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Daniel N. Stern, Nadia Bruschweiler-Stern: Geburt einer Mutter

Cover Daniel N. Stern, Nadia Bruschweiler-Stern: Geburt einer Mutter. Die Erfahrung, die das Leben einer Frau für immer verändert. Brandes & Apsel (Frankfurt) 2014. 240 Seiten. ISBN 978-3-95558-057-5. D: 19,90 EUR, A: 20,50 EUR, CH: 28,50 sFr.
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Mutter werden, Muttersein erleben

Natürlich sollte ein Buch über Mutter sein von einer Mutter geschrieben werden; oder zumindest von einer Frau, der es möglich ist, Mutter zu werden. Weshalb ein Rezensent und nicht eine Rezensentin sich mit dem Buch von Daniel N. Stern und Nadja Bruschweiler-Stern auseinander setzt und bespricht, hat (eigentlich) drei Gründe hat (eigentlich) drei Gründe: Zum einen ist es ein empathisch-menschlicher – denn Mutterschaft ist ein Ereignis, das beide Erzeuger betrifft; zum zweiten ein informativer – denn Mutter- und Vaterwerden und -sein sind Herausforderungen, die das gemeinsame und familiäre Leben betreffen und verändern; schließlich hat der Rezensent sich mit einigen Werken der beiden Autoren bereits auseinandergesetzt (Daniel N. Stern, Ausdrucksformen der Vitalität, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/11513.php; Daniel N. Stern / Nadia Bruschweiler-Stern / Karlen Lyons-Ruth / Alexander C. Morgan / Jeremy P. Nahum / Louis P. Sander, Veränderungsprozesse. Ein integratives Paradigma, 2012, www.socialnet.de/rezensionen/13911.php). So möge dieses Wagnis auch mit dieser Rezension gelingen!

Autorin und Autor

Nadia Bruschweiler-Stern ist Kinderärztin und Kinderpsychiaterin in Genf; Daniel N. Stern (1934 – 2012) war als Psychoanalytiker und Entwicklungspsychologe in der Säuglingsforschung tätig. Der Originaltitel – The Birth of a Mother: How The Motherhood Experience Changes You Forever – ist 1998 erschienen. Das Ehepaar liefert mit dem aus dem Amerikanischen von Angelika Hildebrandt übersetzten, nunmehr in dritter Auflage im Bandes & Apsel-Verlag erschienenem Buch „Geburt einer Mutter“, eine sensible und empathische Psychologie des (erstmaligen) Mutterwerdens ab. Mit dem Untertitel – „Die Erfahrung, die das Leben einer Frau für immer verändert“ – wird darauf verwiesen, dass Mutterwerden und Muttersein existentielle Veränderungsprozesse bewirken, die es gilt, individuell als Frau, wie auch für ihre Familie und ihr Umfeld, zu verstehen.

Aufbau und Inhalt

Deshalb ist das Buch auch nicht allein für eine werdende Mutter geschrieben, schon gar nicht als ein Rezept verfasst, sondern als eine prozesshafte Entwicklung zu lesen. Das Autorenteam gliedert das Buch in drei Teile.

Im ersten Teil wird die „Vorbereitung auf das Muttersein“ thematisiert. Dabei werden die Phasen – Schwangerschaft, Geburt, Rollenbewusstsein – dargestellt und insbesondere die Aspekte diskutiert, wie sich die Vorbereitung der werdenden Mutter auf ihre neue Identität vollziehen kann, welche Mechanismen, Erwartungshaltungen, Glücksempfindungen, aber auch Fallen sich entwickeln können, die das „imaginierte“ und geborene Baby bewirkt. Das im Stil einer Erzählung geschriebene Buch, bei dem der Autor und die Autorin die persönliche Anredeform an die Leserin und den Leser gewählt haben, ermöglicht es, nicht mit dem erhobenen Zeigefinger oder dozierend, sondern gewissermaßen auf Augenhöhe zu berichten.

Im zweiten Teil wird deutlich, dass mit der Geburt des Kindes auch eine (neue) Mutter geboren wird. Ihr wird in erster Linie die Aufgabe und Herausforderung zugewiesen, für das Überleben des Babys zu sorgen und die Sorge für das Wachsen und Gedeihen des Kindes zuvorderst zu übernehmen, und zwar sowohl instinktgemäß, wie vor allem als Bildungs- und Lernprozess. Dazu braucht es Ansprache und Zusprache: „Sie selbst haben während dieser Arbeit in der Werkstatt der Mutter-Kind-Interaktionen… die seltene Chance, neue Wege des Umgangs mit sich selbst und mit anderen Menschen zu erproben und zu überarbeiten“. Dazu helfen Kommunikation mit anderen Müttern und Familien, professionelle Informationen und Hilfen, aber auch Reflexionen über die eigene Herkunft, die Möglichkeiten und Gefahren von übertragenen und übernommenen Lebenserfahrungen. Zugänge dazu bieten die jeweils in den Texten eingebetteten Erzählungen von Müttern, mit ihren positiven, negativen und problematischen Eingeständnissen und Tagebuch-Eintragungen.

Im dritten Teil thematisiert das Autorenteam mit dem Titel „Eine Mutter passt sich an“ Besonderheiten und besondere Bedürfnisse, etwa bei Frühgeburten, der Geburt eines behinderten Kindes oder bei den Beobachtungen von Entwicklungsstörungen; aber auch Fragen, die Spannweiten und Konflikte von „Muttersein als Beruf“ oder Berufstätigkeit als Mutter betreffen. Dass dabei die Ehemänner und Väter nicht aus ihren Verantwortungen entlassen werden, ist zwar ethisch und moralisch (fast) ausdiskutiert; aber auf die partnerschaftliche Einbeziehung und gleichberechtigte Rollenverteilung lohnt doch, hinzuweisen.

Fazit

An manchen Stellen der Erzählung von Daniel N. Stern und Nadia Bruschweiler-Stern kann der Leser den Eindruck gewinnen, Selbstverständlichkeiten zu lesen. Das ist gut so! Denn die Natürlichkeit von Mutterschaft ist erst einmal ein menschliches Glück und nicht nur ein Garant dafür, dass die Menschheit weiter existiert. Damit Mütter, Väter, Geschwister und Familienangehörigen an diesem Glück Anteil nehmen können, ist es notwendig, darüber zu reden; auch über Gefühle, Empfindungen, Entwicklungsphasen und Probleme von werdenden und seienden Müttern. Das Buch „Geburt einer Mutter“ könnte deshalb nicht nur Schwangeren geschenkt, sondern als Partner- und Familiengabe überreicht werden.


Rezensent
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 28.01.2014 zu: Daniel N. Stern, Nadia Bruschweiler-Stern: Geburt einer Mutter. Die Erfahrung, die das Leben einer Frau für immer verändert. Brandes & Apsel (Frankfurt) 2014. ISBN 978-3-95558-057-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/16389.php, Datum des Zugriffs 27.05.2016.


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