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Nicole Lindner: Risikofaktor „Junge Schwangerschaft und Elternschaft“

Cover Nicole Lindner: Risikofaktor „Junge Schwangerschaft und Elternschaft“. Möglichkeiten interdisziplinärer Netzwerkarbeit zur Entwicklung bedarfsgerechter Hilfen. AVM - Akademische Verlagsgemeinschaft München (München) 2013. 68 Seiten. ISBN 978-3-86924-392-4. D: 34,90 EUR, A: 35,90 EUR, CH: 46,90 sFr.
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Thema

Nicole Lindner beschreibt in ihrem Buch „Risikofaktor: ‚Junge Schwangerschaft und Elternschaft‘“ die Möglichkeiten und Grenzen interdisziplinärer Netzwerkarbeit zur Entwicklung bedarfsgerechter Hilfen für junge Mütter und Väter. Hierbei stehen besonders neue gesetzliche sowie sozialpolitische Maßnahmen für den Umgang mit dem Risikofaktor „junge Schwangerschaft“ im Vordergrund ihrer Betrachtung. Die Autorin geht insbesondere auf die Bedeutung des zuvor genannten Themenfeldes für die Soziale Arbeit ein und stellt dessen Rolle im Umgang mit jungen Müttern in den Fokus. Die Ausarbeitung von Nicole Lindner umfasst detaillierte Beschreibungen von verschiedenen Risikofaktoren von und für junge Schwangere und deren Familien sowie die Betrachtung individueller Voraussetzungen für den Umgang der Betroffenen mit der Thematik. Welche besondere Bedeutung hierbei die Netzwerkarbeit von verschiedenen Hilfesystemen für die betroffenen jungen Mütter / Eltern hat, wird ebenfalls detailliert und gründlich von der Autorin dargestellt. Abschließend kommt die Autorin zu dem Schluss, dass eine Verallgemeinerung der Bedarfslagen von jungen Schwangeren nicht vorgenommen werden sollte, sondern vielmehr die individuellen Hilfemaßnahmen im Rahmen einer interdisziplinären Netzwerkarbeit für die Betroffenen in Vordergrund stehen sollte.

Aufbau und Inhalt

Der formale Aufbau des Buches gliedert sich in drei Hauptkapitel und ein abschließendes Fazit. Der Inhalt des Buches von Nicole Lindner ist klar strukturiert und lässt die Leserin bzw. den Leser die einzelnen Schwerpunkte, wie z.B. verschiedene Risikofaktoren einer jungen Schwangerschaft, oder die Entwicklung bedarfsgerechter Hilfen für die entsprechende Zielgruppe gut erkennen. Die drei Hauptkapitel gliedern sich wie folgt:

Das erste Hauptkapitel beschreibt die Relevanz und die Bedeutung des Themas für die Soziale Arbeit. Hierbei geht die Autorin insbesondere auf die aktuellen gesetzlichen und sozialpolitischen Änderungen in der Kinder- und Jugendhilfe ein (z.B. das Inkrafttreten des Bundeskinderschutzgesetzes (BKiSchG) oder die Implementierung von speziellen Aktionsprogrammen des Bundesfamilienministeriums zum Thema „Frühe Hilfen für Eltern und Kinder und soziale Frühwarnsysteme“). Diese werden im Besonderen im Hinblick auf die Auseinandersetzung des Wechselverhältnisses zwischen junger Schwangerschaft, Mutterschaft und Elternschaft und einer potentiellen Gefährdung des Kindeswohles betrachtet. Ferner haben diese Aspekte eine hohe Bedeutung für die, von der Autorin herausgestellte interdisziplinäre Netzwerkarbeit innerhalb der Kinder- und Jugendhilfe. Als weiteren Aspekt greift Nicole Lindner den Aspekt der Rolle der Frau als Mutter innerhalb unserer Gesellschaft heraus und merkt eine bedeutende Änderung im Umgang mit dieser, insbesondere im Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit, an. So wird von der Autorin eine Abkehr von einer Stigmatisierung der sogenannten „gefallenen Mädchen“ hin zu einer individuellen und ressourcenorientierten Betreuung junger Frauen als Schwangere und Mütter innerhalb der Sozialen Arbeit herausgestellt.

Im zweiten Hauptkapitel „Darstellung der Risikofaktoren junger Schwangerschaft, Mutterschaft & Elternschaft“ werden einzelne Risikofaktoren hervorgehoben. Hierbei stehen im Besonderen die Faktoren im Vordergrund, welche Lebenschancen und Risiken des Individuums beeinflussen können (Geißler, 2008). Die Autorin geht im Speziellen auf die sozioökonomische Situation ein, die sich auf die Entwicklung der betroffenen jungen Mütter / Eltern auswirkt (Frank, 2008). In den einzelnen Subkapiteln beschreibt Nicole Lindner zudem die soziale Unterstützung der jungen Mütter / Eltern durch die eigene Herkunftsfamilie sowie durch Peerkontakte. Außerdem werden im Weiteren die persönlichen Voraussetzungen der jungen Mütter / Eltern beschrieben, welche eine Relevanz für die Entwicklung von individuellen Risikofaktoren haben können. Hier nennt Lindner das eigene Lebensalter der jungen Mütter / Eltern, die individuelle Einstellung zu einem Leben mit einem Kind, die eigene biographische Erfahrung der jungen Mütter / Eltern mit Erziehungs- und Bindungspersonen sowie die eigene individuelle physische und psychische Gesundheit der Betroffenen.

Das dritte Kapitel befasst sich mit den Anforderungen an die fallübergreifende sowie fallspezifische interdisziplinäre Netzwerkarbeit zum Thema junge Schwangerschaft, Mutterschaft und Elternschaft. In diesem Kapitel wird vor allem die Auseinandersetzung mit dem systematischen und umfassenden Zugang zu jungen Frauen und Müttern innerhalb verschiedener Hilfesysteme in Deutschland beschrieben. Hierbei stehen vor allem das Kinder- und Jugendhilfesystem sowie das Gesundheitssystem in Deutschland im Vordergrund. Den Abschluss des Kapitels bildet die Auseinandersetzung mit Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen als einer wichtigen Kontaktstelle für junge Frauen als werdende Mütter.

Das zweite Subkapitel des dritten Hauptteils: Entwicklung bedarfsgerechter Hilfen wird hier noch einmal besonders hervorgehoben, da es besonders relevant für die Thematik „Anforderungen an die fallübergreifende sowie fallspezifische interdisziplinäre Netzwerkarbeit zum Thema junge Schwangerschaft, Mutterschaft und Elternschaft“ ist. Hierbei steht vor allem die Motivation zur Inanspruchnahme von Hilfen verschiedener Systeme durch die jungen Schwangeren im Fokus. Ferner greift Lindner die Möglichkeiten und Grenzen der Angebote der verschiedenen Hilfesysteme auf, um der Leserin bzw. dem Leser einen abgewogenen Eindruck über die vorliegende Thematik zu gewähren. Als potentielle Hilfesysteme zeigt die Autorin folgende Handlungsfelder der Kinder- und Jugendhilfe auf: das Jugendamt, als öffentlichen Träger der Kinder- und Jugendhilfe, freie Träger der Kinder- und Jugendhilfe, Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflegestätten, Familienbildungs- und beratungsstätten, betreute Wohnformen für werdende Mütter, Väter und deren Kinder sowie andere mögliche Institutionen und Organisationen der Jugendarbeit und der Hilfen zur Erziehung. Des Weiteren stellt die Autorin das Gesundheitswesen in den Fokus der Auseinandersetzung der verschiedenen Hilfesysteme, da dieses insbesondere für schwangere Frauen von Bedeutung ist. Hier stellt Lindner folgende Bereiche heraus: das Gesundheitsamt, Geburts-, Frauen- und Kinderkliniken, Hebammen, Entbindungspfleger und Familienhebammen sowie Kinder- und Jugendpsychologinnen und -psychologen bzw. Kinder- und Jugendpsychotherapeutinnen und -therapeuten.

Diskussion

In diesem Buch werden zahlreiche unterschiedliche Aspekte in Bezug auf Risikofaktoren für junge Schwangere erläutert und ein guter Überblick im Hinblick auf die einzelnen Faktoren, z.B. die sozioökonomische Situation gegeben. Positiv hervorzuheben ist die ausdrückliche Berücksichtigung der Vielzahl der unterschiedlichen Risikofaktoren und Anforderungen für eine interdisziplinäre Netzwerkarbeit. Dies bedeutet, dass mit diesem Werk zwar keine neue Grundlage der Diskussion über diese Thematik vorliegt, diese jedoch ausführlich dargestellt wird. Wer eine vertiefte und neue Diskussion gerade im Bereich der Thematik über junge Schwangerschaft und Elternschaft sucht, wird enttäuscht. Hier hätte eine ausführlichere Darstellung neuerer Forschungsergebnisse zu diesem Thema erfolgen können. Da dieses Buch jedoch keinerlei empirische Ergebnisse enthält ist diese Kritik eventuell nicht angebracht. Positiv hervorzuheben ist die Ausführlichkeit, in der die Autorin die Thematik theoretisch beleuchtet. Eine explizitere Abwägung anderer theoretischer Überlegungen zu diesem Punkt hätte jedoch insbesondere im Fazit des Buches erfolgen können. Dieses fällt in Relation zum Rest der Auseinandersetzung zu diesem Thema mit insgesamt nur zwei Seiten eher knapp aus.

Fazit

Zusammenfassend handelt es sich bei diesem Buch um eine solide Darstellung des Themas „Junge Schwangerschaft und Elternschaft“ und der Grenzen und Möglichkeiten der Hilfemaßnahmen für die Betroffenen durch interdisziplinäre Netzwerkarbeit. Es ist gut geeignet für Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter bzw. Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, sowie Erzieherinnen und Erzieher und weitere Berufsgruppen die mit Klientinnen und Klienten dieses Buches arbeiten. Der vorhandene Praxisbezug des Buches und die Bezugnahme auf relevante Fachliteratur bilden zudem eine gute Grundlage für die Auseinandersetzung mit diesem Thema für Auszubildende im Bereich der Erziehung und/oder Studierende der Sozialen Arbeit. Das Buch wird als lesenswert eingestuft und gibt guten Überblick über die Thematik.

Literatur

  • Frank, R. (2008). Misshandlung, Ablehnung und Vernachlässigung. In: G.Esser (Hrsg.). Lehrbuch der Klinischen Psychologie und Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen. (S. 474-483). Stuttgart.
  • Geißler, R. (2008). Die Sozialstruktur Deutschlands. Zur gesellschaftlichen Entwicklung mit einer Bilanz der Vereinigung. Wiesbaden.

Rezensentin
Silke Remiorz
Sozialarbeiterin & Sozialpädagogin (B.A.) & Sozialwissenschaftlerin (M.A.). Zurzeit wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fachhochschule Dortmund im Forschungsprojekt „Vaterschaft zwischen Jugendhilfeerfahrung und väterlicher Kompetenz“ des Central European Network of Fatherhood, mit dem Hauptsitz in Wien. Die Rezensentin ist zudem Promotionsstudentin an der Universität Wien.
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Rezensentin
Prof. Dr. Katja Nowacki
Professorin für klinische Psychologie mit dem Schwerpunkt Beratung und Sozialpsychologie an der Fachhochschule Dortmund im Fachbereich Angewandte Sozialwissenschaften. Die Rezensentin hat viele Jahre Kinder, Jugendliche und ihre Familien beraten und in diesem Rahmen unter anderem ein flexibles Jugendhilfeprojekt für Mädchen und junge Frauen geleitet. Ihre aktuellen Forschungsschwerpunkte sind die Bindungsentwicklung insbesondere bei Pflege- und Heimkindern und verschiedene Aspekte von Jugendhilfe. Sie leitet aktuell das Forschungsprojekt „Vaterschaft zwischen Jugendhilfeerfahrung und väterlicher Kompetenz“ am Standort Dortmund, das Teil des Central European Network of Fatherhood, mit dem Hauptsitz in Wien, ist.
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Zitiervorschlag
Silke Remiorz/Katja Nowacki. Rezension vom 16.06.2014 zu: Nicole Lindner: Risikofaktor „Junge Schwangerschaft und Elternschaft“. Möglichkeiten interdisziplinärer Netzwerkarbeit zur Entwicklung bedarfsgerechter Hilfen. AVM - Akademische Verlagsgemeinschaft München (München) 2013. ISBN 978-3-86924-392-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/15774.php, Datum des Zugriffs 27.05.2016.


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