Bettina Lorenzen, Bernd Schäfer-Zurhelle: Deutsch. Kommunizieren, organisieren, texten
Bettina Lorenzen, Bernd Schäfer-Zurhelle: Deutsch. Kommunizieren, organisieren, texten. Vincentz Verlag (Hannover) 2000. 179 Seiten. ISBN 978-3-87870-621-2. 16,80 EUR.
Einführung in das Thema
In vielen Altenpflegeausbildungen Deutschlands ist – unter verschiedenen Bezeichnungen – eine bestimmte Stundenzahl (zwischen 20 und 40 Unterrichtsstunden) vorgesehen für die Vermittlung von Lerntechniken und das Erlernen von Handwerkszeug zum Festhalten des Unterrichtsstoffs oder das Schreiben von Referaten, Verfassen von Berichten, Jahres- und Hausarbeiten, Vorbereitung auf die Prüfungen usw. Dieser Unterricht findet am Anfang der Ausbildung statt in einem Fach, das Deutsch, Methodik und Technik des Lernens, Ergänzung der Allgemeinbildung, Deutsch und Literatur oder Schrift- und Behördenverkehr genannt wird. Einige Länder haben in ihrer Ausbildungsordnung dafür keine Stunden vorgesehen.
Der Vincentz-Verlag hat für diese Inhalte ein Buch herausgegeben, das sich sowohl an Auszubildende als an die Dozentinnen und Dozenten richtet.
Hintergrund und Vorgeschichte
Die Altenpflegeausbildung Deutschlands ist gekennzeichnet durch eine große Variabilität. Die Ausbildungsstätten haben teils den Status einer – berufsbildenden – Schule, teils werden sie Fachseminare oder Fachschulen genannt. Meistens sind die Ausbildungsstätten die verantwortlichen Träger der Ausbildung, selten die Pflegeeinrichtungen. Und es gibt zur Zeit knapp 20 Ausbildungsordnungen mit unterschiedlicher Benennung und Gewichtung der Fächer. Zum 1. August 2001 sollte eine bundeseinheitliche Ausbildungsordnung in Kraft treten, deren Umsetzung allerdings Ländersache bleiben würde. Da einem Eilantrag des Freistaates Bayern statt gegeben wurde, verzögert sich dies entweder um mindestens ein halbes Jahr bzw. wird es kein Bundesgesetz zur Altenpflegeausbildung geben.
Ähnlich heterogen ist die Zusammensetzung der Lehrgänge: Ausgebildet werden sowohl Abiturienten ohne pflegerische Erfahrung als auch ältere Schüler/innen mit zum Teil langjährigen praktischen Erfahrungen als ungelernte pflegerische Hilfskräfte, Frauen nach der Zeit der Kindererziehung, alleinerziehende Mütter oder Haupt- und Realschulabsolventen mit einem oder zwei Jahren pflegerischer Praxis oder Auszubildende, die einen ganz anderen Beruf erlernten. Dasselbe gilt für die Alterszusammensetzung: Die Dozentinnen und Dozenten stehen öfter einer Bandbreite von 17 bis ca. 50 Jahre alten Schülern/innen gegenüber. Mehrgenerationenunterricht!
Es kommt noch hinzu, dass gerade lernungewohnte, ältere Schüler/innen mit Unbehagen oder sogar Ängsten an ihre früher gemachten Erfahrungen mit "Schule" zurückdenken. Und diese sind häufig nicht nur lern- sondern auch schreibungewohnt. Letzteres trifft allerdings auch auf viele der anderen beschriebenen Schülergruppen zu.
Die Autorin Ass. jur. Bettina Lorenzen ist u.a. Lehrerin an einer "Fachschule für Altenpflege" in Hannover; der Autor Bernd Schäfer-Zurhelle ist Studienrat für Deutsch und Sozialwissenschaften und unterrichtete vor seiner Lehrtätigkeit an einem Gymnasium in Aachen Jahre lang an Alten- und Krankenpflegeschulen. Somit sind Erfahrungen in der Altenpflegeausbildung aus zwei Bundesländern hier zusammengeflossen.
Inhalt und Gliederung
Am Anfang der Kapitel werden Lernziele formuliert, und am Ende, teilweise auch mitten im Kapitel, stehen Fragen und Aufgaben zur Überprüfung, ob die vorgegebenen Lernziele erreicht wurden. Außerdem werden hilfreiche Internet-Adressen angegeben.
Im ersten Kapitel "Lernmethoden" werden nach einer kurzen theoretischen Einführung in Lernpsychologie und Lernen die verschiedenen Lerntypen beschrieben. Die Auszubildenden sollen erkennen, über welche "Kanäle" sie am Besten etwas lernen. Die Wege einer Information sind grafisch dargestellt. Die verschiedenen Formen des Gedächtnisses werden erklärt. Im folgenden Abschnitt werden unterschiedliche Lernarten dargelegt. Es folgen Hinweise zur Gestaltung des eigenen Lernens. Danach werden Grundzüge der Motivation erklärt und praktische Empfehlungen vorgestellt, wie man sich selbst zum Lernen motivieren kann. Es folgen konkrete Tipps zu verschiedenen Lernhilfen. Das Kapitel schließt mit Tipps zur Prüfungsvorbereitung.
Das zweite Kapitel "Kommunikation" bietet sowohl Grundlagenkenntnisse als praktische Anwendungen für die Ausbildung und für die pflegerische Praxis. An Hand eines differenzierten Sender-Empfänger-Modells werden Aspekte und Kontext von Kommunikation vermittelt, die verschiedenen Sprachebenen werden erläutert. Dabei werden Beispiele aus der Presse sowie pflegetypische Situationen zu Hilfe genommen. Textabschnitte werden mit Aufgaben zur Verarbeitung versehen. Außerdem werden Grundsätze, Strukturen und Techniken für Argumentation, Dialektik, Diskussion und Vorträge vermittelt.
Das dritte Kapitel "Informationsverarbeitung" befasst sich mit Lesetechniken und gibt dabei Tipps zum optimalen Lesen. Ferner wird ausführlich die Benutzung von Lexika, Bibliothek und Internet beschrieben. Dabei wird auf die unterschiedliche Handhabung von Zeichenbedeutungen in verschiedenen Nachschlagewerken (Duden, Pschyrembel) hingewiesen. Dann wird erarbeitet, wie Texte aus Fachliteratur analysiert und aufbereitet werden sollen.
In vierten Kapitel "Rechtschreibung" werden die wichtigsten Änderungen der neuen Rechtschreibung besprochen mit dem Ziel, eine "berufs- und alltagsrelevante Sicherheit" (87) zu erlangen.
Das fünfte Kapitel "Dokumentation, Beschreibung, Referat" gibt Hilfen zum Mitschreiben, für das Verfassen von Protokollen und Berichten, setzt sich kritisch mit der Beschreibung von Geräten und deren Handhabung auseinander. Es erläutert außerdem die Strukturen von Referaten und Jahresarbeiten. Dabei werden auch die formalen Anforderungen (zitieren, Literaturlisten) vermittelt.
Das sechste Kapitel "Bewerbung" gibt Hilfestellung beim Lesen von Stellenanzeigen, dem Aufsetzen von Bewerbungsschreiben sowie beim Vorbereiten von Bewerbungsgesprächen.
Im siebten Kapitel "Kontakt zu Behörden" wird – nach einer Einführung – ein kurzer Abriss Staatsbürgerkunde zur Gewaltenteilung als Grundlage der Demokratie gegeben mit dem Ziel, die Position der Sachbearbeiter/innen darzulegen, mit denen Altenpfleger/innen beruflich (zumeist für alte Menschen) Kontakte aufnehmen. Bundes- und Landesverwaltungen werden in kleinen Organigrammen vorgestellt; das ausführlichere Organigramm einer Stadtverwaltung mit den – in allen Städten gleichen – Fachbereichen und deren "Hausnummern" erleichtert es, das jeweils zuständige Amt zu finden. Ferner werden das Verfahren einer Antragstellung, die Möglichkeiten einer Vollmacht und der Anspruch auf Beratungshilfe erläutert.
Schließlich werden Hinweise für das Abfassen eines formlosen Antrags gegeben, sowohl für das Einrichten eines Briefbogens als auch zum Inhalt. Darüberhinaus werden einige gängige Formulare und Vorgänge (Klage, Widerspruch) vorgestellt und erläutert.
Das Buch schließt mit einer Literaturliste, Anschriften und einem Stichwortverzeichnis.
Zielgruppen
Auszubildende und Lehrende in der Altenpflegeausbildung
Einschätzung
Es wird Rücksicht genommen auf die sehr schwierige Unterrichtssituation mit der oft äußerst heterogenen Zusammensetzung der Ausbildungslehrgänge in der Altenpflege, indem z. B. unterschiedlich anspruchsvolle Aufgaben angeboten werden, die nicht unbedingt von allen Auszubildenden erledigt werden müssen, um die Lernziele zu erreichen.
Man spürt deutlich, dass die Autoren aus ihren Erfahrungen schöpfen, die sie als Dozent/in gemacht haben. Dies führt dazu, dass viele Kolleginnen und Kollegen hier gute Grundlagen für ihren Unterricht vorfinden. Die voran gesetzten Lernziele erleichtern es den Lehrenden, sich schnell einen Überblick über die Inhalte zu verschaffen. Die Begriffe, welche als Untertitel zu "Deutsch" genannt werden (kommunizieren, organisieren, texten), sind etwas verwirrend: Statt "organisieren" ist wohl eher Lernorganisation gemeint. Bedenkt man dies, wird das Buch seinem Titel gerecht.
Die Stichworte am Rand erleichtern es, bestimmte Inhalte zu finden und machen den Text übersichtlicher.
Die äußerst akribische Erläuterungen zur Einrichtung eines Briefbogens kann man so oder so beurteilen: Die meisten Textverarbeitungsprogramme bieten dazu eine Maske an; andererseits dürften vielleicht einige erleichtert aufatmen, dies hier nun endlich vorgegeben zu finden.
Bei einem Buch, das den Anspruch erhebt, auch Rechtschreibung, Zeichensetzung und formale Anforderungen zu vermitteln, schaut man allerdings besonders genau hin, ob es selbst diesen Ansprüchen genügt. Dann fällt u. a. auf, dass etwa Kapitel 6 in der Inhaltsangabe mit "Bewertung", im Text dann aber mit der – wohl richtigen – Bezeichnung "Bewerbung" steht. Und auch, dass die Kommasetzung in den Lernzielen inkonsequent ist: Mal steht hinter "Das Ziel ist ...." ein Komma, mal nicht.
Ferner ist anzumerken, dass nun einmal überwiegend Frauen die Ausbildung absolvieren. Wenn dann schon nur die männliche Form gewählt wird, sollte dies doch kurz begründet werden. In anderen Veröffentlichungen dieses Verlages wird dies anders gehandhabt.
Zusammenfassung
Mit dem Buch "Deutsch – kommunizieren, organisieren, texten" von Lorenzen und Schäfer-Zurhelle liegt eine Veröffentlichung des Vincentz-Verlages vor, die eine gute Hilfe sein kann bei der Vermittlung von grundlegenden Fähigkeiten und Fertigkeiten zur Organisation des eigenen Lernens, zum Verstehen und Handhaben von Kommunikation sowie von Hilfen zum Umgang mit Behörden.
Es will sowohl den Lehrenden als den Auszubildenden als Grundlage dienen, die Anforderungen der Ausbildung sowie wichtige Qualifikationen im Berufsalltag zu erfüllen durch das Erlernen von bestimmten Gesetzmäßigkeiten und Strategien. Schließlich ist auch in der Altenpflege Kommunikation, sowohl verbal als non-verbal, eines der bedeutendsten "Arbeitsmittel".
Wichtig ist auch, dass – wie oben erwähnt – dem Umstand Rechnung getragen wird, dass wegen der bestehenden großen Bandbreite in der Vorgeschichte der Auszubildenden (Schulabschlüsse, unterschiedlich langes Zurückliegen des bisherigen Schulbesuches) Hilfen geboten werden, einer Über- wie auch einer Unterforderung Einzelner entgegen zu treten. Die Lernziele sind so formuliert, dass am Ende der Kapitel eine Erfolgskontrolle möglich ist.
Es wäre gut gewesen, wenn auch kurz auf die doch öfter anzutreffende Schulangst, auf schlechte bisherige Erfahrungen durch antiquierte Unterrichtsformen u. ä. eingegangen worden wäre; diese können durchaus eine Lernhemmung bewirken, der nicht nur rational begegnet werden sollte.
Alles in Allem ist das Buch empfehlenswert für die angesprochenen Unterrichtsinhalte in der Altenpflegeausbildung.
Rezensentin
Kinie Hoogers
Diplom-Pädagogin
Fortbildungen in der Altenpflege, Gerontologische und altenpflegerische Forschung
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Zitiervorschlag
Kinie Hoogers. Rezension vom 01.08.2001 zu: Bettina Lorenzen, Bernd Schäfer-Zurhelle: Deutsch. Kommunizieren, organisieren, texten. Vincentz Verlag (Hannover) 2000. 179 Seiten. ISBN 978-3-87870-621-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/169.php, Datum des Zugriffs 21.05.2012.
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