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Jürgen Weber, Utz Schäffer u.a.: Einführung in das Controlling

Cover Jürgen Weber, Utz Schäffer, Christoph Binder: Einführung in das Controlling. Übungen und Fallstudien mit Lösungen. Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft · Steuern · Recht GmbH (Stuttgart) 2014. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. 485 Seiten. ISBN 978-3-7910-3242-9. 19,95 EUR.
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Thema

Das Lehrbuch „Einführung in das Controlling“ von Jürgen Weber und Utz Schäffer, mittlerweile in der 14. Auflage (2014) erschienen, gilt als Standardwerk zum Controlling und erfreut sich einer großen Verbreitung. Es verbindet fundierte theoretische Ausführungen mit aktuellen empirischen Erkenntnissen aus der Controllingforschung und zahlreichen praxisorientierten Anwendungsbeispielen. Das hier rezensierte Werk ist das flankierende Übungsbuch, welches kürzlich in der 2. Auflage (2014) erschienen ist. Auf insgesamt 485 Seiten werden 19 Einzelaufgaben, eine durchgehende Fallstudie mit 13 Teilaufgaben sowie 12 Praxisfälle namhafter Unternehmen jeweils mit Lösungen behandelt. Die Aufgaben und Fallstudien sind inhaltlich und von der Gliederung her mit ausgewählten Themengebieten des Lehrbuchs ab der 13. Auflage verknüpft.

Autoren

Prof. Dr. Jürgen Schäffer und Prof. Dr. Utz Schäffer leiten das Institut für Management und Controlling an der WHU – Otto Beisheim School of Management (Vallendar / Düsseldorf). Prof. Dr. Christoph Binder hat eine Professur für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Kostenrechnung und Controlling, an der EBS Business School der Hochschule Reutlingen. Die Autoren nehmen in der Controlling-Forschung zentrale Positionen ein und haben umfangreich publiziert. Ihr umfassender Erfahrungshorizont wird durch Mitwirkung in fachlich einschlägigen Verbänden, durch Herausgeberschaften und durch beratende Tätigkeiten abgerundet.

Aufbau und Inhalte

Gegenüber der 1. Auflage (2011) ist diese Folgeauflage um 118 Seiten im Umfang gewachsen. Dabei wurde u. a. die durchgängige Fallstudie ergänzend zur deutschen Fassung auch in englischer Sprache dargestellt, und einige Lösungswege wurden ausführlicher als zuvor erläutert.

Die 19 Einzelaufgaben (116 Seiten) und die durchgehende Fallstudie „X-Presso AG“ (236 Seiten) behandeln schwerpunktmäßig folgende Fragestellungen:

  1. Erstellung von Gewinn- und Verlustrechnung, Bilanz und Kapitalflussrechnung (direkt / indirekt)
  2. Einsatz und Interpretation von Kennzahlen zur Cashflow- und Jahresabschlussanalyse (HGB / IFRS) sowie zur Wirtschaftlichkeitsbeurteilung
  3. Produktorientierte Vollkostenrechnung (insbes. mehrstufige Divisionskalkulation, Zuschlagskalkulation)
  4. Deckungsbeitragsrechnung (einstufig / mehrstufig / als Basis für Break-Even-Berechnung)
  5. Prozesskostenrechnung und Benchmarking von Prozessabläufen
  6. Verrechnungspreise
  7. Budgetierung und Planung
  8. Flexible Plankostenrechnung
  9. Investitionsrechnung (Amortisationsrechnung, Kapitalwertmethode, IRR)
  10. Target Costing
  11. Balanced Scorecard
  12. BCG-Portfolio Matrix

Die ausführliche Fallstudie „X-Presso AG“ zeichnet sich u. a. dadurch aus, dass die Gesellschaft zu Beginn auf 12 Seiten ausführlich beschrieben wird, wodurch eine realitätsnähere Komplexität erreicht wird. Somit muss der / die Bearbeiter(in) zur Lösung der nachfolgenden Aufgaben jeweils eine Entscheidung über die relevanten Informationen und Daten aus den umfangreichen Gesamtangaben treffen. Zudem sind sowohl Aufgaben als auch Lösungen vollständig zweisprachig (dt./engl.) abgedruckt.

Im dritten und letzten Teil (127 Seiten) des Übungsbuchs wurden unter Mitwirkung von Gastautoren aus den jeweiligen Betrieben 12 controllingbezogene Praxisfälle behandelt. Dies erfolgt erneut jeweils unterteilt in Aufgabenstellung und Lösungsvorschlag. Die Fälle stammen aus namhaften und zumeist großen deutschen und internationalen Unternehmen. Die behandelten Problemstellungen stammen aus folgenden Gebieten:

  1. Parallele Anwendung von HGB und IFRS im Konzern und Auswirkungen für das Controlling
  2. Produktorientierte Vollkosten- und Deckungsbeitragsrechnung
  3. Prozesskostenrechnung
  4. Unternehmenssteuerung mittels finanzieller Kennzahlen, insbes. EBIT, EBITDA, Cash Flow, Value Added, WACC
  5. Verrechnungspreise im Konzern
  6. Dynamische Planung und Budgetierung
  7. Wirtschaftlichkeitsberechnung für Erweiterungs- und Ersatzinvestitionen
  8. Target Costing
  9. Benchmarking
  10. Balanced Scorecard
  11. Portfolioanalyse, insbes. BCG-Portfolio Matrix

Wie unschwer erkennbar ist, greifen die Praxisfälle die Themengebiete der anderen beiden Hauptteile des Buchs mit großer Schnittmenge wieder auf. Somit finden sich in dem Übungsbuch zu jeder Thematik i. d. R. drei Übungsaufgaben und Lösungsbeispiele.

Diskussion

Das vorliegende Übungsbuch ermöglicht das selbständige Bearbeiten und Nachvollziehen von Fragestellungen des quantitativen und analytischen Controllings, meist mit engem Bezug zum Rechnungswesen. Die Aufgabenstellungen stehen allesamt im Kontext konkreter Entscheidungssituationen des Managements, was die unterstützende und beratende Funktion des Controllings unterstreicht. Zudem wird dadurch ein direkter Anwendungsbezug praktiziert, was damit auch die Methodenkompetenz bezüglich der Wahl von geeigneten Controllinginstrumenten in Entscheidungssituationen schult. Didaktisch geschickt werden gelegentlich auch vermeintliche betriebswirtschaftliche Erkenntnisse durch die vertiefende Analyse des Controllings als Irrtum „entlarvt“. Dies verdeutlicht das Potenzial und die Relevanz eines qualifiziert ausgeübten Controllings. Ebenso werden Interpretations- und Anwendungsgrenzen von Controllinginstrumenten, insbesondere in der Kostenrechnung, selbstkritisch aufgezeigt.

Ein hoher Mehrwert liegt in den umfangreichen Lösungserläuterungen. Sie ermöglichen prinzipiell auch ein erkenntnisreiches Nachvollziehen von Controllinganwendungen ohne Bearbeitung der Aufgaben. Das Übungsbuch ist somit zum einen auch ohne begleitende Lektüre des Lehrbuchs nutzbar und verständlich, sofern gute bis sehr gute Grundkenntnisse im Rechnungswesen und Controlling vorhanden sind, und stellt zum anderen auch eine wertvolle Sammlung von konkreten Anwendungsbeispielen dar. Daher eignet sich das Übungsbuch auch für betriebswirtschaftlich vorgebildete Praktiker(innen), welche ihre Anwendungskompetenzen von Controllinginstrumenten vertiefen wollen. Das Anspruchsniveau und der Detailgrad der meisten Aufgaben sind trotz der üblichen Komplexitätsreduktion der Unternehmensbeispiele gemessen für ein Übungsbuch relativ hoch.

Die Aufgaben und Szenarien sind realitätsnah gewählt, wobei der Branchen-Schwerpunkt auf dem gewinnorientierten produzierenden Gewerbe liegt. Für die Leserinnen und Leser von social.net sei erwähnt, dass es keine Aufgabenstellungen aus dem Nonprofit-Bereich oder der Sozialwirtschaft gibt. Dies kann der Publikation natürlich nicht vorgeworfen werden. Damit stellen sich dennoch die Fragen nach der Übertragbarkeit und der Relevanz. Es kann und soll an dieser Stelle keine Grundsatzdiskussion der Gretchenfrage geführt werden, in welchem Umfang und ggf. mit welchen Modifikationen Instrumente des Controllings aus gewinnorientierten (Industrie-)Betrieben auch im Nonprofit-Sektor und in der Sozialwirtschaft eingesetzt werden können. Der Rezensent ist der Ansicht, dass zum fundierten Verständnis der theoretischen und praktischen Grundlagen der behandelten Controllinginstrumente das vorliegende Übungsbuch auch für Vertreter(innen) nicht-gewinnorientierter und sozialwirtschaftlicher Betriebe grundsätzlich geeignet ist. Das Berücksichtigen von betriebs- und branchenspezifischen Gegebenheiten muss ohnehin individuell – auch für gewinnorientierte Betriebe – geleistet werden. Es stellt sich vielmehr die Frage, welche der behandelten Controllinginstrumente und damit verbundenen Fragestellungen in der Praxis des Nonprofit-Sektors und der Sozialwirtschaft relevant sind. Bei aller Schwierigkeit, dies pauschal zu beantworten, sieht der Rezensent dennoch mehrheitlich eine Anwendungsrelevanz gegeben insbesondere für größere und konzernartig strukturierte (Sozial-)Unternehmen mit hauptamtlichen Controllingstellen bzw. in der Ausbildung auf Masterniveau oder mit Controllingschwerpunkt. Welche der 12 behandelten Themengebiete mehr oder weniger relevant sind, kann anhand der Auflistungen im vorigen Abschnitt jeweils nur für den konkreten Einzelfall beantwortet werden.

Fazit

Weber, Schäffer und Binder haben mit ihrem Übungsbuch sowohl für Studierende als auch für Praktiker einen wertvollen Beitrag zur Anwendung von einigen wichtigen und verbreiteten Instrumenten des operativen und strategischen Controllings geschaffen. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt auf quantitativen wirtschaftlichen Analysen, die sich nahe an Daten aus dem Rechnungswesen orientieren. Dabei wird regelmäßig ein Bezug zu praxisnahen Entscheidungssituationen des Managements hergestellt. Das Übungsbuch ist in der 2. Auflage nochmals gereift und trägt durch die Ergänzung englischsprachiger Teile der Internationalisierung Rechnung. Jenseits des Übungsaspekts im Rahmen einer betriebswirtschaftlichen Aus- und Weiterbildung besitzt das Übungsbuch mit den umfangreichen Lösungstexten einen Zusatznutzen durch die gute Veranschaulichung von angewandten Controllinginstrumenten und -analysen.


Rezensent
Prof. Dr. Robert Knappe
Professur für Betriebswirtschaftslehre der öffentlichen Verwaltung an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR Berlin)
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Zitiervorschlag
Robert Knappe. Rezension vom 15.01.2015 zu: Jürgen Weber, Utz Schäffer, Christoph Binder: Einführung in das Controlling. Übungen und Fallstudien mit Lösungen. Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft · Steuern · Recht GmbH (Stuttgart) 2014. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. ISBN 978-3-7910-3242-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/16396.php, Datum des Zugriffs 25.06.2016.


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