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Stefan Bestmann, Steffen Schaal (Hrsg.): Jugendaktion „Gut Drauf“

Cover Stefan Bestmann, Steffen Schaal (Hrsg.): Jugendaktion „Gut Drauf“. Evidenzbasierte Praxis kommunaler Gesundheitsförderung für und mit Jugendlichen. RabenStück Verlag (Berlin) 2013. 252 Seiten. ISBN 978-3-935607-65-0. D: 15,90 EUR, A: 16,40 EUR, CH: 19,70 sFr.
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Thema

Im Mittelpunkt dieses Sammelbandes steht die Frage, wie es gelingt bzw. gelingen kann, bei – und vor allem mit – Kindern und Jugendlichen deren gesundheitsbezogene Handlungspotenziale zu fördern und zu stärken. Schwerpunkt der Darstellung und Untersuchung ist zum einen das Programm „Tutmirgut“ (für Kinder von 5-11 Jahren) und zum anderen, größeren Teil die Jugendaktion „Gut Drauf“ (für Jugendliche von 12-18 Jahren), beides Programme, die bereits vor gut 20 Jahren von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) konzipiert und entwickelt worden sind. Vorgestellt und diskutiert wird eine Fülle von Projekten quer durch einzelne beteiligte Bundesländer und dort in unterschiedlichen Handlungsbereichen wie Schule, Sportvereine, Jugendreisen, Jugendunterkünften, Jugendsozialarbeit, Kommune und Ausbildungsbetriebe. Foki der Gesundheitsförderungsmaßnahmen sind in erster Linie Ernährung, Bewegung und Stressregulation. Besonderen Wert legen die Autoren dabei auf wissenschaftliche Wirkungsbelege und Nachhaltigkeit.

Autoren

Die 22 AutorInnen sind sämtlich Wissenschaftler und Praktiker, die mit diesen Programmen mehr oder minder langjährige Erfahrungen haben und insofern bestens für qualifizierte Aussagen über Wirkungsweise, Vor- und Nachteile sowie Evaluationsberichte der einzelnen Programmbereiche geeignet sind.

Entstehungshintergrund

Für das Verständnis des Buches ist es wichtig, dass es sich um eine Festschrift handelt.

Gewidmet ist das Buch Reinhard Mann zum Ende seines beruflichen Lebens in der BZgA. Er ist der maßgebliche Initiator und Entwickler des „Gut Drauf“-Programmes, wofür ihm alle Autoren ihren Dank bekunden.

Aufbau und Inhalt

Das Buch gliedert sich in 24 Beiträge.

Die ersten vier Beiträge (Keupp, Methfessel, Bös, Lohaus) beinhalten theoretische Auseinandersetzungen um die aktuelle Lebenssituation der Jugendlichen und speziell deren Gesundheitsprobleme in den Bereichen Ernährung, Bewegung und Stressregulation.

Sodann werden neben der Darlegung der Konzeption von „Gut Drauf“ und der allgemeinen Probleme der WHO-Gesundheitsförderung bei Jugendlichen vor allem Probleme der Qualitätssicherung und der Evaluation der Programme diskutiert. Insbesondere ein Beitrag von Bestmann und Schaal zu den wissenschaftlich-methodischen Problemen der Wirksamkeitsforschung bei Präventionsprogrammen ist hervorzuheben, weil das Buch im Untertitel den Begriff der „evidenzbasierten Praxis“ verwendet und damit ein besonderes Interesse beim Leser erweckt oder erwecken könnte.

Im Anschluss erfolgen diverse Beiträge zur Umsetzungspraxis der Programme. Behandelt werden die Handlungsfelder

  • Schule,
  • Jugendreisen,
  • Jugendfreizeiten,
  • Jugendunterkünfte,
  • Jugendsozialarbeit,
  • Mobile Jugendarbeit,
  • kommunale Strukturen,
  • Ausbildungsbetriebe und
  • Präventionseinrichtungen, in denen das Programm BodyTalk (körperbezogene Haltungen und Tätigkeiten) durchgeführt wird.

Hier gewinnt der Leser einen exzellenten Eindruck von der enormen Breite und Tiefe des langjährigen Präventionsprogrammes, das bereits in einem Band der BZgA aus dem Jahre 2011 (Gut Drauf – Zwischen Wissenschaft und Praxis) bestens wissenschaftlich evaluiert worden ist. Auch der 13. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung hebt dieses Projekt lobend hervor. Entsprechend der WHO-Gesundheitsförderung werden sowohl Präventionsprogramme auf der Verhaltensebene, als auch auf der Strukturebene vorgestellt und bewertet.

Das Buch schließt mit einem selbstkritischen Blick der beiden Herausgeber auf die erreichten Erfolge, aber auch auf einige Lücken (Organisationsprobleme, Schulung der teilnehmenden Partner/innen, Zertifizierungsfragen etc.) und notwendige zukünftige Entwicklungen (z.B. Einbezug der Eltern und Familien und des sozialen Umfeldes und auch von Jugendlichen mit Behinderungen).

Diskussion

Das Buch ist eine wertvolle Fundgrube für alle, die sich im Feld der präventiven Arbeit mit Kindern und Jugendlichen bewegen. Es ist sehr eindrucksvoll, ein derart umfangreiches und bundesweit bestens eingeführtes Programm in seinen vielfältigen Facetten vorgeführt zu bekommen. Da das Buch besonders auf Wirksamkeitsbelege ausgerichtet ist und sich in selbstkritischer Absicht mit den wissenschaftlichen Möglichkeiten von Evaluation auseinandersetzt, entsteht die Frage, warum die Herausgeber den Begriff der „evidenzbasierten Praxis“ in den Buchtitel aufgenommen haben. Der sachkundige Leser wird erfreut erwarten, endlich einen der seltenen Beiträge für ein wirklich evidenzbasiertes Präventionsprogramm vorzufinden. Doch wird bald klargestellt, dass zwar im Wege überwiegend qualitativer Forschung Daten zur Struktur- und Prozessqualität erhoben worden sind und werden, dass jedoch belastbare Daten zum Outcome so gut wie nicht vorliegen und aus Gründen.der Komplexität des Feldes auch nicht zu erwarten sind. Von daher wäre ein Titel wie „wissenschaftlich gestützte Praxis“ sicher angemessener.

Fazit

Das Buch ist sehr empfehlenswert für alle Präventionsarbeiterinnen und -arbeiter und alle interessierten Anbieter, die sich zum Ziel setzen, die biopsychosoziale Gesundheit der Kinder und Jugendlichen, und hier vor allem der sozialökonomisch am meisten belasteten Kinder und Jugendlichen und deren Familien, zu stärken. Besonders Kinder und Jugendliche aus sozial schwierigen Lebensverhältnissen benötigen dringend präventive bzw. gesundheitsförderliche, nicht-diskriminierende Unterstützung, weil sich ansonsten meist schwerwiegende psychosoziale Gesundheitsprobleme wie ein roter Faden durch die Biographien ziehen und gleichzeitig mit den Leidenszuständen erhebliche gesellschaftliche Kosten verbunden sind.


Rezensent
Prof. Dr. Günter Zurhorst
Hochschule Mittweida Fakultät Soziale Arbeit
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Zitiervorschlag
Günter Zurhorst. Rezension vom 14.02.2014 zu: Stefan Bestmann, Steffen Schaal (Hrsg.): Jugendaktion „Gut Drauf“. Evidenzbasierte Praxis kommunaler Gesundheitsförderung für und mit Jugendlichen. RabenStück Verlag (Berlin) 2013. ISBN 978-3-935607-65-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/15240.php, Datum des Zugriffs 30.06.2016.


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