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Annette Just: Handbuch Schulsozialarbeit

Cover Annette Just: Handbuch Schulsozialarbeit. Waxmann Verlag (Münster/New York/München/Berlin) 2013. 597 Seiten. ISBN 978-3-8309-2765-5. D: 59,90 EUR, A: 61,60 EUR, CH: 79,00 sFr.
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Thema

Schulsozialarbeit gehört sicher zu den expandierenden Handlungsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe. Das vorliegende Buch möchte dabei ausdrücklich keine theoretische Abhandlung darstellen, sondern ein Nachschlagewerk für den beruflichen Alltag bieten (vgl. Just 2013: 13). Dieses Ansinnen scheint mir grundsätzlich sinnvoll. PraktikerInnen in der Schulsozialarbeit stehen nicht selten vor der Herausforderung, für die individuelle Schule in dem je spezifischen sozialräumlichen Umfeld Konzeptionen und Angebote zu entwickeln, die dann nicht unbedingt übertragbar sind auf andere Schulen. Zudem wird das umfangreiche Praxiswissen von PraktikerInnen selten systematisch niedergeschrieben und veröffentlicht.

Entstehungshintergrund

Die Autorin stellt in diesem Buch die Ergebnisse schulsozialpädagogischer Beratung und Begleitung an Gymnasien und Realschulen in Münster und Berlin zusammen.

Aufbau

Das Buch umfasst insgesamt um die 600 Seiten und ist in zwei quantitativ in etwa gleich große Teile gegliedert.

  1. Im ersten Teil werden allgemeine Grundlagen der Schulsozialarbeit erläutert (Leitbild und Konzept, Qualität, Struktur, Entwicklung, Dokumentation u.a.) sowie ausgewählte Konzepte zur Durchführung von präventiven Gruppenangeboten (Suchtprävention, Streitschlichterausbildung, Anti-Mobbing-Training u.a.) vorgestellt.
  2. Der zweite Teil wird als „Methodenreader“ bezeichnet und stellt eine umfangreiche Sammlung der Mikromethoden dar, auf die im ersten Teil des Handbuchs im Kontext der vorgestellten Gruppenangebote verwiesen wird.

Inhalt

Im ersten Abschnitt („Das schulsozialpädagogische Feld“) wirft die Autorin viele Fragen auf, die sich Schulsozialarbeitenden in der Praxis zunächst stellen können:

  • Was ist Schulsozialarbeit?
  • Welche Qualifikationen hat ein Schulsozialarbeiter zu erfüllen?
  • Welche Beratungskompetenzen, Weiterbildungen, Spezialisierungen muss er mitbringen?
  • An welchen Konzepten orientieren sich Schulsozialarbeiter u.a.

Da diese Fragen wegen der heterogenen Schullandschaft und des unterschiedlichen Entwicklungsstandes der Schulsozialarbeit in den Bundesländern nicht allgemeingültig zu beantworten sind, entwickelt Just in der Folge einen eigenen Ansatz, stellt die schulsozialpädagogische Beratung und Begleitung als wesentliche methodische Elemente schulsozialarbeiterischen Handelns vor.

Im zweiten Abschnitt („Leitbild und Konzept der Schulsozialarbeit“) geht Just auf grundlegende Orientierungen für die Schulsozialarbeit ein. In aller Kürze werden gesetzliche Grundlage (hier am Beispiel des Schulgesetzes von NRW sowie, natürlich, des SGB VIII), daraus resultierende Aufträge an die Schulsozialarbeit, konzeptionelle Konkretisierungen (Ziele und deren Umsetzung, Prozessplanung, Qualitätssicherung, Qualitätsgrundsätze) sowie das potentielle Leistungsangebot der Schulsozialarbeit skizziert.

In Abschnitt 3 („Das praktische Feld“) werden sehr kurz (auf 5 Seiten) Strukturen in der Kinder- und Jugendhilfe und der Schule vorgestellt, daran anschließend in Abschnitt 4 („Der Einstieg ins praktische Feld“) ganz konkret anhand einer umfangreichen Checkliste vorgeschlagen, wie für SchulsozialarbeiterInnen der Einstieg in das Handlungsfeld Schulsozialarbeit gestaltet werden kann.

Im 5. und 6. Abschnitt, mit einem Umfang von etwa 150 Seiten, werden Grundgerüste schulsozialpädagogischer Präventions- und Interventionsmaßnahmen vorgestellt (Suchtprävention, Streitschlichterausbildung, Achtsamkeits- und Wertschätzungstraining, Anti-Mobbing-Training, Hospitation und weitere (Soziale) Trainings). Diese Grundgerüste schlagen ganz konkrete Abläufe für die einzelnen Trainings vor, die vorgeschlagenen Übungen werden im Punkt 12 („Methodenreader“) detailliert beschrieben.

Im 7. Abschnitt werden exemplarische Fallbeispiele aus der Praxis der Schulsozialarbeit beschrieben.

Im 8. Abschnitt („Die Fachbibliothek“) wird vorgeschlagen, einen Methodenreader, einen Konzeptreader und einen Planungsreader anzulegen, und damit ein eigenes Nachschlagewerk für die eigene Tätigkeit anzulegen. Zudem wird angeregt, einen Netzwerkkatalog anzulegen, in dem AnsprechpartnerInnen von externen Institutionen aus dem Netzwerk der Schule oder aus konkreten Kooperationen der Schule schnell auffindbar sind.

Im 9. Und 10. Abschnitt gibt Just Hinweise zum schulsozialpädagogischen Qualitätsmanagement (Grundlagen, Trägerschaft, Mitarbeiterspezifische Prozesse, Datenerhebung und Evaluation, Marketingkonzept). Für alle beschriebenen Analysemaßnahmen und Prozesse sind konkrete Vordrucke mit detaillierten Hinweisen zur Durchführung im Internet herunter zu laden (Insgesamt finden sich unter www.waxmann.com/buch2765 die kompletten Anlagen zum freien Download).

Der erste Teil des Buches endet mit dem 11. Abschnitt, in dem ein Vorschlag für eine Weiterbildung in der Schulsozialarbeit unterbreitet wird.

Diskussion

Es ist mir wichtig darauf hinzuweisen, dass es sich bei dem vorliegenden Werk nicht um ein Handbuch im Sinne einer systematischen, eher theoretischen lexikalischen Aufarbeitung des Wissens zum Handlungsfeld Schulsozialarbeit handelt. Wer dies sucht, wird von dem Buch eher enttäuscht, die Theorie kommt vergleichsweise kurz, es ist nicht vorrangiges Ziel des Buches, Begriffe zu klären und zu systematisieren oder theoretische Grundlagen zu reflektieren. Dies stellt die Autorin zu Beginn der Lektüre auch in aller Deutlichkeit dar.

Bei dem vorliegenden Handbuch handelt es sich eher um eine konkrete Anleitung zur Schulsozialarbeit. Es ist gut lesbar geschrieben, die LeserInnen werden immer wieder persönlich angesprochen („Liebe Leserinnen und Leser“, „Liebe Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter“). Das Handbuch ist meiner Einschätzung nach besonders wertvoll für jene Praktikerinnen und Praktiker der Schulsozialarbeit, die Anregungen für ihre schulsozialarbeiterische Praxis brauchen und die die eigene Praxis mit den hier gemachten Vorschlägen abgleichen oder durch sie ergänzen wollen. Besonders jene SchulsozialarbeiterInnen, die an ihrer Schule vorrangig Gruppenangebote anbieten, finden durch die detaillierten Beschreibungen von Trainingsabläufen und durch die Beschreibung aller Mikromethoden einen enormen Fundus an praktischen Beispielen. Auch andere wichtige Bereiche der Schulsozialarbeit, die vielleicht nicht zum pädagogischen Kerngeschäft der Schulsozialarbeit gehören, aber für die weitere Professionalisierung des Handlungsfeldes unerlässlich sind (etwa das Qualitätsmanagement), werden angesprochen. Demgegenüber wird für andere wichtige Bereiche der Schulsozialarbeit, etwa die Beratung, vergleichsweise wenig angeboten. Dies begründet Just mit der durchaus nachvollziehbaren Feststellung, dass ein Handbuch eine Beratungsausbildung nicht ersetzen kann. Dennoch wäre es wünschenswert gewesen, für diesen wichtigen Bereich der Schulsozialarbeit etwas mehr Material zu liefern (der nicht zu unterschätzende Bereich der Elternarbeit etwa bleibt sehr unterbelichtet).

Fazit

Es handelt sich bei dem vorliegenden Werk nicht um ein Handbuch im Sinne einer systematischen, eher theoretischen lexikalischen Aufarbeitung des Wissens zum Handlungsfeld Schulsozialarbeit, sondern um ein Nachschlagewerk für den beruflichen Alltag. Es wird eine Vielzahl von konkret in der Praxis der Schulsozialarbeit anzuwendenden Methoden der Leitbild- und Konzeptentwicklung, der Qualitätsentwicklung und Organisation der Schulsozialarbeit geboten. Kernstück des Handbuchs bilden die umfangreichen und konkreten Vorschläge (Ablaufpläne und detaillierte Methodenbeschreibungen) zur themenspezifischen schulsozialpädagogischen Gruppenarbeit.


Rezensent
Prof. Dr. Fabian Lamp
Professor für das Fachgebiet Erziehung und Bildung im Übergang von der Kindheit zum Jugendalter an der FH Kiel


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Zitiervorschlag
Fabian Lamp. Rezension vom 05.02.2014 zu: Annette Just: Handbuch Schulsozialarbeit. Waxmann Verlag (Münster/New York/München/Berlin) 2013. ISBN 978-3-8309-2765-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/15219.php, Datum des Zugriffs 29.09.2016.


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