfördernden Mittel achten. Ein Praxisbeispiel verdeutlicht die methodischen Aspekte der Beratung und deren Handlungsorientierung.

Der folgende Beitrag von Herbert Effinger und Peter JensenDurch Ver- Antwortung verbinden-Zur Bedeutung von Beziehung und Verantwortung in Zeiten kompetenzorientierter Lehre“ zeigt die drei Dimensionen a) die Verstehens-und Erklärungsdimension, b) die Handlungsdimension, c) die Beziehungsdimension von hochschulischen Lehrens und Lernens. Beide Autoren betrachten dabei Vertrauen als ein wichtiges Element zwischen Studierenden und Lehrenden und zeigen auf wie gute Lehre sich gestalten kann und was dabei noch notwendig ist. Dabei sind zum Schluss des Beitrags zwei Forderungen an die Lehrenden für eine „kompetenz- und beziehungsbasierte Lehre“ aufgezeigt. Die Reflexion der Beziehungsgeschichte der eigenen Theorieentwicklung und deren Thematisierung. Weiter ist der Austausch mit Studierenden als authentischer Lehrender wichtig um Erlebens- und Erfahrungsräume zu schaffen um ein „Einstudieren“ mit dem Fremden im Studium für die Studierenden zu ermöglichen und als Dialog gesehen zu werden.

„Ethos als Disposition des Lebens“ zeigt der Herausgeber Rainer Wendt in seinem Beitrag: „Ethos als Erstreckung Sozialer Arbeit“. Er zeigt in beeindruckender Weise wie nach ethischer Orientierung der Einzelne in der Gesellschaft seine Lebensgestaltung begründen kann. Die Verbindlichkeit von Ethos ist aus Sicht von Sozialprofessionellen zur Reflexion seiner beruflichen Praxis von Nöten und unabdinglich. Die Soziale Arbeit ist dabei „Wirt“ des „Zurechtkommens“.

Martin Albert mit seinem Beitrag „Die Professionalisierung der Sozialen Arbeit zwischen Kunst und Funktionalität“ zeigt ein Bewusstsein des Expertenstatus von Sozialer Arbeit auf und gibt einen positiven Blick von Sozialer Arbeit in der Gesellschaft. Rita Sahle nimmt Bezug zur Sozialen Diagnose und analysiert verschiedene Diagnosekonzepte (u.a. PIE; PREDI, PRO Ziel). Dabei ist eine Bezugnahme der doppelten Perspektive der individuellen, sowie der sozialen, die Albert Mühlum schon früh festgelegt hatte, von Bedeutung. Die Bezugnahme in der Relation von Person und Umwelt und der theoretische Bezugsrahmen werden anhand von 3 Leitfragen reflektiert.

Gudrun Ehlert macht einen wichtigen historischen Aspekt von Sozialer Arbeit in Ihrem Beitrag: „Beziehungsweise Gender – Geschlechterperspektiven in der Sozialen Arbeit“ auf. Sie verdeutlich aus geschlechtertheoretischer Perspektive die Ursprünge der Sozialen Arbeit und zeigt die Wandlung auf. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Gender- Perspektive auf den Arbeitsmarkt und ihrer Ungleichheiten in der Beschäftigungssituation und der Entlohnung.

Der Beitrag von Rudolf Schmitt „Zuwendung zum Menschen und andere Bilder sozialer Interaktion: Methapheranalyse als Forschungsmethode der Sozialen Arbeit“zeigt eine innovative wichtige qualitative Forschungs- Auswertungsmethode auf, die für die Soziale Arbeit in Zukunft eine wichtige Forschungsmethode werden kann bzw. schon ist. Er macht in seinem Beitrag deutlich warum und was die Metaphernanalyse für die Sozialarbeitswissenschaft leisten kann. Der Autor verdeutlicht beispielhaft in neun zentralen metaphorischen Konzepten des Helfens die aktuellen Begriffe, die in der Sprache des Sozialen, unterschiedliche „Denk- Bilder“ aus unterschiedlichen Sichtweisen auslösen.

Die Klinische Soziale Arbeit kann nach Wolf Crefeld als eine Basis für einen sozialtherapeutischen Heilberuf werden und die Qualifikation sollte durch gesetzliche Regelung verankert werden. Sein Beitrag „Behandelnde Sozialarbeiter Das Projekt Klinische Sozialarbeit“ soll die Klinische Soziale Arbeit „als eine gemeinsame wissenschaftliche Basis für alle Formen psychosozialen Behandlung verstehen“.

Gernot Hahn geht in seinem Beitrag„Zuwendungen zum straffälligen Menschen-Beziehungsfaktoren und Beziehungsgestaltung in der forensischen Sozialarbeit“ auf Therapie- oder Beratungsprozesse ein, und deren Arbeit in Zwangskontexten und deren Lösungsperspektiven. Die Herausarbeitung von Beziehungsgestaltung mit straffälligen Personen stellt der Autor in Kontext von Motivationsarbeit auf und zeigt noch fehlende empirische Überprüfungen von der Wirkung von Tätertherapien auf.

Reflektieren erörtert Barbara Bojack in ihrem Beitrag „Darf eingegriffen werden? Kurzinterventionen bei vermutetem Alkoholmissbrauch im Betrieb“ Alkoholabhängigkeit im betrieblichem Rahmen und deren Interventionsmöglichkeiten. Die Autorin erläutert den präventiven Ansatz der Kurzintervention und zeigt auf, wie sich sozialarbeiterische Intervention an der Schnittstelle mit ärztlicher Tätigkeit an Bedeutung gewinnen kann.

Handlungsmächtigkeit (Agency) verdeutlicht Hans Günther Homfeldt in seinem Beitrag „Von der Anbieter-zu einer Akteursperspektive. Kompetenzen für das Soziale in der gesundheitsbezogenen Sozialen Abeit“. Er weist auf eine beeindruckende Weise die Selbstbestimmung der Betroffenen und die Partizipation im partnerschaftlichen Prozess des Dialogs von „Anbieter“ und „Empfänger“ in sozialen Diensten hin. Dabei erläutert er in den verschiedenen Arbeitsfeldern den Ansatz der Akteursperspektive und nimmt Bezug zu vorherigen Autoren, und speziell auf Albert Mühlums Haltung gegenüber den „Subjekten“, den „Experten in eigener Sache“.

In dem Abschlussbeitrag von Günter Rieger „Gerechtigkeit für Menschen in Gesellschaft“ nimmt er Bezug auf Gerechtigkeitsdiskurse, z.B. von Rawls und deren kritische Reflexion. Er zeigt nach Nussbaum Fähigkeitsansatz den Menschen „als soziale und politische Wesen“ und nimmt Stellung zur Michaels Walzers Selbstbestimmung und Mitgliedschaft, also zur „Spannung wie Zusammenhang zwischen Individualität und Gemeinschaft“. Nach seiner Meinung sind Abhängigkeitsverhältnisse zu wenig berücksichtigt und beleuchtet. Ziel ist die „Partizipation an Gemeinschaftsaktivitäten und damit die konkrete Verwirklichung von Mitgliedschaft“.

Diskussion

Die Festschrift vereint sehr heterogene Beiträge, deren Autorinnen und Autoren überwiegend einen Dank oder eine Widmung aussprechen. Einzelne Beiträge beziehen sich unmittelbar auf die Aktivitäten von Albert Mühlum. Gedankt wird beispielsweise seine jahrzehntelange Vorstandsarbeit bei der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit, seine beispiellose Unterstützung der Nachwuchsförderung, sowie der Klinischen Sozialarbeit und seine Fortschreitung der Theorie- und Methodenentwicklung der Sozialarbeitswissenschaft. So erschließt sich beim Lesen die Bedeutung des Engagements Albert Mühlum für die Entwicklung und das Ansehen der Sozialen Arbeit. Albert Mühlums Dissertation hatte schon zur damaligen Zeit den prägenden Ansatz für die Soziale Arbeit, in dem er Sozialarbeit und Sozialpädagogik, schon unter dem Begriff der „Sozialen Arbeit“ zu benennen. Die thematische Vielfalt spiegelt aktuelle Diskussionen in der Sozialen Arbeit wieder und die Artikel sind sehr lesenswert. Der Herausgeber hat es verstanden, Beiträge von hohem Niveau einzufordern.

Fazit

Die Veröffentlichung – als Festschrift für Albert Mühlum - vereint sehr unterschiedliche Beiträge, die aktuelle Perspektiven und Debatten, sowie aktuelle Fragestellungen und Reflexionen in der Sozialen Arbeit beinhalten. Es wird das professionelle Handeln im Dialog mit den „Betroffenen“ auf sehr unterschiedlicher Weise reflektiert und hinterlässt sehr viel positive Ansatzpunkte für die Soziale Arbeit. Ein wichtiger Beitrag für die Soziale Arbeit und eine wichtige Publikation für die Sozialarbeitswissenschaft um eine wichtige Person der Sozialen Arbeit zu danken.


Rezensent
Niklas Obitz
E-Mail Mailformular


Alle 3 Rezensionen von Niklas Obitz anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Niklas Obitz. Rezension vom 24.09.2013 zu: Wolf Rainer Wendt (Hrsg.): Zuwendung zum Menschen in der Sozialen Arbeit. Festschrift für Albert Mühlum. Lippe-Verlag (Lage) 2013. ISBN 978-3-89918-212-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/15188.php, Datum des Zugriffs 31.07.2016.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Schon 12.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft

Gehören Sie auch schon dazu?

Ansonsten jetzt für den Newsletter anmelden!