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Gabriele Moos, Uta Rothermel u.a.: Controlling in kommunalen Jugend- und Sozialhilfeverwaltungen

Cover Gabriele Moos, Uta Rothermel, Matthias Konrad, Klaus Titz: Controlling in kommunalen Jugend- und Sozialhilfeverwaltungen. Ausbaustand und Perspektiven. Lambertus Verlag GmbH (Freiburg) 2013. 63 Seiten. ISBN 978-3-7841-2419-3. D: 11,80 EUR, A: 12,20 EUR, CH: 17,50 sFr.
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Thema

Die Publikation präsentiert die Ergebnisse einer Untersuchung zum Ausbaustand von Controlling in der kommunalen Jugend- und Sozialhilfe und ermöglicht einen Überblick über Anwendungsbereiche des Controllings, seine organisatorische Ausgestaltung und verwendete Instrumente.

Autorinnen und Autoren

Prof. Dr. Gabriele Moos, Dipl.-Volkswirtin, Professorin für Sozialmanagement und Leitung des Studiengangs Gesundheits- und Sozialwirtschaft am RheinAhrCampus, 1. Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Management und Controlling in der Sozialwirtschaft e.V. (DGCS).

Uta Rothermel, B.A. Soziale Arbeit, u.a. freie Mitarbeiterin bei contec GmbH (Management- und Unternehmensberatung der Gesundheits- und Sozialwirtschaft).

Matthias Konrad, Management- und Organisationsberater, Leiter der Geschäftsstelle Berlin der contec GmbH (Management- und Unternehmensberatung der Gesundheits- und Sozialwirtschaft).

Klaus Titz, Dipl.-Sozialarbeiter (FH), wissenschaftlicher Referent beim Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. mit den Tätigkeitsschwerpunkten Strategieentwicklung, Sozialmanagement und Controlling.

Aufbau

Das Buch beinhaltet ein Vorwort von Reiner Prölß (berufsmäßiger Stadtrat, Referent für Jugend, Familie und Soziales der Stadt Nürnberg, Vorsitzender im Sozialausschuss des Bayrischen Städtetags), eine kurze Einleitung, ein Kapitel zu den Grundlagen und ein Kapitel zu den Ergebnissen der Untersuchung sowie einen Anhang in dem u.a. der genutzte Fragebogen abgebildet ist.

Zu Kapitel 1: Einleitung

Einleitend wird der Sozialwirtschaft eine geringer Erkenntnisstand in Bezug auf Controlling bescheinigt. Diese Lücke sei im Jahr 2011 ansatzweise von der contec GmbH mit einer Studie zum Ausbaustand und Perspektiven des Controllings bei Leistungsanbietern der Sozialwirtschaft geschlossen worden. An diese Studie soll mit der vorliegenden Untersuchung angeknüpft werden, indem der Ausbaustand und die Perspektiven des Controllings auf Seiten der kommunalen Jugend- und Sozialleistungsträgers in den Fokus genommen wird. Hierzu werden folgende Erkenntnisinteressen formuliert:

„Inwieweit verfügen Kommunen über Leistungs-, Finanz- und Wirkungsziele, auf die ausgerichtet Controlling geleistet werden kann? Welche Instrumente werden in der Praxis angewendet und wie ist die Qualifikation der Mitarbeitenden im Controlling? Wie ist Controlling in den Verwaltungen strukturell verortet und welche Bedeutung für die Steuerung ist damit verbunden?“ (S. 7)

Zu Kapitel 2: Grundlagen der Untersuchung

Im zweiten Kapitel wird das methodische Vorgehen der Untersuchung skizziert. Es wurden alle Kreise und kreisfreien Städte (n = 426) mit einem Fragebogen befragt, wovon letztlich Rückmeldungen von 263 Kommunen (61,74 %) in die Auswertung einbezogen werden konnten. Abgefragte Themenkomplexe waren: untersuchte Organisation, Controllingverständnis, Institutionalisierung von Controlling, operatives Controlling, strategisches Controlling, Wirkungscontrolling und Perspektiven.

Zu Kapitel 3: Ergebnisse

Im dritten Kapitel werden die Untersuchungsergebnisse beschrieben und abschließend in einer Zusammenfassung bewertet. Im Folgenden sollen lediglich ausgewählte Erkenntnisse skizziert werden.

  • Untersuchte Organisation: Fachbereiche Jugend und Soziales sind überwiegend eigenständig organisiert, d.h. 38 % nur Soziales, 43 % nur Jugend und in lediglich 19 % werden beide Aufgabenbereiche in einem Fachbereich verantwortet.
  • Controllingverständnis: Controlling wird von über 90 % der befragten Kommunen als mindestens wichtig im Prozess der jeweiligen Zielerreichung eingeschätzt und überwiegend als operative Aufgabe verortet. Die Kommunen verfügen über eine Vielzahl von Daten (z.B. Fallzahlen, Personal, Einnahmen und Erstattungen etc.), die in hohem Maße auch Steuerungsrelevanz haben.
  • Institutionalisierung von Controlling: In Fachbereichen für Soziales sind mit 70 % und in Fachbereichen für Jugend sind mit 58 % überwiegend Verwaltungswirte für das Controlling zuständig. Im Jugendhilfebereich sind mit 43 % auch Sozialarbeiter / Sozialpädagogen stark vertreten, im Sozialhilfebereich sind dies lediglich 5 %. Im Durchschnitt haben 46 % der im Controlling Tätigen eine berufliche Weiterbildung absolviert.
  • Operatives Controlling: 80 % der befragten Jugend- und Sozialhilfeverwaltungen steuern über Produkthaushalte, ungeklärt bleibt hierbei, ob auch entsprechende Instrumente zur Steuerung Anwendung finden. Ein regelmäßiges Berichtswesen wird in über 80 % z.B. in Form von Hochrechungen, Plan-Ist-Vergleichen und Abweichungsanalysen praktiziert. Dabei finden qualitative Betrachtungsweisen, wie z.B. Wirkungen und Kundenzufriedenheit, nur marginal Berücksichtigung.
  • Strategisches Controlling: Idealerweise verfügt eine Jugend- oder Sozialhilfeverwaltung über eine Strategie und ein Leitbild, um strategisch steuern zu können. Eine Strategie ist bei lediglich 55 % und ein Leitbild bei 56 % der befragten Kommunen vorhanden. Analyseinstrumente (z.B. Portfolio-Analyse, Szenario-Technik etc.) wie auch Steuerungsinstrumente (z.B. Balanced-Scorecard) sind für die Verwaltungen von geringer Bedeutung.
  • Wirkungscontrolling: Es bestehen deutliche Unterschiede bezüglich des Vorhandenseins von Wirkungszielen in Sozial- und Jugendhilfeverwaltungen. Sozialhilfeverwaltungen steuern zu etwa zwei Dritteln zumindest ansatzweise über Wirkungsziele, wohingegen dies bei Jugendhilfeverwaltungen mehr als vier Fünftel sind. Beachtenswert ist, dass lediglich bei etwa 15 % der Fachbereiche die Ergebnisse des Controllings in die Strategieplanung einbezogen werden.
  • Zukünftige Bedeutung verschiedener Controllingbereiche und Unterschiede zu den Leistungsanbietern: Auch wenn einleitend aufgeführt wurde, dass die Ergebnisse nicht mit der o.g. Studie zum Controlling bei Leistungsanbietern aus 2011 vergleichbar seien, erfolgt in diesem Abschnitt eine Gegenüberstellung einzelner Teilergebnisse. So wird beispielsweise resümiert, dass die Relevanz von Controlling von Leistungsanbieter als höher eingeschätzt wird, als von kommunalen Jugend- und Sozialhilfeträgern.

Abschließend werden die gewonnenen Erkenntnisse diskutiert: „Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass sich Controlling in Sozial- und Jugendhilfeverwaltungen vieler Kommunen noch in einer konzeptionellen Aufbauphase befindet. Die Einführung und Umsetzung von Controlling sehen Mitarbeitende und Führungskräfte häufig mit einer gewissen Skepsis. […] ist zu klären, welcher Informationsbedarf besteht und wie Controlling aktiv kommuniziert wird bzw. wie ein entsprechendes Berichtswesen zu gestalten ist. […].“ (S. 53)

Diskussion

Wer den Anspruch an die Publikation hat, einen Einblick zu Gegenstandsbestimmungen von operativem, strategischem Fach- und Finanzcontrolling etc. zu erhalten, der wird mit dieser Publikation voraussichtlich seinen Wissensbestand nicht anreichern können. Zu Beginn der jeweiligen Ergebnisdarstellungen sind jeweils knappe Einführungen zur Thematik einführend formuliert. Ein einleitendes detaillierter angelegtes Kapitel zu Beginn der Publikation wäre für die Leserin / den Leser hilfreich gewesen, um das der Arbeit zugrunde liegende Verständnis von Controlling nachvollziehen zu können.

Mit der Studie wird dennoch ein informatives Werk zum Stand des Controllings in Jugend- und Sozialhilfeverwaltungen vorgelegt. Für Führungskräfte und mit Controlling oder Organisationsentwicklung betraute Fachkräfte aus Sozial- und Jugendhilfeverwaltungen stellt die Publikation eine gute Möglichkeit dar, die eigene Organisation vor dem Hintergrund der Ergebnisse reflexiv zu betrachten. Darüber hinaus hat sie einen Aufforderungscharakter dahingehend, zumindest an der einen oder anderen Stelle (Weiter-)Entwicklungen anzuregen.

Fazit

Lesenswert insbesondere für Führungskräfte und mit Controlling oder Organisationsentwicklung betraute Fachkräfte aus Sozial- und Jugendhilfeverwaltungen.


Rezensent
Florian Hinken
M.A.
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Zitiervorschlag
Florian Hinken. Rezension vom 18.03.2014 zu: Gabriele Moos, Uta Rothermel, Matthias Konrad, Klaus Titz: Controlling in kommunalen Jugend- und Sozialhilfeverwaltungen. Ausbaustand und Perspektiven. Lambertus Verlag GmbH (Freiburg) 2013. ISBN 978-3-7841-2419-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/16581.php, Datum des Zugriffs 29.07.2016.


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