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Al Weckert: Gewaltfreie Kommunikation für Dummies

Cover Al Weckert: Gewaltfreie Kommunikation für Dummies. Wiley-VCH Verlag (Weinheim) 2014. 312 Seiten. ISBN 978-3-527-70821-5. 16,99 EUR.
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Thema

Die Gewaltfreie Kommunikation ist ein wertvolles Modell, um Konflikte zu lösen und ehrlich, offen und wertschätzend miteinander umgehen zu können. In dem Buch werden sowohl die Methode als auch die dazugehörige Haltung vorgestellt sowie die vielen verschiedenen Bereiche, Nebenschauplätze, Entwicklungen und Einsatzmöglichkeiten, in denen die Gewaltfreie Kommunikation bereits zur Wirkung kommt, thematisiert.

Autor

Al Weckert ist Diplom-Volkswirt, Trainer für Gewaltfreie Kommunikation, Ausbilder für Mediation sowie Organisationsentwickler. Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Begleitung von Konflikt- und Change-Management-Prozessen und Organisationsentwicklung. Es sind u.a. folgende Veröffentlichungen von ihm erschienen: „Mediation für Dummies“, „Tanz auf dem Vulkan“ (beide zusammen mit Monika Oboth), „Gewaltfreie Kommunikation im Gesundheitswesen“ (zusammen mit Melanie Sears), „Gewaltfreie Kommunikation in der Mediation“ (als Hrsg.).

Entstehungshintergrund

Aufgrund des nach wie vor wachsenden Interesses an der Gewaltfreien Kommunikation von Marshall Rosenberg will das Buch „einen Überblick über die wesentlichen Inhalte“ vermitteln. Es richtet sich an Einsteiger und Fortgeschrittene, da neben den Grundlagen auch zahlreiche Übungen und „aktuelle Trends“ (z.B. das Systemische Konsensieren) sowie verschiedene Einsatzgebiete (z.B. in der Mediation oder der Organisationsentwicklung) aufgegriffen werden.

Ziel des Buches ist es, die LeserInnen zu „mehr Aufrichtigkeit, Achtsamkeit und Mitgefühl“ im Umgang mit sich selbst und anderen Menschen zu ermutigen und sie darin zu unterstützen. „Das Leben“, so der Autor, „wird (durch die Gewaltfreie Kommunikation, Anm.d.V.) nicht einfacher, aber es wird reicher, bunter und zufriedenstellender.“

Es ist vor allem als praktisch ausgerichtetes Ratgeber- und als Nachschlagewerk gedacht. Anfängern wird empfohlen, zunächst den ersten Teil zu lesen, um das nötige Basiswissen für die weiteren Teile zu haben.

Aufbau und Inhalt

Das Buch besteht aus vier Teilen, die sich wiederum in verschiedene Kapitel aufteilen. Jedes Kapitel kann für sich stehen und ist nochmals in unterschiedliche Themen gegliedert. Zwischen den Absätzen werden immer wieder Übungen vorgestellt, die sich direkt auf den vorherigen Theorieteil beziehen.

Teil I: Die vier Schritte der Gewaltfreien Kommunikation. Bevor Al Weckert das Grundmodell der vier Schritte

  1. Beobachtung
  2. Gefühle
  3. Bedürfnisse
  4. Bitte

und deren Schlüsselunterscheidungen ausführlich vorstellt, geht er auf die Entstehung der Gewaltfreien Kommunikation ein. Es wird deutlich, warum es Rosenberg viel mehr um eine empathische Grundhaltung als um die strikte Anwendung einer Technik geht.

Teil II Empathische Präsenz. In diesem Teil werden viele pädagogische und wissenschaftliche Grundlagen zum Thema Empathie in Bezug auf die Gewaltfreie Kommunikation gebracht: Die Erkenntnisse der Neurowissenschaften u.a. zum Thema Spiegelneuronen, der Unterschied zwischen Empathie – Mitleid – Sympathie, die verschiedenen Arten des Zuhörens. Das letzte Kapitel stellt drei grundlegende Übungen vor (das kleine Giraffentanzparkett, das große Giraffentanzparkett und das Sechs-Stühle Modell), die den flexiblen und authentischen Umgang mit den Schritten der Gewaltfreien Kommunikation trainieren und vertiefen.

Teil III Innere Konflikte auflösen. Sich selbst zu verstehen, ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, um Konflikte zu lösen und wertschätzend im Kontakt mit sich und anderen zu sein. In diesem Teil erfährt der/die Leser/in, wie mit Hilfe der Gewaltfreien Kommunikation

  • Grenzen gesetzt werden können,
  • Selbstempathie entstehen kann, z.B. durch die Arbeit mit dem inneren Team, durch das Auflösen von Ärger und durch konstruktiven Umgang mit Scham und Schuld,
  • Achtsamkeit und Wertschätzung in den Alltag integriert werden können.

Das letzte Kapitel in diesem Teil stellt Möglichkeiten vor, wie das Wissen und die Anwendung der Gewaltfreien Kommunikation, z.B. in Form eines Grundlagentrainings oder einer Übungsgruppe, erlernt und vertieft werden können.

Teil IV Gewaltfreie Kommunikation in der Gesellschaft. Ob im Berufsalltag, in der Partnerschaft, der Kindererziehung oder der Mediation von Konflikten: Gewaltfreie Kommunikation erweist sich in vielen Lebensbereichen „als wertvolle Ressource“. Man findet Informationen über

  • den Nutzen eines „Empathietrainings als Teil der Personalentwicklung“ für ein Unternehmen,
  • hilfreiche Strategien für schwierige Partnerschaftssituationen und
  • die Elemente der Gewaltfreien Kommunikation in den Phasen der Mediation.

Und für alle, die an dieser Stelle der Lektüre bereits entschieden haben, dass sie die Gewaltfreie Kommunikation in die Welt tragen wollen, gibt es Hinweise, wie sie das tun können und worauf dabei zu achten ist.

Teil V Der Top-Ten-Teil. Der letzte Teil enthält vier „Top-Ten-Listen“ für

  • Übungen zum Vokabular von Gefühlen und Bedürfnissen,
  • Autoren- und Buchempfehlungen,
  • Kriterien zur Auswahl einer Ausbildung für Gewaltfreie Kommunikation und
  • Vertiefungsmöglichkeiten.

Diskussion

Die bildhaften Beschreibungen und alltagsnahen Beispiele machen das Lesen leicht und vermitteln neben der Methode immer wieder auch die Haltung hinter dem Modell. Als Bild sehr einprägsam und schlüssig fand ich z.B. die Beschreibung der Sekundärgefühle als Zweikomponentenkleber aus Gedanken und Gefühlen (S. 58).

Auch die sich durchziehenden „Listen“, in denen Wichtiges zusammengefasst ist, wie z. B. „Was uns daran hindert, Nein zu sagen“ (S.173), bringen Wesentliches klar, einfach und alltagsnah auf den Punkt.

Vor allem im ersten Teil geht Al Weckert auf Bedenken ein, die Menschen beschäftigen, wenn sie sich zum ersten Mal mit der Gewaltfreien Kommunikation auseinandersetzen, wie z.B. Bewertungen als (über-)lebensnotwendig Entscheidungshilfe aufgrund von Erfahrungen und gleichzeitig als Hindernis in der zwischenmenschlichen Kommunikation (S. 37).

Die Inhalte der zu Beginn eingeführten Symbole (insgesamt 5 verschiedene) waren für mich dagegen nicht immer eindeutig zu erkennen und eher verwirrend. Im weiteren Verlauf des Buches werden Begriffe manchmal ungenau benutzt und die zahlreichen Ausführungen und aufgezeigten Bezüge tragen an einigen Stellen möglicherweise eher zur Verwirrung als zum Verständnis bei, wie z.B. die verschiedenen Qualitäten von Lob, Belohnung und Wertschätzung (S.48), der genaue Unterschied zwischen Meinung, Bewertung, Beobachtung und Urteil (S. 52) oder die Kategorien der Machtanwendung (S. 169).

Fazit

Für alle Menschen, die bereits Erfahrungen mit der Gewaltfreien Kommunikation gemacht haben und diese auch in irgendeiner Form in ihre Arbeit integrieren, kann „Gewaltfreie Kommunikation für Dummies“ ein anregendes Buch sein. Die vielen unterschiedlichen Übungen und die zahlreichen Verweise auf weiterführende Themen machen Lust auf Vertiefung (z.B. bei einem der Autoren der Top-Ten-Liste). Tatsächliche „Kommunikations-Dummies“ können vor allem im ersten Teil auf anschauliche Art eine Vorstellung darüber bekommen, was sich hinter dem oft missverstandenen Begriff „Gewaltfreie Kommunikation“ verbirgt.

Die Vielfalt der unterschiedlichen Aspekte und der selbstverständliche, manchmal nicht eindeutige Gebrauch von vorher neu eingeführten Begriffen könnten Menschen, denen eine übersichtliche Struktur und aufeinander aufbauender Inhalt wichtig sind, verwirren.

Wer allerdings Lust hat herumzustöbern, wer gerne mal hier und mal dort in eines der zahlreichen Themen herein lesen und sich inspirieren lassen möchte, findet in diesem Buch viele Ansatzpunkte und kommt auf seine Kosten.


Rezensentin
Anke Immenroth
MA Erziehungswissenschaften, Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation
Homepage www.anke-immenroth.de
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Zitiervorschlag
Anke Immenroth. Rezension vom 18.06.2014 zu: Al Weckert: Gewaltfreie Kommunikation für Dummies. Wiley-VCH Verlag (Weinheim) 2014. ISBN 978-3-527-70821-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/16431.php, Datum des Zugriffs 30.09.2016.


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