socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Daniel Schaufelberger, Peter Mösch Payot: Supported Employment

Cover Daniel Schaufelberger, Peter Mösch Payot: Supported Employment. Arbeitsintegration für Personen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt. Interact Verlag Hochschule Luzern (Luzern) 2013. 144 Seiten. ISBN 978-3-906036-09-0. D: 31,00 EUR, A: 31,90 EUR, CH: 33,00 sFr.
Recherche bei DNB KVK GVK.

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Thema

Thema des Buchs ist die Methode des Supported Employment zur Förderung der Arbeitsintegration für Personen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt.

Autor

Daniel Schaufelberger ist im Fachbereich Soziale Arbeit Projektleiter und Dozent an der Hochschule Luzern. Die Arbeitsintegration ist ein Schwerpunkt seiner Forschungstätigkeit.

Entstehungshintergrund

Die Mitarbeitenden der Hochschule Luzern im Bereich Soziale Arbeit sind täglich mit dem Spannungsverhältnis konfrontiert, dass es besonders im Bereich der Arbeitsintegration unabdingbar ist, sehr individuelle Unterstützungsangebote zur Verfügung zu stellen, sie es jedoch ablehnen, Arbeitslosigkeit als allein individuelles Problem zu verstehen, sondern vielmehr die problematischen verfestigten Strukturen der ökonomischen Bedingungen im Blick haben und dieser variabler gestalten wollen.

Mit dem vorliegenden Buch soll ein Beitrag zur Weiterentwicklung von Arbeitsintegration in diesem Sinne geleistet werden.

Aufbau

Das Buch umfasst neben einer Einleitung drei Teile. In der Einleitung stellt Schaufelberger die Situation der Arbeitsintegration in der Schweiz dar, erläutert die der Arbeit zugrunde liegenden Begriffe: Arbeit, Integration und Arbeitsintegration und gibt abschließend einen Überblick über den Aufbau des Buches.

Zu Teil 1

Im ersten Teil des Buches werden Grundlagen zum Konzept des Supported Employment erläutert. In der Darstellung von Definition und Prinzipien wird deutlich, dass das Konzept, welches ursprünglich für Menschen mit Lern- und geistiger Behinderung entwickelt wurde, sukzessive auch für andere nicht vermittlungsfähige Zielgruppen angewendet wird. Ziele des Supported Employment sind das Erlangen sowie die Sicherung von bezahlter Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt, wenngleich diese nicht die Ablösung von Sozialversicherungsleistungen bedingen muss. Besonders hervorzuheben ist das Paradigma, dass die Qualifikation zur spezifischen Arbeit erst nach der Platzierung auf dem Arbeitsplatz stattfindet. Arbeitsmarktfähigkeit ist demzufolge, wie auch im biopsychosozialen Modell, in Abhängigkeit von Umweltfaktoren zu verstehen. Als grundlegende Werte und Prinzipien im Konzept des Supported Employment gelten: Individualität und Respekt, Selbstbestimmung, Empowerment, Vertraulichkeit, Flexibilität und Barrierefreiheit. Als Modell welches sich auf die Zielgruppe von Menschen mit psychischen Störungen konzentriert, wurde IPS entwickelt und evaluiert.

Das Vorgehen im Prozess des Supported Employment wird als gemeinsames Handeln im Beziehungsdreieck von Klient/in, Arbeitgeber/in und Job Coach beschrieben, welches häufig durch Ansprüche des Kostenträgers erweitert wird.

Im Folgenden stellt Schaufelberger die Entwicklungslinien des Supported Employment vor, welche in den USA aufkeimten und in Europa erstmals in den 80er Jahren des 20.Jahrhunderts zu spüren waren. Ab Mitte der 90er Jahre kann dann von einer sprunghaften Entwicklung in Europa gesprochen werden. Schaufelberger fokussiert an dieser Stelle gesondert die Entwicklung in der Schweiz.

In der Darstellung theoretischer Bezugspunkte und empirischer Erkenntnisse wird deutlich, dass das Konzept des Supported Employment aus der Praxis heraus entwickelt wurde und aufgrund dessen nur wenig auf theoretische Grundlagen verwiesen wird. Bedeutsam ist jedoch, dass das Konzept auf das biopsychosoziale Verständnis von Behinderung zurückgreift und auf dem salutogenetischen Ansatz von Gesundheit fußt, in welchem der Fokus auf den Faktoren der Widerstandskraft liegt. Als zwei weitere wichtige theoretische Bezugspunkte gelten der Empowermentansatz und das Recovery-Konzept. Die Forderung nach einem direkten Zugang zum Arbeitsmarkt lässt sich theoretisch sowohl mit Stigma- und Labelingtheorien als auch mit der großen Bedeutung von Arbeitsintegration für gelingende Partizipation begründen. Des Weiteren fließen unterschiedliche Theorien über psychische Krankheiten mit ein. Betrachtet man die Ergebnisse empirischer Studien, wird deutlich, dass das Konzept des Supported Employment den herkömmlichen Maßnahmen im Hinblick auf gelungene Integration überlegen ist. Schaufelberger stellt hierzu verschiedene Studien aus dem angloamerikanischen Sprachraum, sowie aus Deutschland und der Schweiz vor. Die Studie von Doose (2007) zeigt im Vergleich mit geschützten Arbeitsplätzen außerdem eine höhere Zufriedenheit.

Ein Fallportrait über eine junge Frau mit Multipler Sklerose bildet den Abschluss des ersten Kapitels. Der Grundlagenteil des Buches wird dann mit einem Exkurs in die Soziale Arbeit und dem Bezug zum Supported Employment abgeschlossen.

Zu Teil 2

Teil 2 widmet sich der konkreten Umsetzung des Supported Employment Konzeptes. Dabei richtet der Autor sein Augenmerk auf die Entwicklung in der Schweiz, und stellt als erstes die Arbeitsmarktsituation in der Schweiz mit deren Möglichkeiten und Grenzen dar. Die bisherige Forschungslage zum Supported Employment ist in der Schweiz noch gering, die Arbeit von Rüst und Debrunner (2005) stellt hier eine Ausnahme dar. Schaufelberger beschreibt den Schweizer Arbeitsmarkt zwar als relativ robust, zeigt aber auf, dass auch hier eine Sockelarbeitslosigkeit entstanden ist, die weiter zunimmt. Studien stellen fest, dass eine wachsende Wirtschaft gerade nicht zur Verringerung, sondern zur Steigerung dieser Sockelarbeitslosigkeit führt. Eine hochgradig effiziente Wirtschat benötigt hochspezialisierte und -qualifizierte Arbeitnehmer, womit Personen mit geringerem Bildungsniveau noch weniger gefragt sind. Damit entspricht die Schweiz der Entwicklung einer modernen Leistungsgesellschaft. Für die Möglichkeiten des Supported Employment bedeutet dies, dass die Suche nach geeigneten Arbeitsplätzen für Personen mit Beeinträchtigungen schwierig ist und nötigenfalls auf sozialstaatliche Unterstützung zurück gegriffen werden muss, um geeignete Arbeitsplätze zu schaffen. Gleichwohl muss diskutiert werden in welchem Umfang es richtig und wichtig ist „weiterhin einzelne Personen mit viel Aufwand in den Arbeitsmarkt zu integrieren“. Hier bedarf es einer sensiblen Diskussion, da viele Menschen mit Beeinträchtigung sehr wohl in der Lage sind auf dem ersten Arbeitsmarkt bestehen zu können, wenn sie die Einstiegshürde bewältigt haben.

Im Anschluss widmet sich Schaufelberger den Anwendungskontexten und Zielgruppen von Supported Employment. Als Zielgruppen nennt er Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen oder Behinderungen sowie Langzeitarbeitslose Personen, Flüchtlinge und vorläufig aufgenommene Personen, Suchbetroffene Menschen und Jugendliche. In einer Tabelle stellt Schaufelberger die Zielgruppenspezifischen Kostenträger vor. Supported Employment wird dann eingesetzt, wenn es darum geht Arbeitsplätze zu erhalten oder die Rückkehr an den Arbeitsplatz zu ermöglichen, wenn es um die beruflicher Wiedereingliederung bei drohender Invalidität geht, wenn es um die Überwindung einer Invalidität geht, aber auch wenn eine berufliche (Erst-)Ausbildung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt gewünscht wird.

Die gesetzlichen Grundlagen und Finanzierungsmöglichkeiten stellt Schaufelberger im Anschluss dar und macht deutlich, dass die bisher schwierige Lage in der Schweiz aufgrund fehlender gesetzlicher Grundlagen zunehmend verbessert wird, weil Invalidengesetzgebungen revidiert und so Finanzierungsmöglichkeiten geschaffen werden. Dennoch ist an der Finanzierungspraxis zu kritisieren, dass die finanzierenden Stellen zu stark in die Ausrichtung von Supported Employment eingreifen und damit Selbstbestimmung und Wahlfreiheit einengen. So besteht die Forderung nach gesetzlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, welche mit dem Verzicht zur Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtkonvention bisher vermieden wurden.

Im folgenden Kapitel widmet sich Schaufelberger den verschiedenen Organisationen, welche Supported Employment anbieten. Seit 2008 ist eine rege Dynamik in der Entwicklung zu verspüren. Immer mehr Organisationen nehmen Supported Employment in ihr Angebot auf. Neben der Weiterbildung von Fachpersonal bedarf es konzeptioneller Überlegungen und der Identifikation mit dem Programm. Deshalb fasst Schaufelberger fünf Schritte zur Entwicklung des Supported-Employment-Angebots zusammen:

  1. Nach Analyse der Ausgangssituation müssen
  2. Zielsetzungen erfolgen.
  3. Diese ermöglichen ein strukturiertes Vorgehen bei der Planung und Konzeption.
  4. Nach erfolgter Umsetzung / Implementierung erfolgen
  5. Beobachtungen und Auswertungen, welche letztendlich die Grundlage zur erneuten Beschreibung der Ausgangslage sind.

Kapitel fünf dient der detaillierten Beschreibung des Supported-Employment-Prozesses, der in 4 Phasen aufgeteilt wird.

  1. In der Phase der Orientierung und Beauftragung geht es zuerst um die Kontaktfindung und -aufnahme zwischen Klienten, Job Coach und Kostenträgers. Der Kostenträger übernimmt Transferleistungen gegenüber dem Klienten, beauftragt den Job Coach und finanziert den Prozess des Supported Employment. Der Job Coach ist dem Kostenträger im Gegenzug Rechenschaft pflichtig. Nach Erstgesprächen und der Auftragsklärung ist der Aufbau einer tragfähigen Arbeitsbeziehung von großer Bedeutung.
  2. In einer zweiten Phase wird ein individuelles berufliches Profil erarbeitet und die Integrationsplanung begonnen. Schaufelberger verankert in diesem Profil die beruflichen Ziele und Wünsche, den beruflichen Hintergrund, die aktuelle Situation, berufliche Fähigkeiten und andere relevante Faktoren und stellt Methoden zur Erarbeitung des beruflichen Profils vor, wobei er als besonders wichtig heraushebt, dass sowohl Selbst- als auch Fremdeinschätzungen in die Profilbeschreibung einfließen sollten und miteinander abgeglichen werden müssen. Berufliche Praktika, Integrationsplanung, Persönliche Zukunftsplanung und Unterstützerkreise können für die Profilbeschreibung hilfreich sein.
  3. Nach der Profilerarbeitung folgt die Arbeitsplatzfindung und Vermittlung, welche die Akquise von Arbeitgebern, die Einschätzung von Arbeitsplatz und dessen Passung zum Klienten umfasst, sowie die Regelungen zur Anstellung betrifft.
  4. Die vierte Phase betrifft die Unterstützung am Arbeitsplatz selbst, welche die Begleitung während der Einarbeitung, einen permanenten Abgleich zwischen Arbeitsanforderungen und Möglichkeiten der Person, die Förderung der beruflichen Entwicklung sowie die persönliche Integration beinhaltet. Die Unterstützung am Arbeitsplatz ist ein wichtiger Faktor für den Erfolg der Arbeitsplatzintegration. Die Aufgaben zur Unterstützung am Arbeitsplatz werden in einer Tabelle übersichtlich zusammengefasst. Mit den Perspektiven des Supported Employment in Kapitel sechs wird der zweite Teil des Buches abgeschlossen.

Zu Teil 3

Im dritten Teil des Buches beleuchtet Mösch Payot die arbeitsrechtlichen Fragen rund um Supported Employment, die u.a. Fragen nach dem Arbeitsvertragstyp, der Haftpflicht, den Sozialversicherungsleistungen, sowie anderen überobligatorische Versicherungen beinhaltet.

Diskussion

Schaufelberger gelingt es sehr gut einen ansprechenden und gut lesbaren Überblick über Chancen und Schwierigkeiten des Supported Employment Ansatz darzustellen. Fallbeispiele geben einen guten Einblick in die Praxis. Eine Reihe von Tabellen und Grafiken fassen die Inhalte übersichtlich zusammen. Wenngleich Schaufelberger einen besonderen Fokus auf die Entwicklung und die rechtlichen Bestimmungen in der Schweiz setzt, ist dieses Buch auch für Leser anderer Nationen geeignet, um einen Einblick in die Praxis des Supported Employment zu erhalten.

Fazit

Schaufelbergers Buch ist eine lesenswerte Darstellung der Situation und Praxis des Supported Employment. Sehr anschaulich wird das Konzept erläutert und wissenschaftlich untermauert. Rechtliche Fragen (mit Fokus auf die Schweiz) finden ebenso ihren Platz wie praktische Fallbeispiele.


Rezensentin
Anne Goldbach
Wissenschaftliche Mitarbeiterin Universität Leipzig - Erziehungswiss. Fakultät Institut für Förderpädagogik
Homepage www.erzwiss.uni-leipzig.de/fakultaet/personen?view= ...
E-Mail Mailformular


Alle 5 Rezensionen von Anne Goldbach anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Anne Goldbach. Rezension vom 04.07.2014 zu: Daniel Schaufelberger, Peter Mösch Payot: Supported Employment. Arbeitsintegration für Personen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt. Interact Verlag Hochschule Luzern (Luzern) 2013. ISBN 978-3-906036-09-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/15216.php, Datum des Zugriffs 30.07.2016.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

Stellenangebote

Geschäftsführer/in, Hamburg

Weitere Anzeigen im socialnet Stellenmarkt.

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Schon 12.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft

Gehören Sie auch schon dazu?

Ansonsten jetzt für den Newsletter anmelden!