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Bundesvereinigung Lebenshilfe e.V., Georg Theunissen (Hrsg.): Kunst als Ressource in der Behindertenarbeit

Cover Bundesvereinigung Lebenshilfe e.V., Georg Theunissen (Hrsg.): Kunst als Ressource in der Behindertenarbeit. Schulische und außerschulische Ermöglichungsräume für Menschen mit Lernschwierigkeiten und komplexer Behinderung. Lebenshilfe-Verlag (Marburg) 2013. 158 Seiten. ISBN 978-3-88617-320-4. D: 17,50 EUR, A: 18,00 EUR, CH: 22,00 sFr.
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Thema

Es werden in acht Kapiteln Potentiale des bildnerischen Gestaltens sowie der Aktionskunst und des Theaterspielens für Menschen mit geistiger Behinderung aus unterschiedlichen Blickwinkeln aufgezeigt.

Autoren

Die Beiträge stammen sowohl von Georg Theunissen, der die Professur für Geistigbehindertenpädagogik und Pädagogik bei Autismus an der Martin-Luther-Universität in Halle- Wittenberg inne hat, als auch von seinen Studierenden; oder es handelt sich um Übersetzungen von US-amerikanischen Kuratoren für Kunst von Menschen mit geistiger Behinderung.

Entstehungshintergrund

Georg Theunissen widmet die vorliegende Schrift dem Kölner Professor für Heilpädagogische Kunsterzeihung/ Kunsttherapie, Hans-Günther Richter, zum 80. Geburtstag.

Aufbau und Inhalt

Nach einer Erläuterung des Begriffs der Ressource im Vorwort durch den Herausgeber stellen Theunissen und Heidi Voigt im 1. Kapitel „Aktionsorientierter Kunstunterricht“ mehrere Unterrichtsbeispiele vor: Aktion Land Art, Performance ‚Entfremdung von Alltagsgegenständen‘, Aktion ‚Verhüllung von Personen und Gegenständen‘ und eine Tonaktion.

Das 2. Kapitel von Nadine Krieschner und Theunissen stellt ebenfalls eine Unterrichtseinheit für den Schulunterricht vor: das Schwarzlichttheater. Es werden Hinweise für die Durchführung gegeben und eine Vorstellung einer Schwarzlicht-AG an einer Schule mit dem Förderschwerpunkt geistig Entwicklung vorgestellt.

Im 3. Kapitel thematisieren Mirjam Günther und Theunissen die Theaterarbeit insbesondere für erwachsene Menschen mit geistiger Behinderung. Dabei wird das Spiel als ressourcen- und subjektorientierter Ansatz und die Abwendung von der Produktorientierung betont. Dies wird an einem Praxisbeispiel, das in einem Wohnheim durchgeführt wird, verdeutlicht.

Das 4. Kapitel, das Theunissen schreibt, widmet sich der Pädagogischen Kunsttherapie und der Positiven Verhaltensunterstützung. Die Begriffe der Positiven Verhaltensunterstützung und der Pädagogischen Kunsttherapie werden erläutert, und es wird herausgearbeitet, in wie weit pädagogische Kunsttherapie im Rahmen der Positiven Verhaltensunterstützung ergänzend eingesetzt werden kann und sollte.

Das 5. Kapitel „Beyond the Outside – mehr als ein Außenseiterdasein“ von Rebecca Hamm und Seth Pringle ist die Übersetzung der Darstellung US-amerikanische Kunstzentren, die ein tagesstrukturierendes Angebot für Menschen mit geistiger Behinderung bereithalten. Kunst wird als ein Mittel beschrieben, das Veränderung sowohl für den künstlerisch Tätigen als auch in der Gesellschaft schafft.

Ebenfalls aus dem US-amerikanischen stammt das 6. Kapitel „Intellectual disabilities, archetypes und the right to create – Lernschwierigkeiten, Archetypen und das Recht, Kunst zu erschaffen“ von Allen Terrell. Auch hier wird an Hand mehrerer Beispiel aufgezeigt, wie Menschen mit geistiger Behinderung künstlerisch gefördert werden und einen Beitrag zum kulturellen Leben der Gesellschaft leisten.

Im 7. Kapitel wird von Theunissen und Ulrike Großwendt die künstlerische Entwicklung des Außenseiter-Künstlers Georg Fitz nachgezeichnet und durch Abbildungen verdeutlicht.

Abschließend stellt Theunissen im 8. Kapitel den Außenseiter-Künstler Georg Brand vor und verdeutlich hier noch einmal, welche originären, beeindruckenden Werke abseits des Kunstbetriebes durch eine „empowered person“ entstehen können.

Fazit

Die vorliegende Schrift beinhaltet viele Anregungen, die zur direkten Nachahmung animieren. Hier seien besonders Kapitel eins bis drei genannt. Darüber hinaus wird klar ersichtlich, welche Kraft und Möglichkeiten im künstlerischen Gestalten von jüngeren und erwachsenen Menschen mit geistiger Behinderung liegen. Daher eignet sich dieses Buch sowohl für Praktiker als auch zur theoretischen Untermauerung und Begründung für künstlerische Aktivitäten.


Rezensentin
apl. Prof. Dr. Susanne Wachsmuth
Justus-Liebig-Universität Gießen, Institut für Heil- und Sonderpädagogik Geistigbehindertenpädagogik
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Zitiervorschlag
Susanne Wachsmuth. Rezension vom 12.02.2014 zu: Bundesvereinigung Lebenshilfe e.V., Georg Theunissen (Hrsg.): Kunst als Ressource in der Behindertenarbeit. Schulische und außerschulische Ermöglichungsräume für Menschen mit Lernschwierigkeiten und komplexer Behinderung. Lebenshilfe-Verlag (Marburg) 2013. ISBN 978-3-88617-320-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/15627.php, Datum des Zugriffs 10.12.2016.


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