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Alexander Schachinger: Der digitale Patient

Cover Alexander Schachinger: Der digitale Patient. Analyse eines neuen Phänomens der partizipativen Vernetzung und Kollaboration von Patienten im Internet. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2014. 183 Seiten. ISBN 978-3-8487-0961-8. D: 34,00 EUR, A: 35,00 EUR, CH: 48,90 sFr.

Reihe: Schriften zur Medienwirtschaft und zum Medienmanagement - 34.
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Thema

Der Einfluss des Internets ist nahezu in allen Bereichen des täglichen Lebens zu spüren. So hat sich auch im Gesundheitssektor hier ein Markt entwickelt, der von circa 40 Millionen Bundesbürgern bereits regelmäßig zur Recherche von Gesundheitsthemen und zum Austausch von Krankheitserfahrungen genutzt wird. Die Rede ist von den sogenannten „E-Patienten“, denen Schachinger in „Der digitale Patient“ seine Aufmerksamkeit widmet. Diese E-Patienten bewegen sich in einem Markt von digitalen Angeboten, der in Deutschland nicht zu gleichen Teilen durch gesundheitssystem-interne wie gesundheitssystem-externe Akteure besetzt zu sein scheint. Schachinger versucht anhand einer explorativen Bestandsaufnahme der Nachfrage- und Angebotsseite den aktuellen Stand des digitalen Gesundheitsmarktes darzustellen sowie mögliche Konsequenzen für den Gesundheitssektor zu formulieren.

Aufbau

Die Veröffentlichung ist wie folgt gegliedert:

  • Einleitung – der vernetzte Patient
  • Entwicklung der digitalen Gesundheitskommunikation und ihr Stand der Forschung
  • Status Quo und Entwicklungen digitaler Gesundheitskommunikation in Deutschland
  • Theoretische Verortung neuer Formen digitaler Gesundheitskommunikation
  • Forschungsdesign
  • Abschlussbewertung: vermutete Entwicklungen, basierend der theoretischen und empirischen Beobachtungen
  • Literaturverzeichnis

Inhalt

Nach einer allgemeinen Einführung in die aktuelle Situation der Patientenpartizipation im Gesundheitssektor über das Internet wird dargelegt, welche Chancen hier das moderne Internet aus Patientensicht bietet. Deutlich wird dabei, dass die Patienten immer mehr auch zur Quelle von medizinischen Informationen werden und entsprechend nicht nur Rezipienten, sondern auch Produzenten sind.

In Kapitel zwei konzentriert sich Schachinger auf die Darstellung bisheriger Forschungsergebnisse zum Phänomen des E-Patienten und beschreibt Marktinnovationen, die sich unter dem Stichwort Health 2.0 zusammenfassen lassen. Der Verfasser erläutert hier zunächst die Nachfrageseite und beschreibt anhand einiger Vorstudien, welche digitalen Dienste von E-Patienten in den letzten Jahren nachgefragt wurden, und schließlich kontrastiert er diesen Bedarf mit dem vorhandenen Angebot.

Im dritten Kapitel werden kurz einige Rahmenbedingungen des Gesundheitswesens und zentrale Akteure beschrieben. Vor allem geht es hier um die Unterschiede zwischen den klassischen Massenmedien und den digitalen Medien.

Im vierten Kapitel stellt Schachinger einige Theoriemodelle wie bspw. Castells „Network Society“ vor, die helfen sollen, die digitale Marktausbreitung auf der Mikro- und Makroebene zu veranschaulichen. Durch das Aufeinandertreffen von traditionellen Strukturen im Gesundheitswesen und den neu aufkommenden Bewegungen gesundheitlicher Kommunikation und Vernetzung im Internet kann es, so die These, zu Problemen kommen, die von den professionellen Akteuren im Gesundheitssektor Anpassungs- und Innovationsleistungen abverlangen.

Den Kern des Buches stellt Kapitel fünf dar, in dem die Ergebnisse einer Online-Befragung präsentiert werden. Bei der Befragung wurde untersucht, mit welchen Beweggründen Menschen Gesundheitsinformationen im Internet suchen.

Diskussion

Zentrales Anliegen des Buches ist es, den aktuellen Stand der gesundheitsbezogenen Internetangebote darzustellen und den „E-Patienten“ zu charakterisieren. Damit reiht sich Schachingers Werk in die noch verhältnismäßig kleine Zahl von Publikationen ein, die den digitalen Gesundheitsmarkt analysieren. Die Konsequenzen dieser Entwicklung sowohl für die Anbieter- als auch die Nachfragerseite sind zahlreich und heterogen. Dem geneigten Leser werden diese in der Publikation übersichtlich veranschaulich.

Fazit

Schachinger gelingt mit „Der digitale Patient“ eine schlüssige Zusammenfassung des aktuellen Zustandes der Gesundheitskommunikation im Internet, er gibt zudem einen Vorgeschmack auf einen Bereich, der zukünftig weiter an Dynamik gewinnen dürfte. Das Buch ist verständlich geschrieben und ist für jeden Leser geeignet, der sich einen ersten Überblick über die digitale Gesundheitskommunikation in Deutschland verschaffen möchte.


Rezensent
Dipl. Sozialwiss. Michael J. Noll
Doktorand am Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung der Medizinischen Hochschule Hannover
Homepage www.mh-hannover.de/epi.html

Rezensentin
Prof. Dr. Marie-Luise Dierks
Leiterin des Arbeitsschwerpunkts Patienten und Konsumenten in der Abt. Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung der Medizinischen Hochschule Hannover. Medizinische Hochschule Hannover
Homepage www.mh-hannover.de/epi.html
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Zitiervorschlag
Michael J. Noll/Marie-Luise Dierks. Rezension vom 16.01.2015 zu: Alexander Schachinger: Der digitale Patient. Analyse eines neuen Phänomens der partizipativen Vernetzung und Kollaboration von Patienten im Internet. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2014. ISBN 978-3-8487-0961-8. Reihe: Schriften zur Medienwirtschaft und zum Medienmanagement - 34. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/16484.php, Datum des Zugriffs 01.09.2016.


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