socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Dietmar Vahs, Achim Weiand: Workbook Change-Management

Cover Dietmar Vahs, Achim Weiand: Workbook Change-Management. Methoden und Techniken. Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft · Steuern · Recht GmbH (Stuttgart) 2013. 2., überarb. Auflage. 410 Seiten. ISBN 978-3-7910-3294-8. D: 49,95 EUR, A: 51,40 EUR, CH: 67,00 sFr.
Recherche bei DNB KVK GVK.

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Autoren und Thema

Die Autoren sind Hochschullehrer und haben beide umfängliche Erfahrungen als Begleiter von Veränderungsprozessen in Unternehmen. Dietmar Vahs hat darüber hinaus eine Reihe einschlägiger Lehrbücher verfasst (Organisation; Einführung in die Betriebswirtschaftslehre; Innovationsmanagement).

Aufbau

Das Buch versteht sich als eine Art „Instrumentenkoffer“ für Prozesse geplanter Veränderungen in Unternehmungen. Zu diesem Zweck werden in diesem gut 400 Druckseiten umfassenden Buch nach einem kurzen Einleitungskapitel (Kap. 1) Instrumente vorgestellt, jeweils den Phasen von Veränderungsprozessen zugeordnet und auf durchschnittlich etwa fünf Seiten beschrieben: Grundlagen und Vorbereitung (Kap. 2; zehn Instrumente), Analyse und Diagnose (Kap. 3; vierundzwanzig Instrumente), Konzepterarbeitung und Planung (Kap. 4; zehn Instrumente), Implementierung und Umsetzung (Kap. 5; vierunddreißig Instrumente) sowie Kontrolle und Verbesserung (Kap. 6; vier Instrumente). – Die Darstellung der Instrumente wird jeweils durch ein Praxisbeispiel oder ein durchlaufendes Fallbeispiel abgerundet.

Inhalt

Das sehr knappe Einleitungskapitel (Kap. 1) beschreibt Formen organisatorischen Wandels und insbesondere die Erfolgsfaktoren für Veränderungsprozesse in Unternehmen. Auch das der Strukturierung des Buches dienende Phasenschema (S. 14) wird präsentiert, aber nicht weiter erläutert. Interessant wäre vor dem Hintergrund der Zielsetzung des Buches die Frage, ob sich einzelne Instrumente nicht auch unterschiedlichen Phasen zuordnen ließen. Auch die für den Einsatz von Instrumenten sehr entscheidende Frage, ob eine Instrumentenanwendung selbst – die Konzentration auf die „Werkzeuge“ – nicht vielleicht „blinde Flecken“ der Wahrnehmung produziere, wird lediglich im Vorwort der Verfasser mit einem „kleinen warnenden Hinweis“ (S. V) versehen.

In Kap. 2 (Instrumente für Grundlagen und Vorbereitung) erweist sich als Nachteil, dass die Verfasser den Begriff des „Instruments“ nicht geklärt haben. Hier werden Teile des Change-Prozesses beschrieben, die sich dem Begriff „Instrument“ wahrlich nicht subsumieren lassen. So sind beispielsweise die Auftragsklärung (2.1), die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat (2.4) und die Schaffung von Problembewusstsein (2.7) wichtige Aufgaben bei Veränderungsvorhaben, aber sicherlich keine Instrumente oder Werkzeuge; bei einigen dieser Aufgaben könnten allenfalls Instrumente eingesetzt werden (z.B. Checklisten). – Abgesehen davon gibt dieses Kapitel einen guten Überblick über die wichtige Anfangsphase eines Change-Prozesses. Der Abschnitt „Projektorganisation“ (2.8) hätte wegen seiner grundsätzlichen Bedeutung für Veränderungsprozesse ausführlicher behandelt werden sollen.

Die in Kap. 3 dargestellten Instrumente zur Analyse und Diagnose geben für den Unterabschnitt 3.1 „Strategie“ eine gut lesbare, knappe Darstellung bekannter und weit verbreiteter Instrumente wie z.B. Benchmarking oder SWOT-Analyse. Die von den Autoren vorgenommene Darstellung ist als Beschreibung des Instruments zu verstehen und nicht als Gebrauchsanleitung für den Einsatz; hier müssen notwendigerweise aufgrund der gedrängten Überblicksdarstellung viele Fragen offen bleiben. – Hinsichtlich der Analyse des kulturellen Systems (3.2) überwiegen allgemeine Erläuterungen der Hintergründe und Modelldarstellungen. So wird in Abschnitt 3.2.10 ein Überblick über die Bedeutung von Werten im Unternehmen und verbreitete Kategoriensysteme gegeben; Wege zur Analyse der im Unternehmen gegenwärtig vorhandenen Wertvorstellungen werden nicht aufgezeigt. – Der Abschnitt 3.3 gibt einen guten Überblick über verbreitete Instrumente im Bereich Organisation. Der Due Dilligence-Ansatz wirkt in diesem Abschnitt wie ein Fremdkörper; eine Unterteilung der Instrumente nach Struktur und Prozess sowie eine entsprechende Sortierung hätte die Orientierung erleichtert.

Die in Kap. 4 zusammenfassend dargestellten Instrumente zur Konzepterarbeitung und Planung spiegeln wiederum das weite Verständnis des Begriffs „Instrument“ der Autoren wider. Hier finden sich gut einsetzbare Instrumente (Balanced Scorecard; Kommunikationsmatrix) ebenso wieder wie Grundfragen des Vorgehens in Veränderungsprozessen (Top-down- und Bottum-up-Strategie; 4.8). Einige der Instrumente haben ein starkes Gewicht auf der Analyse (z.B. TCP-Matrix, 4.9) und hätten auch dem Kap. 3 zugeordnet werden können.

Auch die in Kap. 5 beschriebenen Instrumente zur Implementierung und Umsetzung stellen einerseits komplexe Ansätze und Gesamtaufgaben (z.B. Personalentwicklung) dar, andererseits aber insbesondere in den Abschnitten 5.1 und 5.2 eine größere Zahl von Kommunikationsinstrumenten, die kurz und knapp beschrieben werden und die mit Anwendungsbeispielen hinterlegt sind, so dass eine klare Perspektive für den Einsatz dieser Instrumente besteht. – Wie eine Sammlung nicht weiter unterzubringender Einzelansätze mutet der Abschnitt 5.3 „Commitment und Ziel-/Zeitvorgaben“ an. Hier finden sich – wohlgemerkt unter der Überschrift „Instrumente“ - Ausführungen zu Führungskräften und ihren Aufgaben, über Rituale im Unternehmen und dann auch noch zu den arbeitsrechtlichen Schritten Abmahnung und Kündigung – eine Art personales worst-case-Szenario für Veränderungsprozesse.

Das abschließende Kap. 6 stellt Instrumente der Kontrolle und Verbesserung dar, beginnend mit dem Aufgabenbereich des (Projekt-)Controllings und einer interessanten Darstellung des Debriefing (6.2), die mehr ist als projektbezogenes Controlling zur Steuerung, sondern eher ein Evaluationsansatz für den Veränderungsprozess. Die in diesem Kapitel ebenfalls behandelten Themen Kaizen und Six Sigma sind offenbar wegen des Aspekts der Nachhaltigkeit der Umsetzung aufgenommen worden.

Fazit

Die Verfasser legen eine voll gefüllte Werkzeugkiste vor, allerdings ohne Gebrauchsanleitungen: die „Change-Handwerker“ müssen in der Lage sein, aus den zum Teil sperrigen, zum Teil ganz kleinen Instrumenten die richtigen auszuwählen. Viele der Instrumente machen ihrem Namen keine Ehre; es handelt sich um komplexe Aufgaben, bei denen die Suche nach geeigneten Werkzeugen dann erst beginnt.

Die Idee des „Werkzeugkastens“ ist verdienstvoll, weil es ansonsten kaum einen Überblick über die Vielzahl anwendbarer Verfahren im Bereich Change Management gibt. Durch eine stärkere inhaltliche Bearbeitung des Begriffs „Instrument“ und durch eine Begründung für die Auswahl der Instrumente wäre der Werkzeugkasten noch besser zu nutzen. – Kleine Redundanzen sind in der Darstellung vorhanden, teils durch die thematische Arbeitsteilung der Autoren, teils durch Aufteilung zusammengehöriger Aspekte auf die Phasen des Prozesses (z.B. Unternehmenskultur).

Das Buch kann sowohl Studierenden als auch Praktikern und Beratern empfohlen werden, die auf der Suche nach methodisch abgesicherten Anregungen für das Vorgehen in Veränderungsprojekten und dazu noch in der Lage sind, den Methodeneinsatz kritisch zu reflektieren und selbst weiterzuentwickeln.


Rezensent
Prof. Dr. Knut Dahlgaard
Professor für Personalmanagement und Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, Fakultät Wirtschaft und Soziales
E-Mail Mailformular


Alle 8 Rezensionen von Knut Dahlgaard anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Knut Dahlgaard. Rezension vom 10.04.2014 zu: Dietmar Vahs, Achim Weiand: Workbook Change-Management. Methoden und Techniken. Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft · Steuern · Recht GmbH (Stuttgart) 2013. 2., überarb. Auflage. ISBN 978-3-7910-3294-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/15358.php, Datum des Zugriffs 29.07.2016.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Schon 12.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft

Gehören Sie auch schon dazu?

Ansonsten jetzt für den Newsletter anmelden!