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Evangelischer Entwicklungsdienst e.V. (EED), Hauptgeschäftsstelle des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für die Aktion „Brot für die Welt“ (Hrsg.): Evaluation entwicklungsbezogener Bildungsarbeit

Cover Evangelischer Entwicklungsdienst e.V. (EED), Hauptgeschäftsstelle des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für die Aktion „Brot für die Welt“ (Hrsg.): Evaluation entwicklungsbezogener Bildungsarbeit. 2003. 100 Seiten. 5,00 EUR.

Zu bestellen beim Diakonischen Werk / Zentraler Vertrieb, Karlsruher Str. 11, 70771 Leinfelden-Echterdingen, Art. - Nr. 430556 2003/.2 Dei, Bonn/Stuttgart, März 2003.


Evaluation entwicklungsbezogener Bildungsarbeit

"Mit einer Evaluation werden spontan vorgenommene Bewertungen sichtbar gemacht und verobjektiviert"; diese Definition einer neuen (alten) Maßnahme darüber, sich als Individuum wie in einer Gruppe, eines Vereins, einer Organisation und einer NGO darüber Gedanken zu machen, was in der konkreten Arbeit geschieht, welche Ziele aufgestellt und verfolgt werden, und nicht zuletzt, welche Ergebnisse und Erfahrungen sich aus dem überwiegend ehrenamtlich vollziehenden Engagement ergeben, findet sich in der o.a. bemerkenswerten Handreichung von Annette Scheunpflug, Erziehungswissenschaftlerin an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

"Bewertungen und Beurteilungen sind ganz alltägliche Phänomene; wir beurteilen und bewerten ständig", in der Schule, in privaten und beruflichen Bereichen, in unserer entwicklungsbezogenen Bildungsarbeit. Deshalb ist schon erst einmal die Frage wichtig, ob es spezielle Formen der Evaluation gibt, die für das spezielle Engagement zu Projekten und Initiativen der Entwicklungs- und internationalen Zusammenarbeit geeignet sind und angewandt werden können; oder ob dafür nicht einfach die Konzepte, Ziele und Methoden übernommen werden können, die etwa für die schulische Arbeit zur Lerndiagnostik und zur Leistungsbewertung selbstverständlich sind. Annette Scheunpflug sagt: Jein! Denn: "Fachlich unterscheidet sich die Evaluation von Maßnahmen der entwicklungsbezogenen Bildung in keiner Weise von anderen Evaluationen". Allerdings, so schränkt sie ein, fände entwicklungsbezogene Bildung häufig in sehr spezifischen Arbeitssituationen statt, die es bei der Frage: "Was tue ich wie, warum; und welche Ergebnisse werden dabei erzielt?", zu berücksichtigen gälte; wie z. B.: In NGO und Aktionsgruppen kooperieren Haupt- und Ehrenamtliche in vielfältigen pädagogischen, schulischen und außerschulischen Zusammenhängen. Sie verknüpfen dabei Ziele des Globalen Lernens mit mittelbarer und unmittelbarer politischer Lobby-, Aufklärungs- und Bildungsarbeit; und das sowohl in konkreten Projekten als auch in der Vernetzung mit anderen Initiativen.

Weil dieses Engagement immer idealistische Zielsetzungen und Motivationen beinhalte, sei eine sorgfältige Evaluation der eigenen Arbeit notwendig; sie erschwerten aber auch die Überprüfung dieses Engagements.

Inhalte

Das Heft bietet vielfältige theoretische und praktische Anregungen, stellt methodische Elemente vor und stellt Fallbeispiele zur Wirkungsevaluation vor. Eines aber macht das Material auch deutlich: Evaluation in den Arbeitsfeldern der entwicklungsbezogenen Bildungsarbeit kann nicht bedeuten, nach "Rezepten" oder Testverfahren zur Reflexion der Partnerschaftsarbeit Ausschau zu halten, sondern eine kriteriengeleitete Bewertung vor zu nehmen. Dabei gehe es nicht darum, die Arbeit und das Engagement zu legitimieren, sondern zu verbessern. Sympathisch stellt sich auch der Scheunpflugsche Ansatz dadurch dar, bei der Evaluation nicht (nur und vor allem) nach den Fehlern, Schwächen und Mängeln in der Arbeit zu suchen, sondern in erster Linie die Stärken der Aktivitäten hervor zu heben: "Die Reflexion über die eigene Arbeit, entsprechende Zielentscheidungen und Bilanzierungen eröffnen, wenn sie im Rahmen einer Evaluation als einem gemeinsamen Verständigungsprozess stattfinden, allen Beteiligten oder Verantwortlichen die Möglichkeit, ihre Sichtweise einzubringen und an einer qualitativen Weiterentwicklung der eigenen Arbeit mitzuwirken. Damit kann Evaluation einen wesentlichen Beitrag zur Identitätsstiftung und Teambildung... leisten".

Mit Hilfe des "Evaluationszirkels", den Annette Scheunpflug eher als einen (wiederkehrenden) Kreislauf verstanden wissen möchte, werden die Aufgaben und Möglichkeiten einer (Selbst- und Fremd-)Reflexion deutlich:

<---> Ziel der Evaluation. Definition des Gegenstandes ---> Definition von Kriterien und Indikatoren ---> Methodenauswahl und Datenerhebung ---> Auswertung der Daten ---> Kommunikation der Ergebnisse ---> Formulierung von Konsequenzen ---> Ziel der Evaluation --->...

Annette Scheunpflug äußert sich in einem Interview im Südwind-Magazin 4 / April 2004, S. 25, zu der Frage, welchen Stellenwert Globales Lernen in der schulischen curricularen und Alltagsarbeit haben solle, u.a. wie folgt: "Es geht beim Globalen Lernen darum, Aufklärung zu leisten und Menschen zu befähigen, in der Weltgesellschaft verantwortlich - aber nach ihren Maßstäben - zu leben". Dabei wendet sie sich gegen das "Gutmenschsein" und plädiert dafür, das entwicklungspolitische Engagement stärker auf die Sachebene zu bringen: "Es ist häufig zu beobachten, dass sich Akteure, die sich mit Globalem Lernen beschäftigen, der Qualitäts- und Konzeptdebatte deshalb entziehen, weil sie gute Absichten haben, und damit automatisch auf der `guten Seite` stehen... Eine stärkere Konzentration auf die wahrnehmbaren Effekte der eigenen Arbeit und eine stärkere Distanz zu den eigenen guten Absichten könnte ein klareres und strategischeres Vorgehen ... ermöglichen".

Fazit

Das Buch leistet einen wesentlichen Beitrag zur Versachlichung der Debatte um die Nachweisbarkeit der Effekte in der entwicklungsbezogenen Bildungsarbeit.


Rezensent
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 27.04.2004 zu: Evangelischer Entwicklungsdienst e.V. (EED), Hauptgeschäftsstelle des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für die Aktion „Brot für die Welt“ (Hrsg.): Evaluation entwicklungsbezogener Bildungsarbeit. 2003. 100 Seiten. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/1658.php, Datum des Zugriffs 21.05.2012.


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