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Hartmut Kopf, Susan Müller u.a. (Hrsg.): Soziale Innovationen in Deutschland

Cover Hartmut Kopf, Susan Müller, Dominik Rüede, Kathrin Lurtz, Peter Russo (Hrsg.): Soziale Innovationen in Deutschland. Von der Idee zur gesellschaftlichen Wirkung. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (Wiesbaden) 2014. 310 Seiten. ISBN 978-3-658-02347-8. D: 34,99 EUR, A: 35,97 EUR, CH: 44,00 sFr.
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Thema

Obgleich eine Reihe von eminenten gesellschaftlichen Problemen mit herkömmlichen Mitteln und etablierten Methoden kaum bis nicht (mehr) einer befriedigenden Lösung zugeführt werden können, ist das Interesse an der Konzeption und Realisation von innovativen Ansätzen hierzulande tendenziell gering. Soziale Innovation und Social Entrepreneurship sind in Deutschland bislang eher ein Randthema in der Wissenschaft, im politisch-administratives System und in der Praxis geblieben.

Entstehungshintergrund

Hartmut Kopf, Susan Müller, Dominik Rüede, Kathrin Lurtz und Peter Russo möchten mit einem Sammelband das Potenzial sozialer Innovationen in Deutschland illustrieren. Anhand von 18 Vorhaben in den Bereichen Arbeitslosigkeit, Bildung, Ressourcenverbrauch, Zivilisationskrankheiten und Fachkräftemangel soll die Bandbreite an interessanten neuen Lösungen für drängende soziale Probleme aufgezeigt und die besondere innovative Funktion der jeweiligen Ansätze erläutert werden. Mit dieser Publikation ist die Hoffnung verbunden, dass der Themenkomplex einer breiteren Fachöffentlichkeit näher gebracht und der Mut zur Innovation gefördert wird. Der Band entstand im Kontext eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projektes.

Herausgeberkreis

  • Hartmut Kopf leitet das World Vision Center for Social Innovation der EBS Business School.
  • Susan Müller ist dort Projektleiterin,
  • Dominik Rüede und Kathrin Lurtz sind Doktoranden an diesem Zentrum.
  • Peter Russo ist Direktor des angeschlossenen Institute for Transformation in Business and Society (INIT).

Aufbau und Inhalte

Die Publikation enthält ein Vorwort und 25 Beiträge in fünf Hauptabschnitten.

Im Vorwort und im einleitenden Beitrag legen Hartmut Kopf, Susan Müller, Dominik Rüede, Kathrin Lurtz und Peter Russo wichtige Begriffsverständnisse sowie das Anliegen und den Aufbau des Buches dar.

Im ersten Hauptabschnitt „Herausforderung Bildungsgerechtigkeit“ erörtern die Herausgeber zunächst die Problematik von Bildungsgerechtigkeit in einer offenen Gesellschaft. Ein erster Beitrag aus der Praxis wird von Andrea Bartl geleistet, sie berichtet über Schülerstipendien für Jugendliche mit Migrationshintergrund durch die START-Stiftung. Daran anschließend schreibt Birte Heinrich über den „Lernort Familie“ und die Chancen des gemeinsamen Lernens im Rahmen der Impuls Deutschland gGmbH. Galina Gostrer beschließt diesen ersten Hauptabschnitt mit ihrem Bericht über den Ansatz von Chancenwerk e.V., im Mittelpunkt steht dabei „Studenten helfen Schülern, Schüler helfen Schülern – Lernen auf Augenhöhe“.

Der zweite Hauptabschnitt befasst sich mit der „Herausforderung Fachkräftemangel“. Nach einer Einführung der Herausgeber zu den Gefahren des Fachkräftemangels in Deutschland referiert Stephanie Franz einen Ansatz zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch abgestimmte Kinderbetreuung im Rahmen der „Kinderzentren Kunterbunt“. Das „Haus der Kleinen Forscher“ steht im Mittelpunkt des Beitrags von Peter Rösner, er berichtet über bessere Bildungschancen für Kinder im Bereich der Naturwissenschaften. Niki Sarantidou schreibt im Anschluss daran über Schulentwicklung und Begabungsförderung für starke MINT- Schulen, Karin Ressel beschließt diesen Teil mit ihrem Beitrag „Berufsparcous: Verbesserung der Berufschancen – mit allen Sinnen Berufe erfahren“.

Den dritten Hauptabschnitt „Herausforderung Langzeitarbeitslosigkeit“ führen die Herausgeber mit der These „Langzeitarbeitslosigkeit als Dauerproblem ist bekämpfbar“ ein. Einen ersten Praxisbericht gibt es von Frank Hoffmann zu „discovering hands©: Einfach sicher fühlen – der Tastsinn Blinder verbessert die medizinische Diagnostik“. Der anschließende Beitrag von Paul Cvilak und Nathalie Ball thematisiert gebrauchte IT-Hardware und neue Perspektiven für Unternehmen, Umwelt und Gesellschaft. Darüber hinaus schreibt Ulrike Garanin in diesem dritten Teil über „Social Franchise zur bundesweiten Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit“, der Bericht von Walter Häcker befasst sich mit einem Ansatz von myself e.V. und steht unter dem Motto „Von der Transfergesellschaft zur Selbsthilfeorganisation mit arbeitspolitischem Anspruch“.

Der vierte Hauptabschnitt „Herausforderung Zivilisationskrankheiten“ wird von dem Postulat der Herausgeber eingeleitet, dass soziale Innovationen Chancen zur Vermeidung und zum Umgang mit Zivilisationskrankheiten bieten. Der erste diesbezügliche Praxisbericht von Susanne Heinichen hat das Motto „Wir bringen Kinder in Schwung!“ und schildert den Ansatz der Kinderturnstiftung Baden-Württemberg. Unter der Überschrift „Irrsinnig Menschlich“ steht ein von Manuela Richter-Werling beschriebenes Projekt, welches sich dem Ziel „Seelisch fit in Schule und Ausbildung“ verschrieben hat. Florence Klement beschreibt im Anschluss daran das Vorhaben von „Kulina e.V.“ zur Ernährungsbildung in gesellschaftlichen Randgruppen. Den Abschluss dieses thematischen Komplexes bilden Birgit Eschenlohr mit „McMöhre: Schüler gründen Pausenladen für gesunde Ernährung“ und Claudia Sterrer-Pichler mit „Ilses weite Welt“, in diesem Beitrag geht es um Filme für Menschen mit Demenz.

Der fünfte und letzte Hauptabschnitt „Herausforderung Ressourcenverbrauch“ wird von den Herausgebern durch die Feststellung eingeführt, dass Ressourcenverbrauch auch eine Frage der Verhaltensänderung ist. Sebastian Sladeck illustriert die Praxis mit seinem Bericht zur „Energiewende in Bürgerhand“ im Rahmen der „Schönauer Stromrebellen“ und EWS Schönau. Unter dem Motto „Abfall abschaffen – Recyclingskreislauf anstatt Müllhalde“ berichtet Wolfram Schnelle dann noch über das Vorhaben „TerraCycle“, bevor die Herausgeber in ihrem Schlusswort der These „Was nicht zur Tat wird, hat keinen Wert“ folgen.

Diskussion

Dieser Band zeigt auf anschauliche Weise, dass soziale Innovationen in Deutschland möglich sind. Die von den Herausgebern herangezogenen Bereiche Arbeit, Bildung, Ressourcen, Gesundheit und Fachkräfte sind treffend, es sind in der Tat jene Sektoren, die innovative Ansätze gegenwärtig am dringendsten benötigen. Bei der Lektüre der Beiträge wird unter anderem deutlich, dass innovative Momente durchaus auch von kleineren Trägern und Initiativen ausgehen können. Die Berichte der Praktiker bzw. der für die jeweiligen Vorhaben Verantwortlichen zeugen durchgehend von einem hohen Engagement für das jeweilige Anliegen; sie sind konzeptionell inspirierend für potentiell innovative Sozialmanagerinnen und Sozialmanager. An vielen Stellen ist überdies erkennbar, dass es sich um Innovationen mit nachhaltigem Charakter handelt. Die Beiträge dürfen auch als eine Aufforderung an öffentliche Partner gelesen werden, dem Thema mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Es muss allerdings davon ausgegangen werden, dass noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten sein wird, um die im Sozial-, Bildungs-, Umweltschutz- und Arbeitssektor etablierten Strukturen der Verwaltung und Finanzierung aufzubrechen und den Fokus auf innovative Momente zu legen.

Fazit

Ein instruktiver und inspirierender Band über soziale Innovationen in Deutschland.


Rezensent
Prof. Dr. Harald Christa
Professor für Sozialmanagement an der Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit in Dresden mit Schwerpunkt Sozio-Marketing, Strategisches Management, Qualitätsmanagement/ fachliches Controlling.
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Zitiervorschlag
Harald Christa. Rezension vom 12.08.2014 zu: Hartmut Kopf, Susan Müller, Dominik Rüede, Kathrin Lurtz, Peter Russo (Hrsg.): Soziale Innovationen in Deutschland. Von der Idee zur gesellschaftlichen Wirkung. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (Wiesbaden) 2014. ISBN 978-3-658-02347-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/17197.php, Datum des Zugriffs 28.05.2016.


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