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Waldemar Stange, Rolf Krüger u.a. (Hrsg.): Erziehungs- und Bildungspartnerschaften (Grundlagen)

Cover Waldemar Stange, Rolf Krüger, Angelika Henschel, Christof Schmitt (Hrsg.): Erziehungs- und Bildungspartnerschaften. Grundlagen und Strukturen von Elternarbeit. Springer VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2012. 564 Seiten. ISBN 978-3-531-94279-7. 47,99 EUR.
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Thema

Das Thema Elternarbeit gehört sicherlich zu den Klassikern pädagogischer Einrichtungen. Es geht um Kommunikation, Austausch, Kooperation und Einbindung von Müttern und Vätern in die professionelle pädagogische Arbeit. Mit dem sich verändernden Familienbild, neuen Familienstrukturen und neuen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen hat sich hier in den letzten 40 Jahren einiges verändert. Das aktuell präferierte und auch titelgebende Konzept der „Erziehungs- und Bildungspartnerschaft“ ist Ergebnis dieser Entwicklung. Der vorliegende Band nimmt sich diesem Thema an und versucht einen umfassenden Ansatz vorzustellen, in dem unterschiedlichste Formen der Elternarbeit in allen drei großen pädagogischen Feldern, also Schule, Jugendhilfe und Kindertagesstätten, gleichberechtigt nebeneinander gestellt und in einer übergreifenden Perspektive zusammengeführt werden. Das Werk ist auf zwei Bände aufgeteilt (vgl. die Rezension Band 2). Der vorliegende erste Band hat einen theoretisch-konzeptionellen Schwerpunkt, widmet sich den Grundlagen und Strukturen der Elternarbeit und stellt den integrativen Ansatz aus Kommunalraum-Perspektive vor.

Herausgeber/innen

Die vier Herausgeber/innen Waldemar Stange, Angelika Henschel, Rolf Krüger und Christof Schmitt gehören alle dem Forschungs- und Entwicklungsprojekt „NetzwerG“ des Instituts für Sozialarbeit und Sozialpädagogik an der Universität Lüneburg an. Die vorliegenden Bände fassen die Breite und den aktuellen Stand der Arbeit der Gruppe „NetzwerG“ zusammen. Das Herausgebergremium versammelt darin eine große Anzahl an Kollegen und Fachleuten aus Hochschulen sowie aus Einrichtungen und Instituten der anwendungsorientierten Praxis.

Am vorliegenden ersten Band haben alleine 43 Autoren mitgeschrieben. Aus ihrer Feder sind insgesamt 62 Beiträge entstanden.

Aufbau

Insgesamt sind Aufbau und Struktur des vorliegenden Bandes am ehesten mit einem klassischen Handbuch vergleichbar. Das Themenfeld Elternarbeit in Schulen, Kita, Kinder- und Jugendhilfe wird in großer Breite abgedeckt. Nach der Einführung finden sich Artikel zu soziologischen, psychologischen und pädagogischen Grundlagen in ihrer jeweiligen Bedeutung für Erziehungs- und Bildungspartnerschaft.

Es folgen einführende Überblickstexte zu unterschiedlichen Teilthemen und Rahmenbedingungen, z.B. zu rechtlichen Fragen bezüglich Elternmitwirkung in Schule oder Kita, zur staatlichen Bildungspolitik in Deutschland, zur Kooperation sozialer Dienste oder Finanzierungsmodelle. Im dritten Block wird der jeweils aktuelle Forschungsstand zur Erziehungs- und Bildungspartnerschaft für die vier Gebiete Schule, Kita, Erziehungs-/ Familienberatung und Elternbildung/-training zusammengefasst. Im vierten Block wird der Fokus auf die unterschiedlichen Akteure und Akteursgruppen im kommunalen Umfeld gelegt. Es folgt ein fünfter Block zu ausgewählten Zielgruppen der Elternarbeit, darin finden sich Artikel zu Vätern, Migranten oder Alleinerziehenden, die die jeweiligen Spezifika der Einbindung herausarbeiten.

Im sechsten Block werden sechs unterschiedliche Problemstellungen vorgestellt. Darunter finden sich Fragen nach den Übergängen zwischen den einzelnen Bildungseinrichtungen, ein Text zur außerschulischen Lernbegleitung oder die Einführung in Methoden der Beobachtung und Reflexion in Kitas. Der siebte Block stellt insgesamt 12 Methoden-Muster vor, die als Hilfestellungen für eigene Arbeiten und Projekte in Bereichen wie Information und Öffentlichkeitsarbeit, Kontaktpflege, Austausch und Abstimmung, Beratung und Coaching, Selbstorganisation und Netzwerkarbeit mit oder für Eltern dienen. Abschließend finden sich im achten Block fünf Analysen zu den (Miss-) Erfolgsfaktoren der vorgestellten Konzepte, darunter eine programmatische Zusammenfassung von Waldemar Stange zur vertretenen bzw. empfohlenen Gesamtkonzeption.

Inhalt

Die Breite der Themen und der große Teil der beteiligten Autoren bedingt, dass die einzelnen Texte zumeist kurz gehalten sind, ausufernde Diskussionen des Forschungsstands finden sich selten. Ziel des Buches ist es, die Breite der Teilthemen und die Vielfalt der Ansätze – sowohl der fachlichen Seite als auch der praktischen Umsetzungsperspektiven – aufzuzeigen und deren gegenseitige Abhängigkeit zu betonen. Damit ist auch das vorgestellte Gesamtkonzept der Projektgruppe angesprochen, das von Stange in seinen einleitenden und abschließenden Texten vorgestellt wird. Stange betont, dass eine funktionierende Bildungspartnerschaft eine komplexe Aufgabe sei und als Teil von kommunalen Präventions- und Bildungsketten funktionieren müsse. Zu den Grundvoraussetzungen hierfür zählt Stange die sozialräumliche Konzeption, die kommunale Vernetzungsarbeit, die Benennung klarer Indikatoren und die Niedrigschwelligkeit der Angebote. Ergänzend betont er die Notwendigkeit einer positiven Orientierung auf Bildung und Erziehung im Sinne einer Ressourcen- und keiner Defizitorientierung.

Im nächsten Schritt formuliert Stange rund ein Dutzend Strukturelemente seiner Gesamtstrategie, die er auch in mehreren Diagrammen visualisiert. Besonders wichtig ist die Orientierung auf alle drei Säulen Schulen, Kitas und Jugendhilfe, wobei alle Instanzen eigenständig bleiben und gleichzeitig ihre Arbeit auf die anderen Instanzen beziehen müssen. Von zentraler Bedeutung ist deswegen auch eine gute und passende Steuerung solcher Netzwerke auf einer Makroebene. Hier äußert er auch erhebliche Kritik an bestehenden Projekten, die den formulierten Anforderungen und Bedingungen für funktionierende Netzwerke nicht gerecht werden. Ein positiver Impuls geht von der wachsenden Zahl an Familienzentren aus, die oft auf der Basis von Kitas entstanden sind, die aber die genannten anderen Bereiche und Säulen zunehmend einbeziehen. Stange verweist auch auf die vielen positiven Aktionen und Projekte auf der operativen Meso- und Mikroebene. Elternarbeit ist ja tatsächlich nicht neu, sondern kann auf viele gute Ansätze und Erfahrungen zurückgreifen. Es mangle aber an einer Systematik und einer ausreichenden Zielorientierung.

Diskussion

Dieser Verweis Stanges und seiner Mitherausgeber ist wichtig und macht einen großen Mehrwert des vorliegenden Bandes aus. Systematisch wird die Zusammenschau von Elternarbeit in Kitas, Schulen und Jugendhilfe vorgenommen. Natürlich gibt es auch viele Besonderheiten und Eigenheiten der jeweiligen Bereiche, aber das sollte nicht davon abhalten, übergreifende Perspektiven zu suchen und zu fördern. Dass dies nicht einfach ist, zeigt ein Blick auf die komplexen Beziehungs- und Strukturdiagramme Stanges. Hier gilt es offenbar, eine ganze Reihe an Eigeninteressen und Eigendynamiken unter ein Dach zu bringen. Dass dies auch gelingen kann, unterstreicht Stanges Verweis auf Familienzentren, die aber nicht als reine Umetikettierung von Kitas entstehen können, sondern die eines erweiterten Bildungskonzepts bedürfen und hierfür offensiv den Austausch und die Vernetzung mit den anderen Bereichen suchen müssen.

Fazit

Der Band ist eine sehr gute Zusammenfassung praktischer, empirischer und wissenschaftlicher Erkenntnisse zu Elternarbeit. Er gewinnt vor allem durch die übergreifende Perspektive, die Kitas, Schulen, Kinder- und Jugendhilfe gleichzeitig in den Blick nimmt. In vielen Texten werden die Besonderheiten einer funktionierenden Erziehungs- und Bildungspartnerschaft herausgearbeitet. Die Lektüre eignet sich deswegen sowohl für Wissenschaftler und Studierende in (sozial-) pädagogischen Studiengängen als auch für die vielen Praktiker, die tagtäglich mit den Fragen und Problemen der Elternarbeit konfrontiert werden.


Rezensent
Dr. Armin Müller
Studiengangsleiter Institut für Pädagogikmanagement, Steinbeis-Hochschule Berlin
Homepage www.steinbeis-ifpm.de
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Zitiervorschlag
Armin Müller. Rezension vom 26.09.2014 zu: Waldemar Stange, Rolf Krüger, Angelika Henschel, Christof Schmitt (Hrsg.): Erziehungs- und Bildungspartnerschaften. Grundlagen und Strukturen von Elternarbeit. Springer VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2012. ISBN 978-3-531-94279-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/16598.php, Datum des Zugriffs 27.05.2016.


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