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Klaus Müller: Alternde Bevölkerung und gesundheitliche Versorgung

Cover Klaus Müller: Alternde Bevölkerung und gesundheitliche Versorgung. Zehn Herausforderungen und ihre Konsequenzen für Prävention, Rehabilitation und das Versorgungsmanagement in Deutschland und der Schweiz. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2014. 646 Seiten. ISBN 978-3-456-85337-6. D: 54,95 EUR, A: 56,50 EUR, CH: 73,90 sFr.

Reihe: Gesundheitswissenschaften.
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Autor und Entstehungshintergrund

Klaus Müller, Dr. rer. pol., ist Gesundheitsökonom. In seinem langjährigen beruflichen Schaffen hat er sowohl in Deutschland als auch der Schweiz zahlreiche Unternehmen des Gesundheitswesens beraten. Zudem ist der Autor im hochschulischen Lehrkontext tätig. Laut der Einleitung des zu rezensierenden Buches gab die ehrenamtliche Tätigkeit als Sterbebegleiter den Impuls zum Verfassen dieses Werkes.

Aufbau und Inhalt

Auf 646 Seiten verfolgt das Buch den Anspruch, eine Gesamtschau der Herausforderungen in Verbindung mit einer alternden Bevölkerung zu machen. Dabei werden Deutschland und die Schweiz berücksichtigt. Gleich zu Beginn werden zehn zentrale Herausforderungen definiert, die in weiterer Folge im Detail betrachtet werden. „Dabei handelt es sich um:

  1. das Ausmaß der demografischen Alterung
  2. die Risiken für die Alterssicherung und die damit zusammenhängende Entwicklung von Altersarmut
  3. die Absicherung des Krankheits- und Pflegerisikos bei zwangsläufig wachsender Eigenverantwortung
  4. die Zunahme versorgungsaufwendiger chronischer Krankheiten
  5. die Zunahme der Krankheits- und Versorgungskosten und deren zusätzliche Treiber
  6. die zunehmende Diskrepanz zwischen dem Versorgungsbedarf und der Versorgungsrealität
  7. die Risiken für die hausärztliche Grundversorgung
  8. die steigende Zahl von Pflegebedürftigen und davon betroffenen Angehörigen
  9. die Zunahme des Mangels an professionell Pflegenden
  10. die zunehmende Diskrepanz zwischen dem Vorsorgebedarf und der Vorsorgerealität.“
    (S. 17)

Diese Herausforderungen werden als miteinander interagierend dargestellt, was sich in den sechs Abschnitten des Buches klar zeigt:

Teil 1 beleuchtet die bereits erwähnten zehn zentralen Herausforderungen. Diese werden für Deutschland und die Schweiz analysiert, wobei hier und auch in weiterer Folge aufgrund der umfangreichen Materialien zum Teil auf Sekundärquellen zurückgegriffen wird.

Im nächsten Abschnitt (Teil 2) stehen sodann die Konsequenzen für das Versorgungssystem im Vordergrund: Prävention und Gesundheitsförderung, Chronic Care sowie die Bedeutsamkeit der Rehabilitation und aktivierenden Pflege werden hervorgestrichen. Dabei steht das Ziel, Pflegebedürftigkeit zu minimieren und Autonomie zu fördern, ganz klar im Vordergrund.

Nachdem die Versorgung chronisch kranker älterer Menschen interprofessionell und unter Beteiligung diverser Einrichtungen erfolgen muss, widmet sich Teil 3 der Versorgungsintegration sowie der praktischen Umsetzung dieser in Deutschland und der Schweiz. Hier werden die Notwendigkeit und Vorteile einer integrierten Versorgung ebenso dargestellt wie die organisatorischen, ökonomischen und rechtlichen Voraussetzungen.

In Folge wird die Versorgung bei koronarer Herzkrankheit, akutem Schlaganfall und Muskel-Skelett-Krankheiten im Detail behandelt (Teil 4). Nach der Darstellung der epidemiologischen Grundlagen werden neben den Präventionspotenzialen Möglichkeiten einer bedarfsgerechten integrierten Versorgung aufgezeigt. Beispiele von Versorgungskonzepten geben praxisnahe Einblicke.

Teil 5 stellt die Thematik Demenz in den Vordergrund: Krankheitsbilder, Risiko- und Schutzfaktoren und die Betrachtung der Häufigkeit bilden hier den Ausgangspunkt für die Diskussion, was es im Bereich der Versorgung zukünftig brauchen wird.

Das Lebensende sowie Palliativversorgung werden abschließend in Teil 6 behandelt: Was gutes Sterben ausmacht, wie die Bevölkerung zum Thema Tod und Sterben steht und welche Bedarfe für sterbende Menschen und deren Angehörige bestehen – derartige Fragen werden abschließend beantwortet.

Diskussion

Das Buch liefert umfassende Einblicke in die mit einer alternden Bevölkerung einhergehenden Herausforderungen und macht auch deutlich, wie diese zusammenhängen und sich gegenseitig beeinflussen. Durch die immense Breite an Aspekten, die behandelt werden, kann das Buch natürlich nicht an allen Stellen in die Tiefe gehen. So zeigt sich beispielsweise im Kontext von Gesundheitsförderung und Prävention gewiss Bedarf nach weiterführender Lektüre, um sich in diesem Themenfeld angemessen orientieren zu können. Hier greift beispielsweise die Auseinandersetzung mit männerspezifischen Präventionsstrategien etwas zu kurz; dazu finden sich in der Fachliteratur nicht nur wertvolle theoretische Abhandlungen, sondern auch gute Beispiele der praktischen Umsetzung. Alles in allem liegt mit dem Buch von Klaus Müller ein brauchbares Orientierungs- und Nachschlagewerk vor.

Fazit

Ein durchaus lesenswertes Buch, das einen guten ersten Überblick zu den Herausforderungen, die die gesundheitliche Versorgung für eine ergrauende Bevölkerung zu erfüllen hat, bietet. Fokussiert werden dabei Deutschland und die Schweiz. Für die vertiefte Auseinandersetzung mit den mannigfaltigen Aspekten bedarf es je nach thematischem Interesse aber gewiss der Lektüre weiterführender Literatur.


Rezensentin
Priv.-Doz.in Mag.a Dr.in Eva Mir
Fachhochschulprofessorin für Angewandte Sozialwissenschaften an den Studiengängen Gesundheits- und Pflegemanagement der Fachhochschule Kärnten (Österreich)
Homepage www.fh-kaernten.at
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Zitiervorschlag
Eva Mir. Rezension vom 27.03.2014 zu: Klaus Müller: Alternde Bevölkerung und gesundheitliche Versorgung. Zehn Herausforderungen und ihre Konsequenzen für Prävention, Rehabilitation und das Versorgungsmanagement in Deutschland und der Schweiz. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2014. ISBN 978-3-456-85337-6. Reihe: Gesundheitswissenschaften. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/16585.php, Datum des Zugriffs 29.05.2016.


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