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Sabine Hirler: Handbuch Rhythmik und Musik

Cover Sabine Hirler: Handbuch Rhythmik und Musik. Theorie und Praxis für die Arbeit in der Kita. Herder (Freiburg, Basel, Wien) 2014. 304 Seiten. ISBN 978-3-451-32723-0. 24,99 EUR.
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Thema

Die Professionalisierung der Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern ist nun schon seit mehreren Jahren ein zentrales Thema in der Diskussion um die Qualität unserer Kindergärten und Kindertagesstätten. Mittlerweile gibt es eine Fülle von Studiengängen im Bereich Pädagogik der Kindheit und Elternbildung.

Obwohl die Bedeutung der Erziehung in den Bereichen Kunst, Musik, Bewegung und Tanz gerade in dieser Altersgruppe bekannt ist, liegen zu diesem Thema erstaunlich wenige Fachveröffentlichungen vor. Umso erfreulicher ist es, das nun mit dem vorliegenden Buch eine umfangreiche Zusammenfassung in Form eines Handbuchs zum Thema Rhythmik und Musik vorliegt.

Autorin

Sabine Hirler studierte an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart. Sie ist Rhythmiklehrerin, Musikpädagogin und -therapeutin, schreibt Kinderlieder, Kinderbücher sowie Fachbücher für verschiedene Verlage. Sie ist Dozentin und Lehrbeauftragte für Rhythmik und Musik in der Ausbildung von Heilerziehungspflegern, Sonderpädagogen und Heilpädagogen und Dozentin in der Fort- aus und Weiterbildung von Pädagogen und Therapeuten.

Das das schon äußerlich aufwändig gestaltete umfangreiche Buch ist das erste Handbuch Rhythmik und Musik im deutschsprachigen Raum. Damit legt die Verfasserin eine weitere einschlägige Veröffentlichung zu diesem Thema vor. In den vergangenen Jahren ist Sabine Hirler schon mehrfach mit Veröffentlichungen zu den Themen Musik bei Kindern, Musik in Vorschulbereich, musiktherapeutischen Konzepte und vor allem dem Thema Rhythmus in der frühkindlichen und vorschulischen Erziehung hervorgetreten.

Aufbau und Inhalt

Das Buch gliedert sich in acht große Teile. In jedem der Teile werden drei verschiedene Darstellungsweisen für den Text gewählt. Neben dem normalen Fließtext finden sich in jedem Kapitel durch eine blaue Umrahmung abgesetzte Beispiele, in denen das gerade erläuterte in der Praxis anschaulich gemacht werden soll. Darüber hinaus werden Begriffsbestimmungen und grundsätzliche Themen in farblich abgesetzten Abschnitten ausführlich dargestellt.

Schon im Vorwort wird deutlich, dass es der Autorin in dieser Veröffentlichung darum geht, grundlegende Fragen der Musik und Musikpsychologie in einer Art Positionsbestimmung zu klären. Wichtig ist schon zu Beginn des Buches der Hinweis auf die Bedeutung von Transfereffekten von Musik auf außermusikalische Kulturtechniken gerade auch im Kontext der zunehmenden multikulturellen Erziehung. Hier bezeichnet die Verfasserin die „Musik als Mittel zur kulturellen Identitätsbildung“ ( S. 9 ff.).

Nachdem sie sich im ersten Kapitel Musik – ein Medium mit vielen positiven Nebenwirkungen mit den grundsätzlichen Wirkungsweisen von Musik unter Einbeziehung der neuesten Literatur auseinandergesetzt hat, kommt Sabine Hirler im zweiten Kapitel zur Entwicklungsgeschichte frühkindlicher Musikpädagogik und Rhythmik zu einer kurzen Chronologie der bedeutendsten Forschungsergebnisse und der wichtigsten Forscher zum kindlichen Musikerleben. Schon in den beiden ersten Kapiteln fällt positiv auf, dass die verschiedenen Entwicklungsstufen sehr gut beschrieben werden und vor allem mit guten praktischen Umsetzungsmöglichkeiten zur fördernden Wirkung von Musik illustriert sind. In diesem zweiten Kapitel finden wir ebenso eine ausführliche Beschreibung der Entstehung der Rhythmik als eigenständige Disziplin innerhalb der Musikpädagogik und deren wichtigste Vertreter Elfriede Feudel und Charlotte Pfeffer. Natürlich werden auch die beiden großen Antipoden der musikalisch-rhythmischen Erziehung Carl Orff und Jacques-Dalcroze entsprechend gewürdigt.

Im dritten Kapitel Musikalische Bildung in der frühen Kindheit erläutert die Verfasserin ihr persönliches Konzept der musikalischen Bildung als Erziehung durch, zur und mit Musik. Nach einem kurzen Streifzug durch die pädagogischen Handlungsfelder stellt die Verfasserin verschiedene Prozessschritte pädagogischen Handelns anhand sehr gut ausgewählter Beispiele aus der Praxis vor und verweist schon an dieser Stelle im Buch auf die später folgenden praktischen Notenbeispiele zu den einzelnen Handlungsfeldern und Parametern.

Im vierten Kapitel institutionelle und didaktische Rahmenbedingungen werden die unterschiedlichen Ausbildungsmöglichkeiten im Bereich der Rhythmik und der musikalischen Früherziehung vorgestellt. Am Beispiel von sechs Handlungsfeldern illustriert die Autoren die pädagogische Fachkraft als Prozessbegleiterin in der musikalischen Aktion.

Es folgt ein weiteres Kapitel zum Thema Singen mit Kindern, indem die physiologischen Vorgänge beim Singen erläutert werden und auf die Transfereffekte des Vokalen Musizierens vor allem im Kindesalter eingegangen wird. In diesem Kapitel findet sich eine Reihe von Kinderliedern die von der Verfasserin selbst komponiert wurden.

In dem nun folgenden sehr ausführlichen sechsten Abschnitt rhythmisch-musikalische Erziehung: Wirkungsfelder und Methoden wird die ganze Fülle an Methoden in zahlreichen Tabellen und Systematisierungen aufbereitet. Hier finden wir zum Beispiel Spiellieder und Spielreime, Wahrnehmungsspiele, Rollenspiele, Tänze und Instrumentalspiele mit den jeweiligen Wirkungsfeldern im Bereich der Wahrnehmung.

Es folgt schließlich eine Reihe von konkreten Musik und Rhythmik Angeboten für die Praxis in Form von Notenbeispielen, Fotos, Beispieldialogen und unterschiedlichsten Handlungsanweisungen.

Zielgruppe

Wie der Untertitel des Buches schon sagt ist es ein Handbuch für alle Menschen, die professionell mit Musik in der Kita Arbeiten wollen. Dies betrifft sowohl Erzieherinnen und Erzieher als auch Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogenin in einschlägigen Einrichtungen.

Da in dem Buch das Thema Rhythmik sowohl theoretisch als auch praktisch sehr umfassend dargestellt wird, kann ich es mir durchaus auch als Grundlagenliteratur für die entsprechenden Module in den Studiengängen der Pädagogik der Kindheit vorstellen.

Fazit

In diesem Buch wurde eine enorme Fülle von Daten und Materialien zum Thema Rhythmik und Musik für die Arbeit in der Kita zusammen getragen und auf dem aktuellen Stand der Forschung dokumentiert. In den zahlreichen ausgezeichneten Einzelkapiteln blieb kaum ein Aspekt der Musikerziehung im Vorschulbereich unberücksichtigt. Damit liegt nun ein ausgezeichnet zusammen gestelltes und sorgfältig herausgegebenes Handbuch zum Thema vor, das gerade für die Studierenden in diesem Bereich eine ausgezeichnete Grundlagenlektüre darstellt und in keiner Bibliothek fehlen sollte.

Besonders für diejenigen die mit dem Thema bisher nicht so vertraut waren, ermöglichen die gut ausgewählten Beispiele aus der Praxis einen schnellen Einstieg in die Musikpädagogik. Eine hervorragende und lange überfällige Veröffentlichung.

Die Tatsache, dass die Verfasserin in den von ihr selbst komponierten Musikbeispielen deutlich dem traditionellen Liedgut zugewandt ist, tut dem insgesamt ausgezeichneten Eindruck keinen Abbruch.


Rezensent
Prof. Dr. Hubert Minkenberg
Professor für Medienpädagogik/Musikpädagogik
Fachhochschule Düsseldorf, Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
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Zitiervorschlag
Hubert Minkenberg. Rezension vom 18.12.2014 zu: Sabine Hirler: Handbuch Rhythmik und Musik. Theorie und Praxis für die Arbeit in der Kita. Herder (Freiburg, Basel, Wien) 2014. ISBN 978-3-451-32723-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/16875.php, Datum des Zugriffs 02.07.2016.


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