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Martin Miller: Das wahre "Drama des begabten Kindes"

Cover Martin Miller: Das wahre "Drama des begabten Kindes". Die Tragödie Alice Millers. Wie verdrängte Kriegstraumata in der Familie wirken. Kreuz Verlag (Stuttgart) 2013. 175 Seiten. ISBN 978-3-451-61168-1. D: 17,99 EUR, A: 18,50 EUR.
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Thema

Die Liste der großen Theoretiker der Erziehung, die in der Praxis aus unterschiedlichen Gründen ihre eigenen Ansprüche nicht umsetzen konnten oder wollten, ist lang. Rousseau und Pestalozzi gehören dazu, Siegfried Bernfeld, Karl Wilker, Alexander Neill, Bruno Bettelheim und andere. Rousseau gab seine fünf Kinder ins Findelhaus, um sie der Erziehung der Mutter und ihrer Familie zu entziehen, die seiner Meinung nach „wahre Ungeheuer aus ihnen gemacht hätten“ (Rousseau zit. n. Hentig 2003, S. 88f.). Pestalozzi setzte seinen Sohn so unter Leistungsdruck, dass er in der Schule versagte und versuchte ihn vergeblich mit Strenge zu „Ordnung, Genauheit, Vollendung, Vollkommenheit“ zu erziehen (ebd., Kraft 1996, S. 191). Bernfeld und Wilker konnten (wie Pestalozzi in Stans) ihre reformpädagogischen Ideale wegen Schwierigkeiten mit der Verwaltung/ den Geldgebern nicht mal ein Jahr lang umsetzen. Alexander Neill, der dagegen jahrelang Summerhill erfolgreich leitete, revidierte einige seiner pädagogischen Überzeugungen in Bezug auf die „Selbstregulierung“ nach den Erziehungserfahrungen mit seiner Tochter, der er sogar einmal Schläge androhte (Kamp 1995, S. 418ff.). Bruno Bettelheim, wie Neill ein Verfechter gewaltfreier Erziehung, hat in seiner Klinik manchmal Kinder geschlagen, seinen MitarbeiterInnen aber geraten, sich an seine Worte, nicht an seine Taten zu halten (Krumenacker 1998).

Wer das Buch „Das wahre „Drama des begabten Kindes“ – Die Tragödie Alice Millers“ liest, könnte auch Alice Miller auf diese Liste des (teilweise) Scheiterns am institutionellen oder familiären Alltag setzen wollen.

Die 2010 verstorbene Alice Miller hat in ihren Büchern die Mechanismen „schwarzer Pädagogik“ aufgedeckt und ist jahrzehntelang vehement für die Rechte der Kinder auf eine gewaltfreie und selbstbestimmte Kindheit eingetreten. Nun hat ihr Sohn (Jg. 1950) ein Buch geschrieben, das sich im Titel an eines der berühmtesten Bücher seiner Mutter anlehnt (Das Drama des begabten Kindes, Miller 1982). Das „wahre“ Drama dieses Kindes, das Alice Miller selbst war, schildert der Autor, ebenso sein eigenes. Demnach war seine Mutter nicht in der Lage ihrem Sohn eine liebevolle Mutter zu sein. Sie schützte ihn nicht nur nicht vor den Schlägen des Vaters, sondern sprach ihrem Sohn auch noch im Erwachsenenalter die Selbstbestimmung ab, die sie für Kinder im Allgemeinen forderte.

Aufbau und Inhalt

Das Buch erzählt nicht chronologisch und auch nicht systematisch. Es vollzieht vielmehr den Prozess der zunehmenden Bewusstwerdung und Befreiung des Autors bis zum Entschluss der Veröffentlichung nach.

So beginnt die Darstellung mit einem Brief der Mutter aus dem Jahr 1987 an ihn, in dem sie ihn anklagt, sie zu Unrecht mit Hass zu verfolgen. Sie behauptet, dass er das erlernte Muster, durch „Bratwurst oder Kakao“ die Schläge des Vaters zu vergessen, nun auf sie anwende und sie mit Hass verfolge. Letzteres machte sie daran fest, dass er nicht die von ihr empfohlene Therapie machen wollte. Sie räumte dabei ein: „Dass ich als ungeliebtes Kind unfähig war, Dir genug Liebe zu geben, kann ich heute sehen. Aber das entband mich nicht von der Verantwortung, die ich einging, als ich ein Kind haben wollte. Du sagtest mir einmal, dass dich dein Vater stets in meiner Abwesenheit geschlagen hatte. Das hätte ich erraten oder ahnen müssen und dich nicht allein dieser Macht fahrlässig ausliefern dürfen. Und wäre ich selbst ein beschütztes Kind gewesen, meine Antennen hätten mich gewarnt!“ (S. 14)

Aber Alice Miller belässt es nicht bei diesem Schuldeingeständnis, sondern beschuldigt den Sohn, dem Vater zu ähneln: „Es ist ein tragisches Schicksal, einen Vater zu haben, der ein hilfloses Kind schlägt. (…) Aber als Erwachsener nicht sehen zu wollen, wie er ist, … sich langsam selber in diesen Vater zu verwandeln, um ihn zu schützen und zu schonen – das ist nicht Schicksal.“ ( S. 15)

Eine von Anfang an schwierige Mutter-Sohn-Beziehung offenbart Martin Miller – selber Psychotherapeut – in diesem Buch. Die bloßen Fakten sind erschütternd. Weil der Sohn nicht an der Brust trank, fühlte sich Alice Miller von ihm abgelehnt (!) und gab ihn nach der Geburt wochenlang in Pflege. Dort wurde er vernachlässigt, aber nicht etwa von seinen Eltern, sondern von seiner Tante wieder abgeholt. Bei dieser Tante verbrachte er das erste halbe Lebensjahr. Sechs Jahre später, nach der Geburt der Schwester (die ein Down-Syndrom hatte), wird nicht nur sie in ein Kinderheim gebracht, sondern für zwei Jahre auch der Sohn Martin. Er erfuhr nie, warum er weggebracht oder wieder nach Hause geholt wurde. Seine Eltern blieben Fremde. Eine seiner tiefsitzenden Kindheitserinnerung ist die, dass die Eltern an einem Tisch saßen, um an Texten zu arbeiten, dass er aber in diesem schweigsamen und stillen Haushalt keine Rolle spielte. Die Beziehung zu seiner Mutter war für ihn kalt und immer von „belastenden Spannungen geprägt“ (S. 24).

Als Erwachsener beschloss Martin Miller nach mehreren Therapieversuchen, die ihn psychisch an den Rand eines Suizids brachten, den Kontakt zu seiner Mutter abzubrechen. Ihm schien die Position seiner Mutter, man müsste die Eltern auf jeden Fall mit den Verletzungen der Kindheit konfrontieren kein guter Rat zu sein. Er vertritt heute und lebte selbst eine andere Strategie: er suchte verständnisvolle Therapeuten, die mit ihm als „wissende Zeugen“ (ein Konzept seiner Mutter) die liebevolle Beziehung lebten, die er selbst vermisst hat.

Was ihn aber in dem Buch auch beschäftigt, ist die Frage, wie seine Mutter, die so viele richtige pädagogische Einsichten hatte, selbst zu der geworden war, als die sie der Sohn kennen lernte. Daher rekonstruierte er nach ihrem Tod die Kindheit von Alice Miller durch Interviews mit Verwandten und erfährt eine ihm gegenüber weitgehend verschwiegene oder einseitig berichtete Geschichte über eine konservativ bis liberale jüdischen Kindheit und Jugend in Lodz und im Warschauer Getto. Wesentlich war – so der Sohn, dass sie ein Trauma erlitten habe, als sie sich 16jährig drei Jahre im Untergrund versteckt halten musste und erpresst wurde, weil man ihre Identität entdeckt hatte. Die Zeit im Getto und in einer falschen Identität mit der ständigen Angst entdeckt zu werden, rekonstruiert Martin Miller aus anderen Zeitzeugenberichten, unter anderem von Marcel Reich-Ranicki, der ebenfalls das Ghetto überlebte. Das Leben der Überlebenden sei in der Nachkriegszeit noch immer von Verfolgungsängsten geprägt gewesen, die Kinder der Überlebenden seien stets mit dem Tabu aufgewachsen, niemals Fragen zu dieser Zeit zu stellen. Martin Miller fragt sich: „Warum konnte meine Mutter nie genießen? Warum hielt sie Gesellschaft so schlecht aus? Warum wurde sie oft aus mir unerfindlichen Gründen aggressiv?“ (S. 63)

Und er gibt die Antwort mit Eli Wiesel: die Überlebenden seien „amputiert“ gewesen. Sie hätten ihre Lebensfreude verloren, eine Schweigemauer errichtet und das Erlebte abgespalten. Sie versuchten der Erinnerung zu entfliehen, was nicht gelänge – so Miller. Vielmehr werde „die nachfolgende Generation in den abgespaltenen Erlebnishorror eingewoben und so als Geisel in Gefangenschaft genommen. Das ist meine Rolle in der Verfolgungsgeschichte meiner Mutter“ (S. 64).

Martin Miller berichtet auch über seinen 1999 verstorbenen Vater, einen – wie er sagt – ihm gegenüber „verachtenden, cholerischen und autoritären Mann“, der ihn oft verprügelte, andererseits mit Lieblingsessen verwöhnte, um die Spannungen in der Ehe auszuagieren. (S. 65f.). Alice Miller habe über ihren Mann nach der Scheidung 1973 gesagt: „Dein Vater hieß wie der Mann von der polnischen Gestapo, der mich während des Krieges erpresst und verfolgt hatte. (…) Erst Jahrzehnte später bin ich durch die schlimme Scheidung von deinem Vater losgekommen und damit auch von meinem Verfolger im Krieg.“ (S. 67) Der Autor interpretiert die Bereitschaft seiner Mutter, einen Mann zu heiraten, der den Namen und Charakterzüge des Verfolgers aus dem Krieg trug als „Stockholmsyndrom“, die psychische Bereitschaft sich in denjenigen zu verlieben, dem man existenziell ausgeliefert ist.

Miller berichtet auch über die erste Zeit der Eltern in der Schweiz, wo beide promovierten, der Vater eine Anstellung am polnischen Museum erhielt und die Mutter 1953 in die psychoanalytische „Welt eintritt“ (S. 72). Dort arbeitete sie bis zu ihrer Trennung von der Psychoanalyse Anfang der 80er Jahre als Psychotherapeutin. Hintergrund der Trennung von der psychoanalytische Gesellschaft der Schweiz war Millers Auseinandersetzung mit den Kindheitsforschern Bowlby, Kohut und Winnicott, von denen sie die Überzeugung übernahm, dass nicht die sexuellen Triebe die Entwicklung des Kindes dominieren, sondern seine Bedürfnisse nach Liebe und Geborgenheit. (Diese Erkenntnis kam – in Bezug auf ihre eigene Geschichte als Mutter – tragischerweise zu spät. Ob sie sie hätte umsetzen können ist jedoch auch fraglich.)

Als glücklichste Zeit erlebte Martin Miller die Zeit, in der seine Mutter die ersten Bücher schrieb, womit sie erst mit 56 Jahren begann. Aber durch die zunehmende Popularität nahm auch ihre Angst, verfolgt zu werden, wieder zu. Sie zerstritt sich mit vielen Weggefährten. Während der Sohn sie in ihrer Schreibwelt als „zwanglos, spontan, unkompliziert, zuversichtlich, selbstbewusst tolerant“ wahrnahm, verhielt sie sich im Alltag oft „misstrauisch, verängstigt, gespannt, aggressiv, zurückhaltend, sehr kompliziert, unzuverlässig zunehmend narzisstisch und unsensibel“ (S. 107). Es habe ihn bestürzt, diesen Gegensatz wahrzunehmen. Zum Bruch zwischen Mutter und Sohn kam es aber erst, nachdem die Mutter ihm Anfang der 90er Jahre eine Therapie bei einer Schülerin von Konrad Stettbacher aufnötigte, um seine Kindheit aufzuarbeiten. Stettbacher vertrat damals eine Therapierichtung, die er „Primärtherapie“ nannte und bei der sich die Patienten zunächst tagelang allein in dunklen Räumen aufhalten mussten. Die Therapeutin – so erfuhr der Sohn erst später – schickte die Tonbandaufnahmen der therapeutischen Sitzungen an Stettbacher, der sie wiederum an seine Mutter weiterleitete. Sie wollte auf jeden Fall ihre Auffassung des Problems ihres Sohnes durchsetze, dass er den Vater schone und sie deshalb verfolge. Erst als Martin Miller Stettbacher als Scharlatan entlarven konnte (weil er keinerlei Ausbildung besaß und zudem Klientinnen sexuell missbraucht hatte), gab die Mutter zu, dass sie ihn falsch behandelt hatte, brach allerdings auch den Kontakt ab. Erst Jahre später gestand sie ihm in einem Brief: „Ich habe mich in viele Menschen einfühlen können, nur in meinen eigenen Sohn nicht. Als er mir das sagte, habe ich es bestritten. Ich? Gibt es nicht Beweise, dass andere sich von mir verstanden fühlten? Und das sollte mir nicht möglich sein, wo es mir so darum ging? Wo ich mich so darum bemühte? Ja genauso war es. Gerade bei ihm fehlte mir die Empathie. Nicht ohne Gründe. Hätte ich mich in seine Lage einfühlen können, dann hätte ich mich so erkennen müssen, wie ich zu ihm war: ahnungslos, kalt, hart, kritisierend, korrigierend, erzieherisch und nie wirklich so, wie ich hätte sein wollen, wie ich es mir einbildete zu sein. Dieses falsche Wunschbild von mir habe ich ihm noch aufgezwungen und damit seine Wahrnehmungen verwirrt. Als er sich nicht länger verwirren ließ, musste ich endlich in den Spiegel schauen. Ich musste sehen, dass ich mit meinem ersten Kind fast genauso war, wie meine Mutter mit mir. Trotz meiner Ausbildung ist es mir nicht gelungen, diesem Schicksal zu entgehen.“ (S. 132, Herv. A.S.)

Diese Selbsterkenntnis ist so ehrlich wie erschütternd und zeigt meines Erachtens, dass Alice Miller in der Lage war, den schonungslosen Blick, mit dem sie viele Biographien analysierte (Miller 1980), schließlich auch auf sich selbst anzuwenden.

Martin Miller greift in dem Buch abschließend nochmal die Auffassung seiner Mutter auf, Erwachsene müssten sich mit ihren Eltern konfrontieren und schreibt: „Viel besser ist es, dem Klienten die psychischen Kompetenzen an die Hand zu geben, diese schützende Erwachsenenhaltung (die man als Kind vermisste, C.K.) sich selbst gegenüber zu entwickeln, als sich für den Rest seines Lebens mit den Eltern in einen erfolglosen Streit zu verstricken.“ (S. 149). Dies dürfte auch seine ganz persönliche Konsequenz aus dem schwierigen Leben mit seiner Mutter und ihrer erst späten Zugeständnisse sein.

Im Nachwort generalisiert der Traumatherapeuten Oliver Schubbe die Erfahrung Martin Millers noch einmal aufschlussreich in Bezug auf die Nachkriegsgeneration. In sehr vielen Familien hätten die Kinder unter den Traumata der Eltern gelitten, ohne verbal davon zu erfahren: „Die Kinder erlebten die Gefühle der Eltern, ihre nonverbalen Signale im Blick oder in der Form von Berührungen. (…) das Unausgesprochene ließ die Kinder mit ihren Fragen allein: Warum mussten sie alles aufessen? Warum durften sie nichts wegwerfen? Warum wollen die Eltern sie nicht auf den Arm nehmen? Was war an ihrer kindlichen Wut so falsch? Warum waren starke Gefühle nicht in Ordnung? Warum fanden die Eltern ihre Kindersorgen nicht so wichtig? Warum wurden sie oft nicht getröstet? Warum gingen die Eltern nicht auf ihre Bedürfnisse ein? Warum waren die Eltern manchmal so unausgeglichen oder überlastet? Warum mussten sie schon als Kind für die Familie funktionieren und Verantwortung übernehmen? Was war so wichtig an äußerer Sicherheit …?“ (S. 163ff.) Schubbe nennt die Erfahrungen dieser Kinder „sekundäre Traumatisierungen“ und fordert eine Auseinandersetzung mit diesem Thema, da sonst eine Weitergabe an die nächste Generation wiederum möglich sei.

Anstoß für eine solche Auseinandersetzung bietet das vorliegende Buch auf jeden Fall.

Diskussion und Fazit

Martin Miller gelingt es, seine Mutter aus der Perspektive des Sohnes darzustellen, dabei das Leiden und die Fehler zu benennen, und trotzdem wertschätzend zu bleiben. Er rechnet mit seiner Mutter nicht ab. Vielmehr betreibt er eine öffentliche Selbstanalyse, die ihn zu einer Erweiterung und teilweise widersprechenden psychotherapeutischen Auffassung führt (s.o.). Für Miller steht außer Frage, dass gerade die ersten drei Bücher seiner Mutter (Miller 1980,1981,1982) bahnbrechend waren und noch sind. Dass sie selbst nicht in der Lage war, „ihren eigenen Erkenntnissen gemäß zu leben“, steht für ihn „auf einem anderen Blatt.“ (S. 141)

Jedem, den die Theorie Alice Millers beeindruckt hat, der sich mit dem Thema der Gewalt in der Erziehung oder der Schwierigkeit befasst hat, theoretisch Erkanntes in die eigenen Praxis umzusetzen, sei dieses Buch empfohlen. Denn grau ist nicht nur die Theorie, das pädagogische Handeln auch nicht nur schwarz-weiß. Offenbar ermöglicht manchen Menschen das eigene Leiden die tiefsten Einsichten. Die Lektüre des Buches von Martin Miller schwächt die Einsichten seiner Mutter nicht ab. Im Gegenteil wird noch einmal an ihrer eigenen Geschichte deutlich, wie Recht sie damit hatte, dass sich das unbewusst Erlittene in der nächsten Generation wiederholen wird, wenn es verschwiegen und nicht therapeutisch bearbeitet wird (Miller 1981).

Rousseau hatte erkannt, dass er zu praktischer Arbeit weniger in der Lage war, denn zu schriftstellerischer und schrieb: „Statt das notwendige zu tun, will ich es sagen.“ (Rousseau 1995, S. 24f.). Diese Einsicht bringt die Eingangsfrage nach dem „Scheitern“ in eine neue Richtung und führt zu der Frage, ob man die Qualität einer pädagogischen Theorie zulässig an den Fähigkeiten der Umsetzung ihrer Protagonisten messen darf. Ich denke, wenn sie idealistischen Omnipotenzphantasien huldigen wie Rousseaus Theorie (vgl. Oelkers 2001, S. 48), dann muss man es tun. Wenn dagegen die Unfähigkeit selbst thematisiert und reflektiert wird und zudem nachvollziehbare Gründe in traumatischen Kindheits- und Jugenderlebnissen im Hintergrund stehen, dann macht es die Theorie im Gegenteil überzeugender.

Literatur:

  • Hentig, Hartmut von (2003): Rousseau oder die wohlgeordnete Freiheit. München: Beck
  • Kamp, Johannes-Martin (1995): Kinderrepubliken. Geschichte, Praxis und Theorie radikaler Selbstregierung in Kinder- und Jugendheimen. Opladen: Leske u. Budrich
  • Kraft, Volker 1996: Pestalozzi oder Das pädagogische Selbst. Eine Studie zur Psychoanalyse pädagogischen Denkens. Bad Heibrunn: Klinkhardt
  • Krumenacker, Franz-Josef (1998): Bruno Bettelheim. Grundpositionen seiner Theorie und Praxis. München u.a.: Reinhardt
  • http://userpage.fu-berlin.de/~quirrrrl/Denkwuerdigkeiten_eines_Nervenkranken.htm
  • Miller, Alice (1980): Am Anfang war Erziehung, Frankfurt a. M.: Suhrkamp
  • Miller, Alice (1981): Du sollst nicht merken, Frankfurt a. M.: Suhrkamp
  • Miller, Alice (1982): Das Drama des begabten Kindes und die Suche nach dem wahren Selbst, Frankfurt a. M.: Suhrkamp
  • Miller, Alice (1995): Das Drama des begabten Kindes und die Suche nach dem wahren Selbst – eine Um- und Fortschreibung, Frankfurt a. M.: Suhrkamp
  • Oelkers, Jürgen (2001): Einführung in die Theorie der Erziehung. Weinheim u.a.: Beltz
  • Rousseau, Jean-Jaques (199512): Emil oder über die Erziehung. Paderborn: Schöningh

Rezensentin
Prof. Dr. Carola Kuhlmann


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Zitiervorschlag
Carola Kuhlmann. Rezension vom 10.02.2014 zu: Martin Miller: Das wahre "Drama des begabten Kindes". Die Tragödie Alice Millers. Wie verdrängte Kriegstraumata in der Familie wirken. Kreuz Verlag (Stuttgart) 2013. ISBN 978-3-451-61168-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/16169.php, Datum des Zugriffs 26.09.2016.


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