Hans-Joachim Dörbandt: Unkonventionelle Untersuchungs- und Behandlungsmethoden
Hans-Joachim Dörbandt: Unkonventionelle Untersuchungs- und Behandlungsmethoden – Materialien für die Praxis. Band 122/I. Asgard-Verlag Dr. Werner Hippe GmbH (Sankt Augustin) 2001. 435 Seiten. ISBN 978-3-537-31221-1. 49,10 EUR.
Band 122/II: 561 Seiten, ISBN 3-537-31222-9, EUR 63,40. Beide Bände sind nur zusammen lieferbar und der Verlag plant derzeit, das Gesamtwerk als CD-ROM herauszugeben.
Ein viel diskutiertes und aktuelles Thema
Alternative Behandlungsmethoden – von der Bach-Blüten-Therapie oder der Bioresonanz-Therapie über die diversen Sauerstoff-Therapien bis hin zur Akupunktur erfreuen sich eines wachsenden Interessentenkreises. Sie werden als unkonventionelle Methoden bezeichnet und nicht nur von Patienten selbst verstärkt nachgefragt, sondern auch häufiger von frei praktizierenden Ärzten – auch Kassenärzten – angeboten. Probleme ergeben sich immer dann, wenn die gewünschte unkonventionelle Methode grundsätzlich von der kassenärztlichen Versorgung ausgeschlossen ist, weil Gesetz und sonstige Rechtsnormen sie nicht in das Leistungsspektrum aufgenommen haben oder weil sie durch Richtlinien des Bundesausschusses Ärzte und Krankenkassen ausgeschlossen worden sind.
Anträge auf Übernahme der Kosten für unkonventionelle Methoden sorgen vielfach für Unsicherheiten bei Patienten und Ärzten. Oft sind auch die Beschäftigten der Krankenkassen unsicher. Leistungsablehnungen ziehen nicht selten Widersprüche und Klageverfahren vor den Sozialgerichten nach sich. Einen hohen Anteil der Sozialrechtsstreitigkeiten - bis hin zum Bundessozialgericht - bilden deshalb die Klagen gegen die Ablehnung der Krankenkasse, Leistungen für die unkonventionelle Untersuchungs- oder Behandlungsmethode zu gewähren. Hier gilt es, das vorhandene oder entstehende Streitpotenzial durch Informationen über die rechtlichen Zusammenhänge und vor allem der verschiedenen Methoden zu minimieren. Dies gelingt dem Autor zweifelsohne.
Der Autor
Der Autor ist Mitarbeiter einer gesetzlichen Krankenkasse und verfügt über umfangreiche Erfahrungen auf dem Gebiet der unkonventionellen Untersuchungs- und Behandlungsmethoden aus diesem Blickwinkel. Davon zeugt das Buch durch erfreulichen Praxisbezug. Erkennbar geht es dem Verfasser darum, andere Praktiker von diesen Erfahrungen profitieren zu lassen. Sachlichkeit und Kompetenz zeigen sich auch bei der Darstellung des (regelmäßig monetär geprägten) Geschäftsfeldes der Komplementärmedizin.
Aufbau des Gesamtwerkes
Das Gesamtwerk ist in zwei Bände aufgeteilt. Der erste Band bildet den Kern der Abhandlung, der insbesondere als unmittelbare Arbeitshilfe konzipiert ist. Er enthält - nach Stichworten gegliedert - Beschreibungen aller häufig diskutierten unkonventionellen Methoden. In den zwölf Abschnitten dieses Bandes werden neben den erforderlichen Leistungsgrundlagen der Krankenkassen allgemeine Bearbeitungshinweise und Informationen gegeben. Sie sollen dem Bearbeiter einer Krankenkasse, aber auch anderen Personen, wie z. B. Rechtsanwälten und Rechtsbeiständen als Nachschlagewerk für Diskussionen und rechtlichen Auseinandersetzungen dienen. Differenzierte Erläuterungen von Begriffen aus dem Bereich unkonventioneller Medizin runden die Praxishilfen ab. Band II ist den gesetzlichen Grundlagen sowie sonstigen Normen gewidmet und enthält neben Musterschreiben auch die betreffenden Urteile des Bundessozialgerichts (im Volltext). Dieser Band dient überwiegend als Nachschlagewerk. Durch diese praxisorientierte Aufteilung ist das Werk im Alltag gut zu handhaben. Beide Bände sind nur zusammen lieferbar und der Verlag plant derzeit, das Gesamtwerk als CD-ROM herauszugeben.
Zum Inhalt
Der Autor schildert den gesetzlichen Leistungsrahmen und die Konkretisierung der Leistungen durch das Gesetz sowie den Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen, um den sich bei den unkonventionellen Untersuchungs- und Behandlungsmethoden vieles – ja, fast alles – dreht. Der Bundesausschuss ist das vom Gesetzgeber beauftragte Organ für die Zuordnung und Transparenz. Deshalb wird seine Tätigkeit hier vorgestellt und auch der Werdegang, der zur Anerkennung oder Ablehnung einer Methode führte. Dürfen die Krankenkassen Kosten einer Methode nicht übernehmen, wird oftmals ein Mangel im System der gesetzlichen Krankenversicherung postuliert. Deshalb wird dem Leser auch dieser unbestimmte Rechtsbegriff erläutert. Letztlich widmet sich der Autor auch dem Medizinischen Dienst der Krankenversicherung, denn er ist zum einen gesetzlich beauftragt, sich zu den Methoden sozial-medizinisch zu äußern und ist zum anderen beratend für die Krankenkassen tätig. Für den unschlüssigen Leser werden Hinweise gegeben, ob der Medizinische Dienst von der Krankenkasse um sozial-medizinische Stellungnahme gebeten werden muss oder ob die jeweilige Leistung ohnehin ausgeschlossen ist, so dass sie darauf verzichten kann.
Die Begriffe "Neulandverfahren", "Besondere Therapierichtungen", "Homöopathie" und auch "Naturheilkunde" werden dem Leser anschaulich dargestellt. Da sich die Komplementärmedizin eigener Begriffe bedient, wird auch auf sie erläuternd eingegangen. Den Kern des Werkes bilden aber die nach Stichworten sortierten mehr als 170 Beschreibungen von gegenwärtig bekannten und immer wieder angebotenen unkonventionellen Untersuchungs- und Behandlungsmethoden. Sie lassen sich übrigens durch das ausführliche Stichwortverzeichnis schnell auffinden. Trotz der Ausführlichkeit erweckt der Autor nicht der Eindruck, dass er alle Methoden anspricht. Dies wäre letztlich auch unmöglich, denn bekanntlich kommen immer wieder neue Methoden auf den Markt. Hervorzuheben ist ferner Abschnitt 11. Dort werden Vorgehens- und Umgangsweisen der "Verkäufer" bestimmter Methoden sowie deren Tricks und die Auswirkungen aus den beruflichen Erfahrungen des Autors heraus geschildert. In leichter Erzählweise teilt er mit, wie Verkäufer die Eitelkeit, aber auch die Angst ausnutzen und ihr Geschäft mit der Hoffnung betreiben. Auch auf die möglichen Schäden wird hingewiesen. Letztlich geht der Autor darauf ein, was im Falle eines Widerspruchs zu beachten ist. In Band II sind alle wesentlichen Gesetzesmaterialien, Richtlinien, Anleitungen etc. aufgenommen worden. Eine Reihe von Briefen und Fragebögen werden hier abgebildet, die von Mitarbeitern der Krankenkassen unmittelbar in der Praxis eingesetzt werden können.
Die Zielgruppe
Mit den beiden Bänden sind alle diejenigen für die Arbeitspraxis und für Auseinandersetzungen mit den Beteiligten gut gerüstet, die sich wiederkehrend mit unkonventionellen Untersuchungs- und Behandlungsmethoden beschäftigen. Hierzu gehören in erster Linie Beschäftigte der Krankenkassen und die anderer Sozialleistungsträger. Auch für Rechtsanwälte und sonstige Rechtsbeistände empfiehlt sich das Werk zum Nachschlagen und zur Information über die Stellung der gesetzlichen Krankenkassen zu den einzelnen Methoden.
Fazit
Trotz der Fülle der Literatur und der Materialien zu dem Thema hat dieses Werk seinen berechtigten Platz in der Literatur, denn es fasst die wesentlichen Beschreibungen, Fakten und Bewertungen sehr gut zusammen, die ansonsten immer nur methoden-differenziert im Einzelnen gesucht und oft nur mühsam gefunden werden können. Vor allem die Ausführungen zu den fragwürdigen Methoden, den "typischen Verdrehungen" von bestimmten Anbietern, aber auch wie das "Geschäft mit der Hoffnung" aus monetären Interessen heraus betrieben wird, liest sich sehr interessant.
- Die unkonventionellen Untersuchungs- und Behandlungsmethoden sind systematisch aufbereitet und in der erforderlichen Tiefe umfassend zusammengestellt.
- Verständlich aufbereitet kann ein solches Werk dennoch nicht auf medizinische und sonstige Fachbegriffe verzichten. Deshalb sind diese in Fußnoten auf der jeweiligen Seite ausreichend erläutert worden, was die Handhabung erleichtert.
- Die Möglichkeiten und Grenzen der gesetzlichen Krankenversicherung, also der Leistungsrahmen an sich, wurden präzise dargestellt. Selbstverständlich können Diskussionen über einzelne Methoden nicht ausbleiben. Mit Hilfe des Werkes können sie aber gezielter geführt werden.
Von einem Praktiker für Praktiker geschrieben hat das Buch einen hohen Gebrauchswert. Es kann auch dazu dienen, die vielfach zu Unrecht begonnenen Streitigkeiten zwischen den Beteiligten bis hin zu Rechtsstreiten zu vermeiden. Schon deshalb ist ein Studium sehr zu empfehlen.
Rezensent
Georg Vogel
Rentenberater für die Bereiche SGB XI/SGB V
Herausgeber www.CareHelix.de
Homepage www.carehelix.de
E-Mail Mailformular
Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.
Zitiervorschlag
Georg Vogel. Rezension vom 01.08.2001 zu: Hans-Joachim Dörbandt: Unkonventionelle Untersuchungs- und Behandlungsmethoden. Asgard-Verlag Dr. Werner Hippe GmbH (Sankt Augustin) 2001. 435 Seiten. ISBN 978-3-537-31221-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/166.php, Datum des Zugriffs 21.05.2012.
Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.
Zur Rezensionsübersicht
Zum Seitenanfang
Hilfe & Kontakt
Hinweise für RezensentInnen, Verlage, AutorInnen oder LeserInnen sowie zur Verlinkung bitte lesen, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
Leider liegen aktuell keine passenden Rezensionen vor.
Stellenangebote
Psychologen, Sozialarbeiter und Sozialpädagogen als Gesundheitsmanager (w/m), Stuttgart
Weitere Anzeigen im socialnet Stellenmarkt.
Newsletter bestellen
Immer über neue Rezensionen informiert.
