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Johannes Maierhofer: Mit einem Schlag ist alles anders

Cover Johannes Maierhofer: Mit einem Schlag ist alles anders. future Management Mag. Maierhofer KG (Bad Gams) 2014. 227 Seiten. ISBN 978-3-200-03128-9. 24,90 EUR.

Der Verlag Leykam wird dieses Buch in Zukunft als Taschenbuch produzieren und vertreiben. Somit wird es ab Herbst für alle Buchhandlungen zum Preis von € 17,90 / SFR 30,40 verfügbar sein. ISBN Nummer: 978-3-7011-7921-3 Darüberhinaus wird Leykam dieses Buch auch als E-book anbieten.
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Thema

Der Schlaganfall wird in der zu besprechenden Publikation aus verschiedenen Perspektiven und Professionen dargestellt.

Autor

Johannes Maierhofer lebt selber mit den Folgen eines Schlaganfalls, ist also Experte in eigener Sache.

Zielgruppe

Das Buch und das Seminar „Mit Optimismus und Glauben durch turbulente Zeiten“ ist nicht nur für Schlaganfallbetroffene geeignet, sondern für alle sich um diese Menschen Sorgenden. Ziel ist die Annahme der Situation, das Kämpfen müssen, damit eben alles eine Besserung erfährt

Aufbau

  1. Vorwort des Primars der Neurologie im LSF, Primar Dr. Franz Stefan Höger
  2. Perspektive Mag. Johannes Maierhofer (Patient)
  3. Perspektive von Angehörigen
  4. Perspektive von medizinisch Tätigen

Inhalt

Der Autor Johannes Maierhofer war 50 Jahre alt, verheiratet und Vater von drei Kindern als er im Februar 2010 einen schweren Schlaganfall erlitt. Bis gegen Ende des darauffolgenden Monats erinnert er sich an nichts mehr. Dieser erinnerungslose Zustand wiederum erinnert an die retrograde Amnesie des Protagonisten Fabio Rossi in Martin Suters (vgl. 2002, 12) „Ein perfekter Freund“. Maierhofer erzählt seine Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven. Der Verfasser vollzieht also einen Perspektivenwechsel.

Da ist zunächst seine eigene Perspektive, die auch, wie es sich eben für eine Hauptperson gehört, den größten Raum des Buches einnimmt. Maierhofer führte vor dem Schlaganfall ein rasantes Leben. Im ersten Bildungsgang besuchte er eine Fachschule und anschließend studierte er an der Universität Betriebswirtschaft. Er arbeitete elf Jahre in einem Betrieb und widmete sich nebenberuflich dem Studium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an der Universität. Nach bestandener Unternehmensprüfung legte der Verfasser die Konzessionsprüfung für das Technische Büro ab. In dieser Zeit feierte Johannes Maierhofer die Hochzeit mit Sabine, die kurze Zeit auf dieses Ereignis vier Kinder das Licht der Welt erblicken ließ. Zahlreiche Ehrenämter und nebenberufliche Engagements säumten den Weg und das aktionsreiche Lebendes Autors, u. a. in der Kirchengemeinde. Die unabwendbare Folge dieser immensen Aktivitäten war dann am 21. Februar 2010 der Schlaganfall, welcher Johannes Maierhofer unvorbereitet getroffen hat. Beim Abendessen fiel dem Autor „eine Olive hinunter, sie rollte weg. Ich bückte mich und lange unter dem Tisch danach, bis ich sie erwischte. Als ich wieder hochkam, drehte sich vor meinen Augen die gesamte Tischgesellschaft“ (S. 26). Das war der Beginn einer nun folgenden dramatischen Geschichte, die auf der Intensivstation ihren Anfang hatte. Hier berichtet Maierhofer von drei Träumen:

  1. im Traum feierte er mit Russen eine Drogenarty in Rosa Violett;
  2. befasste sich ein Traum mit der Odyssee in verschiedenen Krankenhäusern;
  3. schließlich führte in ein Traum zu seinem eigenen Begräbnis. „Es findet mein Begräbnis statt und ich lebe und bin dabei“ (S. 31).

Das Aufwachen aus der Bewusstlosigkeit auf der Intensivstation ließ den Protagonisten seine eigene Unzulänglichkeit erfahren. „Zu meiner Überraschung habe ich […] gemerkt, dass ich fast nichts sehe und dass mir meine Hände und Füße nicht gehorchen“ (S. 34). Später berichtet Johannes Maierhofer von seiner Orientierungslosigkeit, die nach der Bewusstlosigkeit und des künstlichen Tiefschlafs bestanden hat. Traumatisch waren für ihn Äußerungen, die ihm gegenüber wenig oder keine Wertschätzung wahrnehmen ließen. Er machte so ein Unverständnis für seine Situation bei den Anderen aus. Kleine Fortschritte säumten den Weg der Hauptperson der Publikation, die ihn in seiner Genesung voranbrachten. Immer wollte er alle Tätigkeiten selber durchführen, denn: „Selbst die schönste Rasur ist zweitrangig, wenn sie nicht von mir selbst durchgeführt wird“ (S. 45). Mit der Zeit gelang es Herrn Maierhofer sich mit der Situation so abzufinden, wie sie nun mal ist. Erschütternd – und dann ein weiteres traumatische Ereignis – war für ihn dann auch der Tot des Vaters, der, zwei Jahre nach Johannes Maierhofers Ereignis, einem Schlaganfall folgte. Und oder aber: „Vor dem Sterben hatte ich keine Angst“ (S. 49). Kraft geschöpft hat der Schlaganfallbetroffene aus der Begegnung mit anderen Menschen. So hat er schon während der Bewusstlosigkeit das positive Klima und die Kraft der Gemeinschaft gespürt. Der – wenn auch – lange Weg zurück ist nur mithilfe der modernen und hoch entwickelten Medizin möglich gewesen. Ohne dieselbe „hätte ich wohl nicht überlebt“ (S. 60). Aber, so schreibt Maierhofer auf Seite 63: „Bei aller Liebe zur modernen Medizin, die für jedes Wehwehchen ein Mittel hat, ist doch das Erfahren und das Nutzen der eigenen Möglichkeiten ein Gewinn gewesen.“ Alles hat der Autor nach diesem Schlaganfall wieder neu lernen müssen. Dafür war die therapeutische Palette eine großartige Hilfe, die sich über Ergo- und Physiotherapie und Logopädie erstreckte. Wichtig waren die Begegnungen mit gleichartig Betroffenen. So werden über vier Begegnungen mit ebensolchen Vorbildern erzählt.

Diesen vorgenannten hauptsächlichen Berichten folgen die anderen persönlichen Perspektiven und zwar:

  • die der Gattin Sabine, die wahrgenommen hat, „dass die Balance etwas schief geworden ist“ (S. 123) und die sich nach dem Ereignis bei ihren Kindern geborgen fühlte. Sabine musste mit einem Schlag allein für die weitere Existenz der Firma sorgen und Verantwortung übernehmen;
  • die der vier Kinder, die nach dem Ereignis des Vaters zuvorderst der Mutter helfen wollten und mussten. Der Alltag und das Familienleben gestaltete sich neu;
  • die des Bruders Lorenz, der, als freischaffender Komponist und Autor, aus diesem traumatischen Anlass heraus verschiedene Gedichte verfasste und der für seinen kranken Bruder und Sabine bei der Familienkommunikation und der Besuchskoordination behilflich war. Die brüderliche Betroffenheit machte sich bei Lorenz Maierhofer am gesamten Körper bemerkbar, z. B. in einem leichten ziehenden Schmerz im Brustraum bzw. einer ganzkörperlichen Verspannung;
  • die des befreundeten Oberarztes Dr. Hannes Sonnleitner, der in verständlichen Worten Medizinisches beschreibt und dessen Krankenbesuche von diagnostischen Beobachtungen geprägt waren;
  • die des Prof. Dr. Johann Willeit, der als Präsident der Schlaganfall Gesellschaft Daten und Fakten zum Schlaganfall für Österreich liefert;
  • die des Univ.-Prof. Dr. Franz Fazekas, der in der Klinik für Neurologie arbeitet;
  • die des Oberarztes Dr. Stephan Plözl, der in der Abteilung für Neurologie der C-Reha-Station tätig ist und der sich für eine optimale Arzt-Patienten-Therapeuten-Beziehung ausspricht;
  • die des Hausarztes Dr. Werner Salmhofer, dem es ein Anliegen ist darauf hinzuweisen, „dass Gesundheit etwas ist, für das jeder persönlich mitverantwortlich ist, indem er seinen Lebensstil anpasst“ (S. 207);
  • die der Logopädin Elisabeth Jakob, die das Lernen am individuellen Krankheitsbild der hiervon Betroffenen sehr hervorhebt und mit einem großen Stellenwert versieht.

Fazit

Mir ist – und das macht das Buch derzeit so einzigartige und wertvoll – keine Veröffentlichung bekannt, die den Schlaganfall und seine gravierenden Folgen aus ganz unterschiedlichen Perspektiven in einem Band darstellt. Eine Literaturempfehlung kann somit für alle Schlaganfallbetroffenen und deren mittelbar betroffenen Angehörigen bedenkenlos ausgesprochen werden.

Literatur

  • Suter, Martin: Ein perfekter Freund. Zürich 2002.

Rezensent
Dr. Carsten Rensinghoff
Dr. Carsten Rensinghoff Institut - Institut für Praxisforschung, Beratung und Training bei Hirnschädigung, Leitung: Dr. phil. Carsten Rensinghoff, Witten
Homepage www.rensinghoff.org
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Zitiervorschlag
Carsten Rensinghoff. Rezension vom 21.05.2014 zu: Johannes Maierhofer: Mit einem Schlag ist alles anders. future Management Mag. Maierhofer KG (Bad Gams) 2014. ISBN 978-3-200-03128-9. Der Verlag Leykam wird dieses Buch in Zukunft als Taschenbuch produzieren und vertreiben. Somit wird es ab Herbst für alle Buchhandlungen zum Preis von € 17,90 / SFR 30,40 verfügbar sein. ISBN Nummer: 978-3-7011-7921-3 Darüberhinaus wird Leykam dieses Buch auch als E-book anbieten. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/16680.php, Datum des Zugriffs 24.08.2016.


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