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Lebenshilfe Bremen e.V.: Leichte Sprache

Cover Lebenshilfe Bremen e.V.: Leichte Sprache. Die Bilder. Lebenshilfe-Verlag (Marburg) 2013. 319 Seiten. ISBN 978-3-88617-910-7. D: 49,50 EUR, A: 50,90 EUR, CH: 65,90 sFr.

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Thema

Manche Menschen haben aus unterschiedlichen Gründen geringe Kompetenzen in der deutschen Sprache und dadurch Probleme mit dem Lesen und Verstehen. Um über sich selbst zu bestimmen und sich entscheiden zu können muss man verstehen, um was es geht. Unter Leichter Sprache versteht man eine besonders leicht verständliche sprachliche Ausdrucksweise, die oft durch Bilder unterstützt wird.

Herausgeber

Das Büro für Leichte Sprache in Trägerschaft der Lebenshilfe Bremen ist Herausgeber dieses Buches. Dort werden Texte übersetzt, geprüft, Bücher und Hefte in Leichter Sprache geschrieben, gelehrt, wie man Leichte Sprache benutzt und die dazugehörigen Bilder erstellt. Das Netzwerk Leichte Sprache setzt sich dafür ein, dass der Einsatz von Leichter Sprache zur Selbstverständlichkeit wird.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist im Din A 4 Format erschienen. Es hat 319 Seiten und wird durch eine DVD ergänzt. Es enthält drei Teile, die sich in 10 Register unterteilen und verschiedenfarbig markiert sind. Auch im Fließtext sind einzelne Absätze gekennzeichnet. Schlüsselwörter sind fett gedruckt, was das Querlesen erleichtert. Die Regeln (S. 65-101) zu Wörtern, Zahlen und Zeichen, Sätzen, Texten, Gestaltung und Bilder beinhalten richtige, aber auch falsche Beispiele, die in Merkkästchen hervorgehoben sind. Vervollständigt werden diese durch Regeln der Prüfung. Die 500 Bilder sind thematisch geordnet, diese findet man zudem auf der beigefügten DVD.

  • Teil 1: Leichte Sprache (S. 5-103)
  • Teil 2: Bilder für die Leichte Sprache (S. 103-280)
  • Teil 3: DVD und Internet (S. 281-319).

Im Teil 1 geht es darum, was Leichte Sprache ist, warum es sie gibt und für wen sie ist. Viele Menschen können Leichte Sprache besser verstehen. Nicole Papendorf berichtet, wie schwere Sprache (z.B. in Büchern, Kochrezepten, Anleitungen, Briefen vom Amt, Verträge etc) ihr das Leben schwer gemacht hat. Frau Papendorf ist Mitarbeiterin des Büro für Leichte Sprache der Lebenshilfe Bremen, welches es seit 2004 gibt. Sie hat wie viele andere an dem Buch mitgearbeitet. Sie liest z. B. Texte, die dort geschrieben werden und prüft, ob sie verständlich sind.

In Amerika und Schweden gibt es Leichte Sprache schon seit 40 Jahren. Dort wurde sie von People First, einem Zusammenschluss von Menschen mit Behinderung entwickelt und verbreitet, um sich für die eigenen Rechte und die Selbstbestimmung einzusetzen. People first gibt es mittlerweile auch in Deutschland. Hier nennt sich der Verein „Mensch zuerst“. Ursprünglich wurde Leichte Sprache für sog. geistig behinderte Menschen entwickelt, schnell merkte man aber, dass auch andere Personen wie z.B. alte Menschen oder Menschen mit Migrationshintergrund sie besser verstehen. Der erste Teil endet mit den Regeln der leichten Sprache: 1. Wörter, 2. Zahlen und Zeichen, 3. Sätze, 4. Texte, 5. Gestaltung und Bilder und sowie unter Punkt 6. den Prüfkriterien.

Teil 2 enthält Bilder für die Leichte Sprache. Bilder helfen, den Text besser zu verstehen. Es wird erläutert, wie die 500 Bilder entstanden sind. Sie sind in Spalten aufbereitet: auf der rechten Spaltenseite befindet sich das Bild und dann folgt die Bezeichnung. Es gibt verschiedene Unterkapitel, die alphabetisch geordnet sind: Arbeit und Beruf, Ausgrenzung und Barriere, Büro. Computer und Papier, Essen und Trinken, Fahrzeuge und Verkehr, Freizeit, Urlaub und Sport, Gebäude, Gefühle, Geld, Gesundheit und Hilfsmittel, Lernen und Bildung, Liebe, Beziehung und Sex, Miteinander und Soziales, Orte, Länder und Kultur, Personen einzeln und in Gruppen, Politik und Recht, Religion, Unterstützung und Assistenz, Wohnen und Haushalt, Zeit, Tage und Kalender, sonstiges.

Teil 3 gibt Erläuterungen zur Nutzung der DVD, ihrer Installation auf dem PC und zur Suchfunktion. Das Programm, verwendet einen Adobe Reader. Es gibt Hinweise zur Internetseite, auf der man weitere Bilder kaufen kann. Am Ende des Buches findet man die Adresse des Büros für Leichte Sprache. Die Macher des Buches und die zahlreichen Unterstützer werden vorgestellt.

Diskussion

Menschen mit Behinderung kämpfen um Selbstbestimmung. Sie setzen sich für ihre Rechte ein und wollen als Bürger am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Die aktuelle Realität ist, dass herkömmlich verwendete Erläuterungen und Texte von vielen oft nicht oder nur bruchstückhaft verstanden werden, was sie von einer wirklichen Teilhabe ausschließt. Dieses Buch leistet einen wichtigen Beitrag, Ausgrenzung zu verhindern. Es erfüllt aber noch einen weiteren Zweck. Es dient denjenigen als Nachschlagewerk, die sich nicht in der Verwendung Leichter Sprache auskennen, sie aber erlernen wollen.

Im Vergleich zu anderen Ländern wie z.B. Nord-Amerika hat es 40 Jahre gedauert, bis es hier in Deutschland soweit war. In den USA wurde die Leichte Sprache von der Bewegung People first vorangetrieben. Auch in Schweden gibt es sie seit 40 Jahren. In Holland gibt es seit 20 Jahren Zeitungen und in Finnland Radio in Leichter Sprache. In Österreich treibt der Verein wibs die Leichte Sprache voran. Wibs steht für „Wir informieren, beraten, bestimmen selbst“. Dieser Verein wird von Menschen mit Lernschwierigkeiten getragen (damit ist ein Personenkreis gemeint, der bei uns in Deutschland landläufig immer noch als „geistig behindert“ bezeichnet wird). Dieser Personengruppe wird nicht selten pauschal abgestempelt, damit geht die Meinung einher, dass sie sich nicht selber vertreten kann. Rechte auf die eigene Selbstbestimmung und Wahlmöglichkeiten blieben in diesem Weltbild oft auf der Strecke. Die Verwendung von Leichter Sprache ist ein Schritt in die richtige Richtung, dem viele weitere folgen müssen!

Fazit

Unüberlegt wird viel zu oft in einer Sprache gesprochen und geschrieben, die viele Menschen nicht verstehen. Um Zugänge zu ermöglichen und wirkliche Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu gestalten, muss dafür Sorge getragen werden, dass Verstehen gesichert ist. Obwohl es hinlänglich bekannt ist, dass es viele Verstehensbarrieren gibt ist es uns noch viel zu wenig bewusst, wie das verändert werden kann. Die Anschaffung dieses Buch bildet einen ersten Schritt der Veränderung. Neben 500 Bildern, die man zum besseren Verstehen einsetzen kann fasst es die Regeln der Leichte Sprachen zusammen. Weitere Informationen sind unter www.life-long-learning.eu zu finden wie z.B.das Heft „Information für alle“, welches im Projekt „Inclusion Europe“ entstanden ist. Seit 2006 gibt es das Netzwerk Leichte Sprache, das sich dafür einsetzt, dass die Verwendung der Leichten Sprache gesetzlich geregelt wird. Deutschland hat in dieser Beziehung noch einiges nachzuholen und es bleibt zu wünschen, dass es nicht noch einmal 40 Jahre dauert, bis sich der inklusive Gedanke von Gleichberechtigung flächendeckend und verbindlich durchgesetzt hat. Dieses Buch sollte zur Grundlektüre in Öffentlichkeitsarbeit, Politik und Gesellschaft gehören und seinen selbstverständlichen Platz neben dem Duden haben. Deshalb: Unbedingt kaufen!


Rezensentin
Dipl.-Päd. Petra Steinborn
Einrichtungsleitung in einer großen Ev. Stiftung in Hamburg-Horn und freiberuflich in eigener Praxis ABC Autismus tätig. Schwerpunkte: Herausforderndes Verhalten, Strategien der Deeskalation, Autismus, TEACCH, Erworbene Hirnschädigungen
Homepage www.abc-autismus.de
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Zitiervorschlag
Petra Steinborn. Rezension vom 23.01.2014 zu: Lebenshilfe Bremen e.V.: Leichte Sprache. Die Bilder. Lebenshilfe-Verlag (Marburg) 2013. ISBN 978-3-88617-910-7. Mit DVD. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/15578.php, Datum des Zugriffs 27.09.2016.


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