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Waldemar Stange (Hrsg.): Erziehungs- und Bildungspartnerschaften (Praxisbuch)

Cover Waldemar Stange (Hrsg.): Erziehungs- und Bildungspartnerschaften. Praxisbuch zur Elternarbeit. Springer VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2012. 505 Seiten. ISBN 978-3-531-94295-7. D: 48,59 EUR, A: 41,10 EUR, CH: 50,00 sFr.
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Thema

Zwar gibt es im Bereich der Frühpädagogik eine längere und ausgeprägtere Tradition der Elternarbeit, aber das Thema ist für alle pädagogischen Einrichtungen und Dienste von hoher Relevanz. Bei allen geht es um Kommunikation, Austausch, Kooperation und Einbindung von Müttern und Vätern in die professionelle Arbeit. In den letzten Jahrzehnten hat sich der Ansatz der Erziehungs- und Bildungspartnerschaft entwickelt, mit dem die (ehemals) hierarchische Beziehung zwischen Eltern und Pädagogen auf eine gleichberechtigte Ebene gezogen wird. Das vorliegende Praxisbuch ergänzt einen ersten Band der gleichen Herausgebergruppe, der sich mit Grundlagen und allgemeinen Strukturen der Elternarbeit beschäftigt hatte (vgl. die Rezension). Im zweiten Band wird der Schwerpunkt auf die Dokumentation und Analyse von Projekten und Beispielen aus der pädagogischen Praxis gelegt.

Herausgeber/innen

Die vier Herausgeber/innen Waldemar Stange, Angelika Henschel, Rolf Krüger und Christof Schmitt gehören alle dem Forschungs- und Entwicklungsprojekt „NetzwerG“ des Instituts für Sozialarbeit und Sozialpädagogik an der Universität Lüneburg an. Die vorliegenden Bände fassen die Breite und den aktuellen Stand der Arbeit der Gruppe „NetzwerG“ zusammen. Sie versammeln darin eine große Anzahl an Kollegen und Fachleuten aus Hochschulen sowie aus Einrichtungen und Instituten der anwendungsorientierten Praxis. Am vorliegenden zweiten Band waren alleine 76 Autoren beteiligt, sie haben insgesamt 70 Artikel für das Praxisbuch verfasst.

Aufbau

Diese große Zahl an Einzeltexten ist in fünf Abschnitte gegliedert.

Im ersten Teil finden sich drei einführende Artikel, zwei kurze Texte zur differenzierten und zur schülerorientierten Elternarbeit von Werner Sacher und ein umfangreicher Aufsatz von Waldemar Stange, der die schon im ersten Band vorgestellte Konzeption und Empfehlung aufgreift und nochmals erweitert darstellt.

In den drei folgenden Abschnitten sind einführende Texte und zahlreiche Praxisporträts zu spezifischen Altersgruppen gruppiert: die Programme zur Altersgruppe 0-3 und zu Kinderkrippen, dann die Programme für Kinder im Kindergartenalter 4-6 und dann Programme für das Schulalter. Im vierten Abschnitt sind die Konzepte und Projektpräsentationen versammelt, die einen altersübergreifenden Zuschnitt haben. Diese beziehen sich auf neun verschiedene Themenbereiche: auf medienorientierte Elternarbeit, Elternarbeit im Bereich der SGB VIII-Hilfen, aufsuchende Hilfen, Beratungsangebote, materielle Unterstützungen neben den gesetzlichen Ansprüchen, Familienbildung, Elternkurse zur Stärkung der Erziehungskompetenz, Partizipation sowie Gesamtkonzepte einschließlich Netzwerkarbeit.

Abgerundet wird der Band wiederum von Stange und einem Aufsatz zum Aspekt Planen und Steuern der Gesamtkonzeption.

Inhalt

Stanges einführender Text ist programmatisch mit dem Titel „Präventions- und Bildungsketten – Elternarbeit als Netzwerkaufgabe“ überschrieben. Beide Begriffspaare stehen für die zentralen Rahmenbedingungen einer gelingenden Erziehungs- und Bildungspartnerschaft des Doppelbandes. Elternarbeit findet in einem komplexen Netzwerk an Strukturen, Akteuren und Angeboten statt. Auf der operativen Ebene gibt es schon lange einzelne Angebote, die aber auf einer Meso- und Makroebene viel seltener miteinander verbunden werden. Im Blick steht Elternarbeit in allen Phasen und Situationen des Bildungszyklus der Kinder, angefangen bei Hilfen mit und nach der Geburt über die Zeit in der Kita und dann in der Schule sowie parallel über Einrichtungen und Angebote der Kinder- und Jugendhilfe. Bezugsort ist der kommunale Sozialraum sowie die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen.

Die von den Herausgebern bevorzugte Organisationsform sind Netzwerke, verstanden als flexible Zusammenschlüsse der relevanten Akteure, die offen und situativ steuern und gleichzeitig partizipativ ausgelegt sind. Diese konzeptionelle Verbindungsarbeit zu einer solchen Gesamtstrategie findet bislang zu wenig statt, so Stange, und soll durch die veröffentlichten Bände befördert werden. Denn es reiche nicht, auf die einzelnen, oft gut funktionierenden Kooperationen zu verweisen, sondern „Erziehungs- und Bildungspartnerschaften [setzen] als markante Systemfunktionen fachlich und wissenschaftlich angemessene Konzepte und die Zur-Verfügung-Stellung der erforderlichen Strukturen, Rahmenbedingungen und Ressourcen auf den übergeordneten Systemebenen voraus.“ (S. 476)

Die große Zahl an vorgestellten, erfolgreichen Einzelprojekten wurde schon erwähnt, ihre Dokumentation bildet den Kern dieses Praxisbuchs. Leser/innen aus unterschiedlichen Praxisbereichen sollen sich hiervon inspirieren lassen, die Vorbilder aufzugreifen und weiter zu entwickeln. Als Beispiele für gelingende träger- und institutionsübergreifende präventive Netzwerkarbeit werden explizit folgende Projekte vorgestellt: „Mo.Ki – Monheim für Kinder“, das Familienzentrum Hannover und die „Elternschule Hamm“.

Diskussion

In Ergänzung zum ersten Band (vgl. die Rezension) liefert dieses Praxisbuch eine bunte Vielzahl an Praxisbeispielen. Insofern ist es eine sehr gute Dokumentation der aktuellen Praxis, für Praktiker wie Wissenschaftler öffnet es den Blick über das eigene Forschungsfeld oder das eigene Arbeitsprojekt hinaus.

Fazit

Für den zweiten Teil gilt ein ähnliches Urteil wie beim ersten Band: Sie bereichern die aktuelle Diskussionen um Bildungs- und Erziehungspartnerschaften durch eine Mischung aus vielen Praxiserfahrungen und dem Versuch einer Bündelung und Analyse. Der Gesamtansatz Stanges ist komplex und letztlich auch ambitioniert. Das sollte pädagogische Einrichtungen aber nicht davon abhalten, ihre Elternarbeit hieran auszurichten. Die Herausgeber liefern gute Argumente und Beispiele, wie die pädagogischen Ergebnisse damit verbessert werden.


Rezensent
Dr. Armin Müller
Studiengangsleiter Institut für Pädagogikmanagement, Steinbeis-Hochschule Berlin
Homepage www.steinbeis-ifpm.de
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Zitiervorschlag
Armin Müller. Rezension vom 26.09.2014 zu: Waldemar Stange (Hrsg.): Erziehungs- und Bildungspartnerschaften. Praxisbuch zur Elternarbeit. Springer VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2012. ISBN 978-3-531-94295-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/16596.php, Datum des Zugriffs 30.09.2016.


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