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Horst Vollmar (Hrsg.): Leben mit Demenz im Jahr 2030

Cover Horst Vollmar (Hrsg.): Leben mit Demenz im Jahr 2030. Ein interdisziplinäres Szenario-Projekt zur Zukunftsgestaltung. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2013. 256 Seiten. ISBN 978-3-7799-2916-1. D: 34,95 EUR, A: 35,90 EUR, CH: 45,90 sFr.

Reihe: Versorgungsstrategien für Menschen mit Demenz.
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Thema

In den Medien wird die zukünftige Versorgung Demenzkranker immer wieder kritisch thematisiert. Weist die gegenwärtige Entwicklung aber in eine negative Richtung? Um aussagekräftige Zukunftsszenarien entwerfen zu können, sind viele Einflussfaktoren zu berücksichtigen.

Herausgeber, Autoren und Autorinnen

Herausgeber des Fachbuchs ist PD Dr. med. Horst Christian Vollmar, MPH, ehemals Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), Witten, jetzt Institut für Allgemeinmedizin der Heinrich Heine Universität Düsseldorf. Weitere Autoren und Autorinnen sind:

  • Prof. Dr. rer. soc. Sabine Bartholomeyczik, DZNE, Witten,
  • Dr. rer. pol. Bernd Beckert, Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung (ISI), Karlsruhe,
  • Prof. Dr. rer. oec. Sabine Bohnet-Joschko, Universität Witten/Herdecke, Forschungsgruppe Management im Gesundheitswesen,
  • Dipl.-Pflege-Wiss. Ines Buscher, DZNE,
  • Prof. Dr. med. Martin Butzlaff, MPH, Präsident der Universität Witten/Herdecke,
  • Dr. rer. pol. Ewa Dönitz, ISI,
  • Dipl.-Math. oec. Kerstin Goluchowicz, Technische Universität Berlin, Fachgebiet Innovationsökonomie,
  • Rabea Graf, BScN, DZNE,
  • Milena von Kutzleben, MEPH, DZNE,
  • Prof. Dr. phil. Manfred Pohl, Frankfurter Zukunftsrat, Frankfurt am Main,
  • Prof. Dr. med. Stefan Wilm, Institut für Allgemeinmedizin der Heinrich Heine Universität Düsseldorf und Institut für Allgemeinmedizin und Familienmedizin der Universität Witten/Herdecke.

Entstehungshintergrund

Das Fachbuch stellt das interdisziplinäre Szenario-Projekt zur Versorgung Demenzkranker im Jahr 2030 vor. Initiiert wurde das Projekt vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen /Witten, in Kooperation mit dem Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung /Karlsruhe, der Technischen Universität Berlin und der Universität Witten/Herdecke.

Aufbau und Inhalt

Kapitel 1 führt ins Thema ein. Das Szenario-Projekt hat das Ziel anhand aktueller Daten und Fakten Zukunftsszenarien zu erarbeiten, wie die Versorgung Demenzkranker im Jahr 2030 aussehen könnte. Dabei sollen folgende Leitfragen beantwortet werden:

  • Wie können Menschen mit Demenz in Zukunft versorgt werden?
  • Wer soll dies leisten?
  • Welche technologischen Hilfsmittel könnten nutzbringend eingesetzt werden?
  • Welche therapeutischen Optionen werden voraussichtlich verfügbar sein?
  • Wie kann dies finanziert werden?
  • Welche Modelle zur Integration der Versorgung von Menschen mit Demenz in den gesamtgesellschaftlichen Kontext erscheinen sinnvoll?

In Kapitel 2 wird das methodische Vorgehen, die Szenario-Technik, erläutert.

Kapitel 3 beschreibt die Vorannahmen. Dazu gehören der Zusammenhang von demografischen Wandel und Demenz, Erwartungen zur politischen Stabilität in Deutschland und Europa und sogenannte „Wild Cards“.

Kapitel 4 zeigt die Entwicklung der Deskriptoren. Die Felder, die die Deskriptoren beeinflussen, sind:

  • Forschung und Technologie,
  • politische und juristische Rahmenbedingungen,
  • medizinische Versorgung und Pflege,
  • Gesellschaft, Ethik und Werte,
  • finanzielle Rahmenbedingungen fürs Gesundheitswesen.

Daran anschließend werden potentielle Deskriptoren bestimmt und diskutiert. Die ausgewählten Deskriptoren für das Szenario-Projekt werden in Kapitel 5 genau beschrieben. Das Kapitel nimmt seitenmäßig den größten Raum des Fachbuchs ein. Eine kurze Beschreibung der gegenwärtigen Lage wird gegeben. Für das Einflussfeld „Forschung und Technologie“ gibt es folgende Deskriptoren:

  • Demenzspezifische Interventionen und Therapien,
  • Demenzspezifische Präventionsmaßnahmen,
  • Verfügbarkeit von potentiell autonomiefördernden und pflegeunterstützenden Technologien,
  • Einsatzgebiete der Technologien,
  • Risikoermittlung.

Zu den einzelnen Deskriptoren gibt es mögliche, zukünftige Ausprägungen. Bei dem Deskriptor „Risikoermittlung“ sind es die Ausprägungen: flächendeckend, nicht-flächendeckend und begrenzte Möglichkeiten zur Früherkennung für Demenz.

Das Kapitel 6 geht auf die Entwicklung der Zukunftsszenarien ein. Es wird untersucht, ob die Entwicklungen sich gegenseitig behindern, fördern oder neutral zueinander verhalten. Die Ergebnisse werden in einer Konsistenzmatrix festgehalten. Daran anschließend erfolgt die computergestützte Berechnung und Expertendiskussion, die letztlich zu fünf konsistenten Zukunftsszenarien führt.

In Kapitel 7 werden die Zukunftsszenarien vorgestellt. Anhand einer Storyline wird das Szenario anschaulich beschrieben. Danach werden die ausgewählten Faktoren erläutert.

Kapitel 8 diskutiert die Ergebnisse. Der Vergleich der Szenarien führt zu konkreten Handlungsempfehlungen für die Gegenwart.

Kapitel 9 erläutert die Hintergründe des Projekts. Dabei wird unter anderem auf das methodische Vorgehen nochmal genauer eingegangen.

Diskussion

In dem interdisziplinären Zukunftsszenario-Projekt wird der heutige Forschungsstand zur Demenzerkrankung in all seinen Facetten gezeigt. Die beteiligten namhaften Wissenschaftler und Experten ziehen aus ihrem Wissen Schlüsse auf die zukünftige Versorgung von demenzkranken Menschen. Damit zeigen sie auch, dass jeder, der in diesem Bereich arbeitet, an den Herausforderungen, die die Erkrankung Demenz bringt, beteiligt ist. Die Ergebnisse regen zum Nachdenken und Reflektieren an.

Fazit

Das Fachbuch ist herausragend. Interdisziplinäre Experten erarbeiten Zukunftsszenarien über die Lebenssituation Demenzkranker im Jahr 2030. Die Ergebnisse sind für Institutionen der Altenhilfe lehrreich und zeigen auf, welche Entwicklungen in der Zukunft dominierend sein könnten. Fach- und Führungskräfte finden Hinweise, wie sich damit ihre Arbeitssituation entwickeln kann.


Rezensentin
Alexandra Günther
M.A., Pädagogin/Ethikerin
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Zitiervorschlag
Alexandra Günther. Rezension vom 13.05.2014 zu: Horst Vollmar (Hrsg.): Leben mit Demenz im Jahr 2030. Ein interdisziplinäres Szenario-Projekt zur Zukunftsgestaltung. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2013. ISBN 978-3-7799-2916-1. Reihe: Versorgungsstrategien für Menschen mit Demenz. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/16472.php, Datum des Zugriffs 24.08.2016.


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