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Heinrich Greving, Sabine Schäper (Hrsg.): Konzepte und Methoden der Heilpädagogik

Cover Heinrich Greving, Sabine Schäper (Hrsg.): Konzepte und Methoden der Heilpädagogik. Orientierungswissen für die Praxis. Kohlhammer Verlag (Stuttgart) 2013. 209 Seiten. ISBN 978-3-17-023076-7. 29,90 EUR.

Reihe: Praxis Heilpädagogik - Konzepte und Methoden.
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Thema

Die Publikation setzt sich mit der heilpädagogischen Theoriebildung zur Neuorientierung der Profession auf Grundlage der Inklusionsdebatte in Politik und Praxis auseinander. Heinrich Greving, Sabine Schäper und Peter Ondracek nehmen dazu die langjährige Auseinandersetzung von Dieter Gröschke mit der Thematik einer geisteswissenschaftlichen Fundierung der Heilpädagogik und einer Differenzierung gegenüber Inhalten benachbarter Disziplinen als Grundlage und bieten damit Fachleuten aber auch Studierenden ein aktuelles Orientierungswissen für die Praxis. Zur zentralen Aufgabe der Heilpädagogik gehört es, sich regelmäßig mit einer nahezu unüberschaubaren Anzahl von Konzepten und Methoden unter einem sich verändernden heilpädagogischen Bildungsverständnis auseinanderzusetzen. In dem Buch werden daher auch von weiteren Autoren die zuvor dargestellten theoretischen und ethischen Grundlegungen heilpädagogischen Handelns in Bezug auf die veränderten Anforderungen in konkreten heilpädagogischen Praxiskonzepten vorgestellt.

Herausgeber und Herausgeberin

  • Prof. Dr. Heinrich Greving Kath. Hochschule NRW, Abteilung Münster
  • Prof. Dr. Sabine Schäper; Kath. Hochschule NRW, Abteilung Münster

Autorinnen und Autoren

  • Dipl. SA Elke Biene-Deißler;
  • Prof. Dr. Maximilian Buchka;
  • Prof. Dr. Petr Ondracek;
  • Prof. Dr. Barbara Ortland;
  • Prof. Dr. Kai-Uwe Schablon;
  • Dipl. HP Barbara Schroer,
  • Dipl. HP Natascha Simanski

Entstehungshintergrund

Die Veröffentlichung entstand aus Anlass der Emeritierung von Dieter Gröschke. Sie nimmt dessen heilpädagogische Theoriebildung als Grundlage, mit dem Ziel seine fundierten Ausarbeitungen auf dem Hintergrund gesellschaftlicher neuer Anforderungen an die Heilpädagogik weiter zu entwickeln.

Aufbau

Das Buch hat insgesamt 209 Seiten und teilt sich in zwei Hauptteile mit einem Vorwort von Heinrich Greving.

  1. Der erste Teil (70 Seiten) „Theoretische Impulse für heilpädagogische Konzepte und Methoden“ bietet zunächst einen Diskurs über das heilpädagogische Handeln in kontingenten Handlungsfeldern von Heinrich Gräving, dann eine Diskussion über eine heilpädagogische Ethik unter dem Primat der Praxis von Sabine Schäper und weiter ein Beispiel einer bewussten Personenzentriertheit im heilpädagogischen Berufsalltag von Petr Ondracek zur theoretischen und ethischen Grundlegung heilpädagogischen Handelns und heilpädagogischer Praxiskonzepte.
  2. Im zweiten Teil (130 Seiten) „Heilpädagogische Konzepte und Methoden: Betrachtungen zur Praxis“ werden unterschiedliche Praxiskonzepte vorgestellt, wie das klassische Handlungskonzept der heilpädagogischen Übungsbehandlung (HPÜ) und Konzepte, die zentrale Bestimmungsstücke professionellen Handelns in den Blick nehmen, wie Kreativität, Spiel, sexuelle Selbstbestimmung, Syndromanalyse und Biografiearbeit.

Ein Sachwortverzeichnis erleichtert das schnelle Auffinden bestimmter Stichworte.

Heinrich Greving stellt in einem kurzen Vorwort die Zielorientierung des Buches dar. Es diene der Vergewisserung, welchen Weg die Heilpädagogik als Profession und als Disziplin in der breiten Inklusionseuphorie in Politik und Praxis gehen soll. Heinrich Greving, Sabine Schäper und Petr Ondracek stützen sich dazu auf die langjährige heilpädagogische Theoriebildung durch Dieter Gröschke. Konkret geht es um die Zusammenführung einer Vielfalt theoretischer Ansätze im Rahmen einer speziellen Bildungswissenschaft unter erschwerten Bedingungen mit einer pragmatischen Handlungswissenschaft in Form heilpädagogischen Handelns professionell tätiger HeilpädagogInnen. (vgl. Gröschke 2009, in Greving, Schöper 2013, S. 9) Aufgabe sei es, ein heilpädagogisches Bildungsverständnis in der Zusammenführung von Praxis, Profession und Wissenschaft zu entwerfen, um die Heilpädagogik gegenüber den aktuellen gesellschaftlichen und politischen Anforderungen weiter zu entwickeln.

Zu Teil 1 „Theoretische Impulse für heilpädagogische Konzepte und Methoden“

Der erste Teil des Buches besteht aus drei Aufsätzen von Heinrich Greving, Sabine Schäper und Petr Ondracek.

Der erste Beitrag (17 Seiten) von Heinrich Greving setzt sich differenziert mit „Heilpädagogischem Handeln in kontingenten Handlungsfeldern“ auseinander. Greving bezieht sich dabei auf ein heilpädagogisches Handeln, das durch Dieter Gröschke in drei wesentlichen Aufsätzen entwickelt wurde und thematisiert die Ergebnisse neu auf Handlungsfelder, die sich mit einem veränderten Blick auf Grenzen und Grenzerfahrungen auseinandersetzen. Als wesentlich erscheint ihm der Transfer zu den aktuellen Themen von Behinderung, der Inklusion und Teilhabe,insbesondere darin der Teilhabe an Arbeit. In einer Einleitung fasst Greving differenziert die Inhalte der Erörterungen von Gröschke zusammen und skizziert sie als ein immer noch leitendes Konzept für die Heilpädagogik. Der Konzeptbegriff in der Heilpädagogik beziehe sich auf ein Wechselspiel zwischen Gesellschaft, Praxis, Pragmatik und Methodik. Eine Grundaussage Grevings ist, dass sich gesellschaftliche Bezüge ständig ändern und sich Konzepte der Heilpädagogik ständig anpassen müssten, damit es nicht zu einer Aussonderung von Menschen mit Behinderung komme. (vgl. Greving S. 22) Methoden, die in bestehenden Konzeptionen eingebunden sind, müssten jeweils in Bezug auf bestimmte Lebenssituationen und Fragestellungen neu überprüft werden. „Somit gibt es nicht die Methode per se, sondern es geht um die Bedeutung einer Methode für die beteiligten Personen in ihren jeweiligen Lern- und Handlungsfeldern.“ (Greving, S. 22) Das Handeln in der Heilpädagogik als auch deren Professionalisierung werden in Anstrichen definiert und geben Hilfestellung zur Reflexion und zur Abgrenzung einer professionellen Theoriebildung in der Heilpädagogik innerhalb gesellschaftlicher Wandlungsprozesse.

Im nächsten Absatz stellt Greving eine Ergänzung zum heilpädagogischen Konzept Gröschkes im Hinblick auf kontingente Handlungsfelder dar. Als kontingente Handlungsfelder sind neue Grenzziehungen zu verstehen, die sich innerhalb der Entwicklung von Gesellschaften ergeben und auf die wiederum die Heilpädagogik, als systemisch-konstruktives Arbeitsfeld an den Grenzen der Gesellschaft, mit neuen Konzeptionen kreativ reagieren müsse. Heilpädagogisches Handeln wird als ein Handeln in unterschiedlichen Grenzen definiert. Sie reichen von didaktischen und methodischen Grenzen über vorgegebene Organisationsstrukturen, Interdisziplinarität und in Handlungsfelder der Beratung. Die theoretische Grundlegung einer heilpädagogischen Konzeption Gröschkes habe immer noch Bestand, wenn sie als Basis einer Konzeptentwicklung verstanden wird. Diese müsse in eine heilpädagogische Pragmatik überführt werden, um den neuen Grenzziehungen, wie aktuell im Diskurs um Teilhabe, Partizipation und Inklusion geschieht, gerecht zu werden und kreative Lösungen anzubieten. Der Diskurs könne jedoch nur aus der Betrachtung neuer Grenzen erfolgen, um ihn professionell voranzutreiben. (vgl. Greving S. 29)

Im Abschluss sieht Greving die Profilbildung und Professionalisierung der Heilpädagogik in einer Grenzüberschreitung der „heilpädagogischen Grenzen“ auf eine Allgemeine Pädagogik, um eine Orientierung an Grenzen und Kontingenzen gemeinsam zu entwickeln. Gemeinsame Modifikationen gesellschaftlicher Prozesse wären dann für Greving vorstellbar. Entsprechende Handlungsprozesse sind zu entwickeln.

Der zweite Beitrag (20 Seiten) von Sabine Schäper beschreibt eine „Heilpädagogische Ethik unter dem Primat der Praxis“. Schäper setzt die „praktische Ethik heilpädagogischen Handels“ von Dieter Gröschke zur Grundlage einer heilpädagogischen Disziplin- und Professionsentwicklung. Seine postulierte Skepsis gegenüber politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen wird mit der „Ethik im Ausgang von Erfahrungen des Intolerablen“ bei Michel Foucault und mit der handlungstheoretischen Begründung von Bildung als „Wahrnehmung des Anderen“ von Helmut Peukert in Beziehung gesetzt. Im Grundsatz entwickelt Schäper im ersten Absatz „Heilpädagogische Ethik – die Suche nach dem richtigen Leben unter erschwerten Bedingungen“ die Grundlage einer ethischen Urteilsbildung gegenüber dem praktischen Handeln des Heilpädagogen. Der Heilpädagoge stehe hier in einem ethischen Dilemma zwischen der Unterstützung zur Überwindung von Ausgrenzungsprozessen von Menschen mit Behinderungen oder/und in Grenzerfahrungen und gleichsam als Vertreter einer „Sonder“-Disziplin, im Sinne eines Inklusionsverhinderers. (vgl. Schäper S. 31) Die ethische Reflexionskompetenz als professionelle Kompetenz heilpädagogisch Handelnder wurde von Gröschke in den 1990er Jahren angemahnt und findet nach Schäper aktuell gegenüber der zunehmenden Ökonomisierung aller Handlungsfelder wieder einen Sinn. Eckpunkte für eine (normative) Professionsethik der Heilpädagogik findet Schäper in der heilpädagogischen Anthropologie von Urs Haeberlin (1985) und in der Beschreibung einer ethische Dimension der Heilpädagogik von Monika Schumann (2007) vor den Entwicklungslinien der Profession als Gegenbewegung zur gesellschaftlichen Entwertung und Ausgrenzung. Studien zeigen, dass die Betonung der durch Wertschätzung und Respekt geprägte Haltung viel Zustimmung finde, jedoch bleibe eine gelebte Praxis von Berufsvertretern aus, sich für die Belange von Menschen mit Behinderungen nach außen hin stark zu machen. Eine faktisch gelebte ethische Orientierung bleibe noch aus. (vgl. Schäper, S. 33)

Im zweiten Absatz „Heilpädagogische Ethik als Geschichtsschreibung“ führt Schäper ihre Überlegungen in eine historische Dimension und skizziert damit die notwendige ethische Verantwortung der Profession. Ein Denken in technokratischer Effizienz widerlegt sie mit den Thesen Michel Foucaults zur „Gouvernementalität“. Auf der Grundlage der negativen Dialektik Adornos überträgt sie ihre Überlegungen in heilpädagogische Praxisfelder, in denen Menschen immer noch verletzt, gedemütigt und an ihrer Identitätsentwicklung Schaden nehmen, weil sie unter Bedingungen aufwachsen und leben, in denen sie unter struktureller, personeller und kultureller Gewalt leiden. Sie werden damit klein, bedürfnislos und machtlos gehalten. Kritisch hinterfragt Schäper daraus, inwiefern die Heilpädagogik als Fortschrittsgeschichte einer positiven Entwicklung beschreiben könne. Ein Zugewinn an Teilhabemöglichkeiten und Freiheitsräumen sei noch nicht zu verzeichnen. Schäper fordert mit Walter Benjamin keine „folgenlose innere Haltung sondern eine Praxis, die im Handeln dem Anderen die Ehre erweisen will.“ (vgl. Schäper, S. 36)

Im dritten Absatz „Heilpädagogische Ethik – Ethik mit dem Gesicht zur Gesellschaft, Skepsis als Grundhaltung heilpädagogisch Handelnder“ reagiert Schäper mit Dieter Gröschkes Plädoyer aus der Legitimationskrise sozialer Berufe in den 1990er Jahren auf die Abhängigkeit und Verstrickung der heilpädagogischen Praxis von ökonomischem Denken. Diese beidseitige Verschränkung i.S.v. Nutznießer werde von Michel Foucault treffend als „Komplizität“ und aktuell unter dem Begriff der „Gouvernementalität“ benannt. Notwendig daraus sei eine kritische Grundhaltung gegenüber derartigen Verführungen und gegenüber sich selbst. (vgl. Schäper S. 38)

Im vierten Absatz differenziert Schäper diese Vorgedanken im Sinne einer „Kritik als Modus heilpädagogischen Denkens und Handelns“ aus. Mit Hilfe Michel Foucaults Lösungsansatzes einer Analyse der Verstrickungen zwischen Staat, Markt und Zivilgesellschaft wird der Handelnde als möglicher Akteur und nicht als Opfer der Verhältnisse herausgearbeitet. Inklusion und Empowerment könnten so unter dem Blickwinkel von Herrschaftsverhältnissen durch Reformulierung und Nutzung als Leitidee vereinnahmt und als paradox entlarvt werden. Aufgabe einer Ethik der Heilpädagogik sei es, Reflexionsprozesse anzustoßen, um in diesen analysierten Widersprüchen handlungsfähig zu sein und zu bleiben. (vgl. Schäper, S. 41) Es gelte in exkludierenden Verhältnissen inkludierende Prozesse anzustoßen und zu gestalten. Dazu bedürfe es einer besonderen pädagogischen Sensibilität.

Im fünften Absatz „Heilpädagogische Ethik als Praxis der Selbstbesinnung“ wird diese erwähnte besondere Pädagogik noch einmal aufgeschlüsselt mit einem Blick auf eine Ethik als kritische Selbstbesinnung nach Michel Foucault. Die Selbstbesinnung helfe, Abstand im Sinne von Distanzierung zu gewinnen. Handeln gelinge dann über die Reflexion der erkannten Paradoxien. Pädagogisches Handeln bedeute, diese Prozesse im Sinne der neuen Leitidee der Selbstbestimmung auch bei anderen anzustoßen. Kritisch beschreibt Schäper in diesem Zusammenhang die Verknüpfung der Macht mit dem Bildungsideal, das eine Grundlage der Heilpädagogik darstellt. Die Herrschaft über Bildungsprozesse sei eine Form der Politik, Einfluss auf das Subjektsein des Menschen zu bestimmen. Über entsprechende Bildungsangebote könne den Anforderungen der Gesellschaft eher entsprochen werden als über Erziehung. „Die Bildungsfähigkeit aller Menschen mit Behinderung zu postulieren und Bildungsprozesse mit ihnen zu gestalten, führt in diese Spannungsfelder, die nicht auflösbar sind.“ (Schäper, S. 42) Aufgabe der Heilpädagogik sei es, gemeinsam im dialogischen Prozess dem Subjekt-Werden und Subjekt-bleiben-Können von Menschen mit Beeinträchtigungen und Behinderungserfahrungen Geltung zu verschaffen. Über die Selbstbesinnung wird das eigene Subjekt-Sein dabei in Frage gestellt.

Im sechsten Absatz „Ethik als erste Philosophie im Angesicht des Anderen“ wird diese Infragestellung des Subjekt-Seins noch einmal tiefer reflektiert. In der dialogischen Philosophie Emmanuel Lévinas liegt die Beziehungsgestaltung als ethische Basis vor jeder Erkenntnis. Die Anerkennung des anderen gilt für Schäper als Reverenzpunkt einer heilpädagogischen Ethik. In diesem ambivalenten Umgang mit der Anerkennung des Anderen, des Andersseins ist die Geschichte der Besonderung also auch der Heilpädagogik zu verorten. Anerkennung gelinge, wenn der andere die Chance erhalte, sich in der Begegnung als Subjekt zu erleben, als Teilhabende und Beteilige. (vgl. Schäper S. 43) Kritisch wird gesehen, dass auch diese Form der Anerkennung im Sinne Foucaults nicht frei von Macht sein kann, die im Umfeld von Menschen mit Behinderungen in teilweise extremen als auch subtilen Formen immer noch umgesetzt wird. In Bezug auf das Prinzip der Teilhabe als Leitidee der Inklusion, müsse in der konkreten Situation reflektiert werden, inwiefern jegliche Form der Interaktion die Wünsche des Menschen mit Behinderung versteht oder diese für eigene Zwecke ausgebeutet werden. In diesem Sinne müssen Professionalisierung und Institutionalisierungsprozesse hinterfragt werden, da sich dort Machtverhältnisse widerspiegeln. Problematisch erscheint, dass sich Heilpädagogik in institutionalisierten Kontexten bewege und sich ihnen gegenüber in eine kritische Distanz begeben müsse, um das eigenen professionelle Handeln immer wieder neu zu justieren. Im Sinne der Menschenrechte und der UN-BRK komme es darauf an, die Freiheitsräume der Menschen mit Behinderungen zu erweitern. Diese Grundhaltung der Selbstkritik gebe die Richtung der Professionalisierung vor.

Im siebten Absatz „Heilpädagogische Ethik als Philosophie der Befreiung“ werden die vorgestellten Erkenntnisse zu einer neuen Grundlegung einer ethischen Professionalisierung der Heilpädagogik unter Bezugnahme auf Enrique Dussel und Paul Freire wieder auf die Lebenspraxis zurück geworfen. „Die philosophische Reflexion über den Menschen kann Menschen mit Behinderungen nicht als Ausnahme- oder Grenzfall einer allgemeinen Anthropologie denken, vielmehr ist Leben mit Grenzen und in Abhängigkeit der Ort, an dem Ethik entsteht: Ethik als die Reflexion der zentralen Frage, wie in asymmetrischen Beziehungen das Subjektsein beider (!) möglich bleibt.“ (vgl. Eva Kittay 2004, in: Schäper, S. 46) Eine heilpädagogische Ethik benötige eine Haltung, die die Bereitschaft beinhalte, sich selbst im Prozess der Befreiung angreifbar zu machen – im Interesse der Idee der Befreiung. Diese Befreiung geschehe nur im Dialog. Der pädagogische Dialog werde nach Paul Freire zur Aufgabe verantwortlicher Subjekte. Eine heilpädagogische Ethik unterstehe dem Primat der Praxis unter dem Modus der (Selbst)-Kritik.

Im achten Absatz „Bildung als Wahrnehmung des Anderen“ spitzt sich die Argumentationslinie Schäpers zur Frage nach dem Verständnis von Bildung in einer heilpädagogischen Ethik zu. Das Bildungsideal Wilhelm v. Humboldt der Selbstwerdung und Subjektivierung werde heute mit der Perspektive Foucaults unsichtbar. Eine Ethik der Heilpädagogik als Bildungswissenschaft hätte einen wichtigen Beitrag zu leisten diesen Anspruch wieder bewusst zu machen. Das aktuelle Bildungsideal führe dazu, dass Bildung zu einer Anforderung an das Individuum werde, bestimmte Bedingungen zu erfüllen, um den Anspruch auf Bildung nicht zu verlieren. (vgl. Schäper S. 48) Grundlegend für die Idee der Bildung sei die Integration von Abhängigkeit, Bedürftigkeit und Bezogenheit in das Menschenbild.

Im Fazit: „Anerkennung – und dann?“ führt Schäper ihre Gedanken zu einer nicht-exkludierenden Ethik in der Aussage zusammen, dass es in der Gestaltung von Lebenswelten für und mit Menschen mit Behinderungen darum gehe, Anerkennung nicht nur als Haltung zu postulieren, sondern in den konkreten Begegnungen und der Gestaltung von Lebensbedingungen zu zeigen, dass Teilhabe möglich ist – auch an den Grenzen des Lebens. Der heilpädagogischen Ethik komme die Aufgabe zu, in schwierigen Grenzsituationen die Möglichkeiten als auch die Grenzen sozialer Teilhabe und Anerkennung zu verdeutlichen und sich dafür zu engagieren.

Der dritte Beitrag von Petr Ondracek „Bewusste Personenzentriertheit im heilpädagogischen Berufsalltag, oder – Was kann man von einem Navigationsgerät lernen?“ (16 Seiten) verdeutlicht die Möglichkeiten der Personenzentrierung nach Karl Rogers in einem heilpädagogischen Kontext. Der Text wird von Ondracek als ein verschriftliches Nachdenken über eigene Erfahrungen verstanden. Mit praktischen Beispielen führt er in die Begriffe und in die professionelle heilpädagogische Umsetzung von Annahme und Achtung des Anderen ein. Dabei setzt er beispielhaft die Inhalte und Voraussetzung der Personenzentrierung von Karl Rogers vor Augen. Diese wird in einem gesonderten Absatz auf eine praxisorientierte Weise heruntergebrochen und mündet in die Form eines selbstkritischen Test zur Umsetzung der eigenen Beziehungsgestaltung im Sinne der personenzentrierten Arbeit. Ondracek arbeitet weiter die Eckpunkte heilpädagogischer Handlungsprofessionalität anhand praktischer Beispielen heraus, die er vor allem in einem fördernden Dialog zwischen Heilpädagogen und dem zu unterstützenden Menschen sieht. Er differenziert dabei wie nebenbei den Unterschied und die Gemeinsamkeiten zwischen psychotherapeutischen und heilpädagogischen Settings in der personenzentrierten Arbeit. Anhand eines Navigationsgerätes als eingängige Metapher beschreibt er Aufgabenschwerpunkte und Qualifizierung in der Arbeitsweise und Umsetzung der personenzentrierten Gesprächsführung.

Zu Teil 2 „Heilpädagogische Konzepte und Methoden: Betrachtungen zur Praxis“

Im zweiten Teil des Buches setzen sich sechs Autoren mit jeweils unterschiedlichen praktischen Ansätzen der Heilpädagogik in Bezug zu Aussagen und Forderungen von Dieter Gröschke auseinander.

Wolfgang Köhn stellt in seinem Beitrag die Beziehung in den Mittelpunkt seiner Betrachtung: „Beziehung - Grundlage und Ziel Heilpädagogischer Erziehungshilfe und Entwicklungsförderung – HpE“. (22 Seiten) Zunächst wird der Begriff der heilpädagogischen Beziehung in der HpE theoretisch begründet. Der HpE inne liegenden Gedanken zur Entwicklung und Förderung mit dem Primat von Prozessorientierung und Dialoggestaltung werden mit den Aussagen Gröschkes in Verbindung gebracht. Die Gestaltung und Erfahrung von Beziehung wird mit Hilfe praktischer Beispiele und individueller Reflexionsaufgaben eingängig verdeutlicht. Ein Fallbeispiel dient als Grundlage, eigene Gefühle und Gedanken und mögliche Reaktionen im konkreten Beziehungshandeln zu reflektieren. Im weiteren Text geht Köhn auf gut verständliche Weise und weiter im praktischen Bezug bleibend auf explizite Aspekte der Beziehungsgestaltung ein. Als wesentlich erschienen ihm dabei: keine falsche Erwartungen aufzubauen, Zutrauen und Vertrauen zu entwickeln, Geduld, Hoffnung, Humor zu besitzen, Real-Beziehung zu gestalten, Übertragungsbeziehung zu erkennen sowie die Verabschiedung und das Entlassen-Werden aus der Beziehung zu gestalten.

Barbara Schroer und Elke Biene-Deißler inszenieren in einem ersten Teil ihres dreiteiligen Beitrags: „Heilpädagogische Entwicklungsförderung und Begleitung im Spiel nach dem Konzept der ´Heilpädagogischen Übungsbehandlung´“ (25 Seiten) eine fiktive Diskussionsrunde zwischen sich und den Protagonisten Dieter Gröschke und Clara Maria von Oy zum Thema Heilpädagogische Übungsbehandlung (HPÜ), die sich aus belegten Quellen speist. Darin kommen die differenzierte Betrachtung und Beobachtung des kindlichen Spiels als Ausgangslage für Handlungsschritte der Diagnose als auch einer inklusiven Haltung in der Heilpädagogischen Übungsbehandlungen zur Aussprache. In einem zweiten Teil analysieren Schroer und Biene-Deißler die Weiterentwicklung des Lehrbuchs der Heilpädagogischen Übungsbehandlung von Clara Maria von Oy und Alexander Sagi von 1975 bis 2011 anhand der Ergänzungen, Überarbeitungen und Würdigungen des Buches. In einem dritten Teil wird mit Hilfe eines beispielhaften studentischen Praxisberichts die Durchführung einer HPÜ konkret beschrieben und auf unterschiedlichen Ebenen reflektiert.

Natascha Simanski stellt in ihren Beitrag: „Kreativität als Erlebnis – bildnerische Gestaltungsprozesse in der heilpädagogische Arbeit“ (16 Seiten) kreative Erlebnisse als einen Teilbereich einer konzeptionellen und methodischen Ausprägung einer hermeneutisch-pragmatischen Heilpädagogik zur Diskussion. Sie schließt mit diesem Thema den Kreis zu den Überlegungen Gröschkes, dass Lebenssinn nicht nur als Zukunftsperspektive i.S. einer Ökonomisierung der Bildung zu sehen ist, sondern als ein konkretes schöpferisches Erleben im Hier und Jetzt. Differenziert und eingängig belegt sie theoretisch fundiert einen heilpädagogischen kreativen Zugang über ein praxisorientiertes Kreativitätsprojekt. Ein Fallbeispiel gibt interessante Einblicke in das Handeln und Wirken des vorgestellten Konzeptes einer (heil-)pädagogischen Kunsttherapie. In einem weiteren Schritt stellt sich die Methode auch als wirksam im Studium und für die Ausbildung in heilpädagogsichen Arbeitsfeldern vor. Vielfältige Studienergebnisse über die Wirkung der Integration von Theorie und Praxis durch künstlerische Mittel in der Ausbildung belegen dies. Das Konzept bietet Anlässe des kreativen Austausches, des Erlebens kreativer Momente und in eigene Reflexionsprozesse, die den Transfer zu dem späteren Aufgabenwissen und heilpädagogischen Handlungsfeldern herstellen.

Barbara Ortland bezieht ihren Beitrag: „Realisierung sexueller Selbstbestimmung für Erwachsene mit geistiger Behinderung“ (21 Seiten) auf die Aussage Gröschkes, dass sich in der konkreten Lebenspraxis der Menschen zeige, was Heilpädagogik zur Sicherung und Verbesserung der Lebensqualität behinderter und entwicklungsauffälliger Menschen beizutragen habe. (vgl. Gröschke 2007, in: Ortland S. 141) Zunächst skizzieren Betroffene das Problemfeld aus ihrer Perspektive. Insgesamt stellt Ortland fest, dass Menschen mit Behinderungen behinderungsbedingt und vor allem strukturell bedingt zum Teil andere, oft behindernde und einschränkende Erfahrungen im Erlernen und Ausleben ihrer Sexualität machen müssen. Sie seien „Opfer hinderlicher Umstände oder sogar direkt Opfer einer Gesellschaft der Behinderer.“ (vgl. Ortland S. 144) Ortland arbeitet sich weiter theoretisch über drei Arbeitsfelder an die Thematik heran: die sexuelle Selbstbestimmung; die Einschränkung der sexuellen Selbstbestimmung bei Menschen mit geistiger Behinderung in Wohneinrichtungen und über eine sexualpädagogischen Konzeption. Diese Konzeption wird über neun Bausteine inhaltlich differenziert und pragmatisch entwickelt. Im Abschluss verweist Ortland noch einmal mit Gröschke darauf, dass die vorgestellte sexualpädagogische Konzeption seinem geforderten Orientierungsrahmen zur Handlungs- und Beziehungsgestaltung in der Ausgestaltung entspreche.

Kai-Uwe Schablon stellt „Die Syndromanalyse als diagnostische Methode der Heilpädagogik“ (22 Seiten) als eine verstehende Diagnostik vor, die sich an den von Dieter Gröschke aufgestellten Kriterien einer heilpädagogischen Diagnostik orientiere. Schablon bezieht die theoretischen Grundlagen der Syndromanalyse auf die Konzeption von Alexander R. Lurija im Sinne einer heilpädagogischen operationalisierten Methode. Zentraler Aspekt sei die Anerkennung des Gegenübers als entwicklungsfähiges Subjekt im Sinne des verstehen seiner syndromabhängigen Entwicklungslogik, wie sie Gröschke verstehe. (vgl. Schablon S.167) Mit einem kurzen Abriss über die Geschichte der Syndromanalyse wird diese gegenüber der traditionellen Diagnostik abgegrenzt und über die theoretischen Ansätze von Jantzen als wieder aktuell im Paradigmenwechsel der Behindertenhilfe angesehen. Im weiteren Text wird ein struktureller Aufbau einer (heilpädagogischen) Syndromanalyse vorgestellt, der für den Ausbildungskontext als auch für die praktische Umsetzung geeignet ist. Genauer wird auf die im Strukturmodell verwendeten Begriffe des Außenbeobachterstandpunktes, des Innenbeobachterstandpunktes und den Superbeobachterstandpunkt eingegangen, um die unterschiedlichen Perspektiven in der Syndromanalyse darzustellen. Grundlegend bleibt die Selbstreflexivität als auch die dahinterliegende pädagogische Idee. Es folgt ein Fallbeispiel aus der Praxis, an dem die Umsetzung einer Syndromanalyse konkret vorgestellt wird. Mit einem Bezug auf eine Aussage Gröschkes, dass heilpädagogisches Handeln sich in der Praxis vollziehe und dafür die vier diagnostischen Grundmethoden des Befragens, Beobachtens, Inventarisierens und Testens benötigt werden, sei die Syndromanalyse als eine Brücke zu den bestehenden traditionellen diagnostischen Inventaren zu verstehen. Dies sei in der aktuellen Zielsetzung von Inklusion und Teilhabesteigerung eine Bereicherung des heilpädagogischen Methodenrepertoirs (vgl. Schablon S. 184).

Maximilian Buchka beschreibt im letzen Beitrag „Grundlegendes zur Biografiearbeit“ (17 Seiten). Biografiearbeit, hier besonders im Bezug auf die Arbeit mit Menschen mit geistiger Behinderungen, dient der bewussten Auseinandersetzung mit der eigenen oder mit fremden Lebensläufen und Geschichten, mit dem Ziel, Erkenntnisse für das eigene oder das fremde Handeln zu erlangen. Dabei definiert Buchka zunächst eingängig die Unterschiede zwischen Lebenslauf und Lebensgeschichte, um dann in die Biografiearbeit als „Biografisches Lernen“ näher einzugehen. Mit Hilfe einer übersichtlichen Struktur nach Klingenberger gliedert er die unterschiedlichen Zugänge der Biografiearbeit und verdeutlicht so, dass in der Beschäftigung mit der Biografie eines Menschen der Heilpädagoge selber ein Teil dieser Biografie wird. In Bezug auf Theunissen beschreibt Buchka die Aufgaben und Wirkungen der Biografiearbeit, die in die Planung von Förderung und in die Veränderungen im Hilfeplan mit einfließen. Biografisches Arbeiten sei ein wesentlicher Bestandteil der professionellen Handlungsmethoden von Heil- und Sonderpädagogen, da es Orientierung und Hilfe zum Verstehen der Lebensschicksale Betroffener für die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft anbiete. (vgl. Buchka S. 192) Die konkrete Umsetzung der Biografiearbeit wird im weiteren Text eingängig von der Planungsphase bis zur Konsolidierungsphase dargelegt. Dabei wird wissenschaftstheoretisch kurz auf die unterschiedlichen Arbeitskonzepte, wie das rekonstruktive von Schleiermacher, das kongeniale von Dilthey und das applizierende von Gadamer hingewiesen. Abschließend weist Buchka mit den Worten Paul Moors darauf hin, dass die biografische Begleitung mit großer heilpädagogischer Zurückhaltung geübt werden müsse, damit der betroffene Mensch fähig werde, sein Leben selbstbestimmt zu führen und es mit großer Sinnvorstellung erfüllen könne.

Diskussion

Das Buch „Heilpädagogische Konzepte und Methoden – Orientierungswissen für die Praxis“ von Heinrich Greving und Sabine Schäper herausgegeben, teilt sich in zwei sehr unterschiedliche Zugänge auf. Der erste Teil stellt mit den Beiträgen von Greving und Schäper eine wissenschaftstheoretische Auseinandersetzung auf einem hohem und intensiven Niveau zum aktuellen Professionalisierungsdiskurs in der Heilpädagogik innerhalb des Paradigmenwechsels in der Behindertenhilfe als auch gegenüber den Ökonomisierungstendenzen in der Bildungslandschaft dar. Dabei wird, im Sinne der Widmung des Buches für Dieter Gröschke, auf dessen Arbeiten und Forderungen verwiesen und diese weiterentwickelt. Beide Beiträge liefern eine enorme Menge an Diskussionsvorlagen für gesellschaftskritische als auch selbstkritische Diskurse an die Profession der Heilpädagogik und ihre Nachbardisziplinen. Greving bezieht sich dabei mehr auf die Innenperspektive der sich verändernden „Grenzgebiete“ der Heilpädagogik unter dem Paradigmenwechsel der Inklusion und Teilhabeforderungen. Die Heilpädagogik müsse in der Profilbildung und in der Professionalisierung als systemisch-konstruktives Arbeitsfeld auf die Veränderungen mit kreativen Konzepten reagieren. Schäper stellt der theoretischen Diskussion um Inhalte das praktische Dilemma der handelnden Akteure entgegen, innerhalb eines bestehenden Systems gegen das System arbeiten zu müssen. Mit Foucault wird das systemische Machtgefüge in den Arbeitsfeldern an den Grenzen der Gesellschaft im Sinne einer Verstrickung zwischen Staat, Macht und Zivilgesellschaft skizziert. Differenziert, auf einem hohen abstrahierenden Niveau gelingt es Schäper dennoch eindringlich, an die eigene Haltung und Verantwortung der in diesen Arbeitsfeldern Tätigen im Sinne einer heilpädagogischen Ethik zu appellieren, um gesellschaftliche Veränderungen professionell zu begleiten.

Beide Beiträge setzen sich differenziert, wissenschaftstheoretisch geleitet und teilweise philosophisch mit aktuellen Anforderungen an die Professionsentwicklung der Heilpädagogik auf den Vorarbeiten Dieter Gröschkes auseinander. Die Zusammenstellung unterschiedlicher Perspektiven und Ansatzpunkte, die auf eine Vielzahl weiterführende Quellen verweisen, macht die Texte zu einer Fundgrube für Studierende, Dozenten und Fachleute.

Petr Ondarcek setzt die in den ersten beiden Texten geforderte Professionalität und heilpädagogische Ethik konkret und an der Praxis orientiert mit der Methode der bewussten Personenzentriertheit nach Rogers beispielhaft um. Nach der vorhergehenden wissenschaftlich-philosophischen Denkakrobatik wird der Leser nun wieder auf eine eher pragmatische Ebene zurückgeholt. Ondracek verfehlt dennoch nicht den Anspruch, der im ersten Teil aufgebaut wurde, da er in seinem Beitrag der Frage nach dem „Wie gelingt diese heilpädagogische Ethik?“ mit seinen Methaphern und Ideen verständlich und nachvollziehbar nachgeht.

Nach einem ähnlichen Prinzip arbeiten die nachfolgenden Beiträge des zweiten Teils des Buches. Alle Autoren beziehen sich auf bestimmte Aussagen Dieter Gröschkes und ziehen für sich und ihre jeweiligen Konzepte und Methoden spezifische Anknüpfungspunkte heraus, die die bekannten Ansätze und Problemstellungen aus einer neuen aktuellen Perspektive, oft pragmatisch zugänglich, erscheinen lassen. In der Heilpädagogischen Erziehungshilfe von Wolfgang Köhn ist dies die Sichtbarmachung der besonderen Beziehungspflege. Barbara Schroer und Elke Biene-Deißler setzen die genaue Beobachtung und Reflexion des kindlichen Spiels in den heilpädagogischen Mittelpunkt der heilpädagogischen Übungsbehandlung. Natascha Simanski schafft dies mit einer Zentrierung auf die allen Menschen innewohnenden Kreativität und deren hermeneutisch-pragmatischen Möglichkeiten, heilpädagogisch wirksam zu werden. Barbara Ortlands Beitrag ist auf den Text von Greving zu beziehen, da sie die Realisierung einer sexuellen Selbstbestimmung bei Erwachsenen mit geistiger Behinderung auf die systemischen-strukturellen aber auch eigenen interaktionistischen und konstruktivistischen Bedingungen zurückführt. Kai-Uwe Schablon setzt einen ähnlichen pragmatischen Punkt zu den neuen Anforderungen der Heilpädagogik wie Wolfgang Köhn weiter oben mit der Umsetzung der Syndromanalyse als alte-neue diagnostische Methode der Heilpädagogik. Maximilian Buchka stellt dazu weiterführend in sehr pragmatischer Art die Biografiearbeit als ein wesentliches Element in der Heilpädagogik vor.

Alle Beiträge des zweiten Teils sind im Sinne des Untertitels des Buches: „Orientierungswissen für die Praxis“ zu verstehen. Sie stellen Methoden und Konzepte praxisorientiert vor, behalten jedoch immer den Bezug zu den theoretischen Forderungen aus dem ersten Teil des Buches: Entwicklung und Professionalisierung der theoriegeleiteten Heilpädagogik und der praktisch orientierten Heilpädagogen. Damit wird den Akteuren im heilpädagogischen Kontext eine ausgewogene wissenschaftstheoretische und ethische Grundlage für ihr praktisches Handeln gegeben, um zukünftig professionell und verantwortlich arbeiten zu können.

Fazit

Heinrich Greving und Sabine Schäper legen als Herausgeber mit ihrem Buch: „Heilpädagogische Konzepte und Methoden – Orientierungswissen für die Praxis“ einfür Fachleute, Dozenten und Studierende bemerkenswertes Buch vor. Die im ersten Teil des Buches differenziert wissenschaftsgeleitete, ethisch-philosophische Auseinandersetzung in der Gratwanderung zwischen zukünftigem Profil der theoretischen Heilpädagogik und dem professionellen Transfer in die praktische Umsetzung unter neuen Perspektiven gelingt außerordentlich gut. Die Texte sind zum Selbststudium als auch für differenzierte Diskurse in Seminaren sehr gut als Impulsgeber geeignet. Die Weiterentwicklung des tradierten Konzeptes von Dieter Gröschke wird durchgängig im gesamten Buch beibehalten. Die im zweiten Teil des Buches vorgestellten Konzepte und Methoden sind eine Fundgrube für Studierende, die sich in der Selbstreflexion ihres Handelns als Heilpädagoge und in der Umsetzung bestimmter Methoden noch Unterstützung und Anleitung wünschen.


Rezensentin
Vertr. Prof. Susanne Römer
Hochschule Zittau/Görlitz Fakultät Sozialwesen Studiengang Heilpädagogik/Inclusion Studie
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Zitiervorschlag
Susanne Römer. Rezension vom 17.09.2014 zu: Heinrich Greving, Sabine Schäper (Hrsg.): Konzepte und Methoden der Heilpädagogik. Orientierungswissen für die Praxis. Kohlhammer Verlag (Stuttgart) 2013. ISBN 978-3-17-023076-7. Reihe: Praxis Heilpädagogik - Konzepte und Methoden. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/15793.php, Datum des Zugriffs 27.05.2016.


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