socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Andreas Langer: persönlich vor ambulant und stationär

Cover Andreas Langer: persönlich vor ambulant und stationär. Über Personen im System sozialer Dienstleistungen am Beispiel des Persönlichen Budgets in Deutschland. Springer VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2013. 246 Seiten. ISBN 978-3-531-19274-1. 34,99 EUR.
Recherche bei DNB KVK GVK.

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Thema

Es geht in der zu besprechenden Publikation um das Persönliche Budget, das „exemplarisch für einen Wandel zur Eigenverantwortung der Bürger“ (Klappentext) steht. Es geht um die „Hinwendung zum ‚Persönlichen‘ in sozialen Leistungen“ (S. 11).

In dem Buch wird dargelegt, dass persönliche Leistungen mehr sind als die Fortentwicklung von ambulanter und stationärer Versorgung – und das ist der Umgang mit Personen.

Autor

Andreas Langer ist Professor für Sozialwissenschaften an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg. Schwerpunktmäßig befasst er sich mit Sozialpolitik, Soziologie, Professionstheorie, Managementsoziologie, Organisationssoziologie, Wirkungsforschung kommunaler und regionaler Sozialpolitik, Unternehmensethik und Wirtschaftsethik.

Entstehungshintergrund

Die Publikation basiert u. a. als Begleitforschung auf zwei Seminare zur empirischen Sozialforschung der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg.

Aufbau

  1. Personwerdung und Budget – Person oder Eigentum, das Recht frei zu entscheiden
  2. Soziale Dienstleistungen als Instrument der Sozialpolitik
  3. Personen im System der Sozialpolitik
  4. Personen und das System der sozialen Dienstleistungen: Empirie der Implementierung
  5. Qualitative Vorarbeiten: Indikatorenkatalog zur Modellbildung, Prozessanalyse, Hinderungsgründe zum Persönlichen Budget aus theoretischer und qualitativer Perspektive
  6. Erhebung zu Hinderungsgründen zum Persönlichen Budget – die realisierte Stichprobe
  7. Hinderungsgrüde aus deskriptiv-empirischer Sicht: Ergebnisse der Befragung
  8. Strukturelle Analysen der realisierten Stichprobe
  9. Persönlich vor ambulant und stationär

Inhalt

Der erste Teil befasst sich mit der Person in mehr oder weniger philosophischer Hinsicht. Der Autor analysiert hierzu beispielsweise die Sichtweisen Thomas Meyers, der das Persönliche Budget als etwas Persönliches bewertet und aus der Perspektive von Hans Joas.

Aus sozialwissenschaftlicher Perspektive ist die Person mit Handlungsfähigkeit ausgestattet. In der Diskussion um Person als Zurechnungsadresse nimmt Langer bezüglich der institutionellen Konstitution der Person Bezug auf zwei Thesen Lynne G. Zuckers:

  1. Person als eine gesellschaftlich verfestigte und institutionalisierte Form;
  2. Person als Zurechnungsadresse von Kommunikation.

Der Verfasser befasst sich weiter mit dem Personenbegriff, der (sozialen) Gerechtigkeit und der persönlichen Budgetierung als Steuerungsinstrument. Persönlich ist mehr als ambulant und stationär. Persönlich ist eine normative Bestimmung.

Das zweite und dritte Kapitel befassen sich aus der Akteursperspektive mit der Umsetzungvon Sozialpolitik, um zwei wesentliche Einflussfaktoren von persönlich zusammen zu binden:

  1. die Nutzerinnen und Nutzer sozialer Dienstleistungen;
  2. die Struktur sozialstaatlicher Leistungen als Dienstleistungen.

Als Fazit der letztgenannten Kapitel sieht Langer die Kommunen unter Druck und diese Kommunen stehen mit Bezug auf Person, Budget und sozialen Dienstleistungen vor behindertenpolitischen Herausforderungen. Diese Herausforderungen werden u. a. durch das Persönliche Budget legitimiert.

Am Beispiel des Persönlichen Budgets werden in den Kapiteln vier bis acht die Umsetzung personifizierter Sozialleistungen aus empirischer Perspektive und die Hindernisse, die zur zufriedenstellenden Realisierung von persönlich notwendig sind, diskutiert. Dem Autor folgend ist das Persönliche Budget ein gutes Beispiel zur empirischen Erforschung der Umsetzungsprobleme, welche bei der Etablierung personifizierter Dienstleistungen auftreten. Die Studie beschreibt und analysiert die problematischen Gegebenheiten des Persönlichen Budgets, was dann zu Verbesserungsvorschlägen führt. Empfohlen wird beispielsweise „eine Koppelung der Dienstleistungserbringung aller Akteure an professionelles Wissen, Können und Haltung“ (S. 227). Es geht darum, „die neu entstandenen Dienstleistungspraxen zu reflektieren und abzusichern, die Passung von Akteuren an die jeweiligen Leistungselemente herzustellen, zu prüfen und ggf. zu korrigieren und das Handeln im Dienstleistungskontext einzubetten“ (ebd.)

Forschungsfrage: Welche Hinderungsgründe führen dazu, dass das Persönliche Budget nur zögerlich angenommen und umgesetzt wird, wie es derzeit Realität ist?

Das letzte Kapitel befasst sich dann:

  1. zusammenfassend mit den Hinderungsgründen der Personwerdung aus der Sicht des Persönlichen Budgets;
  2. mit der Weiterentwicklung der Ergebnisse für die Sozialpolitik. Aus soziologischer Perspektive werden hier Handlungsempfehlungen gemacht.

Fazit

Zum Persönlichen Budget gibt es viele Publikationen, vgl. z.B. www.socialnet.de/rezensionen/8509.php [Download 0108.2014]. Die besprochene Publikation ist aber einzigartig, weil sie sich mit der Personwerdung, eben mit der Person im System sozialer Dienstleistungen, wie es das Persönliche Budget eines ist, explizit befasst. Gelesen werden soll das Buch von Sozialwissenschaftlerinnen, Sozialwissenschaftlern und im Sozialmanagement Tätigen.


Rezensent
Dr. Carsten Rensinghoff
Dr. Carsten Rensinghoff Institut - Institut für Praxisforschung, Beratung und Training bei Hirnschädigung, Leitung: Dr. phil. Carsten Rensinghoff, Witten
Homepage www.rensinghoff.org
E-Mail Mailformular


Alle 117 Rezensionen von Carsten Rensinghoff anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Carsten Rensinghoff. Rezension vom 28.08.2014 zu: Andreas Langer: persönlich vor ambulant und stationär. Über Personen im System sozialer Dienstleistungen am Beispiel des Persönlichen Budgets in Deutschland. Springer VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2013. ISBN 978-3-531-19274-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/16525.php, Datum des Zugriffs 01.07.2016.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Schon 12.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft

Gehören Sie auch schon dazu?

Ansonsten jetzt für den Newsletter anmelden!