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Carolin Emrich, Petra Gromann u.a. (Hrsg.): Gut leben. Persönliche Zukunftsplanung realisieren

Cover Carolin Emrich, Petra Gromann, Ulrich Niehoff (Hrsg.): Gut leben. Persönliche Zukunftsplanung realisieren - ein Instrument. Lebenshilfe-Verlag (Marburg) 2012. 3. Auflage. ISBN 978-3-88617-523-9. 25,00 EUR.
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Thema

Die persönliche Zukunftsplanung ist ein Konzept zur individuellen Lebensstilplanung. Es hat im deutschsprachigen Raum in den letzten Jahren beachtliche Verbreitung gefunden. Diese Entwicklung wurde durch die UN-Behindertenrechtskonvention und dem Recht auf Inklusion befördert. Dabei geht es darum, dass Menschen – unabhängig von ihrer Behinderung – die Möglichkeit bekommen, über ihre eigenen Träume, Wünsche, Vorstellungen und Ziele nachzudenken und diese in gangbare Schritte umzusetzen (Klappentext).

Aufbau und Inhalt

Die hier vorgelegte Materialsammlung hat das Konzept der persönlichen Zukunftsplanung zum Inhalt. Die Persönliche Zukunftsplanung (PZP) steht für ein Konzept der individuellen Lebensplanung. Sie hat im deutschsprachigen Raum zunehmend Beachtung gefunden, was auch durch die UN-Behindertenrechtskonvention und die andauernde Inklusionsdebatte befördert wurde. Diese Materialsammlung ist im DIN A 4 Ringbuchformat aufgelegt worden. Neben einer CD enthält das Ringbuch ein Handbuch für die Hauptperson (im DIN A 5 Format), ein Handbuch für Unterstützer (im DIN A 5 Format), ein Arbeitsbuch mit Arbeitsblättern (im DIN A 4 Format) und ein Kartenset. Auf der CD Rom findet man Vorlagen zum Ausdrucken sowie einen Film, der einen Planungsprozess zeigt.

Die persönliche Zukunftsplanung gibt Menschen – unabhängig von Behinderung – die Möglichkeit, über ihre eigenen Träume, Wünsche, Vorstellungen und Ziele für ihr Leben nachzudenken. Diese Ergebnisse werden in einem zweiten Schritt in gangbare Schritte umgesetzt. Im Mittelpunkt steht die Erhöhung der Lebensqualität der Person.

Das Handbuch für die Hauptperson mit dem Titel „Machen Sie doch was sie wollen…“ ist in leichter Sprache verfasst. Es erklärt, was die Persönliche Zukunftsplanung ist, wie man seine Träume und seine Ziele entdecken kann. Dann macht man einen Plan und lädt zu einem Treffen ein, um zu überlegen, wer bei der Umsetzung unterstützen kann.

Das Handbuch für Unterstützer umfasst 100 Seiten, die sich auf fünf Kapitel aufteilen. Es wird erläutert, dass die persönliche Zukunftsplanung ein Konzept und kreative Methode zur individuellen Lebensstilplanung ist. Es folgt ein „Kleiner Praxisfaden“, indem die wichtigsten Fragen praxisnah beantwortet werden. Der Unterstützer hat eine moderierende Funktion und muss über geeignete Fragen Bescheid wissen. Dazu gibt es im dritten Kapitel Tipps. Es hat sich bewährt, mit der Hauptperson einen Rückblick zu machen, um Anregungen für das zukünftige Leben zu bekommen. Das Handbuch für Unterstützer schließt mit theoretischen Hintergründen der PZP (Geschichte und Menschenbild), den Möglichkeiten der sozialpolitischen und konzeptionellen Einbindung in die Behindertenhilfe und einem Literaturverzeichnis ab.

Das Arbeitsbuch „Meine persönliche Zukunftsplanung“ ist im DIN A 4 Format auf 55 Seiten aufgelegt. Den Hauptteil bilden Erläuterungen, dazu kommen 10 Arbeitsblätter. Hier wird auch der Einsatz des Kartensets erläutert. Das Set enthält sog. Lebensstilkarten und sog. Traumkarten. Mit den Lebensstilkarten kann man etwas über die eigene Lebensart herausfinden. Die Traumkarten helfen, darüber ins Gespräch zu kommen, was man sich wünscht oder erträumt. Diese Ergebnisse werden als Ziele formuliert und aufgeschrieben. Sie sind Grundlage des Treffens zu dem Unterstützer eingeladen werden.

Diskussion

Diese Materialsammlung ist mittlerweile in der dritten Auflage im Lebenshilfeverlag erschienen. Die UN-Konvention stärkt die Rechte von Menschen mit Behinderung und die Nachfrage nach guten Materialien steigt. Die hier vorgelegte mehrteilige Materialsammlung im Ringbuchformat ist praxisnah gestaltet. Neben der CD Rom (auf der ein Film zu finden ist, der einen Planungsprozess abbildet) gibt es ein Kartenset, in dem Themen zum Lebensstil und zu Träumen visualisiert werden. Im Arbeitsbuch sind die Texte so formuliert, dass man sie der Hauptperson direkt vorlesen kann.

Der PZP Prozess sollte drei Kernelemente enthalten: Erstellung eines Profils, Entwurf eines Bildes über die Zukunft und Planung und Realisierung des Zukunftsplans. Der Prozessverlauf sollte aus neun Schritte bestehen, die eine feste Reihenfolge haben. Ein wichtiges Element der PZP ist der sog. Unterstützerkreis. Um die planende Person gruppiert sich ein Kreis von Menschen, der Interesse an der Person, deren Ideen und Wünsche hat. Die Auswahl, wer am Unterstützerkreis teilnimmt, obliegt der planenden Person. Es geht nicht um Förderung oder Therapie, das Ziel ist immer Lebensqualität. Der Fokus liegt auf den individuellen Lebenszielen und -entwürfen und der dafür erforderlichen Unterstützung. Der Prozess benötigt Zeit und sollte Spaß machen.

Es wäre wünschenswert, wenn bestehende Instrumente der Hilfeplanung durch eine PZP ergänzt werden. Eine PZP ist immer freiwillig. Mit ihr geht ein verändertes Menschenbild einher: Menschen mit Behinderung werden zu Experten in eigener Sache, was mit einschließt, dass sie ihr Leben selbstbestimmt leben wollen und können. Eine zeitgemäße Haltung im Zeitalter der Inklusion! Die hier vorgelegte Materialsammlung erläutert das Konzept und gibt eine praxisnahe Hilfestellung bei der Durchführung der Persönlichen Zukunftsplanung.

Fazit

Die persönliche Zukunftsplanung (PZP) ist ein Konzept zur individuellen Lebensstilplanung, durch das Menschen mit Behinderung zu Experten in eigener Sache werden. Diese Entwicklung wurde durch die UN-Behindertenrechtskonvention und die fortdauernde Inklusionsdebatte befördert. Durch die PZP bekommen Menschen – unabhängig von ihrer Behinderung – die Möglichkeit, über ihre eigenen Träume, Wünsche, Vorstellungen und Ziele nachzudenken und diese in gangbare Schritte umzusetzen.


Rezensentin
Dipl.-Päd. Petra Steinborn
Heilpraktikerin für Psychotherapie. Einrichtungsleitung in einer großen Ev. Stiftung in Hamburg-Horn und freiberuflich in eigener Praxis ABC Autismus tätig. Schwerpunkte: Herausforderndes Verhalten, Strategien der Deeskalation, Autismus, TEACCH, Erworbene Hirnschädigungen
Homepage www.abc-autismus.de
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Zitiervorschlag
Petra Steinborn. Rezension vom 11.08.2014 zu: Carolin Emrich, Petra Gromann, Ulrich Niehoff (Hrsg.): Gut leben. Persönliche Zukunftsplanung realisieren - ein Instrument. Lebenshilfe-Verlag (Marburg) 2012. 3. Auflage. ISBN 978-3-88617-523-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/16817.php, Datum des Zugriffs 05.12.2016.


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