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Robert Bachert, Arnold Pracht: Basiswissen Controlling und operatives Controlling

Cover Robert Bachert, Arnold Pracht: Basiswissen Controlling und operatives Controlling. Controlling und Rechnungswesen in Sozialen Unternehmen. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2014. 2. Auflage. 140 Seiten. ISBN 978-3-7799-1968-1. D: 16,95 EUR, A: 17,50 EUR, CH: 23,90 sFr.
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Thema

Aus dem Umschlagstext: „Dieses Buch hilft bei der Umsetzung von operativen Werkzeugen des Controllings in die Praxis der Unternehmen. Dazu werden die Instrumente dargestellt und Wege der praktischen Umsetzung aufgezeigt. […] Dieses Buch ist in hohem Maße praxis- und umsetzungsnah. […] Die Praxis soll bei der Einführung ausgewählter Instrumentarien von der Gestaltung abstrakter Rahmenbedingungen bis hin zu ganz konkreten Maßnahmen beraten werden. […]“

Autoren

Robert Bachert, M.A. Sozialmanagement, Dipl. Sozialpädagoge (BA), Dipl. Betriebswirt (BA), ist Finanzvorstand des Diakonischen Werks der evangelischen Kirche in Württemberg e.V., Stiftungsvorstand der Diakonie in Württemberg, Geschäftsführer der Diakonie Württemberg gGmbH und zweier Tochterfirmen, Aufsichtsratsvorsitzender zweier Non-Profit-Gesellschaften, Mitglied der Schiedsstellen SGB VIII und XII, stellvertretender Vorsitzender der LIGA der freien Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg, Dozent an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg und Fachbuchautor.

Prof. Dr. Arnold Pracht, Dipl.-Wirtschaftsingenieur (FH), Dipl.-Betriebspädagoge, Professor für Betriebswirtschaftslehre am Fachbereich Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege der Hochschule Esslingen, dort auch im Lehrgebiet Berufspädagogik und Behindertenhilfe tätig.

Aufbau und Inhalt

Die Publikation beinhaltet ein Vorwort der Autoren, eine Einleitung sowie vier inhaltliche Kapitel.

Im vorangestellten Vorwort machen die Autoren die Intention für die Veröffentlichung deutlich: Mit der Publikation wird nicht der Anspruch verbunden, sich an Grundlagenwerken zu messen. Vielmehr soll die Publikation dazu dienen, bewährte Controllinginstrumente für die Praxis sozialer Dienstleistungsunternehmen nutzbar zu machen. In der Einleitung wird der Fokus der Veröffentlichung erläutert, sie bezieht sich ausschließlich auf das operative Controlling. Strategisches Controlling wird in einem weiteren Band fokussiert (dieser ist ebenfalls in der 2. Auflage erschienen; für die 1. Auflage siehe www.socialnet.de/rezensionen/2735.php). Mit beiden Bänden wird das Konzept eines umfassenden Controllingverständnisses für soziale Dienstleistungsunternehmen dargelegt.

Das zweite Kapitel widmet sich der thematischen Einführung. Bachert und Pracht stellen den Ausführungen voran, „dass es die eine richtige und schnelle Antwort auf die Frage – ‚Was ist denn Controlling eigentlich?‘ – nicht gibt“ (S. 11). Es folgt eine Skizzierung der historischen Entwicklung. Erste Ansätze werden im 15. Jahrhundert am englischen Königshof verortet. Eine erstmalige gesetzliche Verankerung erfolgte im Jahr 1778 in den USA mit dem Auftrag der staatlichen Mittelverwaltung. In privatwirtschaftlichen Unternehmen wurde erstmalig im Jahr 1880 die Stelle eines Controllers eingerichtet. Sodann zeigen die Autoren die Entwicklungslinien in den USA und im deutschsprachigen Raum auf. Anschließend werden unterschiedliche Controllingauffassungen sowie Funktionen und Aufgaben skizziert. Es erfolgt die Charakterisierung von Controlling funktional und institutional organisiert. Hinsichtlich der Reichweite von Controlling werden operatives und strategisches Controlling voneinander abgegrenzt, einhergehend aber in ihrer verkoppelten Funktion erläutert. Als problematisch wird dabei herausgestellt, „dass die Richtungsvorgaben des strategischen Controllings in der Praxis nicht oder nur schwer in die operative Steuerungsfunktion übersetzt – und damit auch umgesetzt – werden können“ (S. 19). Das Kapitel schließt mit einer Fokussierung auf die Besonderheiten des Sozialbereiches ab. Hier bedarf es eines weiter gefassten Verständnisses von Controlling über die finanzwirtschaftlich orientierte Funktion hinaus. Vielmehr ist eine informations-, ziel- und steuerungsorientierte Ausgestaltung geboten.

Im dritten Kapitel werden die drei Werkzeuge Kostenstellrechnung, Planung und Budgetierung sowie Berichtwesen jeweils einleitend theoretisch und dann anhand eines Praxisbeispiels erläutert. Die Kostenstellenrechnung wird der/dem Leser/in anhand der Entwicklung einer Kostenstellenstruktur in einer Komplexeinrichtung nachvollziehbar näher gebracht. Mittels eines Beispiels zur Wirtschaftsplanung eines Spitzenverbandes der Wohlfahrtspflege erfolgt die Erläuterung der Funktion Planung und Budgetierung. Als Praxisbeispiel für das Berichtswesen wird ebenfalls ein Spitzenverband herangezogen. Alle Praxisbeispiele zeichnen sich dadurch aus, dass die Werkzeuge anschaulich und auf andere Institutionen, Konstellationen etc. übertragbar dargestellt werden. Darüber hinaus werden zu jedem Praxisbeispiel Vorgehensweisen Schritt für Schritt erläutert.

Das vierte Kapitel widmet sich zunächst der Prozessanalyse und -optimierung. Im Rahmen der theoretischen Grundlagendarstellung wird die Nähe zu den Instrumenten des Qualitätsmanagements herausgestellt. Auch hier erfolgt nach der kurzen theoretischen Hinführung die Darstellung einer möglichen Vorgehensweise am Beispiel einer Komplexeinrichtung. So werden beispielsweise die Schritte und Inhalte für eine Auftaktveranstaltung zur Prozessoptimierung, Elemente eines Flussdiagramms und eine Checkliste zum Jahresabschluss dargestellt. Im zweiten Teil des Kapitels erfolgt die Beschreibung des Instruments der Gemeinkostenwertanalyse als (so lassen es die Ausführungen unschwer erahnen) massives Instrument der Gemeinkostenreduktion im Rahmen einer Krisenintervention. Dieses Instrument stellt ein bewährtes Verfahren in der Privatwirtschaft dar. Auf eine umfassende Implementierung in der Sozialwirtschaft „wartet man bisher vergebens“ (S. 120). Daher erfolgt auch keine Illustrierung mittels eines Praxisbeispiels. Vor dem Hintergrund, dass Gemeinkosten im Sozial- und Gesundheitsbereichen in der Regel mit ca. 70 bis 90 % überwiegend durch Personalkosten verursacht werden, mutmaßen die Autoren (erstaunlicherweise), dass bei ernsthafter Umsetzung des Verfahrens ein Einsparpotential jenseits von 20 % erreicht werden kann. Folgerichtig erscheint dann auch der Hinweis, dass der Einsatz des Instruments bei einer sich abzeichnenden existenzgefährdenden Krise frühzeitig erfolgen sollte, so dass aus der Perspektive der Mitarbeiter/innen noch Motivation besteht, konstruktiv an dem Prozess mitzuwirken und so beispielsweise Personalüberhänge durch „natürliche Fluktuation auszugleichen“ (S. 120).

Mit dem fünften Kapitel wird das „Cafeteria-Prinzip“ abgebildet. Nach einer Skizzierung des Sachverhaltes im Rahmen eines Unternehmensberatungsprozesses, der Ausgangspunkt für die Entwicklung war, folgt die Erläuterung des Lösungsansatzes als „differenziell-dynamisches Prinzip“ im Bereich der Organisationsgestaltung für die Aushandlung von kaufmännischen und Verwaltungsaufgaben, die zentralisiert wahrgenommen werden müssen (Muss-Leistungen) oder dezentralisiert wahrgenommen werden können (Kann-Leistungen). Im Fokus steht der Aushandlungsprozess von Aufgabenverteilungen in einem zukunftsfähigen Sozialunternehmen mit einem optimierten Overhead. Dieses Verfahren wird sodann hinsichtlich möglicher Umsetzungsschritte, aber auch potentieller Umsetzungsprobleme skizziert. Das Kapitel schließt mit einer Wertung ab. So findet das Cafeteria-Prinzip bisher lediglich ansatzweise Anwendung in Sozialunternehmen, weshalb der Appel erfolgt, vor dem Hintergrund einer möglichen Existenzgefährdung „zeitnah wenigstens in kleinen Schritten mit der Umsetzung des Cafeteria-Prinzips zu beginnen“ (S. 137).

Diskussion und Fazit

Steht es denn wirklich so schlimm um die Sozialwirtschaft? Wird die erste Seite der Publikation aufgeschlagen, so könnte dieser Eindruck schnell entstehen. Bachert und Pracht führen als auslösenden Impuls für die Veröffentlichung auf, dass ihrer Einschätzung nach „man leider mit der Krise im Blick tatenlos auf einen Abgrund zusteuert und dies getreu nach dem Motto: ‚Es gibt viel zu tun, warten wir`s ab!‘“ (S. 5). Ohne Zweifel zeichnen sich Entwicklungen ab, die eine Nähe zu traditionellen Wohlfahrtsprinzipien nur schwerlich erkennen lassen. Doch zeigt die Praxis vielerorts aktive Anstrengungen unter gegenwärtigen Wohlfahrtsproduktionsbedingungen bestehen zu können – und das vielerorts auch erfolgreich. Genau hierzu stellt die Publikation eine praxisnahe Arbeitshilfe mit hohem Wert dar. Der Anspruch, der Praxis Instrumente zur Gestaltung abstrakter Rahmenbedingungen und ganz konkreten Maßnahmen an die Hand geben zu wollen, wird voll erfüllt. Die theoretischen Einführungen zu den Instrumenten sind kurz und präzise formuliert. Der hohe Nutzen liegt jedoch in der Ausführlichkeit der Praxisbeispiele. Eine Adaption auf die eigene Organisation sollte leicht gelingen.


Rezensent
Florian Hinken
M.A.
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Zitiervorschlag
Florian Hinken. Rezension vom 02.02.2015 zu: Robert Bachert, Arnold Pracht: Basiswissen Controlling und operatives Controlling. Controlling und Rechnungswesen in Sozialen Unternehmen. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2014. 2. Auflage. ISBN 978-3-7799-1968-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/17071.php, Datum des Zugriffs 05.12.2016.


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