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Astrid Kaiser, Iris Lüschen: Das Miteinander lernen (frühe politische Bildung)

Cover Astrid Kaiser, Iris Lüschen: Das Miteinander lernen. Frühe politisch-soziale Bildungsprozesse ; eine empirische Untersuchung zum Sachlernen im Rahmen von Peer-Education zwischen Grundschule und Kindergarten. Schneider Verlag Hohengehren (Baltmannsweiler) 2014. 173 Seiten. ISBN 978-3-8340-1288-3. D: 18,00 EUR, A: 18,50 EUR, CH: 25,90 sFr.
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Thema

Mit der Publikation wird anhand empirischer Ergebnisse gezeigt, dass sich bereits Kindergarten- und Grundschulkinder entgegen alltagstheoretischer Vorstellungen und didaktischer Diskurse auf hohem Niveau mit politisch-sozialen Themen wie Krieg und Frieden oder Gerechtigkeit auseinandersetzen (können). Damit einher geht u.a. ein Plädoyer für eine stärkere Beachtung politisch-sozialer Themen im Bereich Kita und Grundschule. Ferner wird der Nachweis erbracht, dass das altersübergreifende Peer-Tutoring ein möglicher Weg einer produktiven Kooperation zwischen Kindern zu komplexen Sachthemen einerseits und zur Annäherung des Elementar- und Primarbereichs auf einer inhaltlichen Ebene andererseits ist. (Angehenden) Pädagogischen Fachkräften von Kita und Grundschule gleichermaßen werden theoretische und empirische Impulse und Grundlagen dargeboten, die eine Anregung und Unterstützung des gegenseitigen Lernens von Kindern im Bereich politisch-sozialen Lernens ermöglichen sollen.

Es ist das Anliegen der Autorinnen mit der vorliegenden Publikation zu helfen, „die Wertschätzung von Kindern zu entfalten und ihr Entwicklungspotential im politisch gesellschaftlichen Bereich zu sehen“ (S. VIII).

Autorinnen

Prof. Dr. Astrid Kaiser war von 1993 bis 2013 Professorin für Didaktik des Sachunterrichts an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg mit den Arbeits- und Forschungsschwerpunkten Grundschulpädagogik, Sachunterrichtsdidaktik, Genderpädagogik und Umweltbildung.

Dr. Iris Lüschen ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Pädagogik der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg (Arbeitsgruppe Sachunterricht) u.a. mit dem Arbeits- und Forschungsschwerpunkt Energiebildung.

Entstehungshintergrund

Mit der vorliegenden Publikation präsentieren die Autorinnen wesentliche Schritte und zentrale Ergebnisse des Projekts „‚Miteinander lernen‘. Frühe politisch-soziale Bildungsprozesse. Eine empirische Untersuchung zum Sachlernen im Rahmen von Peer-Education zwischen Grundschule und Kindergarten“. Das Projekt wurde mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und des Europäischen Sozialfonds der Europäischen Union gefördert und knüpft an ein „Vorgängerprojekt zum Peer-Tutoring zwischen Grundschule und Kindergarten im naturwissenschaftlichen Sachlernen“ (S. IX) an.

Aufbau

Die Publikation ist in der typischen Weise eines Forschungsberichts aufgebaut.

  1. Dem Vorwort der Reihenherausgeberin und der Autorinnen folgen auf 157 Seiten die Darlegung der Problemstellung,
  2. die Darstellung des themenbezogenen Forschungsstandes,
  3. das Design der Studie,
  4. die Präsentation der Ergebnisse des Projektes,
  5. die Interpretation der vorgestellten Ergebnisse sowie
  6. die Zusammenfassung und Schlussfolgerungen.

Inhalte

Im ersten Abschnitt stellen die Autorinnen in zwei Unterpunkten die Problemhorizonte des politisch-sozialen Lernens (1.1) und der Peer-Education (1.2) prägnant dar. Dabei wird zugleich deutlich, dass eben diese beiden Aspekte im Mittelpunkt des Vorhabens und der Publikation stehen und nicht die allgemeine Thematik des Übergangs und der Verzahnung von Elementar- und Primarstufe, in die sich das Projekt nichtsdestotrotz, wie die Autorinnen auch darlegen, einbettet. Im Gegensatz zum naturwissenschaftlichen Lernen wird in Abschnitt 1.1 das politisch-soziale Lernen von Kindern vor allem in Bezug auf die bundesdeutsche Situation – entgegen hiesiger Ansprüche und der generellen Bedeutung frühen politisch-sozialen Lernens – als blinder Fleck von Theorie, Praxis und Forschung thematisiert. Insgesamt wird ein Mangel an Forschungen zu politisch-sozialem Lernen von Kindern – insbesondere bezüglich der Effektivität und Nachhaltigkeit desselben – festgestellt, aus dem die Autorinnen einen Aspekt des Erkenntnisinteresses des Projektes „Miteinander lernen“ ableiten. Der Ansatz der Peer-Education wird im Anschluss daran prägnant als Bruch mit der tradierten Ausrichtung des Bildungswesens auf Altershomogenisierung und als „produktives Moment“ (S. 6) dargestellt. Letzteres sei jedoch, so die Autorinnen, lediglich in Bezug auf die Aspekte der Leistungsentwicklung und des sozialen Umgangs mit Kindern nachgewiesen – an Studien zur „Denkentwicklung im interaktiven Austausch einer altersgemischten Peer-Interaktion um konkrete Unterrichtsinhalte“ mangele es hingegen. Aus dieser Feststellung wird ein weiteres Erkenntnisinteresse der Studie abgeleitet.

Im zweiten Abschnitt wird zunächst der themenbezogene Forschungsstand der historischen Entwicklung des politisch-sozialen Lernens im Sachunterricht (2.1) dargelegt. Dabei zeigen die Autorinnen die historischen Wurzeln des (Nicht-)Beachtens politisch-sozialer Themen im Sachunterricht und seiner Vorgeschichte auf und skizzieren den Status Quo politisch-sozialen Lernens innerhalb der Disziplin des Sachunterrichts. Zwar gebe es mittlerweile erste Ansätze, so die Autorinnen, diese seien „allerdings noch nicht repräsentativ“ (S. 12). Dem folgend werden gegenwärtige Konzeptdiskussionen zum politisch-sozialen Lernen zusammengefasst (2.2), wobei Positionen pro und contra politisch-soziales Lernen von Kindern gegenübergestellt werden. Das Fazit der Autorinnen: „Es gibt also genügend didaktische Argumente […], die dafür sprechen, dass frühe politische Bildung sinnvoll ist. Damit ist allerdings noch nichts über deren Machbarkeit ausgesagt.“ (S. 17) Damit verweisen die Autorinnen erneut auf Forschungs-Desiderate und leiten einen weiteren Anspruch des Projektes „Miteinander lernen“ ab: Es geht um die „empirisch fundierte qualitative Differenzierung kindlicher Vorstellungsmuster politisch-gesellschaftlichen Denkens“ (S. 18). Der Stand der Lehr-Lernforschung im Bereich politisch-sozialen Lernens (2.3) wird von den Autorinnen mit einer sehr prägnanten Skizze von Arbeiten zur politischen Sozialisation von Kindern (2.3.1) eingeleitet. Dem schließen sich wesentlich ausführlichere Darstellungen der themenbezogenen Lernvoraussetzungsforschung (2.3.2) an, die von den Autorinnen als bedeutsame Grundlage für einen adaptiven Unterricht hervorgehoben wird. Dabei zeigen die Autorinnen auf, dass sowohl qualitative als auch quantitative Studien spezifisches (Vor-)Wissen von Kindern zu politischen Fragen sowie konkrete (Des-)Interessen an denselben belegen können. Des Weiteren setzen sich die Autorinnen unter der Überschrift „Soziale segregierte Lernvoraussetzungen“ (2.3.3) mit Blick auf nationale wie internationale Forschungen bündig mit der Heterogenität von Wissen und Interessen zu politischen Fragen von Kindern auseinander. Als besonders bedeutsam für den produktiven Umgang mit etwaigen Unterschieden und als „Weg zur Erweiterung der Konzepte von Kindern“ heben die Autorinnen „verschiedene Anregungen für den Austausch untereinander“ (S. 29) in einer entsprechend vorbereiteten Lernumgebung hervor – eine Prämisse, die im Projekt „Miteinander lernen“ zu berücksichtigen versucht wurde, so die Autorinnen. Unter Punkt 2.4 stellen die Autorinnen lerntheoretische Grundlegungen von Peer-Education dar, wobei auch das Lernverständnis der Autorinnen bzw. das dem Projekt zugrundeliegende Lernverständnis deutlich werden. So werden u.a. Möglichkeiten der Lernanregung, des eigenaktiven weiterführenden Lernens von Kindern und der Lernentwicklung im Allgemeinen benannt. Der Stand der Forschung zu Peer-Education in der Grundschule (2.5) wird anhand von Ausführungen zur Entwicklung des altersgemischten Lernens (2.5.1), zu neueren Diskursen im Bereich altersgemischten Lernens (2.5.2), zu ersten empirischen Befunden zum Lernen in altersgemischten Klassen (2.5.3), zu sozialen Strukturen in altersgemischten Helfersystemen (2.5.4) und schließlich zu zentralen Spezifika altersgemischter Helfersysteme (2.5.5) dargestellt. Die ausführlichen (sich allerdings im Schwerpunkt auf die Grundschule und nicht gleichermaßen den Elementarbereich beziehenden) Darlegungen des Forschungsstandes zur Peer-Education werden unter Punkt 2.5.6 abschließend prägnant zusammengefasst, wobei die Autorinnen nochmals auf besondere Forschungslücken verweisen, welche grundlegend für das Projekt „Miteinander lernen“ und seine leitenden Ziel- und Fragestellungen waren.

Im dritten Abschnitt wird das Design der explorativen Peer-Education Studie „Miteinander lernen“ vorgestellt. Die Ausführungen sind dabei stets klar strukturiert, fokussiert und nachvollziehbar. Unter Punkt 3.1. werden das Ziel und der Gegenstand der Untersuchung beschrieben, wobei die Bedeutung des Vorgängerprojektes „Miteinander die Welt erkunden“ (vgl. Kaiser & Schomaker 2010, Schomaker & Kaiser 2010) hervorgehoben wird. Sich dem anschließend werden anhand der zehn Phasen des Projektes die Struktur sowie die sich aus je einer „in ländlicher Umgebung in unmittelbarer Nähe zu einer niedersächsischen Großstadt“ gelegenen Grundschule und Kita ergebende Stichprobe (N=10) der qualitativen Untersuchung prägnant beschrieben (3.2). Die Darstellung der Erhebungsmethodik (3.3) wird durch allgemeine Hinweise und Informationen (3.3.1) eingeleitet, die die erhobenen Daten und die zur Datenerhebung eingesetzten Instrumente bündig schildern. Dem folgen genauere Ausführungen zur Strukturierung der durchgeführten leitfadengestützten Interviews (3.3.2), mit deren Hilfe Daten zum Selbst- und Fähigkeitsselbstkonzept, zu inhaltlichen Vorstellungen der Kinder sowie zur Reflexion des Peer-Tutorings erhoben wurden. Für alle drei Themenblöcke der Interviews werden in tabellarischer Form Frageimpulse, Materialhinweise, Quellen und Erläuterungen angeführt, wodurch das Vorgehen transparent gemacht wird. Ferner werden allgemeine Herausforderungen und Prämissen in der Kindheitsforschung thematisiert. Unter Punkt 3.3.3 werden die grundlegende Konzeption des Unterrichts und der Peer-Tutoring-Phasen sowie zentrale Strukturierungselemente wie das Logbuch oder eine Rahmengeschichte veranschaulicht. Dem schließen sich die Beschreibung der grundlegenden Vorgehensweise, der Bedingungen sowie Variationen bei den durchgeführten Beobachtungen (3.3.4) sowie die Ausführungen zur Aufbereitung der erhobenen Daten (3.4), die „aus ca. 1.500 Seiten Transkripte, 20 Logbüchern, ca. 460 Fotos und 40 Beobachtungsbögen“ bestehen (S. 67), an. Die Auswertungsmethodik (3.5) wird dem nachfolgend erläutert. Dabei widmen die Autorinnen der Qualitativen Inhaltsanalyse (3.5.1) aufgrund ihrer ‚Prominenz‘ relativ wenig und der Methodik der Phänomenographischen Datenauswertung (3.5.2), die „im deutschsprachigen Raum bisher […] noch kaum verbreitet ist“ (S. 71), relativ viel Aufmerksamkeit. Es werden sowohl die zentralen Grundgedanken der Phänomenographie (3.5.2.1) als auch die Anwendung dieses Forschungsansatzes im Rahmen der Datenanalyse (3.5.2.2) dargestellt.

Im vierten Abschnitt werden auf insgesamt 64 Seiten die Ergebnisse des Projektes dargestellt und durch zahlreiche Abbildungen, Tabellen und Auszüge aus dem Datenmaterial veranschaulicht. Dabei werden sowohl die Kooperations- und Interaktionsmuster der Kinder (4.1) als auch die Erklärungsmuster (4.2) zu den Themenbereichen Gerechtigkeit/gerecht (4.2.1), Verteilungsgerechtigkeit (4.2.2) und Krieg und Frieden (4.2.3) dargestellt. Zudem werden vier exemplarische Bildungs- und Lerngeschichten, die im Projekt u.a. der Dokumentation der subjektiven Lern- und Entwicklungsprozesse dienten, abgedruckt.

Es folgt die Interpretation der Ergebnisse (5. Abschnitt) in fünf Schritten. Zunächst wird die Frage, ob politisch soziales-Lernen für Grundschulkinder möglich ist (5.1), eindeutig positiv beantwortet, womit die Autorinnen Ergebnisse bisheriger Studien zu diesem Themenfeld bestätigen. In diesem Zusammenhang setzen sich die Autorinnen erneut kritisch mit der „derzeit gängige[n] Praxis des Ausklammerns dieser Themenbereiche“ (S. 141) u.a. im Zusammenspiel mit der breiten Rezeption von Piagets Arbeiten zur kindlichen Denkentwicklung auseinander. Die empirischen Befunde des Projektes „Miteinander lernen“ belegen, „dass die Stufenlehre Piagets nicht mehr kompatibel mit dem tatsächlichen Denken von Kindern ist“ (S. 142). Weiterhin stellen die Autorinnen den grundlegenden Widerspruch zwischen der Nichtbeachtung der im Projekt herangezogenen Themenbereiche in der Praxis und der im Projekt empirisch belegten Relevanz derselben Themen für Kinder dar (5.2). Die Frage, ob Peer-Tutoring ein möglicher Ansatz für erfolgreiches, produktives Lernen bereits im Vorschulalter sein kann (5.3), beantworten die Autorinnen positiv. Dabei reflektieren sie gleichsam, dass sie „Vorteile gegenüber anderen Lernwegen […] aufgrund unserer Daten nicht belegen“ können (S. 144). Mit Blick auf die sozialen Lernprozesse beim Peer-Tutoring (5.4) betonen die Autorinnen die eindeutige Chance der Entwicklung von kooperativen Strukturen, Beziehungen und Bindungen zwischen den Lernenden. Zudem verweisen sie darauf, dass Peer-Tutoring „ein Weg [sein kann; T.S.], um die selektive Struktur unseres Bildungssystems etwas abzufedern“ (S. 149). Im letzten Schritt der Ergebnisinterpretation (5.5) gehen die Autorinnen im Vergleich zu den vorangegangenen Punkten ausführlicher auf ihre Befunde zu frühen politisch-sozialen Lernprozessen ein. Sie zeigen auf, dass sowohl Grundschul- als auch Kindergartenkinder ein immens breites Spektrum an komplexen Denkstrukturen zu politisch-sozialen Themen aufzeigen, „das zudem in früheren Altersstufen auftritt als in Piagets Studien“ (S. 151).

Im sechsten, zweiseitigen und bündigen Abschnitt (Zusammenfassung und Schlussfolgerungen) leiten die Autorinnen aus dem Gesamt ihrer Ausführungen und Darstellungen fünf Schlussfolgerungen ab, die die Ergebnisse und Botschaft der Publikation präzise auf den Punkt bringen: „1. Peer-Tutoring ist auch zwischen Grundschule und Vorschule praktikabel“, „2. Politisch-soziales Lernen in der frühen Kindheit [ist erforderlich und machbar; T.S.]“, „3. Kinder sind an zentralen Fragen der Welt [wie z.B. Krieg und Frieden oder Gerechtigkeit; T.S.] interessiert“, „4. Das Denken der Kinder ist differenzierter als gedacht“ und „5. Politisch-soziales Lernen erfolgt [am besten; T.S.] in dialektischer Auseinandersetzung mit [pädagogischen; T.S.] Anregungen“ (S. 156 f.). Die Autorinnen belegen mit ihren Ergebnissen, dass Kinder in ihren Fähigkeiten zum frühen politisch-sozialen Lernen zu oft unterschätzt oder wohlwollend überbehütet werden. Entgegen weit verbreiteter Annahmen und vor allem entgegen verbreiteter Modelle zur kindlichen Denkentwicklung können (und wollen) sich Kinder mit politisch-sozialen Themen auseinandersetzen und das auf einem hohen Reflexionsniveau. Das Peer-Tutoring kann, wie die Autorinnen zeigen, in diesem Kontext eine hilf- und erfolgreiche Lernform sein. Beides – Peer-Learning und politisch-soziales Lernen – bedarf allerdings der gezielten Vorbereitung und Rahmung.

Diskussion

Die vorliegende Publikation ist insgesamt sehr klar strukturiert sowie leicht verständlich und nachvollziehbar verfasst. Das Forschungsinteresse und die Ableitung zentraler Forschungsfragen sowie das Forschungsdesign, die die Autorinnen aus der von ihnen zusammengetragenen themenbezogenen Theorie und Empirie herbeiführen, werden präzise und zugänglich formuliert und aufbereitet. Das grundlegende Vorgehen im Projekt „Miteinander lernen“ wird durch diverse Exempel, wie zum Beispiel zum konkreten Einsatz der Erhebungsinstrumente und durch Auszüge aus den gewonnen Daten, transparent gemacht. Durch zahlreiche zielführende Veranschaulichungen und unterstützende Zusammenfassungen regen die Autorinnen die Nachvollziehbarkeit ihrer Ausführungen und ihres Vorgehens jederzeit an, wodurch sich die Publikation für einen breiten Adressatenkreis eignet. Denkbar wäre u.a. ein Einsatz in der Erzieher- und Lehreraus- und -weiterbildung. Die Autorinnen werden nicht müde immer wieder auf besondere Desiderate und zentrale Kritikpunkte zu verweisen und positionieren sich innerhalb der zentralen themenbezogenen Diskurse eindeutig. Die von ihnen zusammengetragenen Befunde sind unmissverständlich und zeichnen ein klares Bild kindlicher Potentiale bezüglich des Sachlernens im politisch-sozialen Bereich. Einziger Wermutstropfen der vorliegenden Publikation ist die tendenzielle Orientierung auf die Grundschule bzw. Grundschulkinder, die im Rahmen der Darlegung der theoretischen und empirischen Grundlagen der Studie „Miteinander lernen“ deutlich wird und sich durch das professionelle Profil der Autorinnen erklären lässt. Die präsentierte Studie ist eine rein qualitative Untersuchung und entzieht sich damit – ohne dadurch jedoch eine grundlegende Schmälerung zu erfahren – dem Trend von Mixed-Method-Designs innerhalb der empirischen Bildungsforschung.

Fazit

Mit der vorliegenden Publikationen gelingt den Autorinnen das Entwicklungspotential von Kindern im Bereich politisch-sozialen Lernens sowie die Fähigkeit erfolgreichen altersübergreifenden Peer-Learnings deutlich zu machen. Astrid Kaiser und Iris Lüschen zeigen auf, dass und warum politisch-soziales Lernen mit Kindern im Elementar- und Primarbereich mehr Berücksichtigung erfahren sollte und dass es per se keine Themen gibt, die Kindern prinzipiell vorenthalten werden sollten – vor allem nicht, wenn es sich um Themen handelt, für die sich Kinder interessieren und die in ihrer Lebenswelt präsent sind. Sie geben zudem konkrete Einblicke in die Praxis politisch-sozialen Lernens mit Kindern und damit Anregungen, sich diesem blinden Fleck des Lernens in der frühen Kindheit zuzuwenden.

Literatur

  • Kaiser, A. & Schomaker, C. (2010): Die Anfänge des Lernens in den Blick nehmen. Entwicklungsmöglichkeiten der Grundschulpädagogik mit Blick auf Elementarbereich. In: Arnold, K.-H., Hauenschild, K., Schmidt, B. & Ziegenmeyer, B. (Hrsg.): Zwischen Fachdidaktik und Stufendidaktik. Perspektiven für die Grundschulforschung. Wiesbaden: VS-Verlag für Sozialwissenschaften, 185-188.
  • Schomaker, C. & Kaiser, A. (2010): Weltwissen, Weltorientierung, Welterkundung? Zur Entwicklung und zum Stellenwert des Sachlernens im Übergang vom Elementar- in den Primarbereich. In: Giest, H. & Pech, D. (Hrsg.): Anschlussfähige Bildung aus der Perspektive des Sachunterrichts. Bad Heilbrunn: Klinkhardt, S. 91-98.

Rezensent
Toni Simon
Universität Paderborn, Kulturwissenschaftliche Fakultät - Erziehungswissenschaften
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Zitiervorschlag
Toni Simon. Rezension vom 26.11.2014 zu: Astrid Kaiser, Iris Lüschen: Das Miteinander lernen. Frühe politisch-soziale Bildungsprozesse ; eine empirische Untersuchung zum Sachlernen im Rahmen von Peer-Education zwischen Grundschule und Kindergarten. Schneider Verlag Hohengehren (Baltmannsweiler) 2014. ISBN 978-3-8340-1288-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/17104.php, Datum des Zugriffs 25.06.2016.


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