„Moloch, Kiez und Boulevard“

Cover „Moloch, Kiez und Boulevard“. Die Welt der Städte. taz verlags- und vertriebs GmbH (Berlin) 2013. 112 Seiten. ISBN 978-3-937683-45-4. D: 8,50 EUR, A: 8,50 EUR, CH: 12,50 sFr.

Reihe: Edition Le Monde diplomatique - 14.

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Thema

Ist es wirklich die Zeit der Städte, wenn 2050 die überwiegende Mehrheit der Menschen dieser Erde in Städten wohnt? Und ist die Stadt wirklich die Lebensform der Zukunft und von was reden wir eigentlich, wenn wir von Städten reden? Reden wird von Metropolen wie Paris, London, Hamburg, Berlin, von chinesischen oder afrikanischen Megacities oder von gemütlichen Kleinstädten und Oberzentren in bestimmten Regionen Europas, ja reden wir überhaupt von der europäischen Stadt mit ihrer spezifischen Dignität von Urbanität im Unterschied zu amerikanischen oder anderen außereuropäischen Städten?

Und wenn wir von der Zukunft der Stadt reden – und auch von ihrer Gegenwart – dann müssen wir über schrumpfende Städte, über stagnierende und von Deindustrialisierung gekennzeichneten Städte sprechen, die von sozialer Ungleichheit geprägt sind, die sich in sozialräumlichen Spaltungstendenzen widerspiegelt.

Im Spannungsfeld von der Stadt als einem alles verschlingender Moloch, wie es die romantizistische Großstadtkritik des 19. Jahrhunderts formulierte, einerseits und der Stadt als Kiez, wie sich das kleinräumige Quartier prototypisch in Berlin ausbildete, und dem Boulevard der Innenstädte mit ihrer hohen Erlebnisqualität und Urbanität anderseits bewegt sich seit langem eine Diskussion um die Qualität der Stadt als Lebensraum.

Herausgeber, Autorinnen und Autoren

Die zur Tageszeitung taz gehörende Edition Le Monde diplomatique hat unter dem oben genannten Titel ein Heft herausgegeben, das in 30 kleineren Beiträgen die Welt der Städte beleuchtet.

Die Autorinnen und Autoren sind Architekten/innen, Stadtforscher/innen, Geographen/innen, Historiker/innen und Kulturwissenschaftler/innen und zu einem großen Teil Journalisten/innen, Fotojournalisten, Korrespondenten.

Aufbau und ausgewählte Inhalte

Die 30 Beiträge wurden nach einem Editorial untergliedert in vier große Kapitel:

  • Fliegen Fahren, Flanieren,
  • Ankommen, Arbeiten, Überleben,
  • Wohnen Hausen, Residieren,
  • Aufbauen, Umbauen, Abbauen.

Ich werde in dieser Rezension aus jedem dieser Kapitel zwei Beiträge exemplarisch herausgreifen, der mir die Überschrift des Kapitels am ehesten verdeutlichen; die anderen Kapitel werden dann nur benannt werden. Denn in den Kapitelüberschriften werden bereits die charakteristischen Wesensmerkmale städtischen Lebens und städtischer Strukturen und Entwicklungen benannt, die auch mit Problemen verbunden sind und die auch heute die Stadtforschung stark beschäftigen.

In ihrem Editorial spricht Dorothee d´Aprile die Entwicklungsprobleme an, die heutige Weltstädte außerhalb Europas als Megacities haben und mit denen bereits im Zuge der Industrialisierung die europäischen Großstädte im 19. Jahrhundert zu kämpfen hatten. Sie geht dann im Weiteren auf einige Beiträge beispielhaft ein.

Fliegen, Fahren, Flanieren

In diesem Kapitel kreisen die Beiträge um die Ausgestaltung und Besetzung öffentlicher Räume und Öffentlichkeit war schon immer ein konstitutives Merkmal urbanen Lebens. Wem gehört die Stadt – für die bürgerliche Öffentlichkeit war dies schon immer klar: eigentlich allen Bürgern, auch wenn sie unterschiedliche Zugänge zum öffentlichen Raum hatten.

Gehören öffentliche Räume heute nur noch Shopping-Kunden, Touristen und Autos?

Gehören sie nicht mehr den Bewohnerinnen und Bewohnern einer Stadt, die im fußläufig erreichbaren Umkreis ihrer Wohnungen kein Lebensmittelgeschäft mehr finden, stattdessen Boutique an Boutique?

Katharina Döbler zeigt diese Prozesse am Beispiel der Touristen auf, die in den Städten die öffentlichen Plätze nach ihrer eigenen Logik besetzen und nutzen. Am Beispiel von Krakau macht sie deutlich, wie ein von den Tuchhallen dominierter Handelsplatz im Zentrum der Stadt verkommt zu einer Touristenattraktion, wo für Einheimische kein Platz mehr ist, weil sie z. B. in den Cafés und Restaurants die Tasse Kaffe nicht mehr bezahlen können. Gestern wie heute brummt das Geschäft, aber nicht mehr das der Händler in den Tuchhallen, sondern das der Touristen in den darum liegenden Gasthäusern und Boutiquen, die in ihrer Gestaltung den schönsten Platz der Stadt prägen, auch wenn zwei Straßen dahinter die Verslumung droht.

Verkommen städtische öffentliche Räume auch immer mehr dadurch, dass privilegierte Räume und die Benachteiligung von Räumen dicht bei einander liegen und die Spannung nicht aushaltbar ist?

Charlotte Wiedemann berichtet von einer afrikanischen Stadt, von Bamako, von der manche sagen, sie sei die afrikanischste aller Städte auf diesem Kontinent. Auf der Suche nach dem Authentischen sei diese Stadt trotzdem. Hier bildet sich so was wie eine Öffentlichkeit aus, die die Vielfalt und Heterogenität der Kulturen und Ethnien aushält – das, was wir von der europäischen Stadt auch kennen, nur dass diese Öffentlichkeit einer anderen kulturellen Logik des Präsentierens und Kommunizierens gehorcht. Und es ist wohl auch der starke Gegensatz von Stadt und Land, der die Stadt um städtischer erscheinen lässt. Oder ist es doch das Hochhaus der Zentralbank, das der Stadt einen städtischen Charakter wenigstens annähernd gibt?

All dies wird von der Autorin beschrieben, reflektiert und auch ein kritisch-ironischer Unterton ist nicht zu überlesen.

Die weiteren Beiträge gehen auf diese Frage auch ein:

  • S. Geisel: Verkehradern und Luststrecken,
  • P. Rekacewicz: Endstation Shoppen,
  • S. Gruber: Vorfahrt für Doppel-Gelenk-Busse,
  • A. Buitenhuis: Moskaus Röhren,
  • J. Volcler: Zikadentöne in Mexiko.

Ankommen, Arbeiten, Überleben

Städte waren schon immer auch Orte, in denen Arbeiten und Wohnen bei aller funktionalen und räumlichen Trennung zusammengehörte. In der Industriestadt war diese Beziehung räumlich verdichtet. Dass es auch um das Überleben geht, ist sicher ein neueres Phänomen, das zugleich auf den neuen Typus von Stadt – die Megacity – verweist.

Und die Entwicklung zur postindustrialisierten Gesellschaft in Europa macht auch vor den alten Arbeiterquartieren nicht halt, wo sich durch Deindustrialisierung und wirtschaftlichem Niedergang auch ganze Quartiere verändern.

Die Beiträge kreisen zwar alle um die Frage, wie man lebt und überlebt in der Stadt, die zugleich auch der Ort der Arbeit ist, sie verweisen aber auch auf sehr unterschiedliche Kulturmuster, mit denen Stadt gelebt wird und mit denen einerseits Arbeit in der Stadt und Leben in der Stadt mit einander verbunden werden und mit denen andererseits Arbeitslosigkeit und Leben in der Stadt bewältigt werden. Der Spannungsbogen reicht von der Frage, wie in der Mongolei Hirtennomaden zu Arbeitspendlern werden über die Wandlung von San Francisco als Aussteigerstadt zur Stadt der Spitzenverdiener aus dem Silicon Valley bis zu der Beschreibung des Pariser Vororts Saint-Denis von einer Arbeitersiedlung zu einer „Büro-Stadt“. In diesem Spannungsbogen sind die unterschiedlichen Verständnisse von Stadt enthalten, die den unterschiedlichen Urbanisierungsgeschichte in diesen Ländern geschuldet sind.

Anaelle Verzaux und Benoît Bréville stellten für Saint-Denis fest: „Nur noch Büro“.

Saint-Denis war das erste Industriegebiet Europas, weil der Stadtplaner Haussmann zum ersten Mal die Industrie aus der Innenstadt verbannte in die Vororte. Das Quartier wurde zum „quartier rouge“, zum roten Viertel, in dem die Kommunisten das Sagen hatten. Mit Hilfe der Kommunisten veränderte schließlich zu Beginn der 90er Jahre das Quartier sein Gesicht. Inzwischen ist es ein Quartier, das mit seinen Mieten für Normalverdiener unbezahlbar ist und das eher ein Beispiel einer Gentrifizierungs- und Privilegierungsgeschichte ist.

Régis Genté beschreibt in seinem Beitrag eine fast paradigmatische Urbanisierungsgeschichte: Die Hirtennomaden von Ulan-Bator werden zu Arbeitspendlern. Paradigmatisch ist dies vielleicht für den gesamten asiatischen Raum, weil hier die Stadt im Kontext marktwirtschaftlicher Rahmenbedingungen anders verstanden und gelebt wird als in Europa und anderswo auch. Die Stadt Ulan-Bator besteht in der Hauptsache aus Jurtenvierteln, aus selbst gebauten kleinen Häusern und erst in den Jahren nach 2000 baute eine etablierte Oberschicht repräsentative Paläste und Stadthäuser. Diese Spannung zwischen Moderne und Tradition fordert eine Stadtplanung besonders heraus, zumal eine Stadt nicht aus Nomaden bestehen kann, die den Ort wieder verlassen, ohne an ihn zurückzukehren. Auch wenn es nur noch Halbnomaden sind – sie bauen nicht für die Zukunft, aus der irgendwann Geschichte wird – und das ist eigentlich typisch für die Stadt.

Weitere Beiträge sind:

  • E. T. Bertuzzo: Diese Siedlung ist kein Slum,
  • M. Kahlon: Bombay, die Stadt der Verheißung,
  • J. Pouille: Eine reine Fabrikstadt,
  • G. Mouffok: Eine Ölstadt in Algerien,
  • A. Mastrandrea: Neapel muss sich neu erfinden,
  • R. Solnit : Von Goldgräbern und Nerds.

Wohnen, Hausen, Residieren

Wie wohnt man in der Stadt? Residiert man oder haust man nur? Schließlich ist die Wohnung ein gesellschaftlicher Ort der Präsentation und zugleich die Trennung zum öffentlichen Räum, in dem man sich anders bewegen und präsentieren muss als im Privaten – wenn man an die These H. P. Bahrdt anknüpfen darf, dass die Stadt umso urbaner ist, je größer das Spannungsverhältnis von Öffentlichem und Privatem ist.

Auch hier seien zwei Beiträge wiedergegeben, die unterschiedlichste Formen des Wohnens darstellen, obwohl – wie der Beitrag von Jacques Denis „Schöner Wohnen in Vidigal“ zeigt – die Oberschicht von Rio den Janeiro neuerdings in die befriedeten Favelas zieht also in einen Slum, der in Afrika Slum bleibt, wie Jean-Christophe Servant in seinem Beitrag darstellt.

Zunächst zum Beitrag von J. Denis. Nun sind Favelas vielleicht auch noch mal anders kulturell und sozial geprägt als der „gemeine Slum“. Es entwickeln sich dort kulturelle Muster und Integrationslogiken – auch Ausgrenzungslogiken –, die hier – und nur hier ihre Plausibilität besitzen und hier eine höhere Dignität besitzen als anderswo.

Plötzlich gelingt einer aus der Armut aufgestiegenen Mittelschicht, die Favelas zu verstehen als Orte menschlicher Wärme und als Orte, wo eine andere Geschwindigkeit des Lebens herrscht. Nachdem in Vidigal im November 2010 „aufgeräumt“ wurde und die Normen der Mehrheitsgesellschaft auch hier um sich griffen und auch die Müllabfuhr funktioniert, konnte sich eine Mittelschicht vorstellen, dort auch zu wohnen und die Immobilienpreise stiegen, wie die Mieten auch. Und auch hier findet eine Gentrifizierung auf klassischer Weise statt: Jetzt wohnen Künstler und Alternative noch dort, verändern das Viertel, seine öffentlichen Räume seine Zugänge zu öffentlichen Bereichen und vieles mehr. Irgendwann werden sie aber die die Mieten und Preise nicht mehr bezahlen können, weil sich eine junge gebildete Mittelschicht für dieses Milieu interessiert und es kommt zu Verdrängungsprozessen. Der Autor beschreibt dies vor dem analytischen Hintergrund sehr eindringlich.

Anders der afrikanische Slum. Jean-Christophe Servant beschreibt die Slumviertel afrikanischer Städte, wo alles öffentlich ist – wie im traditionellen Dorf. Die Wohnung als Ort gesellschaftlicher Präsentation? Ist der Slum mit seinen provisorischen Hütten und Unterkünften überhaupt städtisch?

Der Autor beruft sich auf das UN-Programm Habitat, das sich der Slums in Afrikas Städten annimmt. Dort wird der afrikanischen Slumbevölkerung eine besondere Widerstandskraft zugeschrieben und es werden die kulturellen lokalspezifischen Bewältigungsmuster lobend hervorgehoben.

Die Hungerrevolten haben auf den Boden der Wirklichkeit zurückgeführt. Die Armen in den Slums fühlen sich als Vergessene, hilflos den Preissteigerung bei lebensnotwendigen Gütern ausgeliefert, sie fühlen sich nicht mehr zugehörig, nicht mehr relevant für andere, sie werden nicht mehr gebraucht. Auch hier führen Gentrifizierungsprozesse zur Vertreibung einer angestammten Bewohnerschaft; es entstehen zwar „geordnete Wohnverhältnisse“, aber die ehemalige Bewohnerschaft ist zu zig-tausenden obdachlos.

Weitere Beiträge sind

  • M. Harnack: Wohnen im Turm,
  • Y. A. Adanali: Wem gehört Istanbul?,
  • M. Schwikowski: „Ein drei Meter dickes Rohr voller Scheiße“,
  • E. Rush: Die selbst gebauten Städte.

Aufbauen, Umbauen Abbauen

Städtebau, Stadtumbau, Stadtentwicklung, städtebauliche Gestaltungsperspektiven und Entwicklungen – all dies einigt die Beiträge in diesem Kapitel. Und es sind nicht nur die Perspektiven – es sind auch die Struktur- und Entwicklungsprobleme, die mit dem Wachsen der Städte verbunden sind und mit ihren je spezifischen Logiken der Verteilung der Bewohnerschaft in einem städtischen Raum.

Sabine Riedel fragt mit ihrem Beitrag „Von Hütten, Halden und Skulpturen“ nach der Identität einer Stadt, die ihre verloren hat: Duisburg. Kohle und Stahl haben lange Zeit diese Identität gesichert. Diese Identität war überall virulent, augenscheinlich, hat das Leben der Menschen geprägt, ihr Arbeiten, ihr Zuhause, ja ihre eigene Identität als Duisburger. Der Niedergang der Stahlindustrie in Duisburg hat 1987 zu einer Solidarität aller Stahlarbeiter in Deutschland geführt – der letzte Aufschrei eines Klassenbewusstseins, das danach verebben sollte. Das wird von Sabine Riedel schön beschrieben und eindringlich begründet.

Und jetzt ist das Industrierevier Geschichte, eine Identitätsgeschichte, zumal ganze Generationen dem Thyssenkonzern oder dem Revier „verpflichtet“ waren? Und was sind die Folgen? Der Armutsbericht – so Riedel - weist die Region als Notstandgebiet aus mit einer hohen Arbeitslosigkeit und einem hohen Bezug von Transfereinkommen.

Was macht das mit einer Stadt? Es kommt zu Segregationsprozessen, zur Verdrängung der Verlierer einer Transformation, die auch als ambivalent beschrieben wird. Segregation ist das eine, was ein „natürlicher Prozess“ bei der Verteilung der Bewohnerschaft in einem Stadtgebiet ist. Sozialräumliche Spaltungstendenzen sind das andere, was heute Städte an den Rand ihrer Integrationspotentiale bringt – auch Duisburg. Schön beschriebene Schicksale werden in diesem Beitrag deutlich, hinter denen sich diese Prozesse verstecken.

Baut man heute noch Städte? Offensichtlich – und Dubai ist ein Beispiel dafür. Als ein „urbanes Implantat in der Wüste“ beschreiben und analysieren Elisabeth Blum und Peter Neitzke die Baustelle Dubai. Hier bauen Europäer eine Stadt, die nicht europäisch ist, die keine öffentlichen Stadträume kennt, keine Quartiere, keine Kirchen und Arkaden, keine öffentlichen Plätze und Räume zum Flanieren – ist Dubai wirklich eine Stadt? Findet im öffentlichen Raum etwas statt, was an eine urbane Lebensform erinnert? Vielleicht ist die These doch richtig, dass sich die Stadt nur dort wirklich mit urbanem Leben füllen konnte, wo sich eine bürgerliche Gesellschaft ausbilden konnte, die sich von der Herrschaft der Feudalherrn befreite und die sich der Stadt annahm, sie repräsentierte und gestaltete.

Und das, was die Stadt immer noch konnte, ist, dass sie die unterschiedlichen sozialen kulturellen Gruppen integrieren konnte auf der Basis einer „für die Stadt konstitutiven unvollständigen Integration“ (Bahrdt). Auch das gelingt Dubai nicht – so die Autoren. Diejenigen, die die Stadt bauen, die Arbeiter aus unterschiedlichen Ländern haben keinen Anteil an ihr, sie wohnen in der unsichtbaren Stadt – nicht einmal mit einer diskreditierbaren Adresse, sondern ohne Adresse. Auf der anderen Seite gibt es eine Reihe von „transitorischen Existenzen“ – so die beiden Autoren –, die kein Interesse haben an der Stadt, die Privatisierung der Öffentlichkeit führt zu keiner Form gesellschaftlichen Lebens, das sonst eine Stadt ausmacht.

Weitere Beiträge sind:

  • S. Ming: Blaupause für die nächste Blase,
  • K. Vöckler: Zerstören durch Bauen,
  • A. Zeiderman: El Cartucho ist verschwunden,
  • I. Warde, A. Popelard, P. Vannier: Las Vegas,
  • N. Fakouhi: Glanz und Elend von Teheran,
  • L. Meier: Stadtentwicklung von unten.

Diskussion

Die Beiträge in diesem Heft markieren eine andere Form des Zugangs zu Themen der Stadt, der Stadtentwicklung und der Städte in unterschiedlichen Kulturkreisen.

Es ist ein eher journalistisch interpretierender und analysierender Stil, sicher auch mit dem notwendigen Begriffs- und Methodeninstrumentarium, mit dem man solche Analysen macht. Dies macht das Lesen auch interessant und die Vielfalt der Beiträge spiegelt sich nicht nur in der Vielzahl der Stadtanalysen wider, sondern auch in den zum Teil auch doch sehr verschiedenen analytischen und phänomenologischen Zugängen zu diesen Städten.

Ein umfangreiches Bildmaterial mit sehr schönen Fotos unterstreichen die beschriebenen Eindrücke und machen auch die aller fremdeste Stadt oder Kultur zugänglich und vertraut. Im Spannungsbogen von Moloch einerseits und Kiez, bzw. Boulevard auf der anderen Seite wird hier die Welt der Städte beschrieben und die Ambivalenz wird deutlich, die diesen Städten anhaftet. Sie waren und sind bis heute auch in klarer Abgrenzung zum ländlichen Raum der Inbegriff zivilisatorischen Fortschritts, der kulturellen Inspiration und der in ihr herrschenden kulturellen Vielfalt und sozioökonomischen Dynamik, auch der Inbegriff von Urbanität als Lebensstil – und dennoch sind sie mit so vielen Problemen ihrer Entwicklung und Eigendynamik beschäftigt, dass ihnen diese Merkmale auch abhanden kommen, ja dass ihre Integrationspotentiale auf dem Spiel stehen. Und dies gilt für die amerikanische, die afrikanische oder die chinesische Stadt genauso wie für die europäische Stadt – was bleibt dann von der europäischen Stadt als einer besonderen Form städtischen Lebens?

Fazit

Ein eindrucksvolles, eindringliches Plädoyer für die Welt der Stadt, die aber nicht immer so sein soll, wie sich ihre Probleme entwickeln und wie diese auch beschrieben werden.


Rezensent
Prof. Dr. Detlef Baum
Professor für Soziologie mit den Schwerpunkten Soziale Probleme, Kommunale Sozialpolitik, Stadtsoziologie, insbesondere Soziale Probleme der Stadtentwicklung, Segregationsprozesse, Stadtumbau
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Zitiervorschlag
Detlef Baum. Rezension vom 11.11.2013 zu: „Moloch, Kiez und Boulevard“. taz verlags- und vertriebs GmbH (Berlin) 2013. 112 Seiten. ISBN 978-3-937683-45-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/15628.php, Datum des Zugriffs 20.09.2014.


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