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Ute Klingemann: Kooperation zwischen Kita und Kindertagespflege - eine Wunschvorstellung?

Cover Ute Klingemann: Kooperation zwischen Kita und Kindertagespflege - eine Wunschvorstellung? ZIEL Verlag (Augsburg) 2013. 122 Seiten. ISBN 978-3-940562-94-4. D: 19,80 EUR, A: 20,40 EUR, CH: 35,00 sFr.

Blaue Reihe - SozialWirtschaft Diskurs.
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Entstehungshintergrund und Thema

Die als Masterthesis entstandene Arbeit untersucht Chancen, Grenzen und Voraussetzungen für gelingende Kooperationsbeziehungen zwischen Kindertageseinrichtungen (Kitas) und Kindertagespflege. Ihr Ausgangspunkt ist die Ausweitung der Rechtsansprüche in der Kindertagesförderung auf Kinder unter drei Jahren, der dadurch in den letzten Jahren notwendig gewordene Ausbau der Betreuungsplätze in allen Bundesländern sowie die im KiföG-Bundesgesetz und in den Landesgesetzen zunehmend geforderte Kooperation zwischen diesen beiden Angebotssystemen.

Autorin

Ute Klingemann ist diplomierte Sozialarbeiterin und Sozialwirtin. Ihren Master of Social Management erlangte sie mit der hier besprochenen Masterarbeit. Nach ihrer Tätigkeit in der Fachberatung und Organisationsentwicklung für selbstorganisierte Kinderbetreuung, sowie weiteren Stationen in der öffentlichen Jugendhilfe auf Landesebene in Niedersachsen, ist sie nun seit 2012 Referentin im Sachgebiet Qualifizierung und Modellvorhaben im Niedersächsischen Kultusministerium.

Entstehungshintergrund

Aus der einschlägigen Literatur zur Kindertagespflege stammt die Behauptung, dass Kooperationen zwischen Kindertagespflege und Kitas ein wichtiges Merkmal zur Qualitätsverbesserung, insbesondere für die Kindertagespflege, seien. Auch Kitas würden von dieser Zusammenarbeit profitieren und die Auswirkungen, insbesondere für die Kinder, seien positiv. Diese Aussagen fand die Autorin jedoch nicht wissenschaftlich belegt, was für sie der Anlass für die vorgelegte Untersuchung am Beispiel der Kindertagesförderung in Niedersachsen war.

Aufbau

Nach der Einleitung folgen die sechs Abschnitte dieser Arbeit.

  • Im ersten Abschnitt werden kurz das methodische Vorgehen bei der Recherche erläutert und die Datenquellen beschrieben.
  • In den beiden folgenden Abschnitten werden grundlegende Aspekte des bildungspolitischen Kontextes sowie der Kooperation und Nerzwerkarbeit dargelegt.
  • Das vierte Kapitel knüpft daran an und untersucht die Grundlagen und Aspekte für Kooperationen zwischen Kindertagespflege und Kitas.
  • Der fünfte Abschnitt gibt einen Überblick über die Entwicklung und die Qualität von Kooperationsansätzen in Niedersachsen.
  • Abschließend werden im sechsten Abschnitt Schlussfolgerungen der Autorin vermittelt und Empfehlungen für die Praxis gegeben.

Inhalt

Im einleitenden Teil beschreibt die Verfasserin die als Grundlage dieser Arbeit dienende Recherche. Diese besteht im Wesentlichen aus dem Literaturstudium, der Berücksichtigung der Ergebnisse aus Modellprojekten und aus sogenannten Gruppendiskussionen und Interviews, deren Ergebnisse unveröffentlicht bleiben und im weiteren Verlauf der Arbeit nicht ausgewertet werden, sondern punktuell als Belege aus der Feldstudie einfließen.

Die an den Anfang gestellten bildungspolitischen Kontexte in Niedersachsen geben einen kurzen Überblick über die derzeitige und zukünftig zu erwartende Nachfrage nach Betreuungsplätzen für Kinder im Krippenalter, nicht nur auf Niedersachsen bezogen. Die Kooperationsanforderungen werden ebenfalls in einem kurzen Abschnitt grundlegend und nicht vertieft dargestellt.

Der erste Schwerpunkt des Buches befasst sich mit den Anforderungen und Erwartungen an Kooperations- oder Vernetzungsmodelle. Ausgehend von einer Begriffsbestimmung wird erörtert, wann von Kooperation gesprochen werden kann. Die Verfasserin trägt zusammen, dass Kooperation dann vorliegt, wenn Personen oder Systeme zusammenwirken, um ein gemeinsames Ziel unter partnerschaftlicher Partizipation zu erreichen. Davon ausgehend werden die Voraussetzungen für eine gelingende Kooperation entwickelt: Zielfindung in Kooperationen, externe Moderation sowie äußere Rahmenbedingungen. Breiteren Raum nimmt dann die Analyse der zu berücksichtigenden Faktoren und deren Einfluss im Einzelnen ein. Hierbei ist besonders zu erwähnen, dass sich die Autorin mit Konkurrenzen, konkurrierenden Zielen und mit den Aufwand-Nutzen-Überlegungen der verschiedenen Kooperationsbeteiligten ausführlich befasst. Gleiches gilt auch für Kooperationsbedingungen auf der persönlichen oder Beziehungsebene. Breiten Raum nehmen die Abschnitte zur Verschiedenheit der Beteiligten, zur Identität, zur Kommunikation und eben zur Beziehungsebene selbst ein.

Im zweiten Schwerpunkt werden die Formen der Kindertagespflege und der institutionellen Betreuung in Kitas sowie deren gesetzliche Grundlagen kurz erläutert und durch eine Übersicht Unterschiede und Gemeinsamkeiten deutlich gemacht. Ebenfalls kurz gilt der nächste Abschnitt der Darstellung der Aufgabentrias Bildung, Betreuung und Erziehung mit exemplarischen Verweisen auf die Bildungspläne der Bundesländer und der Fragestellung, inwieweit Kindertagespflege dort bereits verankert ist.

In den beiden nächsten Abschnitten werden die wesentlichen Unterschiede zwischen Erzieherinnen und Tagespflegepersonen hinsichtlich ihrer Qualifikation und ihrer Beschäftigungsverhältnisse vorgestellt.

Da die Motivation als ein wichtiges Merkmal für den Erfolg von Kooperationen herausgearbeitet worden ist, widmet sich nun der weitere Abschnitt der jeweiligen Motivation der an möglichen Kooperationen Beteiligten: Tagespflegepersonen, Eltern von Kindern in Tagespflege, pädagogische Fachkräfte in Kitas und Eltern von Kita-Kindern. Ohne Kapiteleinordnung findet sich am Ende dieses Abschnittes auch eine tabellarische Übersicht über die Merkmale der Kindertagespflege und der Kindertagesstätten.

Unter der Überschrift „Entwicklung und Qualität von Kooperationsansätzen in Niedersachsen“ werden die Aktivitäten der über das Sonderprogramm „Familie mit Zukunft“ entstandenen Familien- und Kinderservicebüros als Beispiel für Kooperationsansätze vorgestellt. Der nicht weiter evaluierte Kooperationsstand wird auf der Basis der Einzelnennungen im Rahmen der Feldstudie bewertet bzw. werden daraus Schlussfolgerungen für zukünftige gute Kooperationen gezogen. In diesem Kapitel finden sich dann zusätzlich weitere grundlegende Ansätze für Kooperationsformen.

In den abschließenden Schlussfolgerungen und Empfehlungen werden ebenfalls weitere, in der Arbeit noch nicht behandelte Anforderungen thematisiert. Neben der besseren Entwicklung eines Gesamtsystems der Kindertagesförderung aus gleichwertiger Kindertagespflege und institutioneller Kindertagesförderung werden auch maßgebliche Ansätze für strukturelle Rahmenbedingungen sowie Anregungen für Unterstützungen und Empfehlungen für Entscheidungsträger auf Bundes- und Landesebene gegeben.

Diskussion und Fazit

Gelingende Kooperationen kann man nicht verordnen. Erst recht nicht, wenn die potentiellen Kooperationspartner sich als Konkurrenten sehen und sehr unterschiedliche Rahmenbedingungen für ihre Arbeit vorfinden. Dies wird bei der Lektüre dieser Abhandlung dadurch sehr deutlich, dass die Autorin die wesentlichen Merkmale der Systeme der institutionellen Kindertagesförderung und der Kindertagespflege ausführlich beschreibt und von einander abgrenzt. Ihr gelingt es, den Leser davon zu überzeugen, dass erstens die Motivation der Kooperationspartner sehr genau in den Blick genommen und gegebenenfalls geweckt werden muss und dass zweitens die Verantwortlichen auf kommunaler, Landes- oder Bundesebene die strukturellen und unterstützenden Ressourcen im Sinne eines Gesamtsystems der Kindertagesförderung ausbauen müssen.

Das Buch ist all denen empfohlen, die Kooperationen zwischen Kitas und Kindertagespflegepersonen anregen oder gestalten wollen und einen ersten Überblick über Hemmnisse und Voraussetzungen erlangen möchten.


Rezensentin
Prof. Dr. Sabine Mönch-Kalina
Lehrgebiet Sozialrecht an der Hochschule Wismar
Homepage www.wi.hs-wismar.de/de/personen_ausstattung/profess ...
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Zitiervorschlag
Sabine Mönch-Kalina. Rezension vom 10.07.2014 zu: Ute Klingemann: Kooperation zwischen Kita und Kindertagespflege - eine Wunschvorstellung? ZIEL Verlag (Augsburg) 2013. ISBN 978-3-940562-94-4. Blaue Reihe - SozialWirtschaft Diskurs. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/16028.php, Datum des Zugriffs 27.05.2016.


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